Suche:
corilon violins
corilon violins

Münchens Geigenbauer: Experimente und Innovationen

München gilt seit alten Tagen als eine Stadt der Kunst: Am Renaissance-Hof Herzog Albrechts V. wirkten berühmte Künstler wie Orlando di Lasso, und König Ludwig I. verwandelte die bayerische Hauptstadt mit seinen ambitionierten Bauprojekten in ein „Isar-Athen“. Als Ort des Geigenbaus ist München hingegen kaum bekannt und kann gewiss – trotz großer Namen wie Johann Paul Alletsee (1684-1733) oder Giuseppe Fiorini (1861-1934) – nicht die Bedeutung für sich beanspruchen, die etwa Füssen oder Mittenwald erlangt haben. Gleichwohl: Wie München für seine unkonventionelle und facettenreiche Kunst- und Kulturszene berühmt ist, so finden sich auch unter den Münchner Geigenbauern interessante Querköpfe.

Eigene Wege ging etwa Matthias Johann Kolditz in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der nach schlanken, für seine Zeit wenig gewölbten Modellen baute. Als technisch versierter Meister schuf er auffällige Nonkonformitäten, etwa eine Viola mit mehrfach geschweiften Zargen oder Instrumente mit schön geschnitzten Rosetten, die er, zusätzlich zu den F-Löchern, unter dem Griffbrett anbrachte. Einer der besten Münchner Geigenbauer des 19. Jahrhunderts war Andreas Engleder (1802-1872), ein gefragter Reparateur und Lehrer wichtiger Meister wie Johann Kriner (1834-1883), der der erste Leiter der Mittenwalder Geigenbauschule wurde. In seinem eigenen Werk unternahm Engleder interessante Versuche über neue Bauformen für Streichinstrumente, die besonders weit von den klassischen italienischen Vorbildern Stradivaris und Guarneris abwichen: er experimentierte mit birnenförmigen Geigenmodellen und baute, zeitgenössischen Anregungen folgend, auch Geigen in Gitarrenform.

Besonders innovative Ansätze verfolgt in unserer Zeit der Geigenbauer und Diplom-Physiker Martin Schleske. Wie der bekannte U.S.-amerikanische Forscher Joseph Nagyvary wagt er den Brückenschlag zwischen Handwerk und Naturwissenschaft und geht dem Geheimnis des Geigenklangs z. B. mit computergestützten Schwingungsanalysen auf den Grund. Um bessere Resonanzeigenschaften zu erreichen, hat er ein Verfahren zur Reduktion der Dichte von Tonhölzern durch den Pilz Xylaria longipes patentieren lassen. Querdenker wie Schleske und Nagyvary sind Provokateure einer traditionsbewussten, konservativen Zunft, deren große Meister gleichwohl immer auch große Beobachter und Naturforscher im Stillen waren. Dass die Gratwanderung zwischen Labor und Werkstatt gelingen und fruchtbar sein kann, belegen sowohl viele höchst respektable Instrumente aus den Händen forschender Geigenbauer als auch – in anderem Kontext – die Altersbestimmung durch Dendrochronologie, die sich als anerkannte Methode der Geigenbaugeschichte etabliert hat.

In unserem Online-Katalog finden Sie viele Geigen von Nonkonformisten, aus München und aller Welt ...