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            <title type="text">Dominique Peccatte und die Bogenmacherfamilie Peccatte</title>
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                                            Dominique Peccatte, François Peccatte und Charles Peccatte – Geschichte und Bedeutung der großen französischen Bogenbauerfamilie Peccatte, Bogenbauer Paris und Mirecourt
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                 Die Bogenmacherfamilie Peccatte wirkte von den 1830er Jahren bis 1918 und prägte den französischen Streichbogenbau mit Arbeiten, die stilprägend wirkten und bis heute unter Musikern und Sammlern äußerst gefragt sind. Angesichts ihrer Bedeutung für die Geschichte des Kunsthandwerks und der Musik erstaunt, dass die Peccattes – im Unterschied zu anderen, vergleichbar einflussreichen Bogenbauerdynastien wie z. B. die Familie  Knopf  im sächsischen Markneukirchen – keine weit verzweigten Familien- und Lehrer-Schüler-Beziehungen aufbauten. Stattdessen ruht ihr gesamtes Gewicht auf dem Werk von nur 3 Meistern – Dominique Peccatte, sein Bruder François Peccatte und dessen Sohn Charles Peccatte – von denen François zudem verstarb, bevor er zu voller Blüte gelangen konnte. 
 Dominique Peccatte und die Bogenbauerfamilie Peccatte: Überblick 
 
  Dominique Peccatte  
  Der frühe Dominique Peccatte  
  Dominique Peccatte zwischen Paris und Mirecourt  
  Werk und Wirkung von Dominique Peccatte  
  François Peccatte  
  Charles Peccatte  
  Charles Peccatte – frühe Einflüsse  
  „Peccatte à Paris“  
  Charles Peccatte und Eugène Sartory  
 
 &amp;nbsp; 
 Dominique Peccatte (1810–1874) 
 Der frühe Dominique Peccatte bei J. B. Vuillaume 
 Dominique Peccatte (1810–1874) wurde in der Geigenbaustadt  Mirecourt  geboren, begann sein Berufsleben aber zunächst als Friseur- und Perückenmacherlehrling, worin er nach alter Sitte seinem Vater folgte. Da die Familie gut etabliert und durchaus wohlhabend war, ist nicht ohne weiteres nachzuvollziehen, warum der junge Dominique Peccatte den vorgezeichneten Weg offenbar noch während seiner Ausbildung wieder verließ; dass er damit aber die richtige Entscheidung getroffen hatte, bewies die Empfehlung, die Nicolas Vuillaume 1826 an seinen Bruder  Jean-Baptiste Vuillaume  gab, und so dem jungen Talent die Tür zu Vuillaumes aufstrebender Pariser Werkstatt öffnete. 
 Bei Jean-Baptiste Vuillaume wandte sich Dominique Peccatte unter der Leitung von Jean Pierre Marie Persoit (ca. 1783 – ca. 1854) dem Bogenbau zu und fand in diesem inspirierenden Umfeld ausgezeichnete Entwicklungsmöglichkeiten. Zehn Jahre lang blieb er bei Vuillaume, dessen Wertschätzung für Peccatte unter anderem dadurch belegt ist, dass er ihn 1830 vom drohenden Wehrdienst freikaufte. 
 Dominique Peccatte zwischen Paris und Mirecourt 
 1836 wechselte Dominique Peccatte zu François Lupot, wohl bereits mit der Perspektive, die Werkstatt des älter gewordenen Meisters einmal zu übernehmen, wozu es nach Lupots Tod im Jahr 1838 auch kam. Als erfahrener, reifer Meister auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit baute sich Dominique Peccatte rasch einen hervorragenden Ruf auf, sowohl unter Musikern als auch bei bedeutenden Pariser Geigenbauern; auch sein Entdecker J. B. Vuillaume gehörte zu seinen Kunden. 
 Das eigene Atelier bildete auch den Rahmen für eine Wiederbegegnung mit seinem Bruder François Peccatte, der zwischen 1841 und 1843 bei Dominiques arbeitete. François war, dem Vorbild des erfolgreichen Dominique folgend, ebenfalls Bogenmacher geworden; nun konnte er seine Kenntnisse bei ihm reifen lassen, womit die Peccattes offenkundig den Grundstein für eine berufliche Partnerschaft legten, die sich Jahre später noch intensivieren sollte. Die Koinzidenz mit dem Tod ihres Vaters lädt zu Spekulationen über Grund und Anlass dieses langen Arbeitsaufenthalts ein; sicher ist aber, dass die Brüder in diesen Jahren intensiv zusammengearbeitet haben, was mehrere Bögen mit einer Stange von der Hand des einen und dem Frosch des anderen dokumentieren. 
 1843 kehrte François nach Mirecourt zurück, 1847 folgte ihm nunmehr Dominique, nachdem er seine Pariser Werkstatt an seinen langjährigen Mitarbeiter Pierre Simon verkauft hatte. Sein Vermögen und seine nach wie vor gut gehenden Geschäfte ermöglichen es Dominique Peccatte, sich vermehrt dem Weinanbau und anderen Tätigkeiten zu widmen, ohne den Bogenbau bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1872 ganz aufzugeben, zwei Jahre vor seinem Tod am 13. Januar 1874. 
 Werk und Wirkung von Dominique Peccatte 
 Zu den bedeutenden Einflüssen auf das Werk von Dominique Peccatte gehört fraglos und an erster Stelle sein Lehrer Jean Pierre Marie Persoit, in dessen Arbeit sich die zu jener Zeit dominierende Tradition von François Xavier Tourte mit dem Stil von François Lupot verband. 
 Mit der Eröffnung seiner eigenen Werkstatt wird der persönliche Stil Peccattes sichtbar und gewinnt ab den 1840er Jahren rasch zunehmenden Einfluss auf den französischen Streichbogenbau. Über die oft genannte charakteristische Form des beilartigen Kopfes hinaus zeichnen sich seine Arbeiten durch Details wie die tief geschnittenen Froschmäuler oder elegant nach vorn zulaufende Beinchen aus, aber auch durch einen leicht dreieckigen, nach unten verbreiterten Querschnitt seiner an sich runden Stangen – die dadurch an seitlicher Stabilität gewinnen. 
 Unmittelbare Wirkung entfaltete Dominique Peccatte auf das Werk seines Bruders François Peccatte, auf seinen Schüler Joseph Henry (1823–1870) und seinen Mitarbeiter und Nachfolger Pierre Simon (1808–1881). Sein Neffe Charles Peccatte sollte erst in späteren Jahren stilistische Anlehnungen am Werk seines Onkels und seines Vaters François Peccatte suchen – wodurch die familiäre Tradition der Peccattes noch gedrängter erscheint, als sie ohnehin schon ist. 
 François Peccatte (1821–1855) 
 François Peccatte war der 11 Jahre jüngere Bruder von Dominique Peccatte und es bedarf keiner großen Spekulation, dass seine Entscheidung für eine Bogenmacherlehre vom guten Beispiel seines Bruders beeinflusst gewesen sein dürfte. Auch in seiner Orientierung auf Paris folgte er Dominique und versuchte wohl schon vor 1840, dort Fuß zu fassen. In welchen Werkstätten er seine Laufbahn auch begonnen haben mag, war die gemeinsame Zeit mit seinem Bruder zwischen 1841 und 1843 doch jene Reifephase, die aus François Peccatte den herausragenden Meister gemacht hat, der er war – oder der er hätte werden können. 
 Vielversprechend war der Anfang mit seiner eigenen Werkstatt, nachdem er nach Mirecourt zurückgekehrt war: Fast von Anfang an konnte er mehrere Mitarbeiter beschäftigen und nutzte offenbar geschickt den Preisvorteil aus, den ihm das Mirecourter Lohnniveau gegenüber der Konkurrenz aus Paris verschaffte. Auch die Tatsache, dass er sein Atelier nach der Rückkehr von Dominique Peccatte nach Mirecourt im Jahr 1847 unabhängig von ihm weiterführte, spricht für eine stabile Existenz – offenbar bestand keine Notwendigkeit, sich mit dem zu Wohlstand gekommenen, bestens eingeführten Bruder zusammenzutun. Gelegentliche Kooperationen sind gleichwohl bekannt und sprechen dafür, dass bei dieser Entscheidung kein familiäres Zerwürfnis im Hintergrund stand. 
 In den Jahren 1852 und 1853 wandte sich François Peccatte noch einmal vorübergehend Paris zu – ohne seine Mirecourter Geschäfte aufzugeben – und arbeitete aus unbekannten Gründen für J. B. Vuillaume. 
 Am 30. Oktober 1855 beendete sein vorzeitiger Tod in Mirecourt eine Laufbahn, die sowohl in geschäftlicher als auch in künstlerischer Perspektive nach wie vor sehr aussichtsreich war. Der relativ große Altersunterschied der beiden Peccatte-Brüder hätte Gelegenheiten geboten, ihre Positionierung auf dem Markt feiner französischer Geigenbögen neu auszutarieren; das große Talent von François Peccatte versprach interessante Weiterentwicklungen des familiären Stils, der möglicherweise eine noch größere Wirkung entfaltet hätte, wäre François die Ausbildung guter Schüler und Nachfolger möglich gewesen. 
 Charles Peccatte (1850–1918) 
 Charles Peccatte – frühe Einflüsse 
 Charles Peccatte (1850–1918) wurde als Sohn von François Peccatte und Neffe von Dominique Peccatte in Mirecourt geboren und wandte sich nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 1862 ebenfalls dem Bogenbau zu. Nach der Lehre bei seinem Stiefvater Auguste Lenoble (1828–1895) wechselte er 1865 zu J. B. Vuillaume, auch hier dem familiären Vorbild folgend und gewiss unterstützt durch die Verbindung, die François und Dominique zu Vuillaume aufgebaut und stets am Leben erhalten hatten. 
 Bei Vuillaume arbeitete Charles Peccatte unter  François Nicolas Voirin  (1833–1885). Obwohl das Erbe der beiden älteren Peccattes im französischen Bogenbau und insbesondere bei Vuillaume nach wie vor lebendig war, sollte Charles doch weniger durch die – ebenso kurze wie mächtige – familiäre Tradition geprägt werden als durch Voirin, der in dieser Zeit die kreativ treibende und definierende Kraft für den Bogenbau im Hause Vuillaume war. 
 „Peccatte à Paris“ 
 1870 verließ Charles Peccatte die Vuillaume-Werkstatt und versuchte, sich selbständig zu machen – ein Vorhaben, das aus unbekannten Gründen nur stockend gelang. Der Brandstempel „PECCATTE A PARIS“, den er in dieser Zeit zum ersten Mal verwendete, sollte rasch wieder für viele Jahre unsichtbar werden. 1874 trat er zunächst wieder in die Werkstatt von Auguste Lenoble ein und arbeitete bis ca. 1880 halbtags als Beamter, um den Lebensunterhalt seiner Familie bestreiten zu können. 
 Mit einem Umzug in die Nähe der Pariser Oper verbesserte sich die Lage nach und nach; die Arbeiten von Charles Peccatte gewannen nun die Anerkennung, die sein großer Name erwarten ließ, dokumentiert durch eine Silbermedaille in Antwerpen 1885 und eine weitere 1899 in Paris. Ab 1900 konnte er die eingehenden Bestellungen nicht mehr allein bewältigen und ließ sich von zum Teil namhaften Kollegen zuarbeiten. 
 Aber auch seine persönliche Kunst befand sich in dieser Zeit auf ihrem Höhepunkt und der Stempel „PECCATTE A PARIS“ gewann fast 30 Jahre nach seiner ersten Verwendung eine neue Daseinsberechtigung – und eine neue Bedeutung: als Kennzeichen der Werkstattbögen aus dem Hause Charles Peccatte. Diese erfolgreiche Periode höchster Schaffenskraft währte bis 1910, es ist jedoch wahrscheinlich, dass Peccatte bis zu seinem Tod am 22. Oktober 1918 gearbeitet hat. 
 Charles Peccatte und Eugène Sartory 
 Unter den Assistenten, die Charles Peccatte in seiner erfolgreichsten Werkphase beschäftigte, war auch  Eugène Sartory  (1871–1946), dessen frühe Arbeiten von seinem Auftraggeber stark beeinflusst wurden und als bedeutendste Lehrer-Schüler-Beziehung von Charles Peccatte gewertet werden können. Da sich das Werk Peccattes in dieser Zeit durch eine gewisse Rückbesinnung auf das künstlerische Erbe seines Vaters und seines Onkels auszeichnete – erkennbar etwa in einer etwas stärkeren Ausführung der Bögen gegenüber dem einflussreichen, schlankeren Modell von Lamy –, erscheint es nicht ganz unbereichtigt, eine zarte Traditionslinie von Dominique und François Peccatte über Charles Peccatte zu Eugène Sartory zu ziehen. 
 Originally published by Corilon violins. 
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            <title type="text">Die Markneukirchener Bogenmacherfamilie Knopf</title>
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                                            Die Markneukirchener Bogenmacher der Familie Knopf – historischer Überblick und Notizen zu Leben und Werk ihrer wichtigsten Meister
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                 Die Markneukirchener Bogenmacher der Familie Knopf: ein historischer Überblick und Notizen zu Leben und Werk ihrer wichtigsten Meister. 
  Die Knopf Bogenbauer  
 
  Christian Wilhelm Knopf (1767–1837)  
  Die Ursprünge der Familie Knopf  
  Christian Wilhelm Knopf als Bogenmacher  
  Die zweite Generation der Bogenmacherfamilie Knopf  
  Hervorragende Meister der dritten Knopf-Generation  
  Johann Wilhelm Knopf (1835–1915)  
  Carl Heinrich Knopf (1839–1875)  
  Heinrich „Henry“ Richard Knopf und die vierte Generation der Knopf-Familie  
  Nebenlinien: Weitere Mitglieder der Knopf-Dynastie  
  Die „Herrmann-Knopf-Dynastie“ – ein genealogischer Nachtrag  
 
 Christian Wilhelm Knopf (1767–1837) 
 Im Jahr 1767, in dem Christian Wilhelm Knopf – der Stammvater der einflussreichen Bogenmacher-Dynastie Knopf – geboren wurde, befand sich die Region um seine Heimtstadt  Markneukirchen  bereits mitten in jenem historischen Aufschwung, der den beschaulichen böhmisch-sächsischen „Musikwinkel“ in ein globales Zentrum des Musikinstrumentenbaus transformieren sollte. Diese Entwicklung prägt auch die Biographie Knopfs, und sie schlägt sich nieder in manchem Umweg, den diese große Persönlichkeit des deutschen Kunsthandwerks nehmen musste, bis er zu seiner Berufung als Bogenmacher gelangte.&amp;nbsp;     Die Ursprünge der Familie Knopf  
 Dabei war seine Familie zu dieser Zeit schon seit mindestens einer Generation von der ökonomischen Anziehungskraft der neu erblühenden Handwerke und der mit ihnen verbundenen Geschäftsmöglichkeiten erfasst worden: Während die Vorfahren Knopfs überwiegend im Schneiderhandwerk tätig waren (und es ist durchaus möglich, dass der Familienname eine länger bestehende Verbindung seiner Vorfahren mit diesem Berufsfeld widerspiegelt), hatte sich die Familie um die Mitte des 18. Jahrhunderts bereits dem Geigenhandel und der Saitenmacherei zugewandt, mit der auch der junge Christian Wilhelm Knopf einen Teil seines Lebensunterhaltes bestritt. Dass solche Zulieferertätigkeiten nicht über die Maßen einträglich waren, belegt jedoch eindrucksvoll sein zweiter Beruf als Soldat (Musketier), den er noch zu seiner Hochzeit im Jahr 1791 ausübte. Auch das unrühmliche Ende seines Vaters Johann Gottlob Knopf (1732–1786) gewährt einen Blick in die sozialen Verhältnisse der Knopfs in dieser Zeit: Nachdem er auf dem Heimweg aus dem „Bierhauße“ betrunken zu Tode gestürzt war, notiert das Totenbuch, dass er „zeither kein gutes Leben geführt“ habe – ein vieldeutiges Wort, das die Schatten über den Anfängen dieser glanzvollen Familiengeschichte markiert. 
 Christian Wilhelm Knopf als Bogenmacher 
 Ob Christian Wilhelm Knopf über seinen Vater zum Bogenmacherhandwerk kam, ist nicht bekannt; zwar gibt es Hinweise, dass auch er sich schon mit dem Bau von Streichbögen befasst hatte, es sind aber keine Arbeiten von seiner Hand überliefert und es ist fraglich, ob er seinen Sohn in dieser Kunst hätte ausbilden können. So bleibt auch im Dunkel der Geschichte, bei wem Christian Wilhelm Knopf in die Lehre gegangen ist und welche Einflüsse er damit aufgenommen hat – eine bedauerliche Lücke angesichts der großen Bedeutung seines Werks für den deutschen und den europäischen Bogenbau. Anhand seiner Arbeiten lässt sich aber erkennen, dass sein Werk von  John Dodd  (1752–1839) und noch mehr von  François Xavier Tourte  (1747–1835) inspiriert wurde; Vorbilder, zu denen er wohl dank seines ausgeprägten Talents rasch aufschloss. Von Zeitgenossen als „deutscher Tourte“ gefeiert, hat  Christian Wilhelm Knopf  tatsächlich die Geschichte des Bogenbaus nachhaltig beeinflusst: durch Innovationen wie die Froschbahn aus Metall, durch Verbesserungen der Schraube, durch seine bis heute äußerst gefragten Arbeiten – und durch die Inspiration und das Wissen, das er an die Nachwelt weitergab, nicht zuletzt durch seine vier Söhne, die alle sein handwerkliches Erbe antraten. 
 Die zweite Generation der Bogenmacherfamilie Knopf 
 Christian Wilhelm Knopf jun. (1799–1835), Karl Wilhelm Knopf (1803–1860), Christian Friedrich Wilhelm Knopf I. (1808–1874) und sein gleichnamiger jüngerer Bruder Christian Friedrich Wilhelm Knopf II. (1815–1897) bauten das von ihrem Vater etablierte Geschäft aus und erwarben sich einen guten Ruf mit ihren weiterhin entscheidend von Tourte inspirierten Arbeiten, die dem sich ausdifferenzierenden sächsischen Musikinstrumentenbau eine neue, wichtige Branche hinzufügten. Der Streichbogenbau, dem in Markneukirchen noch 1790 die Gründung einer eigenen Innung verwehrt geblieben war, stieg nicht zuletzt durch ihr Wirken zu einem anerkannten Handwerk auf, dessen beste Meister international beachtete Akzente setzen konnten. 
   Stammbaum der Bogenmacher Familie Knopf Markneukirchen 
 Hervorragende Meister der dritten Knopf-Generation 
 Johann Wilhelm Knopf (1835–1915) 
 Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Knopf-Familie das Schneider-Handwerk, die Saitenmacherei und die Not früherer Zeiten längst hinter sich gelassen. Ausgebildet von der Vätergeneration reiften in ihren gut eingeführten Werkstätten Nachfolger heran, die neue künstlerische und geschäftliche Standards zu setzen versprachen. So genoss Johann Wilhelm Knopf, ein Sohn von Karl Wilhelm Knopf, einen ausgezeichneten Ruf, der den Namen seines Großvaters beinahe überstrahlte. Nach der Eröffnung seiner Werkstatt in Dresden 1884 setzte er Marksteine des deutschen Streichbogenbaus, die den Brandstempel „W. KNOPF DRESDEN“ tragen. 
 Carl Heinrich Knopf (1839–1875) 
 Einen weiteren Höhepunkt erreichte die familiäre Bogenbautradition der Knopfs im Werk von Carl Heinrich Knopf, ein weiterer Sohn von Karl Wilhelm Knopf, der wie sein Bruder Johann Wilhelm bei seinem Onkel Christian Friedrich Wilhelm Knopf II. ausgebildet worden war. Sein Wanderjahre führten ihn zu keinem Geringeren als  Ludwig Bausch  in Leipzig, von wo er 1859 nach Markneukirchen zurückkehrte. 1860 übernahm er nach dem Tod seines Vaters die Leitung der Knopf-Werkstatt, die in dieser Zeit namhafte Kunden belieferte, darunter Richard Weichold in Dresden, Ludwig Bausch &amp;amp; Sohn in Leipzig, ja sogar Charles Bruno in New York und Nikolai Kittel in Sankt Petersburg. 
 Mehrere Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben bestätigten den exzellenten Ruf Carl Heinrich Knopfs, der längst als einer der besten Meister seiner Kunst galt und der Musikwelt Arbeiten hinterlassen hat, die mit ihren musikalischen Eigenschaften und ihrer prachtvollen Ausstattung bis in unsere Zeit ihresgleichen suchen. 1868 verlegte er seine Werkstatt nach Dresden und kurz darauf nach Berlin, wo er bis zu seinem frühen Tod im Alter von fast 36 Jahren arbeitete. Neben einer großen Zahl feinster Streichbögen sind auch ca. 30 Geigen von seiner Hand überliefert. 
 Heinrich „Henry“ Richard Knopf und die vierte Generation der Knopf-Familie 
 Die Söhne von Carl Heinrich Knopf – Albert Knopf (1863–1884) und Heinrich „Henry“ Richard Knopf (1860–1939) – blieben nach dem Tod ihres Vaters nicht in Deutschland und zogen in die USA. Beide waren talentierte Handwerker, die sich sowohl dem Bogen- als auch dem Geigenbau zuwandten. Hervorragend ausgebildet – zunächst nach familiärer Sitte bei ihrem Vater und seinen Brüdern, worauf Henry seine Kunst bei Otto Bausch in Leipzig und G. Christian Adam, dem Berliner Lehrer Oswald Möckels, vervollkommnete – zogen beide nach 1880 New York, wo Adam jedoch bereits vier Jahre später an Tuberkulose starb. Heinrich „Henry“ Richard Knopf wurde einer der ersten Geigenbauer überhaupt in New York City und etablierte sich überaus erfolgreich im Umfeld des Orchesters der Metropolitan Opera. Von seiner höchst produktiven Hand sind ca. 450 Streichinstrumente und ca. 1.000 Bögen überliefert, von denen letztere den Brandstempel „H. R. KNOPF.NEW YORK“ tragen. Seine späteren Arbeiten im Bogenbau lassen den starken Einfluss von  Eugène Sartory  erkennen, dessen erster Repräsentant in den USA er wurde, und waren unter bedeutenden Solisten seiner Zeit höchst gefragt. 
 Mit der Great Depression verschlechterten sich selbst für ein so bekanntes Atelier die Geschäftsbedingungen derart, dass sich Heinrich „Henry“ Richard Knopf im Jahr 1929 entschloss, die Geschichte der Bogenmacherfamilie Knopf nach mehr als 100 Jahren zu beenden. Er verkaufte seine Werkstatt an  Rembert Wurlitzer ; seine beiden Söhne ergriffen andere Berufe. 
 Nebenlinien: Weitere Mitglieder der Knopf-Dynastie 
 Wie Albert und Heinrich „Henry“ Knopf durchliefen weitere Mitglieder der vierten Knopf-Generation und anderer Familienzweige ihre Ausbildung in den familiären Werkstätten ihrer Väter und Onkel, wo sie sich zu erfolgreichen Meistern sowohl im Geigen- als auch im Bogenbau entwickelten: 
 
 Christian Wilhelm Knopf (1856–1882) war Bogenmacher; der Sohn von Christian Friedrich Wilhelm Knopf II erlitt ein tragisches Schicksal und verbrachte sein Leben großteils in einer Einrichtung für psychisch Kranke. 
 August Ferdinand Muck (1866–1937), ein Sohn von Christian Friedrich Wilhelm Knopf II, erlernte den Bogenbau bei dem gleichnamigen Bruder seines Vaters. 
 August Moritz Knopf (1857–1899) stammt aus einem anderen Zweig der Familie, der auf Johann Georg Knopf jun. (1767–1829), einen Bruder von Christian Wilhelm Knopf zurückgeht. Er gehört zu den bedeutenden Mitgliedern der Familie, arbeitete in Dresden für Richard Weichold, für Louis Lowenthal and für Julius H. Zimmermann in Moskau. 
 
 Die „Herrmann-Knopf-Dynastie“ – ein genealogischer Nachtrag 
 Obwohl mit der Geschäftsaufgabe von Heinrich „Henry“ Richard Knopf die Geschichte der Knopf-Dynastie im Jahr 1929 endet, gibt es dennoch eine Verbindung dieses bedeutenden Kapitels der Musikgeschichte in die Gegenwart. Durch die Heirat von Carolina Wilhelmine Knopf (1832–1917) mit Christian Friedrich Herrmann (1819–96) entstand eine Verbindung dieser beiden großen  Markneukirchener Bogenmacherfamilien  – deren Erbe in der Werkstatt von Michael Mönnig, einem Ur-Ur-Enkel des Paares, und seines Sohnes Thomas Mönning bis heute fortlebt. 
 Originally published by Corilon violins. 
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            <title type="text">Lorenzo Storioni: Der letzte große Cremoneser</title>
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                                            Lorenzo Storioni, einer der letzten großen Cremoneser Meister, schuf einzigartige Instrumente, die heute noch wegen ihres reichen Klangs und bleibenden Einflusses geschätzt werden.
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                  Lorenzo Storioni, einer der letzten großen Geigenbauer Cremonas, fertigte Instrumente an, die auch heute noch hoch geschätzt werden. Erfahren Sie mehr über seinen unverwechselbaren künstlerischen Ansatz, seinen nachhaltigen Einfluss und warum Lorenzo Storioni Geigen bei Musikern und Sammlern nach wie vor gefragt sind.  
  Lorenzo Storioni (1744–1816),&amp;nbsp; italienischer Geigenbauer, war einer der letzten großen Geigenbauer der Cremoneser Schule, die auf das goldene Zeitalter legendärer Handwerker wie  Antonio Stradivari  und Giuseppe Guarneri folgte. Lorenzo Storioni, der in Cremona geboren und aufgewachsen ist, gilt aufgrund seines unverwechselbaren Ansatzes und seiner innovativen Techniken als Schlüsselfigur in der Welt des Geigenbaus.&amp;nbsp; 
    Lorenzo Storionis einzigartiger Stil  
 Storionis Geigen sind für ihre kühne Handwerkskunst und ihr im Vergleich zu seinen Vorgängern leicht unkonventionelles Design bekannt. Er verfolgte einen experimentelleren Ansatz und wich oft von den polierten, makellosen Standards der früheren Cremoneser Meister ab. Seine Instrumente haben einen unverwechselbaren Charakter mit leicht asymmetrischen Merkmalen, die ihnen ein robusteres und individuelleres Aussehen verleihen. Dies machte seine Geigen zu etwas Besonderem und trug zu ihrer anhaltenden Beliebtheit bei Musikern und Sammlern gleichermaßen bei. 
 Lorenzo Storioni arbeitete oft mit Holz aus der Region und verwendete Fichte für die Deckenplatte und Ahorn für den Boden und die Zargen. Seine Geigen sind für ihren vollen, warmen Klang bekannt, der auf seine präzise Lackiertechnik und seine Fähigkeit zurückzuführen ist, das Holz so zu bearbeiten, dass die akustische Resonanz verstärkt wird. Storionis Werk ist auch an seinem dicken, dunklen Lack zu erkennen, der oft eine rötlich-braune oder goldene Farbe hat und sowohl ästhetischen Reiz als auch funktionalen Schutz bietet. 
  Lorenzo Storionis Einfluss auf moderne Geigenbauer  
 Obwohl Lorenzo Storioni manchmal als letztes Glied in der Kette des Geigenbaus in Cremona angesehen wird, wirkt sein Einfluss auch weiterhin in der modernen Geigenbaukunst nach. Seine Bereitschaft, zu experimentieren und mit Traditionen zu brechen, inspirierte zukünftige Generationen von Geigenbauern dazu, innovativ zu sein und ihren eigenen Stil zu entwickeln, wobei sie die grundlegenden Prinzipien des Klangs und der Konstruktion respektierten. 
  Warum Storionis Geigen immer noch gefragt sind  
 Obwohl sie vor über zwei Jahrhunderten geschaffen wurden, werden Storionis Geigen von professionellen Musikern und Sammlern immer noch hoch geschätzt. Seine Instrumente, die im Vergleich zu anderen Cremoneser Geigenbauern weniger zahlreich sind, sind für ihre Klangqualität und einzigartige Ästhetik bekannt. Heute befinden sich Lorenzo Storionis Geigen in den Händen von Elite-Künstlern und werden häufig auf renommierten Auktionen zu hohen Preisen versteigert.&amp;nbsp;    
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 Wichtige Fakten über Lorenzo Storioni:&amp;nbsp; 
 
 Lorenzo Storioni (1744–1816) war ein bekannter Geigenbauer in Cremona. 
 Seine Geigen sind für ihre kühnen, experimentellen Designs und ihren vollen Klang bekannt. 
 Storionis Instrumente werden von Musikern und Sammlern nach wie vor hoch geschätzt. 
 Lorenzo Storionis Lack ist ein Zeugnis für die anhaltende Schönheit des italienischen Geigenbaus. 
 
 &amp;nbsp; 
 Lorenzo Storioni mag nicht so berühmt sein wie Stradivari oder Guarneri, aber seine Beiträge zur Kunst des Geigenbaus sind nach wie vor von unschätzbarem Wert. Sein unverwechselbarer Stil, seine innovativen Techniken und sein nachhaltiger Einfluss machen ihn zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Streichinstrumentenbaus.&amp;nbsp; 
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            <title type="text">Die Familie Gagliano und der Geigenbau in Neapel</title>
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                                            Gagliano – kurz gefasste Geschichte der neapolitanischen Geigenbauer-Familie und des Lebenswerks von Alessandro Gagliano, Nicolò Gagliano und Gennaro Gagliano
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                  Die Geigenbauerfamilie Gagliano nimmt eine besondere Stellung in der Geschichte ihres Handwerks ein: Dank der hochstehenden Kunst und der innovativen Kraft der Meister aus ihren Reihen, dank der ungewöhnlich langen Kontinuität ihrer Familientradition – und dank vieler exzellenter Klanginstrumente, die den Begriff der italienischen Geige mit definiert haben und in den Händen erstklassiger Solisten auch die Musikwelt unserer Tage bereichern.  
 Die Geigenbauerfamilie Gagliano: Übersicht 
 
  Alessandro Gagliano – Stammvater der Familie und Gründer des Geigenbaus in Neapel  
  Nicolò Gagliano (Nicolo I) und das Erbe Stradivaris  
  Gennaro Gagliano – der Bruder  
  Ferdinando, Antonio und Giuseppe Gagliano – die dritte Generation  
  Giovanni Gagliano (Giovanni I) „der Neffe“ und die 4. Generation der Geigenbauerfamilie Gagliano  
 
 Alessandro Gagliano – Stammvater der Familie und Gründer des Geigenbaus in Neapel 
 Alessandro Gagliano ist der Stammvater der Geigenbauerdynastie Gagliano und gilt als der Begründer des Geigenbaus in seiner Heimatstadt Neapel. Wie bei vielen großen Persönlichkeiten der Geigenbaugeschichte ranken sich um ihn und die Ursprünge seiner Kunst zahlreiche Legenden. So überliefert der russische Fürst, Diplomat und Kunstsammler Nikolai Borissowitsch Jussupow – der übrigens zum erlesenen Besitzerkreis der berühmten „Ex-Lipiński“-Violine von  Guarneri del Gesù  gehört – die unterhaltsame Geschichte über ein gewonnenes Duell, nach dem sich der junge Alessandro in den Wäldern Norditaliens verstecken musste und sich dort die Zeit mit ersten Versuchen im Instrumentenbau vertrieb – um schließlich zu keinem geringeren als Antonio Stradivari in Cremona in die Lehre zu gehen. Während diese Fluchtgeschichte nie besonders ernst genommen wurde, hielt sich in der Literatur doch recht lange die Annahme einer Ausbildung bei  Antonio Stradivari  – gestützt von Alessandro Gaglianos Zetteln, auf denen er sich stolz als „Alumnus Stradivarius“ bezeichnet. Angesichts der Eigenständigkeit seines Geigenmodells und seiner Arbeitsweise wird diese Ansicht aber heute nicht mehr vertreten. 
 Wie viele andere Details über die Biographien der Gaglianos, deren Lebensdaten bis vor vergleichsweise kurzer Zeit weitgehend unerforscht waren, bleibt so auch einstweilen offen, bei wem Alessandro Gagliano sein Handwerk erlernt hat. Möglicherweise waren es Füssener Meister wie Jacob Diefenbrunner oder Christoph Railich, die als Lautenmacher in Neapel tätig waren und insofern als Vorgänger und Lehrer von Alessandro Gagliano in Frage kämen – Belege für solche Vermutungen sind jedoch nicht bekannt. 
 Nicolò Gagliano (Nicolo I) und das Erbe Stradivaris 
  Nicolò Gagliano  (Nicolaus Gagliano) gilt als der bedeutendste Geigenbauer seiner Familie, wenn ihm auch sein Bruder Gennaro und sein Sohn Giuseppe als Meister von historischem, stilprägendem Rang kaum nachstehen. Im Unterschied zu seinem Vater und Lehrer Alessandro, dessen Geigenmodell keine nennenswerte Beeinflussung durch die  Geigenbau-Tradition von Cremona  erkennen lässt, präsentiert sich das Lebenswerk von Nicolò Gagliano als eine von tiefem Verständnis und kongenialer Innovation geprägte Auseinandersetzung mit dem Vorbild Antonio Stradivari. Seine Arbeit erreicht dabei Standards, wegen der einige seiner Violinen lange für authentische Arbeiten Stradivaris gehalten wurden. Dass seine spezifische Leistung dadurch vergleichsweise spät in den Blick der Forschung kam, schmälerte allerdings nicht den ausgezeichneten Ruf, den seine Geigen und nicht zuletzt seine wenigen erhaltenen Celli in der Musikwelt bis heute genießen. 
   
 Gennaro Gagliano – der Bruder 
 Gennaro Gagliano (Januarius Gagliano) wird unter Experten zuweilen höher geschätzt als sein älterer Bruder Nicolò, doch ist die Rangfolge dieser historischen Geigenbauerpersönlichkeiten angesichts der Qualität ihrer Œuvres eine Frage von untergeordneter Bedeutung. Beiden Brüdern ist die Orientierung am Vorbild der großen Cremoneser Meister gemein, wobei sich Gennaros Kreativität weniger in einer Weiterentwicklung des wirkmächtigen Stradivari-Modells äußerte als in einem persönlicheren Stil – zu dessen unverkennbaren Elementen insbesondere das Farbspiel seines Lackes gehört. Darüber hinaus scheint Gennaro – soweit die überlieferten Instrumente einen solchen Schluss zulassen – mehr als Nicolò am Geigenmodell Amatis interessiert gewesen zu sein. 
 Beide Brüder widmeten sich schließlich mit großem Erfolg dem Bau erstklassiger Violoncelli und haben in diesem Genre nicht nur Instrumente gebaut, die bis heute zu den Spitzenleistungen ihrer Art gehören, sondern auch ein schmaler gehaltenes Modell definiert, das für den neapolitanischen Geigenbau charakteristisch werden sollte. 
 Ferdinando, Antonio und Giuseppe Gagliano – die dritte Generation 
 Im Werk der drei Söhne Nicolò Gaglianos etabliert sich die familiäre Handwerkstradition der Gaglianos und reift zur neapolitanischen Schule, die den Rang Neapels als zweites historisches Zentrum des italienischen Geigenbaus gleich nach Cremona begründet. Ferdinando, Antonio und  Giuseppe Gagliano  wurden in einer Geigenbauwerkstatt ausgebildet, die zu den weltweit führenden gehörte. Auch ohne detaillierte Informationen über die Zusammenarbeit der beiden Generationen zu haben, scheint Ferdinando doch nicht bei seinem Vater, sondern bei seinem Onkel Gennaro in die Lehre gegangen zu sein, dessen Stil und Arbeitsweise in Ferdinandos Instrumenten klar zu erkennen sind – im Unterschied zu Giuseppe, der seine Kunst von seinem Vater Nicolò erlernte. 
 Doch bei aller Kontinuität setzte auch diese Generation ihre eigenen Akzente und brachte sie dauerhaft in die neapolitanische Tradition ein, so etwa die typisch geschwungene Form des Wirbelkastens mit einer zierlichen Volute, die auf Giuseppe Gagliano zurückgeht und in Neapel bis ins 20. Jahrhundert hinein zitiert wurde. 
 Giovanni Gagliano (Giovanni I) „der Neffe“ und die 4. Generation der Geigenbauerfamilie Gagliano 
 Obwohl Giovanni Gagliano als Sohn Nicolòs zur dritten dritten Generation seiner Familie gehörte, wird er in der Literatur doch oft zur vierten gezählt; zum einen, da alle ihre Vertreter seine Söhne sind, zum anderen aber auch, da die Beziehungen zwischen seinem und ihrem Werk wesentlich enger sind als zu dem seiner Brüder. 
 Kennzeichnend für die 4. Generation der Geigenbauerfamilie Gagliano ist eine gewisse Tendenz zu einfacheren, effektiveren und damit auch wirtschaftlicheren Verfahren. Zugeständnisse an die Qualität der verwendeten Hölzer, Böden ohne Einlage, weniger Liebe zum Detail in der Randarbeit oder an Wirbelkasten und Schnecke sind wohl keinem Mangel an Talent oder Ausbildung geschuldet, sondern eher als pragmatische Zugeständnisse an die Zeit des aufkommenden Manufakturwesens im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert zu werten und entsprechen den Bedingungen des sich weiter entwickelnden Marktes. 
 Dennoch leuchtet in einzelnen Arbeiten immer noch der typische Stil der Familie auf, und viele selbst dieser einfacheren, oft als charakterschwach und oberflächlich bezeichneten Instrumente überraschen mit ihrem sehr guten, italienischen Klang. Sie zeigen auf ihre Weise, dass Giovanni das Erbe einer exzellenten Ausbildung bei seinem Onkel Gennaro – wegen der er sich auch auf seinen Zetteln „der Neffe Gennaros – Nepos Januarius“ nannte – durchaus an seine Nachkommen weitergegeben hatte. 
 Mit Vincenzo Gagliano, einem Sohn Raffaeles und Ur-Ur-Enkel Alessandro Gaglianos, der sich der Herstellung von Saiten zuwandte, verließ die Familie schließlich nach fast 200 Jahren den Geigenbau. 
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            <title type="text">Giovanni Paolo Maggini – Notizen zu Leben und Werk</title>
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                                            Der Geigenbauer Giovanni Paolo Maggini (1580 - 1632) und der Geigenbau in Brescia – Notizen zu Leben und Werk einer Schlüsselfigur der Geigenbaugeschichte
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                  Giovanni Paolo Maggini &amp;nbsp;(1580 - 1632),  Geigenbauer in Brescia,&amp;nbsp;gehört als italienischer Geigenbauer zu den einflussreichen historischen Persönlichkeiten des altitalienischen Geigenbaus und ist neben seinem Lehrer Gasparo da Salò der zweite große Meister der Schule von  Brescia . 
   
 Giovanni Paolo Maggini – Leben und Werk: Übersicht 
 
  Maggini und der frühe italienische Geigenbau  
  G. P. Maggini als Schüler von Gasparo da Salò  
  Die Maggini-Geige:Epochen der Werkbiographie von G. P. Maggini  
  Giovanni Paolo Magginis Tod und Vermächtnis  
 
 Giovanni Paolo Maggini und der frühe italienische Geigenbau 
 Giovanni Paolo Maggini kam im Jahr 1580 in dem lombardischen Städtchen Botticino di Sera bei Brescia zur Welt. Schon als Knabe von kaum 8 Jahren verließ er die bescheidenen Verhältnisse seines Elternhauses, um bei Gasparo da Salò das Geigenbauerhandwerk zu erlernen – und schließlich selbst zu einem der bedeutendsten Meister seiner Zeit zu werden. Die bemerkenswerte Entwicklung Magginis, sein offenkundiger Erfolg in der Musikwelt des frühen 17. Jahrhunderts und sein bis heute anhaltender Ruhm sind kennzeichnend für diese Epoche der Musikinstrumentengeschichte, in der sich die Violine von ihren spätmittelalterlichen Vorläufern, den Gamben und den Instrumenten der Viola-da-Braccio-Familie zu emanzipieren begann, um im Werk des Cremonesers  Antonio Stradivari  schließlich die grundlegende Definition ihrer bis heute gültigen Bauprinzipien zu finden. 
 Befeuert von der aufblühenden Musikkultur des Frühbarock bot der Geigenbau talentierten Handwerkern wie G. P. Maggini und seinem Lehrer Gasparo da Salò, der zu den frühesten bekannten Geigenbauern im engeren Wortsinn gehört, die Aussicht auf einen so auskömmlichen Broterwerb, dass ihnen hinreichend Spielraum für jene Experimente blieb, durch die das Violinmodell innerhalb weniger Jahrzehnte heranreifen konnte – was die Nachfrage nach noch besseren und noch prachtvoller ausgestatteten Streichinstrumenten umso mehr förderte. 
 G. P. Maggini als Schüler von Gasparo da Salò 
    In jungen Jahren kam Giovanni Paolo Maggini 1588 als Lehrling zu dem längst gut etablierten Gasparo Bertolotti, genannt da Salò, dessen Brescianer Werkstatt über die Grenzen Italiens hinaus für seine innovativen, klangschönen Instrumente berühmt war. Weshalb dieser Beruf für den Knaben gewählt wurde und wer ihm die Tür zu einer Ausbildung in diesem renommierten Hause öffnete, ist nicht bekannt. Wir wissen aber, dass Maggini bis in sein 21. Lebensjahr hinein bei da Salò blieb und in dieser Zeit eine der besten Ausbildungen erfuhr, die sich ein&amp;nbsp; liutaio &amp;nbsp;seiner Zeit wünschen konnte. 
 Die Maggini Geige: Epochen der Werkbiographie von G. P. Maggini 
 Als Lehrling und Mitarbeiter da Salòs war Giovanni Paolo Maggini selbstverständlich an die Abläufe und Vorgaben des Meisters gebunden, doch ist auch die erste Phase seiner selbständigen Arbeit noch klar vom Violinmodell seines Lehrers geprägt. Man wird dem jungen Meister Maggini kein zu großes Unrecht tun, wenn man darin eine durchaus pragmatische Entscheidung sieht – war das Modell von da Salò doch gut am internationalen Markt eingeführt; und dass es G. P. Maggini in dieser Zeit mit der Holzwahl und den baulichen Details nicht allzu genau nahm, spricht wohl nicht für eine mangelhafte Ausbildung oder ein geringes Talent, sondern vielmehr für einen gewissen Pragmatismus, mit dem er seine wirtschaftliche Existenz aufbaute. 
 Erste Experimente mit unterschiedlichen Hölzern, darunter ausgefallene Materialien wie Pappel, Platane, Nuss und Birnbaum, läuten die zweite Phase in seinem Werk ein, in der Maggini an einer umfassenden Neuformulierung der Violine als eines immer noch jungen Instrumententyps arbeitete. Aufwändig dekorierte Werke mit prachtvollen Intarsien, zum Teil aus Perlmutt und Elfenbein, stehen für die ästhetische Weiterentwicklung der Kunst von G. P. Maggini, während ein zunächst höher gewölbtes, später wieder flacher gehaltenes, vergleichsweise großes Geigenmodell sein hohes Interesse an einem kraftvolleren Ton repräsentieren. 
 Aus diesen Versuchen und einem anzunehmenden genauen Studium von Arbeiten der  Amati-Familie in Cremona  – Maggini war ein 16 Jahre älterer Zeitgenosse des großen Nicolà Amati und nimmt dadurch schon rein biographisch eine interessante Mittlerposition zwischen den Generationen ein – resultierte schließlich die gereifte Maggini-Violine mit ihren niedrigen Zargen, langgestreckten F-Löchern von einer unverkennbaren Form und der oft doppelt geführten Randeinlage, die unter späteren Geigenbauern zu einem oft kopierten Merkmal seines Stils werden sollte. Entscheidender für den Klang dieser Geigen ist jedoch, dass G. P. Maggini im Laufe der Jahre die richtige Verteilung der Stärke von Decke und Boden im Detail studiert, berechnet und optimiert hatte. 
   
 Giovanni Paolo Magginis Tod und Vermächtnis 
 Als Giovan Paolo Maggini im Jahr 1632 der Pest zum Opfer fiel, wurde seine Werkstatt vermutlich von Santo de Santis, einem Freund, übernommen, der sie fortan unter dem Namen „Pietro Santo Maggini“ weiterführte und in der Literatur lange Zeit für einen Sohn Magginis gehalten wurde. Zu den offenen Fragen des Maggini-Erbes gehört, in welchem Umfang Pietro Santo, ein gelernter Zimmermann, selbst Instrumente gebaut hat – oder ob er auf einen umfangreicheren Nachlass fertiger oder halbfertiger Arbeiten zurückgreifen konnte. 
 Während die unmittelbaren Wirkungen von Giovanni Paolo Maggini auf folgende Generationen weitgehend im Dunkel liegen, da keiner seiner Schüler überragende Bedeutung erlangte, nimmt die Forschung dennoch an, dass Magginis Arbeit das Werk der Cremoneser „Konkurrenten“ Andrea  Guarneri  – Großvater des berühmten del Gesù – und Antonio Stradivari mehr als nur marginal beeinflusst hat. Wie die meisten altitalienischen Klassiker geriet auch Giovanni Paolo Maggini zunächst in Vergessenheit, als das Geigenmodell  Jakob Stainer &amp;nbsp;seinen dominierenden Einfluss auf die Epoche des Barock entfaltete, fand jedoch mit der Rückbesinnung auf die lombardischen Wurzeln des Geigenbaus zu einer neuen Wertschätzung, die sich nicht zuletzt in häufigen Nachahmungen der einzigartigen Ornamentik Magginis seit dem frühen 19. Jahrhundert äußerte. 
 Originally published by Corilon violins. 
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            <title type="text">Antonio Stradivari – eine Geschichte von Klang und Widerhall</title>
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                                            Antonio Stradivari gilt als das historische Maß aller Dinge im Geigenbau. Was wissen wir über den Meister Stradivari, und was ist das Geheimnis der Stradivari Geigen?
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                  Antonio Stradivari (ca. 1644–1737, Cremona) war einer der historisch einflussreichsten Geigenbauer und definierte mit dem Modell der Stradivari Geige die bis heute grundlegenden Standards im Geigenbau. Sein Spätwerk war eine künstlerische Revolution; der unvergleichlich gute Klang einer Stradivari Geige beschäftigt Geigenbauer und Forscher seit Generationen. Heutzutage werden Antonio Stradivari Geigen zu unerschwinglichen Preisen von 10 - 15 Mio. € gehandelt.  
 Wie kam es zur Entwicklung seines genialen, einflussreichen Violinmodells – und warum gehören Stradivari Geigen heute zu den am teuersten gehandelten Streichinstrumenten?&amp;nbsp; 
   
 Antonio Stradivari, Cremona: Übersicht 
 
  Stradivari und Amati – wo lernte Antonio Stradivari?  
  Antonio Stradivari: Das Violinmodell  
  Das Geheimnis Antonio Stradivari   
  Überblick: Phasen im Werk Antonio Stradivari  
  Omobono Stradivari und Francesco Stradivari: Die&amp;nbsp;ewigen Kronprinzen &amp;nbsp;    
  Die letzten echten Stradivari  
  Stradivari am Fließband: Die Inflation einer Marke  
  Wie teuer ist eine echte Antonio Stradivari?  
  Stradivaris Erben: Große Nachfolger des Meisters  
 
 Antonio Stradivari und die musikalische Revolution von Cremona 
 Die Lebensgeschichte von  Antonio Stradivari &amp;nbsp;(Antonius Stradivarius)&amp;nbsp;berichtet aus einer Zeit tiefgreifender Umbrüche, und sie repräsentiert allein durch ihre biblische Länge von weit über 90 Jahren mehr als eine Epoche der europäischen Musikgeschichte. Wie in so vielen großen, alten Geschichten weist auch diese Erzählung einige Lücken auf, die die historische Forschung bislang nicht schließen konnte. So lässt sich zu Recht bedauern, dass wir das Geburtsjahr des wohl größten Geigenbauers der Geschichte nicht mit Sicherheit kennen; folgt man Stradivaris eigener Angabe auf einem Geigenzettel des Jahres 1727 – auf dem Stradivari vermerkte, er habe das Instrument im Alter von 83 Jahren gebaut – lässt sich das Jahr 1644 erschließen. 
 Es ist die Zeit der spanischen Vorherrschaft in Italien, unter der  Cremona  ebenso litt wie unter den sozialen und wirtschaftlichen Folgen der großen Pestepidemien der 1630er Jahre. In dieser Situation hatte die Familie von Antonio Stradivari – die zu den alteingesessenen Geschlechtern der Stadt gehörte – Cremona verlassen und sich andernorts in Sicherheit gebracht. Wohl aus diesem Grund ist die Geburt Antonio Stradivaris in keinem bekannten Kirchenbuch verzeichnet.&amp;nbsp; 
 Stradivari und Amati – wo lernte Antonio Stradivari? 
 Ebenso gibt es keinen aussagekräftigen Beleg, unter welchen Umständen und bei welchem Meister Antonio Stradivari den Geigen- und Lautenmacherei erlernt hat. Hat er zu nächst eine Tischlerlehre absolviert? Und war Stradivaris Lehrer tatsächlich der große  Nicolò Amati  in Cremona? Stradivari selbst scheint darauf hinzuweisen, wenn er sich auf weiteren Zetteln in seinen frühen Geigen als  „Alumnus Nicolai Amati“  bezeichnet. Aber ist damit wirklich eine Lehrer-Schüler-Beziehung gemeint, oder erweist der junge Geigenbauer Antonio Stradivari lediglich dem unangefochtenen Leitstern seines Handwerks eine Reverenz – die wohl auch nicht ganz frei von geschäftstüchtigem Hintersinn war? 
 Denn auf welche Art Antonio Stradivari Amatis Schüler auch gewesen sein mag: Die Etablierung von Antonio Stradivari als erfolgreicher Geigenbauer war die eines versierten Amati-Interpreten, und er verdankte seinen raschen Aufstieg nicht seiner revolutionären Neuformulierung des Stradivari Geigen Modells, die ihm seinen herausragenden Platz in der Musikinstrumentengeschichte eingebracht hat – sondern der treuen Umsetzung der auf Amati basierenden Prinzipien, und, nicht zuletzt, der  ästhetischen Attraktivität Stradivaris Arbeiten . Dass Antonio Stradivari bis zu seinem Tod Schablonen von Amati in seiner Werkstatt hatte, ist ein Indiz für die Bedeutung, die dem Verhältnis zu seinem „Meister“ zukam – ganz gleich, ob dieses Wort in seinem eigentlichen oder einem übertragenen Sinn zutrifft. 
 Das Violinmodell Antonio Stradivari 
 Erst im Alter von ca. 40 Jahren unternahm Stradivari einen in seiner Radikalität erstaunlichen  Aufbruch , als er um 1684 zu experimentieren begann: 
 
 In den kommenden ca. 10 Jahren variiert der Korpus seiner Instrumente in Länge und Breite, vor allem aber nimmt Antonio Stradivari sukzessive die Höhe der Wölbung zurück; ein entscheidender Schritt hin zu einer signifikanten Verbesserung des Tons, da ein flacherer Boden leichter in Schwingung zu versetzen ist als ein höher gewölbter. 
 Die F-Löcher weiten sich im Laufe dieser Jahre 
 und Stradivari unterzieht auch die Rezeptur des von ihm verwendeten Lackes einer gründlichen Revision. 
 
 Mit diesen und vielen weiteren, kleineren Veränderungen scheint Antonio Stradivari zielstrebig darauf hingearbeitet zu haben, einen stärkeren,  trag- und durchsetzungsfähigeren Klang &amp;nbsp;seiner Violinen zu erreichen, und ihn mit den tonlichen Vorzügen seiner bisherigen Stradivari Geigen zu verbinden. Über die Gründe für diese plötzlich anmutende Veränderung der Stradivari Geige ist viel spekuliert worden, und wahrscheinlich enthält jede Hypothese über die Motive von Antonio Stradivari ein Körnchen Wahrheit: Wie sollte man leugnen, dass die geniale Idee und die handwerkliche Neugier ihre Rolle gespielt haben – während die gute Annahme seiner neuen Violinen bei herausragenden Solisten und Komponisten dafür spricht, dass es Antonio Stradivari vor allem darum ging, einem neuen klanglichen Anforderungsprofil in der Musik seiner Zeit zu entsprechen. Die Vergrößerung der Orchester und die Entwicklung des Solokonzerts bzw. des Concerto Grosso sind ein plausibler Hintergrund für jene Revision seines bisherigen Schaffens, ja des gesamten Mainstreams im  italienischen Geigenbau des Barock , mit der es Antonio Stradivari verstand, einen hochinteressanten Kundenkreis an sich zu binden. Nicht zuletzt wird oft übersehen, dass neben ihm auch viele andere zu experimentieren begannen; die Zeit um 1690 kann im italienischen Geigenbau durchaus als eine Phase des zuweilen kühnen Experiments bezeichnet werden, in der die – noch vergleichsweise jungen – Standards der Violinfamilie in Fluss gerieten. 
 Das Geheimnis Antonio Stradivari 
 Welche Eigenschaft ist aber ausschlaggebend für die besondere Qualität und den exzeptionell guten Klang der neuen Stradivari Geige, dessen Modell um das Jahr 1695 zur Reife gelangt war? Neue Hypothesen zu dieser Frage beschäftigen in regelmäßigen Abständen die Öffentlichkeit – ist es der Lack, und gibt es das geheime Rezept für seine Herstellung, das Stradivaris Nachkommen einer spannenden Legende zufolge bis heute unter Verschluss halten sollen? So unterhaltsam derartige Spekulationen – und ihre seriöseren Pendants – auch sind, haben sie mit einer fachlichen Bewertung dieses epochemachenden Werkes doch nichts zu tun. 
 Ein Streichinstrument ist ein komplexes System, dessen Qualität nie von einem einzigen Merkmal abhängen kann, sondern im gleichbleibend hohen Niveau aller seiner Bestandteile begründet ist. Auch der Lack von Stradivari Geigen, der, wenn auch wohl mehr für seine ästhetische Qualität, schon von Stradivaris Kunden geschätzt wurde, trägt seinen Teil dazu bei, kann aber nicht als „das“ Geheimnis „der“ Stradivari Geige gelten. Die Instrumente des großen Cremonesers sind historische Leistungen des Geigenbaus, die ihren musikalischen Rang vielen einzelnen Faktoren verdanken, und nicht zuletzt ihrer vollendet harmonischen Abstimmung aufeinander. Sie im Detail zu studieren ist bis heute eine der besten Schulen für Geigenbauer, die ihr Wissen und ihre handwerklichen Fähigkeiten perfektionieren wollen. 
 Überblick: Phasen im Werk Antonio Stradivari 
 
 
 
 „Amatisé“:  Das Frühwerk Stradivaris, orientiert am Vorbild seines vermutlichen Lehrers Nicolò Amati 
 1667&amp;nbsp;–&amp;nbsp;ca.&amp;nbsp;1684/85 
 
 
 Übergangszeit:  Auseinandersetzung mit Maggini-Modell, Verringerung der Wölbungshöhe und Überarbeitung der Stärkenverteilung der Decke zur Vergrößerung des Tones, größeres „Longuet“-Modell 
 1684/85&amp;nbsp;–&amp;nbsp;ca.&amp;nbsp;1695 
 
 
 Reifung des Stradivari-Modells 
 1695&amp;nbsp;–&amp;nbsp;98 
 
 
 Die „goldenen Jahre“ 
 ca.&amp;nbsp;1700&amp;nbsp;–&amp;nbsp;1720 
 
 
 Spätwerk 
 ca.&amp;nbsp;1725&amp;nbsp;–&amp;nbsp;37 
 
 
 
 Omobono Stradivari und Francesco Stradivari: Die ewigen Kronprinzen 
 Von den insgesamt 11 Kindern Antonio Stradivaris ergriffen nur der 1671 geborene  Francesco Stradivari  und sein acht Jahre jüngerer Bruder  Omobono Stradivari  den Beruf ihres Vaters – und standen Zeit ihres Lebens in seinem Schatten. Dass die auch wirtschaftlich äußerst erfolgreiche  familiäre Stradivari Werkstatt  keinen guten Übergang auf die nächste Generation fand, mag erstaunen – lag aber gerade an Stradivari selbst: Seine überragende Meisterschaft und Produktivität bis ins hohe Alter, ja bis zu seinem Tod mit weit über 90 Jahren ließ insbesondere Francesco Stradivari keinen Raum für seine eigene Entwicklung. Selbst wenn Antonios späteste Instrumente hier und da gewisse Nachlässigkeiten erkennen lassen, erfüllen sie klanglich doch alle Erwartungen der besten Musiker, damals wie heute – und so blieb er auch in der ihm folgenden Generation persönlich das Maß aller Dinge. Nur Omobono Stradivari wagte mit 18 Jahren einen Ausbruch und ging nach Neapel, kehrte wahrscheinlich sogar dem Geigenbau den Rücken – um aber schließlich doch zurückzukehren und Bruder und Vater in der Werkstatt zu unterstützen. Der Einfluss des Vaters war offenkundig so dominant, dass das Werk der Söhne nur in groben Umrissen bekannt ist; wahrscheinlich konnten sie sich nie aus dem Status hochqualifizierter Zuarbeiter emanzipieren und überlebten Antonio nur um wenige Jahre. So bleibt die persönliche handwerkliche Leistung Omobonos praktisch ungreifbar, während Francesco Stradivari immerhin einiger Einfluss auf das um 1730 entstandene Cello-Modell „forma B“ und auf die Mandolinen aus der Werkstatt Stradvari zugeschrieben wird – der restliche Ertrag seiner über 50 Jahre umfassenden Werkbiographie ist unsichtbar. 
 Die letzten echten Stradivari 
 Was blieb, nachdem der Meister und die Söhne gestorben waren und auch kein anderer talentierter Schüler nachfolgte, sodass die Werkstatt Antonio Stradivaris keine direkte Traditionslinie begründete? Zunächst waren da noch etliche Instrumente, die der Vater verschiedenen Mitgliedern seiner Familie vererbte. Sie sind freilich nur ein kleiner Teil der wahrscheinlich rund 1.000 Instrumente, die im Laufe dieses beeindruckend langen Arbeitslebens von Stradivari und seinen Söhnen geschaffen wurden. Rund 650 Stradivari Geigen existieren bis heute, wobei eine gewisse Dunkelziffer wegen unbekannter Provenienzen anzunehmen ist. Die meisten von ihnen liegen als Wertanlage in gut gesicherten Safes oder sind in Museen zu bewundern – im weltbekannten  Museo del Violino  in Stradivaris Heimatstadt Cremona, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt. Nur wenige befinden sich, zumeist als Leihgabe, in den Händen von Musikern; ein beklagenswerter Umstand, der nicht zuletzt dem globalen Erfolg der „Marke Stradivari“ seit dem 19. Jahrhundert und der in seiner Folge einsetzenden Spekulation auf die historischen Meisterwerke des Geigenbaus zu verdanken ist. 
 &amp;nbsp;  
 Stradivari am Fließband: Die Inflation einer Marke 
 So ist das Interesse an den alten italienischen Meistern und insbesondere an Stradivari, das sich Ende des 18. Jahrhunderts explosionsartig zu entfalten begann, auch dafür verantwortlich, dass in praktisch allen wichtigen Zentren des industriellen Geigenbaus „Stradivaris am Fließband“ gebaut wurden. Dass nachempfundene Geigenzettel, Brandstempel und Kataloge den ungeschützten Namen für die Werbung in Anspruch nahmen, ist eine weitere aussagekräftige Wendung in der Wirkungsgeschichte Stradivaris – der in seinem singulären, streng an seine Person gebundenen Wirken doch das Gegenteil jeder Massenproduktion verkörperte. Und dennoch haben die Manufakturen aus Sachsen, Frankreich und anderen Ländern insofern ein gewisses Recht, als selbst ihre Millionen Produkte letztendlich von der innovativen Kraft zehren, mit der der Mythos Stradivari Jahrhunderte zuvor den Geigenbau auf eine neue Stufe gehoben hatte. So weit entfernt eine chinesische Fabrikgeige von der berühmten „Messiah“ oder „Hellier“ auch sein mag, um nur die Namen von zwei weltberühmten Instrumentenpersönlichkeiten zu zitieren, gäbe es sie nicht ohne das historische Geigen Modell von Antonio Stradivari. 
 Wie teuer ist eine echte Stradivari? 
 Der  märchenhafte Wert echter Stradivari Geigen  beschäftigt immer wieder die Öffentlichkeit, etwa im Jahr 2016, als eine Violinistin ihre 2,4 Millionen Euro teure Stradivari im Regionalexpress vergaß. Auch die immer neuen Versteigerungs-Rekorde finden zuverlässig den Weg in die Publikumspresse, wie die berühmte „Lady Blunt“, die aktuell als die Stradivari Geige mit der spektakulärsten Wertsteigerung gilt: Wurde die Geige 1871 bei Sotheby‘s für umgerechnet ca. 200.000 USD versteigert, erzielte die Lady Blunt Geige 2011 bei Tarisio die sagenhafte Summe von 15,9 Millionen USD. Dass die jüngste Versteigerung zugunsten der Opfer des Tōhoku-Erdbebens und -Tsunamis stattfand, mag das Ergebnis zusätzlich beeinflusst haben – dennoch entspricht diese enorme Preissteigerung dem Trend im Handel mit historischen Spitzeninstrumenten, insbesondere solchen von der Hand Stradivaris. Und ein Ende der Entwicklung ist bislang nicht in Sicht. 
 Stradivari Erben: Große Nachfolger des Meisters 
 Der unmittelbare Einfluss Stradivaris auf die nachfolgenden Geigenbauer-Generationen war zunächst nicht so groß, wie man angesichts seines heutigen Ruhmes annehmen mag. So erfreuten sich Violinen nach Amati gerade in Italien weiterhin großer Beliebtheit; ihre Klangeigenschaften entsprachen dem verbreiteten Musikgeschmack, insbesondere im Bereich der Kammermusik. Auch das Vorbild Jakob Stainers behauptete seinen Einfluss, zum Teil bis ins 19. Jahrhundert hinein, und verschiedene autochthone Schulen prägten die Vielfalt des europäischen Geigenbaus im frühen 18. Jahrhundert; zu nennen sind etwa die unverwechselbaren Modelle  Caspar Hopfs  im böhmisch-sächsischen Musikwinkel oder Jacob Krauchdalers, das den alemannischen Raum beeinflusste. 
 Dennoch lässt sich ohne Frage eine Linie von Stradivari zu den besten Geigenbauern unserer Tage ziehen, selbst wenn diese weniger in einer geschlossenen Reihe von Lehrer-Schüler-Beziehungen sichtbar wird als in der wiederholten Inanspruchnahme und Auseinandersetzung mit den historischen Vorbildern von Stradivaris Hand. Ihre Eigenschaften gehören nicht nur zur Grundausbildung junger Geigenbauer, sondern bilden den roten Faden in der künstlerischen Entwicklung vieler exzellenter Meister. So konnte etwa  Christoph Götting  während seiner langjährigen Mitarbeit bei  J. &amp;amp; A. Beare in London  an zahlreichen Stradivari Geigen arbeiten und erlangte in der Auseinandersetzung mit ihnen wichtige Erkenntnisse für sein eigenes Werk, nicht zuletzt für sein großes Lebensthema, die Lackarbeit. In ähnlicher Weise sind die Instrumente Stradivaris eine beständige Inspirationsquelle für den Pariser Meister  Stephan von Baehr , der sich als Mitarbeiter Andreas Kaegis früh mit dem Cremoneser auseinandersetzen konnte – und nicht zuletzt durch die Impulse aus einer vergangenen, aber immer noch lebendigen Epoche zu einem der interessantesten Geigenbauer der Gegenwart reifte. 
 &amp;nbsp; 
  Verwandte Beiträge:  
  Guarneri &amp;nbsp;- Cremoneser Geigenbau im Schatten Stradivari 
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  Die Geige: Praktische Fragen zu Saiten, Kolophonium, Pflege und Spiel  
  Der Geigenbogen: Praktische Fragen zu Pflege und Spiel  
  Der Wolfton bei der Geige : Definition und Erklärung 
  Hopf: eine vogtländische Geigenmacher-Dynastie  
  Samuel Zygmunowicz : Stradivari verstehen 
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  Weiterführende Links:  
  Bibliothek - Textsammlung zur Geschichte des Geigenbaus  
  Online Katalog &amp;nbsp;| Hochwertige Violinen, Bratschen, Celli und Streichbögen (Audio Klangproben) 
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            <title type="text">Die Geigenbauer der Familie Amati – und die Erfindung der Geige</title>
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                                            Nicolo Amati und die Geigenbauer der Familie Amati in Cremona: Eine Einführung in Leben und Werk
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                 Nicolo Amati und die Geigenbauer der Familie Amati in Cremona 
 Die Geigenbauer-Dynastie Amati dominierte mehr als 100 Jahre lang den Bau von Streichinstrumenten in Cremona und leistete die entscheidende Beiträge zur Entstehung des modernen Violinmodells – im Zusammenspiel mit  Antonio Stradivari , der auf dem familiären Gesamtwerk der Amatis aufbaute und Form und Konstruktionsprinzipien der Geige zu ihrer bis heute gültigen Definition vollendete.  
 
  Andrea Amati und die „Erfindung“ der modernen Violine  
  Spezifika der Geigen von Andrea Amati  
  Antonio und Girolamo Amati: Die „Brüder Amati“  
  Nicolò Amati  
  Das „große Amatimodell“ von Nicolò Amati  
 
 Andrea Amati und die „Erfindung“ der modernen Violine 
 Andrea Amati wurde um 1505 geboren und gehörte wahrscheinlich nicht einer gleichnamigen Patrizier-Familie an, als deren Sohn ihn die frühere Geigenbauforschung sah. Unsicher ist daher auch, ob Amati tatsächlich bereits als junger Meister über die finanziellen Mittel verfügte, erstklassige Hölzer aus Venedig zu beziehen, was die rasche Etablierung seiner Werkstatt zum Teil erklären könnte. Wahrscheinlich profitierte Amati schlicht von der rasanten Entwicklung, die die Musikkultur im Italien der Renaissance nahm, und traf mit Qualität und Stil seiner Instrumente offenbar die Interessen einer zahlungskräftigen Oberschicht sowie kirchlicher Würdenträger und Institutionen, die kräftig in ihre künstlerische Repräsentation investierten. 
 Zu den richtigen Entscheidungen Amatis dürfte in diesem Kontext die entschiedene Konzentration auf den Bau von Streichinstrumenten gehören, die ihm von seiner Ausbildung bei Giovanni Liunardo da Martinengo her wohl kaum in die handwerkliche Wiege gelegt war. Wie die Geigenbauer seiner Epoche – und der größte Teil der folgenden Generationen – hat auch Amati sicher zunächst und vor allem die Kunst des Zupfinstrumentenbaus erlernt, sich dann aber mit beispielloser Konsequenz auf die Geigenfamilie konzentriert, mit deren Ausformulierung er in der Tat Musikgeschichte geschrieben hat. 
     Stammbaum der Geigenbauer-Familie Amati  
 Spezifika der Geigen von Andrea Amati 
 Andrea Amati gilt landläufig als der „Erfinder“ der Violine, dessen historische Leistung aber – wie bei den meisten großen Entdeckungen der Menschheitsgeschichte – keineswegs in einem luftleeren Raum zustande gekommen ist. Vielmehr gelangen ihm entscheidende Innovationen zeitgenössischer Geigenmodelle, die baulich noch im gerade zu Ende gegangenen Spätmittelalter wurzelten und sich um die Wende zur Neuzeit – wie so viele Elemente der europäischen Kultur – in stetiger Veränderung befanden. 
 Wegweisend und mutig war dabei die Veränderung der Stegposition, die Amati höher, näher am Griffbrett fasste, und damit die schwingende Länge der Saiten im Unterschied zu den älteren Viola-da-Braccio-Modellen verringerte. Indem er zugleich die F-Löcher nach unten versetzte und ihre Form veränderte, schuf er wichtige und unmittelbar auffallende Determinanten des neuen Violintyps, zu denen auch die wahrscheinlich auf Amati zurückgehende Standardform der Schnecke gehört. Noch wichtiger für die klanglichen Eigenschaften der Geige war aber eine als solche nicht sichtbare, handwerkliche Innovation, denn offenbar übernahm Amati Konstruktionsprinzipien aus dem Lautenbau, und realisierte durch die Anwendung einer Innenform wesentlich dünnere Wandstärken und kleinere Leimflächen – wodurch sich das Schwingungsverhalten des gesamten Korpus erheblich verbesserte. 
 So spielte mit größter Wahrscheinlichkeit der klangliche Qualitätssprung, der mit dem Schaffen Andrea Amatis verbunden ist, die wichtigste Rolle für den enormen Erfolg seiner Werkstatt. Amati Geigen waren ihrer Zeit gerade in musikalischer Hinsicht weit voraus, gab es in dieser Phase der Musikgeschichte doch noch keine Solo-Literatur, die ihre Möglichkeiten insbesondere im Spiel über alle greifbaren Lagen ausgeschöpft hätten. 
 Der internationale Erfolg der Amati Violine verdankt sich dementsprechend wohl nicht zuletzt den Musikern, die das Werk Amatis in  Cremona  kennenlernten und mit ihren Engagements in alle Länder trugen. Ob die legendäre Großbestellung reich verzierter Instrumente für das Orchester Jean-Baptiste Lullys am französischen Königshof, die über Catherina de Medici zustande gekommen sein soll, tatsächlich ausgeführt wurde, mag dabei der wissenschaftlichen Diskussion überlassen bleiben. Unbestritten ist der historische Einfluss, den Amati mit seinem Werk auf sämtliche folgenden Geigenbauer-Generationen ausgeübt hat. 
 Antonio und Girolamo Amati: Die „Brüder Amati“ 
 Zu den ersten Nachfolgern Andrea Amatis gehören natürlicherweise seine beiden Söhne Antonio und Girolamo Amati, die das Geigenmodell ihres Vaters zur Vollendung weiterentwickelt haben. Wie Andrea Amati haben sich auch die Brüder, die ihre Instrumente mit einem gemeinsamen Zettel kennzeichneten, wohl ausschließlich auf den Bau von Streichinstrumenten konzentriert. 
 Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1577 zeigte sich, dass ihm die Antonio und Girolamo Amati in Sachen Experimentierfreude und Kreativität vollkommen ebenbürtig waren, und so gelangen ihnen signifikante Verbesserungen des Amati-Modells in allen zentralen Aspekten. Neben der Randeinlage und einer Harmonisierung des Umrisses sind besonders die schmaler gehaltenen F-Löcher und eine klangliche Optimierung des Wölbungskonzepts hervorzuheben; durch eine im Vergleich zum väterlichen Vorbild entschiedener ausgeführte Hohlkehle erreichten sie nicht nur eine Verbesserung der Ästhetik, sondern auch eine Erhöhung der Deckenspannung, die viel zu der leichteren Ansprache und klanglichen Attraktivität ihrer Arbeiten beigetragen hat. Zu ihren bleibenden historischen Leistungen gehört nicht zuletzt die Durchsetzung der kleineren Bratschenform, die Stradivari unmittelbar aufgegriffen und zum bis heute gültigen Standard gemacht hat. 
 Wie fast jede nicht-adelige Biographie dieser Zeit weist auch die Lebensgeschichte der Brüder Antonio und Girolamo Amati einige ungelöste Rätsel auf, unter denen der Verkauf von Antonios Werkstattanteil an Girolamo wohl das größte darstellt. Er ist für das Jahr 1588 belegt, also nur 11 Jahre nach dem Tod von Andrea Amati, hatte aber keine im Rückblick erkennbaren Auswirkungen auf die gemeinsame Arbeit, die scheinbar unbeeindruckt weiterging; einschließlich der gemeinsamen Geigenzettel, die weit über Antonio Amatis Tod im Jahr 1607 hinaus bis 1630 Verwendung fanden – dem Jahr, in dem Girolamo Amati der Pest zum Opfer fiel. 
     
 Nicolò Amati 
 Obwohl der Erfolg der Werkstatt von Antonio und Girolamo Amati die besten Voraussetzungen für jeden Nachfolger geschaffen hatte – zumal wenn er wie Girolamos Sohn Nicolò Amati den Geigenbau von Kindesbeinen an in dem führenden italienischen Geigenbauatelier erlernt hatte – fand sich dieser 34 Jahre alte Meister nach dem unerwarteten Tod seines Vaters in einer schwierigen Situation wieder. Hungersnöte und Pestepidemien hatten Oberitalien zugesetzt, und nachdem 1632 auch Maggini in Brescia der Krankheit erlegen war, führte Nicolò Amati die einzige erstklassige Geigenbauwerkstatt Italiens. Es ist nicht im Detail bekannt, wie er diese Lage meisterte, die aller Wahrscheinlichkeit nach von chronischem Personalmangel und hoher Überforderung gekennzeichnet war – doch fällt auf, dass aus den ersten zehn Jahren kaum neue Instrumente erhalten sind. 
 Allen Widrigkeiten zum Trotz hat Nicolò Amati diese Zeit für eine grundlegende Neuorientierung genutzt, ganz in der Tradition seiner Familie, die die Leistung der vorherigen Generation an biographische Zäsuren rekapitulierte und wichtige Verbesserungen an dem jeweils aktuellen Amati-Modell vornahm. Während Nicolo Amati also zwischen 1630 und 1640 noch Instrumente im Stil seines Vaters baute und sie dementsprechend auch mit dessen Zettel versah, schuf Nicolò Amati parallel die Grundlage für eine „neue Amati“, der für die Geigenbaugeschichte ähnlich große Bedeutung zukommt wie dem innovativen Akt seines Großvaters. 
 Das „große Amatimodell“ von Nicolò Amati 
 Diese grundlegende Reformulierung des von Andrea Amati entworfenen Geigenmodells war die Basis für den anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg, der die Werkstatt von Nicolò Amati aus der Krise führte – und die unmittelbare Vorlage für die folgenden Werke der Cremoneser Schule. Die konstruktive Verbesserung bestand dabei vor allem in einer niedrigeren Interpretation der Wölbung und einer weiteren Erhöhung der Deckenspannung, die Nicolò Amati erreichte, in dem er die Hohlkehle – eine der wichtigsten Innovationen seines Vaters und Onkels – noch tiefer ausarbeitete. Im Zusammenspiel mit höheren Zargen erreichte er einen neuen Violinklang, der den Anforderungen der zeitgenössischen Aufführungspraxis mit mehreren Chören und umfangreichen Orchestern entsprach. 
 Auch als Lehrer hat sich Nicolò Amati historische Verdienste erworben und ist der Meister, dem die großen Namen der Cremoneser Schule ihre Ausbildung und Inspiration verdanken; und wenn auch meist direkte Belege für ihre Lehrzeit in seiner Werkstatt fehlen, steht der prägende Einfluss Nicolò Amatis auf Francesco Ruggeri,  Andrea Guarneri  und Antonio Stradivari doch außer Frage. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass Nicolo Amati damit jene harte Konkurrenzsituation in Cremona geschaffen hat, die seinem Sohn und Schüler Girolamo II Amati das Leben schwer machen sollte und letztendlich dazu beitrug, dass mit ihm der Stern der Amati-Familie im 17. Jahrhundert zu sinken begann. 
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                            <updated>2019-12-10T17:27:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Guarneri – Cremoneser Geigenbau im Schatten Stradivaris</title>
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                                            Guarneri del Gesu und die Geigenbauer der Familie Guarneri in Cremona: Eine Einführung in Leben und Werk
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                 Andrea Guarneri – der Stammvater 
 Leben und Werk Andrea Guarneris, dem als Stammvater der großen Cremoneser Geigenbauerfamilie Guarneri historische Bedeutung zukommt, sind eng verflochten mit der Geschichte des Hauses Amati. Bei Nicolò Amati erlernte der aus dem Bauerndorf Casalbuttano stammende Junge sein Handwerk, stieg zu einem beinahe als Familienmitglied anerkannten Vertrauten auf und verdankte der konjunkturellen Überforderung der Werkstatt wahrscheinlich seine eigene Etablierung in der ersten Reihe des barocken italienischen Geigenbaus. 
 Die Geigenbauer Guarneri – Übersicht: 
 
  Andrea Guarneri – der Stammvater  
  Giuseppe Giovanni Battista Guarneri (I) – der Treue  
  Pietro Giovanni Guarneri – Pietro da Mantova  
  Pietro Guarneri „filius Joseph“ – Pietro di Venezia  
  Giuseppe Guarneri „del Gesù“ – auf Augenhöhe mit Stradivari  
 
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 Wann Guarneri seine Ausbildung bei Nicolò Amati begann, ist nicht sicher belegt; denkbar sind die späten 1630er Jahre, sicher ist, dass er 1641 als Mitglied der Werkstatt und des Haushaltes geführt wurde. 1645 trat Guarneri als Trauzeuge bei der Hochzeit Amatis auf, was auf eine deutlich engere Verbindung hinweist, als sie durch die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft zwischen Meister und Geselle in dieser Zeit ohnehin bestand. Vermutlich sah Amati in seinem talentierten Schüler eine Vertrauensperson, die auch für eine spätere Übernahme der Werkstatt in Frage gekommen wäre – und auf die er auch weiterhin zählte, nachdem ihm 1649 mit Girolamo Amati der erste Stammhalter geboren worden war. 
     
 Mit seiner eigenen Hochzeit im Jahr 1653 ist dann aber für Guarneri die Weichenstellung zur Gründung einer eigenen Existenz verbunden, und er etabliert sich in der unmittelbaren Nachbarschaft Amatis als selbständiger Meister, der sich – in einem Akt sowohl der respektvollen Bezugnahme als auch der werbestrategisch klugen Anknüpfung – auf seinen ersten eigenen Geigenzetteln stolz als einen „ex Allumnis Nicolai Amati“ bezeichnet. 
 Und tatsächlich steht das Werk Andrea Guarneris weitgehend unter dem Einfluss seines Lehrers, wenn auch die Instrumente des Schülers nie die detailversessene Präzision und harmonische Gesamtqualität des Vorbilds erreichen. Möglicherweise war er mit den Feinheiten der abschließenden Ausarbeitung neuer Instrumente nicht vertraut, da sie in Amatis Werkstatt in der Regel dem Meister selbst vorbehalten gewesen sein dürfte.    
 Erst in späteren Jahren wagte Guarneri einige Innovationen, von denen die etwas engere Stellung der F-Löcher zu den nicht unbedingt erfolgreichen Experimenten der Geigenbaugeschichte zu rechnen ist. Dem gegenüber stellen seine wenigen erhaltenen Gamben erstklassige Meisterwerke dar, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Nicht zuletzt gehört seine kleinere Interpretation des Violoncellos, die den wachsenden solistischen Anforderungen der Musikkultur seiner Zeit Rechnung trug, zu den zukunftsweisenden Errungenschaften der alten Guarneri-Werkstatt, in denen – je später, desto mehr – die Hand seiner Söhne erkennbar wird. 
 Giuseppe Giovanni Battista Guarneri (I) – der Treue 
 Andrea Guarneris jüngerer Sohn Giuseppe Giovanni Battista verbrachte sein ganzes Leben im Haus des Vaters – als Schüler, Gehilfe und Nachfolger in der Werkstatt, aber auch mit seiner Familie, die er im Jahr 1690 gründete. Seine enge Verbindung zum Vater und dessen Etablierung als zweiter bedeutender Geigenbauer neben Amati reflektiert auch Giuseppes ab 1698 verwendeter Geigenzettel, auf dem er sich als „filius Andreae“ bezeichnet. 
 Obwohl Giuseppe Guarneri stets treu auf den bereits gebahnten Wegen blieb, weist seine Werkbiographie manch dunkle, rätselhafte Stelle und Spuren eines mühevollen, wechselhaften Lebens auf. Schon der Übergang der Werkstatt nach Andreas Tod war finanziell dadurch belastet, dass Giuseppe mehrere Erben auszahlen musste, darunter auch seinen in Ungnade gefallenen älteren Bruder Pietro. Kurz darauf geriet Cremona in die Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges, die sich bis 1707 hinzogen. Und nachdem mit der österreichischen Eroberung wieder Stabilität eingekehrt war, musste sich Giuseppe in derselben misslichen Lage behaupten, die bereits das Leben seines Vaters bestimmt hatte: Stets der zweite unter den besten zu sein, der Andrea neben Amati, Giuseppe neben Stradivari, der seinerseits nur der stärkste der vielen Konkurrenten unter den Cremoneser Geigenbauern dieser Zeit war. 
 So verwundert nicht, dass sich das Werk Giuseppe Guarneris uneinheitlich präsentiert, und neben wahren Meisterwerken der Geigenbaukunst – wegen derer ihn kein geringerer als Charles Beare zu den größten Geigenbauern der Geschichte zählt – auch Instrumente aus erstaunlich einfachen Materialien und mit auffallenden Nachlässigkeiten in der Ausarbeitung umfasst. Ab 1715 fand er in seinen Söhnen Unterstützung, doch bricht sein Werk 1720 unvermittelt ab, obwohl er noch rund 20 Jahre länger lebte. Warum ab diesem Zeitpunkt keine Instrumente von Giuseppe Guarneri mehr bekannt sind, gehört zu den ungelösten Fragen der Forschung. 
    Stammbaum der Geigenbauer-Familie Guarneri 
 Pietro Giovanni Guarneri – Pietro da Mantova 
 Anders als sein Bruder Giuseppe verbrachte Andrea Guarneris ältester Sohn Pietro nicht sein gesamtes Leben im väterlichen Haus; wie der Bruder erlernte er sein Handwerk in der Casa Guarneri und blieb dort auch nach der Gründung seiner Familie zunächst wohnen, entschied sich aber 1679, Cremona zu verlassen und nach Mantua zu ziehen – ein Schritt, den ihm der Vater wohl nie verziehen hat, der sich aber als richtig erwies, fand Pietro doch in der Fremde ein weit besseres Auskommen. 
 In Mantua sicherte ein Engagement im Hoforchester des Herzogs Ferdinando Carlo Gonzaga die Existenz des zugleich als Geigenbauer und Violinist ausgebildeten Pietro, der zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Neffen auch „Pietro da Mantova“ genannt wird. Daneben konnte er sich, weitgehend frei von lokaler Konkurrenz, als der exzellente Geigenbauer etablieren, als der er seinen Platz in der Geschichte des Geigenbaus beansprucht: Im Unterschied zu dem in Cremona gebliebenen Giuseppe arbeitete Pietro ganz offenkundig für zahlungskräftige Kunden und musste daher keinerlei Konzessionen in Fragen des Materials oder des Aufwands eingehen, den er in die Ausarbeitung seiner Instrumente investierte. So sind von ihm außergewöhnlich schöne Geigen und ein Violoncello erhalten, die mit ihrer Eleganz und einem zwar nicht revolutionären, aber klaren individuellen Stil überzeugen. 
 Dass sein Werk insgesamt überschaubar blieb – heute sind etwa 50 Instrumente bekannt – lag sicher auch daran, dass er Zeit seines Lebens mehreren Tätigkeiten nachging. Dazu gehörte neben der Musik auch ein erfolgreicher Saitenhandel, für den er 1699 durch den Herzog mit einem Monopol privilegiert wurde. 
 Obwohl seine Geschäfte nachweislich sehr gut gingen, blieb Pietro Guarneri da Mantova ohne Nachfolger; ob ihm zur Ausbildung seiner Söhne oder eines anderen, geeigneten Lehrlings die Zeit fehlte, kann nur vermutet werden. Sicher ist aber, dass er durch sein Vorbild einen gewissen Einfluss auf andere Geigenbauer ausübte, darunter die Mantueser Balestrieri und Camilli – aber auch sein Bruder Giuseppe, der sich in vielen Dingen mehr an Pietro als an seinem Vater Andrea orientierte, und seinen Neffen Pietro Guarneri „filius Joseph“. 
 Pietro Guarneri „filius Joseph“ – Pietro di Venezia 
 Aus dem Dunkel, in dem sich die Biographie Giuseppe Guraneris nach 1720 verliert, entspringt der Lebensweg seines Sohnes Pietro, des venezianischen Guarneri, der auch als Pietro di Venezia oder „filius Joseph“ bekannt ist. Auf das Jahr 1721, also kurz nach dem rätselhaften Verstummen seines Vaters, datiert sein erster persönlicher Geigenzettel. Vermutlich hat er bald danach Cremona verlassen und bei einem venezianischen Meister als Gehilfe gearbeitet, um sich schließlich in der Lagunenstadt selbständig zu machen. 1725 ist er dort zum ersten Mal dokumentarisch greifbar, und eine mindestens private Verbindung zur Lautenmacherfamilie Sellas (Seelos) ist nachgewiesen. 
 Wie für seinen Onkel hat sich auch für den venezianischen Pietro die Entscheidung als richtig erweisen, Cremona den Rücken zu kehren. Zwischen 1730 und 1750 baute er eine stattliche Zahl von Violinen und einige Violoncelli, die eine Sonderrolle im Vergleich mit den anderen Geigenbauern seiner Familie einnehmen. Zwar behielt er einige Errungenschaften der Guarneris bei, etwa die Anlage der Wölbung von Decke und Boden, schuf aber in seinem persönlichen Stil eher eine Synthese des übermächtigen Vorbilds Stradivari und der venezianischen Tradition. Insbesondere die Lackarbeit, die ein für den Verkaufserfolg nicht unerhebliches Merkmal darstellt, folgt klar dem zu seiner Zeit in Venedig aktuellen Geschmack, und wie es in seiner Wahlheimat üblich war, verzierte Pietro seine Geigenzettel mit floralen Ornamenten – ohne freilich auf die Reverenz „figlio di Giuseppe“ und den Hinweis „Cremonese“ zu verzichten. 
 Giuseppe Guarneri „del Gesù“ – auf Augenhöhe mit Stradivari 
 Während Pietro da Mantova und Pietro di Venezia Guarneri ihr Glück außerhalb Cremonas suchten und fanden, nahm der Lebensweg von Bartolomeo Giuseppe Guarneri „del Gesù“ nach dem offenkundigen wirtschaftlichen Zusammenbruch der väterlichen Werkstatt einen ganz anderen Verlauf als die Biographien seines Onkels und Bruders. So spärlich die Informationen über diese dunklen Jahre im Leben des Mannes sind, der als der größte Geigenbauer der Geschichte neben Antonio Stradivari angesehen wird, so klar scheint doch zu sein, dass er sich zwischen 1723 und 1730 kaum mit seiner Kunst befasste – die wenigen Instrumente dieser Zeit, für die seine Urheberschaft in Frage kommt, sind bis auf Ausnahmen nicht sicher zuzuordnen. 
 Als er 1731 nach Cremona zurückkehrte, knüpfte er also unmittelbar an seine Zeit als Lehrling und Gehilfe in der väterlichen Werkstatt an – und damit an eine inspirierende Phase, in der er sich stets große Freiräume für Experimente genommen hatte. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird die späte Zeit der Werkstatt von Giuseppe Giovanni Battista Guarneri heute auch als Frühphase des Werkes von Giuseppe Guarneri del Gesù betrachtet. 
 Dem Experiment blieb del Gesù in den folgenden 15 Jahren seines Wirkens verbunden, und so sind es im Wesentlichen 3 Merkmale, die als Konstanten seines Werkes angesehen werden können: 
 
 Die Signatur mit dem Christusmonogramm IHS und dem verzierten Kreuz, die ihm seinen Beinamen eingetragen hat, 
 die ungewöhnliche, sprachlich obsolete Schreibweise „Cremonȩ“ anstelle von „Cremonae“ 
 und die im Wortsinn einzigartig guten Klangeigenschaften, die Guarneris Violinen zu den bevorzugten Instrumenten von Weltklassegeigern wie Heifetz, Stern und Zukerman werden ließen – angefangen bei der legendären „Cannone“ von Niccolò Paganini. 
 
 Alle anderen Eigenschaften der Geige befanden sich bei Guarneri in steter Veränderung, und auf der Suche nach einem kraftvolleren, wärmeren Klang war er sofort zu jedem Bruch mit den ästhetischen und handwerklichen Konventionen bereit, die nicht zuletzt seine eigene Familie mit entwickelt hatte. 
 Diese Haltung reflektiert schon sein Frühwerk, in dem er sich aktiv mit den Innovationen des berühmten und höchst erfolgreichen Nachbarn Antonio Stradivari befasste – ganz im Unterschied zu seinem Vater, der den Konkurrenten offenbar geflissentlich ignorierte. So schreibt die Forschung die signifikante Klangverbesserung einiger Giuseppe-Guarneri-Violinen der späten 1710er Jahre diesem Einfluss Stradivaris zu, der seinen Weg über del Gesù in die Werkstatt Guarneri gefunden hatte. Ab 1730 nun wandte sich Guarneri der Schule von Brescia zu und verbesserte die Wölbung, den Umriss und die Position der F-Löcher nach den Vorbildern da Salòs und Magginis. 
 Auf diesem Wege erzielte Guarneri um das Jahr 1735 seine schönsten Ergebnisse, und seine historische Leistung besteht nicht zuletzt darin, die besten Eigenschaften der Cremoneser und Brescianer Tradition als der beiden einflussreichsten und am höchsten entwickelten italienischen Geigenbauschulen in genialer handwerklicher Arbeit verbunden zu haben. 
 Die verbleibenden 9 Jahre bis zu seinem frühen Tod sind von einer zunehmenden Vernachlässigung aller Aspekte geprägt, die für den Klang der Geige nebensächlich oder unbedeutend sind. So folgte Guarneri bei der Wahl seiner Hölzer immer entschiedener ihren klanglichen Eigenschaften und ließ sich dabei von keiner noch so schönen Maserung mehr bestechen; flüchtig und mit erkennbarem Desinteresse präsentiert sich die Ausarbeitung, die Farbgebung des Lackes scheint mehr dem Zufall überlassen, die F-Löcher sitzen asymmetrisch und scheinen mehr dem Gespür des Meisters für das Schwingungsverhalten der Decke zu gehorchen als den Anforderungen des Auges. 
 Anders als  Antonio Stradivari  lebte Guarneri del Gesù das Prinzip von Versuch und Irrtum nicht nur in einer Phase seiner Werkbiographie, sondern bis zum letzten Tag seiner Tätigkeit. Vielleicht liegt auch in dieser genialen Offenheit ein Teil der Popularität, die seine Instrumente bis heute bei herausragenden Künstlern genießen – über ihren exzellenten Klang hinaus, der auch 300 Jahre später noch Maßstäbe setzt. 
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  Alte und zeitgenössische Meistergeigen bei Corilon violins  
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            <title type="text">Jakob Stainer (Jacobus Stainer) – der Wanderer</title>
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                                            Der Tiroler Geigenbauer Jakob Stainer (Absam, 1618-1693) setzte Maßstäbe – über Jacobus Stainer, die Stainer Geige und das bewegte Leben eines Geigenbauers im Zeitalter des Zweifels
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                 Jakob Stainer, ein Geigenbauer im Zeitalter des Zweifels 
 Die Lebensgeschichte des Tiroler Geigenbauers&amp;nbsp; Jakob Stainer (1618-1683)  erscheint in ihrem enigmatischen Wechselspiel von derben Anekdoten, beispiellosen handwerklichen Leistungen und einer überraschenden geistigen Zeitgenossenschaft wie ein unkonventionelles Porträt jener widersprüchlichen Epoche, in die  Jakob Stainer  als der wohl bedeutendste europäische Geigenbauer außerhalb Italiens zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges hineingeboren wurde. Sie spiegelt in ihren Höhen und Tiefen die Spannungen seiner Zeit, die eine Zeit des Zweifels war; und die mit Jakob Stainer eine eine rastlose, immer wieder scheiternde und doch Maßstäbe setzende Persönlichkeit hervorbrachte. 
 Die Geschichte von Jakob Stainer: Übersicht    
 
  Kindheit und Jugend Jakob Stainers  
  Lehrjahre: War Jakob Stainer ein Amati-Schüler?  
  Wanderjahre des jungen Geigenbauers Jakob Stainer  
  Jakob Stainer und die Schulden – ein Lebensthema  
  Stainer etabliert sich in Absam  
  Ecken und Kanten: Jakob Stainer als Kind seiner Zeit  
  Der Häresieprozess gegen Jakob Stainer  
  Wirtschaftliche Turbulenzen  
  Jakob Stainers Krankheit und Tod  
  Notizen zum Werk Jakob Stainers  
 
 Kindheit und Jugend Jakob Stainers 
 Jakob Stainers Lebensweg begann in denkbar einfachen, armen Verhältnissen: Um das Jahr 1618 – die Forschung diskutiert verschiedene Möglichkeiten zwischen 1617 und 1621 – wurde Jakob Stainer als Sohn eines Bergknappen geboren. Aber er konnte zur Schule gehen und erhielt – als Sängerknabe in Hall oder am Innsbrucker Hof – eine musikalische Grundbildung. Hinweise aus späteren Briefen legen nahe, dass Jakob Stainer auch das Geigenspiel mindestens ansatzweise erlernt hat; eine Qualifikation, die Stainer, wie er schreibt, als durchaus „notwendig und dienlichen“ für Geigenbauer erachtete. 
 Lehrjahre: War Jakob Stainer ein Amati-Schüler? 
 Wie Jakob Stainer zum Geigenbau fand, ist nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung nicht nachzuvollziehen, und die Frage nach seinem Lehrmeister ist ein Rätsel, das Anlass zu vielen Spekulationen gibt. Absolvierte er seine ersten Lehrjahre bei einem Tischler in seiner Tiroler Heimat, wie es den Zunftregeln entsprochen hätte? Und ging er anschließend nach  Cremona , oder gar in die berühmte Werkstatt  Amati , wie ein rätselhafter Geigenzettel nahezulegen scheint? Wir wissen es nicht. Viel spricht dafür, dass Jakob Stainer die Innovationen des italienischen Geigenbaus kannte – und sehr gut kannte –, sich als junger Handwerker aber intensiv mit einer süddeutschen Tradition auseinandersetzte. Dass er sie perfektionierte und zum Maßstab einer Epoche der Geigenbaugeschichte machte, kann als der Kern seiner musikhistorischen Leistung gelten. So ist vorstellbar, dass er zwar in Italien, aber bei einem dort ansässigen deutschen Geigenbauer ausgebildet wurde, wie es sie z. B. in Venedig, wohin er offenbar Verbindungen pflegte, gab – wenn für diese Hypothese auch materielle Belege fehlen. 
 Wanderjahre des jungen Geigenbauers Jakob Stainer 
 Ende der 1630er Jahre war Jakob Stainer in seinem Beruf angekommen und führte das Leben eines wandernden Handwerkers, der seine Instrumente direkt zu Auftraggebern und möglichen Interessenten brachte oder sie auf Märkten anbot, und seinen Lebensunterhalt ansonsten mit Reparaturarbeiten bestritt, wo sie gebraucht wurden. In seiner Tiroler Heimat dürften sich auch immer wieder Gelegenheiten durch den regen Handel an der Fernstraße von Verona nach Augsburg ergeben haben, die, in Form der Autobahn A12/E60 bis heute besteht und die Dörfer des Inntals wie eine Perlenkette verbindet. 
 Jakob Stainers frühesten signierten Geigen datieren aus dem Jahr 1638; ein Verkauf an den Salzburger Hof ist 1644 dokumentiert, und bald folgten Aufträge aus  München  und vom Innsbrucker Hof. Sie belegen den wachsenden Erfolg des jungen Geigenbauers, der den Preis seiner Geigen in dieser Zeit von ca. 4 auf mehr als 20 Gulden steigern konnte und 1645 in der Lage – resp. Notlage – war, eine Familie zu gründen, wurde Stainers erste Tochter doch kurz vor der Hochzeit geboren. Entsprechend der traurigen Normalität seiner Zeit sollten von den 9 Kindern, die Jakob Stainer mit Margareta Holzhammer, der Tochter eines Haller Bergmeisters bekam, nur 3 ihre Eltern überleben. 
 Jakob Stainer und die Schulden – ein Lebensthema 
 Es gehört zu den besonderen Charakteristika dieser Handwerker-Biographie, dass Jakob Stainers Aufstieg von einem frühen Zeitpunkt an mit Schuldgeschäften verbunden war – die dem Bergmannssohn manche Tür öffneten, ihn aber auch ein Leben lang, ja über seinen Tod hinaus verfolgten. Die Zeit, in der Stainer sein geigenbauerisches Hauptwerk schuf und zu einer prägenden Gestalt der europäischen Geigenbaugeschichte aufstieg, lässt sich auch als eine dramatische Geschichte von in Anspruch genommenen und gewährten Darlehen, verspäteten Tilgungen und Zinszahlungen sowie massiver Liquiditätskrisen beschreiben. In gewisser Weise ist Stainers Biographie damit typisch für den Übergang zum Frühkapitalismus, der zu den großen Bewegungen seiner Zeit gehört. 
 Gleich das erste aktenkundige Finanzgeschäft ist dafür ein schillerndes Beispiel. Im Jahr 1646 übernahm Jakob Stainer einen Schuldtitel seines Schwiegervaters, der, von seinen Verpflichtungen als Bergmeister wirtschaftlich überfordert, dem Erzherzog Ferdinand Karl eine größere Summe schuldete. Stainer bot an, den Betrag durch die Lieferung von Instrumenten zu begleichen, um dafür sukzessive von seinem Schwiegervater ausgezahlt zu werden. Eine bemerkenswerte und kluge Konstruktion, insofern sich der junge Geigenbauer damit einen neuen Weg erschloss, seine Geigen zu verkaufen, und zugleich eine Tür zum erzherzoglichen Hof öffnete. Zu guter Letzt erhielt Jakob Stainer für die initiale Lieferung von Instrumenten und Saiten im Wert von 30 Gulden eine Rate von 50 Gulden – und setzte den kurzfristig gewonnenen Liquiditätsvorteil sogleich in eine Reise nach Venedig um, wohl mit dem erklärten Ziel, Materialien zu beschaffen. 
 Rund eineinhalb Jahre dauerte diese Handelsfahrt, und als Jakob Stainer zurückkehrte, wurde der familiäre Schuldtitel an den Hofmusiker Christoph Hegele übertragen und kurz danach erlassen. Ein seltsames Ende dieser Transaktion, das zur Spekulation anregt: Hatte der Hof wegen Jakob Stainers langer Abwesenheit die Geduld verloren? Hatten sich dem geschäftssinnigen Meister neue, bessere Optionen eröffnet? Fragen, wie sie an zahllosen Stellen der Lebensgeschichte Jakob Stainers zu stellen sind. 
 Weitere Reisen führten den Wanderer Jakob Stainer in den Jahren 1650-55 nach München, Venedig, Bozen und Brixen. Dass Stainerim Jahr 1652 eine von vielen folgenden Taufpatenschaften übernahm und 1653 selbst als Zeuge bei einer Schuldverschreibung fungieren konnte, deutet darauf hin, dass sich seine wirtschaftliche Situation und damit sein bürgerlicher Status stabilisierten. 1655 verkaufte Stainer eine kunstvoll verzierte Geige für 30 Gulden nach München – den Betrag, den er wenige Jahre zuvor noch für mehrere Instrumente im Rahmen der Schuldverschreibung an den Erzherzog berechnet hatte. 
 Jakob Stainer etabliert sich in Absam 
 Tatsächlich ermöglichten der wachsende Erfolg und eine Erbschaft im schließlich, sich 1656 in Absam sesshaft zu machen und als Geigenbauer seine Werkstatt zu etablieren. Durch einen Häusertausch innerhalb der Familie und eine Zuzahlung, für die er sich mit der stattlichen Summe von 150 Gulden verschuldete, erwarb er das Haus in Absam, in dem er den Rest seines Lebens verbringen und arbeiten sollte. In dieser Zeit erhielt Jakob Stainer auch ein Wappen, das seinen verbesserten Status dokumentiert. 
 1658 erfolgte Jakob Stainers Ernennung zum  „Erzherzoglichen Diener/Hoflieferanten“  durch Graf Ferdinand Karl von Tirol, als verspätete Dividende seiner langjährigen Bemühungen um den Innsbrucker Hof. Dieser Titel war ein wichtiger Schlüssel für Stainers Erfolg; in unmittelbarer Folge bekam er Bestellungen des spanischen Königshofes, und sein Absatzgebiet erweiterte sich kontinuierlich, auch über den deutschsprachigen Raum hinaus, sogar bis nach Italien: So besaß etwa der Komponist und Virtuose Antonio Veracini 10 Stainer Geigen, die die Hälfte seiner Sammlung ausmachten. 
 Ecken und Kanten: Jakob Stainer als Kind seiner Zeit 
 Die Lebenszeit Jakob Stainers war das konfliktgesättigte 17. Jahrhundert, eine Zeit der politischen und gesellschaftlichen Unruhe, des Umbruchs in allen Bereichen des Lebens. Jakob Stainer, der Wanderer, hatte seinen Lebensmittelpunkt im habsburgischen Tirol, einem der Kernländer der Gegenreformation – das freilich nicht ganz unberührt geblieben war von den revolutionären protestantischen Lehren, die bis in die kleinsten Dörfer hinein mal offener, mal im Verborgenen gehört und weitergesagt wurden. Die wirtschaftlichen Umwälzungen, initiiert durch den Dreißigjährigen Krieg und die wachsenden Finanznöte des Adels, ließen keine Schicht der sich neu formierenden Gesellschaft unangetastet, und so ist es kein Wunder, dass auch ein Geigenbauer wie Jakob Stainer seinen Teil an den Spannungen der Epoche zu tragen hatte. Umso mehr, als Jakob Stainer in den erhaltenen Dokumenten als eine für seinen Stand als Geigenbauer außergewöhnlich gebildete, kluge, aber auch schwierige Persönlichkeit erkennbar wird. 
 So gehört zu den geringeren Konflikten, die sich in der „Akte Stainer“ finden, eine Schlägerei mit Absamer Bauern im Jahr 1659, die in wechselseitige Schadenersatzforderungen mündete. 1661 hatte sich Jakob Stainer einem gerichtlichen Mahnverfahren zu stellen, anlässlich einer von ihm angefochtenen Rechnung, und wurde zur Zahlung von 50 Gulden verurteilt. 
 Der Häresieprozess gegen Jakob Stainer 
 Neben solchen kleineren juristischen Scharmützeln steht der Ketzereiprozess gegen Jakob Stainer und seinen Freund Jacob Meringer, der ihn seit 1668 über zwei Jahre beschäftigte, in Haft führte und das historische Bild Stainers als einer unbotmäßigen, bis zur Sturheit geradlinigen Persönlichkeit prägt. Formal ging es bei der Auseinandersetzung, aus der sich die weltliche Gerichtsbarkeit soweit irgend möglich heraushielt, um den Fund verbotener, kirchenkritischer Bücher bei Jacob Meringer – der sich mit der Anschuldigung zu entlasten suchte, er habe sie von Jakob Stainer erhalten. Im Kern stand wahrscheinlich eine Denunziation, denn jakob Stainers Verhältnis zu seinen Mitmenschen war nicht immer unbelastet – und die Eloquenz, die man ihm im Laufe des Verfahrens bescheinigte, dürfte manchen Konflikt in der kleinen Absamer Welt zusätzlich angeheizt haben. Dass ein solcher, mithin nachbarschaftlicher Konflikt im Hintergrund gestanden haben dürfte, belegen auch die wiederholten Forderungen Stainers und Meringers, die Behörden mögen doch endlich einmal die Namen der Zeugen nennen, die gegen sie ausgesagt hatten. So wenig sie die gewünschte Auskunft erhielten, so entschieden boykottierten sie das Verfahren – Jakob Stainer mit dem wiederholten Hinweis, wegen seiner vielen Arbeit und seiner hochrangigen Auftraggeber unabkömmlich zu sein. Die Eskalation führte die beiden Angeklagten schließlich ins Gefängnis, in dem sie die verhängte Strafe zu einem maßvollen Bußritual herunterhandeln konnten – was sie allerdings nicht daran hinderte, gleich im Anschluss ihren Verdienstausfall und ihre Unkosten durch das Verfahren (wenngleich erfolglos) einzuklagen. 
 Es gehört zu den Widersprüchlichkeiten dieser Zeit, dass jakob Stainer während des laufenden Ketzerprozesses, in dem er zeitweilig exkommuniziert wurde, seinen Geschäften als Geigenbauer durchaus weiter nachgehen konnte. Sogar aus dem Arrest heraus konnte er sich einen großen Auftrag des Bischofs von Olmütz sichern, und lieferte während des Verfahrens Instrumente nach Wien, ausgestattet mit kaiserlichen Zollprivilegien. Selbst der 1662 erloschene Dienstbrief des Erzherzogs, der Jakob Stainer die Stellung eines Hoflieferanten gewährt hatte, wurde 1669 durch ein kaiserliches Privileg erneuert – was ein ganz eigenes Licht auf das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht im erzkatholischen Habsburgerreich der Gegenreformation wirft. 
 Wirtschaftliche Turbulenzen 
 In dieser ebenso unruhigen wie erfolgreichen Zeit hatte Jakob Stainer zunehmend mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die ihre Ursachen zum Teil in seinem eigenen Finanzgebaren, zum Teil in der schlechten Zahlungsmoral seiner Kunden und dem Umgang der ebenfalls klammen Obrigkeit mit ihren Schulden fanden. 1667 rettete eine Umschuldung die wirtschaftliche Existenz der Familie, als jakob Stainer das Darlehen, das er 10 Jahre zuvor für den Kauf seines Hauses aufgenommen hatte, nicht zurückzahlen konnte. 1677 musste er einen alten Schuldtitel des verstorbenen Erzherzogs in Höhe von 450 Gulden abschreiben, da der kaiserliche Hof seine Verantwortung als Rechtsnachfolger der mit Ferdinand Karl erloschenen Linie der Habsburger verleugnete. 
 Obwohl jakob Stainers Instrumente nach wie vor sehr gefragt waren, musste er immer wieder schmerzhafte Konzessionen eingehen – wie der Verkauf einer Gambe an Ferdinand Stickler, den Dekan der Pfarrkirche Meran, im Jahr 1678 beispielhaft zeigt: Während Stickler das Instrument mit Wein bezahlen wollte, bot Jakob Stainer ihm einen hohen Barzahlungs-Rabatt an: 16 Taler sollte das Instrument kosten, das er zu anderen Zeiten für den doppelten Betrag hätte verkaufen können, inklusive einer kostenlosen Aufwertung mit einem Löwenkopf statt einer Schnecke und einer Rücknahmegarantie bei Nichtgefallen. 
 Jakob Stainers Krankheit und Tod 
 Es ist nicht zu beweisen, aber auch nicht auszuschließen, dass diese Probleme ihren Anteil an dem sich kontinuierlich verschlechternden Gesundheitszustand Jakob Stainers hatten; eine Entwicklung, die um 1675 einsetzt und sich ab 1680 immer deutlicher in seinen Geschäftsbeziehungen niederschlägt. Während die Quellenlage eine medizinische Diagnose verbietet, erweckt Stainers geschäftliche Korrespondenz doch stark den Eindruck einer manisch-depressiven, in jedem Fall aber psychischen Erkrankung, die seine handwerklichen Fähigkeiten aber erstaunlicherweise unberührt ließ. Gerade in dieser Phase entstanden die schönsten Stainer Geigen, und noch 1679 erhielt er einen Großauftrag des Münchner Hofes, der mit einer Anzahlung von 150 Gulden für mehrere Instrumente verbunden war. 
 Doch diese Lichtblicke konnten die Lage offenkundig nicht mehr wenden, und so wurde Jakob Stainer 1682, nachdem er wieder einmal Zinszahlungen versäumt hat, gerichtlich unter Vormundschaft gestellt. Sein Schwiegersohn Blasius Keil, der mit seiner 1678/79 verstorbenen Tochter Maria verheiratet gewesen war, sprang ein und erklärte sich auf Vorschlag des amtlichen Pflegers bereit, das Haus Stainers zu kaufen, dem gemeinsam mit seiner Frau Margareta ein lebenslanges Wohnrecht zugestanden wurde. Noch bevor der Plan in die Tat umgesetzt werden konnte, starb Jakob Stainer im Herbst 1683; das genaue Datum seines Todes ist nicht bekannt. 1689 folgte ihm Margareta. 
 Epilog 
 1694 musste sich Blasius Keil vor Gericht verantworten, weil er den Grundzins für das Anwesen, das er schließlich aus dem Nachlass erworben hatte, schuldig geblieben war. Die Schulden, das Lebensthema des Geigenbauers Jakob Stainer, waren wieder da. 
 Notizen zum Werk Jakob Stainers 
 Jakob Stainers letzte Violine entstand 1682, kurz vor seinem Tod, und befindet sich heute im  Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum . Trotz der schlechten Verhältnisse, in denen seine spätesten Instrumente entstanden, arbeitete er als Geigenbauer bis zuletzt auf einem denkbar hohen Niveau. Wegen dieser hohen Konstanz seines persönlichen, vielfach nachgeahmten Stils lassen sich, im Unterschied zu vielen anderen namhaften Geigenbauern, die Phasen im Gesamtwerk Jakob Stainers nur schwer voneinander abgrenzen. 
 Als kennzeichnend für das Stainer-Modell wird neben der besonderen Form der F-Löcher in aller Regel die „hohe“ Wölbung genannt. Ohne auf die Feinheiten der Decken- und Bodengestaltung durch Stainer im Detail einzugehen ist doch festzuhalten, dass die Höhe der Wölbung zwar einen markanten Unterschied insbesondere im Vergleich mit dem später dominanten Modell  Antonio Stradivaris  markiert – die unverkennbare Charakteristik von Stainer Geigen aber vor allem in einer besonderen, plateauartigen Gestaltung der Decke liegt; dies gilt insbesondere gegenüber anderen, hochgewölbten Violinmodellen des deutschen Sprachraums. 
 Ihre besondere Qualität verdanken die Geigen Jakob Stainers zudem weniger einzelnen baulichen Besonderheiten, die, isoliert betrachtet, das Geheimnis des bis weit ins 18. Jahrhundert hinein so hochgeschätzten „silbernen Klangs“ (voce argentina) ausgemacht hätten. Analog zum Werk Antonio Stradivaris waren es nicht zuletzt das Talent, die große Erfahrung und die kompromisslose Sorgfalt, mit der Jakob Stainer seine Instrumente baute – angefangen bei der Wahl der Tonhölzer, die er persönlich auf tagelangen Wanderungen durch die Täler seiner Heimat aussuchte, wobei er, nach eigenem Bekunden, die besten Bäume nach Geruch, Geräusch und Farbe identifizierte. 
 Anders als die frühe Stainer-Forschung angenommen hatte, gab er sein Wissen auch an keinen Schüler weiter, sondern arbeitete Zeit seines Lebens weitgehend allein und entfaltete seinen grenzüberschreitenden Einfluss nur durch die Qualität seiner Instrumente und ihren ausgezeichneten Ruf, der sich noch zu seinen Lebzeiten in alle Lande verbreitete. So folgte die englische Geigenbautradition als Ganze für lange Zeit seinem ausschließlichen Vorbild, das aber auch in Stammländern des Geigenbaus wie Frankreich und Italien maßgebliche Bedeutung erlangte – wo zahlreiche Meister und Werkstätten auch jene Legionen von gefälschten Zetteln in besseren und schlechteren Geigen nach  Jacobus Stainer  produzierten, die die instrumentengeschichtliche Forschung bis heute beschäftigen. 
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                 Matthias Klotz, die Klotz-Geige und ihre Väter: Eine Familientradition zwischen Meisterschaft und Markenwert 
 Matthias Klotz legt letzte Hand an: Mit dem erfahrenen Blick des Meisters führt der Mittenwalder Geigenbauer das Messer, um eine neue Violine zu vollenden. Von erstaunlicher Feinheit ist sein Werk, angesichts der kräftigen Gestalt und der mächtigen Hände. Seit dem Herbst des Jahres 1890 scheint das Matthias Klotz Denkmal in Mittenwaldin dieser Bewegung zu verharren, das der berühmte Erzgießer Ferdinand II Freiherr von Miller mit irritierender Detailtreue geschaffen hat – und für seine beste Arbeit gehalten haben soll.    
 Matthias Klotz und die Klotz-Familie: Übersicht der Inhalte 
 
  Wie wurde Matthias Klotz zum Geigenbauer?  
  Gründung und erste Erfolge der Mittenwalder Werkstatt von Matthias Klotz  
  Sebastian Klotz – der Klassiker des Mittenwalder Geigenbaus  
  Eigenschaften und historischer Wert der Klotz-Geige  
  Georg II und Ägidius Klotz  
  Die Klotz-Geige im Kontext anderer deutscher Geigenbau-Traditionen  
 
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 „Nicht ein Symbol, den Mann selber wollen wir vor unseren Augen haben“, insistierten von Millers Auftraggeber vom Mittenwalder Geigenbauer - Verein – und sie bekamen das ideale Porträt eines Handwerkers, von dem kein Bild exisitiert. Es verwickelt den Betrachter in ein vielschichtiges Gespräch: mit den international operierenden Unternehmern Neuner und Baader,&amp;nbsp;die den Wert der „Marke Klotz“ für Mittenwald erkannt hatten und die Errichtung seines Denkmals betrieben; mit den Handwerksmeistern eines bayerischen Dorfes, für die der Geigenbau ein Geschenk des Himmels war und die ihren großen Sohn gern in einem Atemzug mit Amati,  Jakob Stainer  und  Antonio Stradivari  nennt; und nicht zuletzt mit den zahllosen Lehrlingen und Gesellen, die seit den Tagen ihres Urvaters Matthias Klotz in kleinen Werkstattzimmern und Manufakturhallen tätig sind, in stetiger, sitzender Bewegung, wie es auch das Klotz Denkmal vor der Mittenwalder Kirche St. Peter und Paul zu sein scheint.&amp;nbsp; 
 &amp;nbsp; 
 Wie wurde Matthias Klotz zum Geigenbauer? 
 Tatsächlich lässt die  Frühgeschichte des Geigenbaus in Mittenwald  mindestens so viele Fragen offen, wie sie beantwortet. Ihre bestimmtende Figur heißt  Matthias Klotz , denn der Schneidersohn brachte den Geigenbau in seiner Heimatstadt auf jenes Niveau, das seinen Aufschwung im oberen Isartal erst begründete. Gleichwohl ist über den Werdegang von Matthias Klotz so gut wie nichts bekannt – weder, wie er überhaupt zum Geigenbau kam, noch wo er seine erste Ausbildung erhalten hat. Und noch weniger, was für Instrumente er in den ersten drei Jahrzehnten seiner Selbständigkeit baute, denn die ältesten erhaltenen Werke datieren ins Jahr 1712 – sein 59. Lebensjahr! Diese erstaunlich große Lücke hat in der Forschung bislang keine befriedigende Erklärung gefunden. Hätte der Mittenwalder Geigenbauer Matthias Klotz (Matthias Kloz) in dieser langen Zeit keine oder nur wenige Instrumente gebaut, so eine mögliche Hypothese, wäre die Qualität seiner bekannten Arbeiten kaum nachvollziehbar. Dass seine früher entstandenen Instrumente aber allesamt verschollen oder unerkannt geblieben sein sollten, erscheint angesichts seiner Bedeutung für die Musikinstrumentengeschichte auch nicht sehr plausibel. 
 Mit aller gebotenen Vorsicht ist Matthias Klotz der einflussreichen  Füssener Lautenmacher-Schule  zuzurechnen; zudem hat er einen Teil seiner Ausbildung offenbar in Italien absolviert, was ein  Gesellenbrief von Pietro Railich in Padua  belegt. Die oft behauptete Lehrzeit bei Nicolo Amati und ein Aufenthalt bei Jacobus Stainer gehören aber schon zu den fließend ins Reich der Legende übergehenden, unscharfen Rändern seines Lebensweges. Wenn ein Urteil über das Werk des Matthias Klotz auch angesichts der schmalen Überlieferung kaum möglich ist, und wenn er inzwischen auch nicht mehr als der  historisch erste Geigenbauer von Mittenwald  gilt, so stehen sein großer Erfolg und seine Bedeutung für die Entstehung des Mittenwalder Geigenbaus doch außer Frage. 
   Stammbaum der Geigenbauer Familie Klotz, Mittenwald 
 Gründung und erste Erfolge der Mittenwalder Werkstatt von Matthias Klotz 
 Mit seiner in den 1680er Jahren eröffneten Werkstatt scheint er von Anfang an exzellente Geschäftsmöglichkeiten gefunden zu haben. Die Bergwälder des Karwendelgebirges sicherten reiche Vorräte an erstklassigen  Tonhölzern , die Lage Mittenwalds an einem wichtigen transalpinen Handelsweg bedeutete gute Absatzmöglichkeiten – Bedingungen, die Matthias Klotz praktisch ohne lokale Konkurrenz zur Verfügung standen. 
 So konnte seine prosperierende Werkstatt zahlreiche Lehrlinge und Gesellen beschäftigen, die ihrerseits wichtige Geigenbauerfamilien begründeten. Neben Meistern wie Andreas Jais und Martin Tiefenbrunner, die aus dem Hause Klotz hervorgingen, prägen aber vor allem die vielen Mitglieder der  Klotz Dynastie  selbst die Wirkungsgeschichte ihres Gründers. Die wechselseitigen Einflüsse und Abhängigkeiten sind – wie bei vielen vergleichbaren, großen Handwerkerfamilien – ein ebenso interessantes wie weites Forschungsgebiet. In einer langen Reihe von mehr als 25 Geigenbauern über acht Generationen behaupteten die Klotz bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine bestimmende Rolle im Geigenbau ihrer Heimat, und soweit die Arbeiten ihrer einzelnen Mitglieder bekannt sind, stellen sie begabte und gut ausgebildete Handwerker vor, die die Treue zur familiären Tradition mit Individualität und Kreativität zu verbinden wussten. Selbst vorzügliche, eigenständige Modelle wie das von  Matthias Hornsteiner „Dax“ , der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wirkte, schmälern die Bedeutung der Klotz Violine nicht, sondern treten neben sie, als Ausweis einer regionalen Handwerkskunst, die sich immer weiter verfeinerte und differenzierte. 
 Sebastian Klotz – der Klassiker des Mittenwalder Geigenbaus 
 Der bedeutendste Exponent der ersten Generation Mittenwalder Geigenbauer nach Matthias Klotz ist ohne Zweifel dessen Sohn Sebastian Klotz. Soweit die überlieferten Instrumente zuverlässige Schlüsse zulassen, übertraf der Sohn Sebastian Klotz seinen Vater und Lehrmeister an Innovation und Talent und prägte den Geigenbau seiner Heimat nachhaltig. Sein Geigenmodell ist „die“ Klotz-Violine im engeren Sinne, und Sebastian Klotz hat mit ihr – mehr noch als Matthias – einen eigenständigen künstlerischen Beitrag zur Geigenbaugeschichte geleistet. Dennoch wurde Sebastian nie ein Denkmal gesetzt, und während Matthias Klotz im späten 19. Jahrhundert zur Ikone des Mittenwalder Geigenbaus avancierte, sprechen für den Sohn allein seine Instrumente – und die ihnen folgenden Arbeiten seiner Söhne, Schüler und zahlreichen Nachahmer. 
 Eigenschaften und historischer Wert der Klotz-Geige 
 Instrumentengeschichtlich gilt das Klotz-Modell als individueller Weg zwischen den mächtigen Vorbildern, die den Geigenbau dieser Epoche maßgeblich beeinflussten: der italienischen Tradition von Nicolo Amati auf der einen Seite, und dem deutschen Modell Jakob Stainers auf der anderen. Dabei soll nicht unterschlagen werden, dass das Œuvre von Sebastian Klotz insgesamt von einer erheblichen Variablität gekennzeichnet ist. Spätestens als er den Zenith seiner handwerklichen Entwicklung überschritten und sich erfolgreich etabliert hatte, scheint er sich selbst und seinen Mitarbeitern größere künstlerische Freiheiten zugestanden zu haben – und dies nicht etwa in rein ästhetischen Details, wie sie z. B. in Veränderungen des Lackbildes oder der Schneckengestaltung zu sehen wären, sondern in geigenbauerischen Kernfragen wie der Korpuslänge, der Deckenmensur und der Zargenhöhe. Ungeachtet dieser stilistischen Schwankungsbreite lassen sich aber durchaus charakteristische Merkmale des Klotz Modells beschreiben: eine mittelhohe Wölbung, typisch geformte Wölbungs- und Randhohlkehlen, ein elegant geschwungener Wirbelkasten und die selbstbewusst geformte Schnecke, die mit weitem, früh ansetzendem Maul barocke Üppigkeit ausstrahlt. Auch das Innenleben echter Klotz Geigen offenbart dem geschulten Auge wichtige, unverwechselbare Eigenschaften, vor allem in der Ausführung der Eckklötze und Reifchen. Einteilige Unter- und Oberzargen sowie ein dünner Lack von intensiv brauner Farbe sind weitere Erkennungsmerkmale der Instrumente aus dem Hause Sebastian Klotz. 
 Georg II und Ägidius Klotz 
 Auch in der  dritten Generation der Klotz Familie  und ihrer Lehrlinge sind die Momente von Variation und Weiterentwicklung des überkommenen Erbes als wichtigstes gemeinsames, ja schulbildendes Merkmal anzusehen. So ist bei  Georg Klotz II , Sebastians ältestem Sohn, gut zu beobachten, wie er, vom väterlichen Modell ausgehend, nach und nach zu einem umfassenden, eigenen Stil fand. Dieser äußerte sich nicht nur in den außergewöhnlich großen Instrumenten, mit denen sich Georg Klotz von vielen Geigenbauern seiner Zeit unterschied; auch in der Gestaltung der Wölbung, der Hohlkehlen und der F-Löcher ist er zunehmend eigene Wege gegangen. Noch eigenständiger arbeitete jedoch sein Bruder  Ägidius Klotz , dessen Patron mit seinen kurzen Oberbügeln von unverwechselbarem, leicht gedrungenem Charakter ist, den die vergleichsweise breite Randeinlage zusätzlich unterstreicht. Noch auffallender als bei seinem Vater Sebastian Klotz und seiner Werkstatt, in der Ägidius Klotz mit größter Wahrscheinlichkeit ausgebildet wurde, ist die Wechselhaftigkeit der Deckenmensuren. Auch die Schnecke führte Ägidius Klotz nach einem ganz individuellen Modell aus, das an einem sehr kurzen Maul leicht zu erkennen ist. 
 Die Klotz-Geige im Kontext anderer deutscher Geigenbau-Traditionen 
 Gerade wegen dieser individuellen Akzente ist die  Geschichte der Klotz Violine  ein Beleg dafür, dass die Epoche zwischen Stradivari und der breiten Durchsetzung der klassischen  Cremoneser Geigenbau-Prinzipien  viele autochthone Traditionen kannte, die jede für sich zur Blüte gelangten und von unterschiedlicher normativer Kraft waren, aber gültige Arbeiten hervorgebracht haben. In diesem Sinne steht Sebastian Klotz etwa neben dem  Klingenthaler Caspar Hopf , der ein begnadeter Handwerker von vergleichbarer innovativer Kraft und – mindestens regional – dauerhaftem Einfluss war. Auch die rustikal anmutenden  barocken Streichinstrumente  der sog. Alemannischen Schule in der Schweiz und im südlichen Schwarzwald haben in jüngerer Zeit neue Beachtung erfahren. Für diese Aufmerksamkeit sind nicht allein museale und wissenschaftliche Interessen ausschlaggebend, vielmehr haben die künstlerischen Ansätze der Alte-Musik-Bewegung dafür gesorgt, dass die „musikalische Zeitzeugenschaft“ dieser Instrumente auch in der Praxis gewürdigt wird. 
 Dieser immer noch relativ junge, differenziertere Blick auf die Geschichte des Streichinstrumentenbaus befreit historische Leistungen wie die Klotz Violine aus dem Korsett ihrer monumentalen Historisierung, und lässt einmal mehr deutlich werden, dass es nicht unbedingt handfeste Nachteile waren, die zum weitgehenden Aussterben dieser von Stradivari unabhängigen Schulen führten. Das Ende der Klotz Ära kam, wie an anderen Orten auch, vor allem durch das Verlegerwesen und durch die Industrialisierung des Geigenbaus in Mittenwald, die auch eine stärkere Vereinheitlichung der handwerklichen Standards bewirkten und den Markt für Streichinstrumente revolutionierten. Diese Entwicklungen veränderten die Funktion des traditionellen Handwerks und seiner profilierten Meister grundlegend, die zwar nicht verschwanden, in einer gewandelten Musikwelt aber eine neue, weniger bestimmende Rolle fanden – oder, wie Matthias Klotz, zu mythischen Gewährsleuten ihrer Nachfolger wurden, die längst für einen globalen Markt produzierten. Mit einer seltenen Violine von Georg I. Kloz, dem ersten Sohn von Matthias Klotz, stiftete Corilon violins dem Geigenbaumuseum Mittenwald ein Schlüsselinstrument der Mittenwalder Geigenbaugeschichte:  Georg Kloz, Violine von 1722  
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                 Ludwig Bausch - Ludwig Bausch und Sohn:  Über Leben und Werk des zu wenig bekannten deutschen Bogenbauers und seiner Söhne 
 Der deutsche Bogenbauer   Ludwig Bausch (1805-1871)  &amp;nbsp;gehört zu den großen Meistern des europäischen Bogenbaus, denen eine angemessene historische Würdigung weitgehend vorenthalten geblieben ist. Diese Vernachlässigung ist nur auf den ersten Blick erstaunlich, denn ungeachtet der Bedeutung, die der Bogen für das Spiel und die historische Entwicklung von Geige, Bratsche und Cello hat, genießen auch die hervorragendsten Bogenmacher längst nicht die Bekanntheit von Geigenbauern wie  Stradivari , Pressenda oder  Vuillaume . Die Gründe für dieses Missverhältnis sind vermutlich in der besonderen Expertise zu suchen, die die Beurteilung der Qualität und der Provenienz eines Bogens erfordert. Ihr Übriges mag die Unsicherheit leisten, die die zahlreichen und leicht hergestellten Kopien der Meisterstempel großer Bogenmacher verursachen. Dieses Schicksal teilt auch der Stempel „Bausch“, den eine große Zahl falscher Bögen von fragwürdiger Qualität für sich beansprucht. So kommt echten Arbeiten aus dem Hause Bausch zwar bis heute große Anerkennung zu, jedoch bevorzugt in den elitären Kreisen von Kennern und Fachleuten. In einer weiteren Öffentlichkeit darf dieser bedeutende Name als Geheimtipp gelten. 
 Historischen Rang kann das Werk des 1805 in Naumburg geborenen Ludwig Bausch gleichwohl mit Recht beanspruchen, der den modernen Streichbogen nach dem Vorbild des französischen Meisters  François Xavier Tourte  in Deutschland eingeführt hat, in Form seines eigenen, durchaus selbständigen Bogenmodells. Mit ihm erwarb er sich den Ehrennamen  „deutscher Tourte“ , der freilich im patriotischen Sinne des späten 19. Jahrhunderts zu verstehen, aber auch höchst angemessen ist, angesichts des Einflusses, den Ludwig Bausch auf Generationen deutscher Bogenmacher ausübte. 
 Auf welchen Wegen Bausch zur Bogenmacherei kam, gehört zu den offenen Fragen der Geschichte. Nach seiner Ausbildung zum Geigen- und Lautenmacher beim Dresdener Hofinstrumentenmacher Johann Benjamin Fritzsche ließ sich Bausch 1825 zunächst in der Elbmetropole nieder, um bereits 1828 nach Dessau zu wechseln. Dort muss Bausch die entscheidenden Schritte zur Entwicklung seines Bogenmodells getan haben, vermutlich in Kontakt mit dem großen Violinisten, Komponisten und Pädagogen  Louis Spohr , der seinerseits zu den einflussreichsten musikalischen Persönlichkeiten seiner Zeit gehörte – bewiesen ist die Zusammenarbeit beider Meister allerdings nicht. 
 1839 zog der mittlerweile zum Dessauer Hofinstrumentenmacher avancierte Ludwig Bausch nach Leizpig und befasste sich dort fast ausschließlich mit dem Bogenbau. Auch die Stellung eines nassauischen Hofinstrumentenmachers, die Ludwig Bausch von 1861-1863 in Wiesbaden einnahm, war offenkundig nicht attraktiv genug und blieb ein Intermezzo. 1840 mit einer Silbermedaille der Sächsischen Industrieausstellung ausgezeichnet, schrieb das Unternehmen Bausch seine stetige Erfolgsgeschichte weiter, nicht zuletzt durch Ludwig Bauschs Söhne: Nachdem Ludwig Bausch jun. Lehrjahre in New York verbracht hatte und Otto Bausch bei Jean Vauchel ausgebildet worden war, erweiterten sie ab 1860 das Unternehmen zur Manufaktur „ Ludwig Bausch &amp;amp; Sohn “, die sich international rasch etablierte. Mit dem frühen Tod der Brüder – Ludwig jun. starb 1871 wenige Wochen vor seinem Vater, Otto im Jahre 1875 – fand diese vielversprechende Bogenmacherdynastie ihr frühes Ende. Ihr Unternehmen aber profitierte von der Lebensleistung der Familie weiter, bis zu seiner Auflösung im Jahre 1908, geführt von dem langjährigen Bausch-Mitarbeiter Adolf Wilhelm Eduard Paulus und seinem Sohn Adolf Paulus jun. 
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            <title type="text">Eugène Nicolas Sartory: Der moderne Klassiker des Bogenbaus</title>
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                                            Zu Leben und Werk von Eugène Nicolas Sartory, des großen Pariser Bogenbauers und klassischen Meisters seiner Kunst
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                 Eugène Nicolas Sartory: Zu Leben und Werk des großen Pariser Bogenbauers und klassischen Meisters seiner Kunst 
 Bögen des Pariser Meisters Eugène Sartory gehören seit mehr als 100 Jahren zu den gefragtesten Werken des modernen Bogenbaus. Seine ästhetisch vollendeten und hervorragend ausbalancierten Arbeiten sind als Weiterentwicklungen der Modelle von  François Nicolas Voirins  und  Joseph Alfred Lamy Père  zu interpretieren – und gelten als der klassische Standard des Streichbogens in der Tradition des großen  François Xavier Tourte . 
 Eugene Nicolas Sartory Artikel Übersicht: 
 
  Eugène Sartory – Ausbildung und Reifezeit  
  E. Sartory – ein Markenzeichen höchster musikalischer Qualität und eines erlesenen Stils  
  Rang und Wirkung von Eugène Sartory  
 
 Eugène Sartory – Ausbildung und Reifezeit 
  Eugène Nicolas Sartory  wurde am 22. September 1871 in  Mirecourt  geboren und erlernte die Kunst des Bogenbaus bei seinem Vater. Noch keine zwanzig Jahre alt, wurde er 1890 Mitarbeiter von Charles Peccatte in Paris und arbeitete wenig später für den legendären Joseph Alfred Lamy Père, um schon 1893 seine eigene Werkstatt am Boulevard Nouvelle zu eröffnen. In den folgenden zwölf Jahren führte Eugène Sartory sein individuelles Bogenmodell zur Reife, das er ein Leben lang in höchster und erstaunlich homogener Qualität fertigte – eine Qualität, die als eines der wichtigsten Charakteristika echter Sartory-Bögen gilt und ihre berühmten Spielqualitäten begründet. 
     
 E. Sartory – ein Markenzeichen höchster musikalischer Qualität und eines erlesenen Stils 
 Sowohl in seiner frühen Werkphase, in der Eugène Sartory vorwiegend mit dunklem Fernambuk arbeitete, als auch in der späteren, „helleren“ Zeit verlieh er seinen Bögen oft eine besonders hochwertige Ausstattung mit Ebenholz, feinsten Silber- und Goldmonturen, Schildpattarbeiten und Daumenleder aus Eidechsenhaut. Kompakte und perfekt geformte Köpfe gehören zu den markantesten Erkennungszeichen der „Handschrift“ Sartorys. 
 Rang und Wirkung von Eugène Sartory 
 Die überragende Bedeutung, die Eugène Nicolas Sartor&amp;lt; in der Musikwelt frühzeitig erlangte, ist an den um 1920 einsetzenden zahlreichen Kopien und Fälschungen seiner Bögen ablesbar – und, in kurioser Weise, an dem irrtümlichen Nachruf, den „The Violinist“ im Jahr 1914 auf den vermeintlich im Ersten Weltkrieg gefallenen Meister veröffentlichte. Klassischen Rang erlangte E. Sartory schließlich nicht zuletzt durch seine Mitarbeiter, deren Arbeit er entscheidend beeinflusste:  Louis Morizot  (1874-1957) in Paris und  Hermann Prell  (1875-1925) in Markneukirchen wurden selbst international bekannte Bogenbauer.  Louis H. Gillet  (1891-1970), der von vielen Solisten als ein Sartory ebenbürtiger Meister angesehen wird, arbeitete von 1934 bis zu seinem Tod am 5. März 1946 mit Eugene Sartory zusammen. 
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 J. &amp;amp; A. Beare,  Beare&#039;s , London: Expertise im Wandel der Zeiten 
 Originally published by Corilon violins. 
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            <title type="text">Der Bogenbauer Joseph Alfred Lamy Père: Eine Schlüsselfigur des modernen Boge...</title>
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                                            Der französische Bogenbauer Joseph Alfred Lamy Père (1850-1919): Über Leben und Werk des großen Pariser Bogenbauers und Voirin-Schülers
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                 Joseph Alfred Lamy Père: Über Leben und Werk des großen Pariser Bogenbauers und Voirin-Schülers 
 Der französische Bogenbauer  Joseph Alfred Lamy Père (1850-1919)&amp;nbsp;(Lamy Père)  ist einer der wichtigsten Meister des modernen französischen Bogenbaus, der sich seit  J. B. Vuillaume  (1798-1875) neu mit dem epochemachenden Werk von  François Xavier Tourte  (1747/48-1835) auseinandersetzte. Ohne die eigenständige Akzentsetzung seines Bogenmodells in Abrede zu stellen, kann Joseph Alfred Lamy als Brückenbauer von Tourte ins zwanzigste Jahrhundert verstanden werden. Über ihre instrumentengeschichtliche Bedeutung hinaus entsprechen Lamys Arbeiten hervorragend den Anforderungen, die anspruchsvolle Musiker unserer Zeit stellen, weshalb Bögen mit der Marke „A. Lamy a Paris“ zu den gefragtesten historischen Streichbögen zählen. 
 Lamy Père, wie er zur Unterscheidung von seinem Sohn Hippolyte-Camille Lamy „Fils“ (1875-1942) oft genannt wird, wurde 1850 in  Mirecourt  geboren. Schon als Zwölfjähriger begann er seine Lehre in der Werkstatt von Charles Claude Nicolas Husson. Ab 1868 arbeitete er für den großen Instrumentenhersteller Gautrot in Château Thierry, wo er vermutlich Joseph Voirin kennenlernte; eine Verbindung, die zu Lamys Eintritt in die Werkstatt von  François Nicolas Voirin  (1833-1885) im Jahre 1876 beigetragen haben mag. 1885, nach Voirins Tod, eröffnete Joseph Alfred Lamy seine eigene Werkstatt in der Rue du Faubourg Poissonière, Paris, die nach seinem Tod im Jahre 1919 von seinem Sohn weitergeführt wurde. Lamys Werke wurden bei Ausstellungen in Paris 1889 und 1890 mit Silber- und Goldmedaillen ausgezeichnet. 
 Wie Voirin, den er als seinen eigentlichen Lehrer bezeichnete, orientierte sich Lamy Père zunächst an Jean-Baptiste Vuillaume, der auf der Grundlage seiner Tourte-Analysen hervorragende Geigenbögen gefertigt hatte, ihre Herstellung aber wegen seines großen Erfolgs als Geigenbauer schon bald nicht selbst weiterverfolgte und Mitarbeitern wie Voirin überließ. Anders als Voirin, der ein möglichst leichtes und dünnes Bogenmodell anstrebte, verstärkte Joseph Alfred Lamy Pere in seiner reifen Phase ab 1889 die Stange und den Frosch. Sein Modell setzte Standards in dem allgemeinen Trend zu schwereren Bögen, der den französischen Bogenbau im späten 19. Jahrhundert prägte. Sein wichtigster Schüler und Mitarbeiter ist  Eugène Sartory  (1871-1946), der als Klassiker des Bogenbaus im zwanzigsten Jahrhundert gilt. 
 &amp;nbsp; 
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                            <updated>2019-12-05T16:35:00+01:00</updated>
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            <title type="text">John Dodd: Eine Legende von Austernschalen und Silberlöffeln</title>
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                                            John Dodd, der legendäre Begründer des englischen Geigenbogenbaus, lebte und arbeitete unter ärmlichsten Bedingungen. Notizen zu Leben und Werk.
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                 John Dodd, der legendäre Begründer des englischen Geigenbogenbaus, lebte und arbeitete unter ärmlichsten Bedingungen. Notizen zu Leben und Werk. 
  Eine untersetzte Gestalt mit watschelndem Gang, unterwegs in London zwischen billigen Kneipen und einem ärmlichen Werkstattraum, wo sich die Planken alter Fässer stapeln; gekleidet mit einem abgetragenen Mantel, in dessen Taschen Austernschalen klirren, die sich der misstrauische, durchaus verschrobene Handwerker zusammenbettelt, um Perlmutt für Streichbögen daraus zu schaben. Bögen, wie sie England noch nicht gesehen hat; Bögen, deren Erlös längst schon verbraucht ist, bevor sie sein Haus verlassen und sich aufmachen, den Ruhm ihres Schöpfers zu begründen. Den Ruhm eines kleinen Mannes, der kaum mehr schreiben kann als seinen Namen, und der zu Lebzeiten kein rechtes Auskommen mehr finden wird.  
 John Dodd – Leben und Werk: Übersicht 
 
  John Dodd – Lebenslauf  
  Geigenbögen von John Dodd  
  John Dodd: Ein Leben im Mangel  
 
 &amp;nbsp; 
 Unter den frühen Meistern des modernen Streichbogenbaus, von denen viele aus ärmlichen Verhältnissen stammten, ist der Bogenmacher&amp;nbsp; John Dodd  sicher eine der berührendsten Figuren. Geboren 1752 im schottischen Stirling, wurde der Sohn des Bogenbauers Edward Dodd (1705-1810) zunächst Büchsenschlosser und Goldwaagenmacher; Berufe, die ein hervorragend ausgeprägtes feinmechanisches Talent belegen und sich später in qualitätvollen Bogenmonturen niederschlagen sollten. Sein Werdegang offenbart damit bereits früh eine geheimnisvolle Verwandtschaft mit seinem großen französischen Zeitgenossen  François Xavier Tourte  (1747/48-1835), der als der Erfinder des modernen Geigenbogens gilt und zunächst als Uhrmacher ausgebildet wurde. 
  Es gehört zu den erstaunlichen Zügen der Geschichte, dass sich mit Francois Xavier Tourte und John Dodd zur gleichen Zeit zwei Meister entwickelten, die zu den größten ihrer Zunft zählen und in ihrer Arbeit durchaus ähnliche, epochemachende Resultate erzielten, ohne viel voneinander gewusst zu haben. In ihrer komplexen Geometrie und meisterhaften Ausgewogenheit stehen John Dodds Arbeiten denen Tourtes kaum nach, und wenn ihnen ein Mangel zugeschrieben werden kann, so ist es vor allem die geringere Länge mancher Stangen, die für das solistische Spiel gewisse Einschränkungen mit sich bringt. 
 John Dodd: großartige Geigenbögen gebaut in einfachsten Verhältnissen 
 Diese Eigenschaft mag in vielen Fällen mit den schwierigen Umständen zusammenhängen, unter denen John Dodd seine Materialien beschaffen musste: Nagellöcher in dem – erstklassigen – Fernambuk mancher Bögen offenbaren die Herkunft des Holzes aus den Planken alter Fässer. Überhaupt muss sich John Dodd durch eine erstaunliche Improvisationsgabe ausgezeichnet haben, die es ihm ermöglichte, in den einfachsten Verhältnissen großartige Geigenbögen zu bauen. Nicht selten soll John Dodd das Silber für die Montur besonders guter Arbeiten aus dem Besteck seiner Haushälterin gewonnen haben. Mit selbstgefertigten, kuriosen Werkzeugen führte er seine unkonventionelle Schnittechnik aus, die er entwickelt hatte, und die die enorme Stabilität seiner Bogenstangen begründete. 
 John Dodd und der Mangel 
 John Dodd scheint, aus der täglichen Erfahrung des Mangels heraus, in seinen Fertigkeiten und seinem Wissen das Kapital gesehen zu haben, das ihm nicht zu nehmen war, solange er es nur gut genug verbarg. Nicht einmal für die erhebliche Summe von 1.000 Pfund Sterling wollte er das Geheimnis aufdecken, wie er das Holz für eine neue Stange schnitt; kein Lehrling wurde in das Arkanum dieses Meisters eingeführt, der am 4. Oktober 1839 als hoch betagter, vollkommen verarmter und kranker Mann im Armenhaus von Richmond starb. Geblieben sind seine meisterhaften Bögen, Marksteine der Instrumentengeschichte, die er als einer der ersten mit einem Namensstempel versah. Seine Zeichen „Dodd“ bzw. „J. Dodd“ avancierten rasch zu einer beliebten Marke, mit der zahlreiche Werkstätten und Manufakturen den ersten großen Meister des englischen Bogenbaus, der nie eine Tradition begründen wollte, in Anspruch nahmen. 
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                            <updated>2019-12-05T16:30:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Couesnon: Die dritte prägende Kraft des modernen Geigenbaus in Mirecourt</title>
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                                            Zur Geschichte des Unternehmens Couesnon - Teil 4 unserer Reihe zum der industriellen Streichinstrumentenbau in Frankreich
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                 Zur Geschichte des Unternehmens Couesnon -  Teil 4 unserer Reihe zum der industriellen Streichinstrumentenbau in Frankreich 
 Die große Zeit der industriellen Musikinstrumentenproduktion in  Mirecourt , die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begann und bis in die 1930er Jahre reichte, bot neben  J.T.L.  und  Laberte Magnié  auch einem weiteren, überregionalen Unternehmen Raum, das sowohl nach der Zahl als auch wegen der Qualität seiner Produkte Signifikanz beanspruchen kann. 1885 nahm der vierzig Jahre zuvor gegründete Pariser Blasinstrumenten-Hersteller  Gautrot Ainé &amp;amp; Cie  die Produktion von Streichinstrumenten auf und folgte – ebenfalls mit deutlichem Zeitabstand – dem Vorbild Thibouvilles. 
 Wie zuvor bei J.T.L. war auch an dieser Erweiterung ein ehemaliger Mitarbeiter und Schüler von  Jean-Baptiste Vuillaume  beteiligt,  Maurice Mermillot , der zum Leiter der Manufaktur für Saiteninstrumente wurde. Die Entwicklung der stets in Paris und Mirecourt situierten Produktion verläuft im wesentlichen parallel zu den großen Konkurrenten, eine Konstellation, die viele interessante Personalwechsel ermöglichte: Unter  Amédée Couesnon , der seit 1887 Gautrot führte und der Firma ihren neuen Namen geben sollte, konnte 1901 Georges Cherpitel von Thibouville-Lamy abgeworben werden. Wie Laberte, erkannte auch Couesnon den wachsenden Bedarf an hochwertigen Streichinstrumenten und sicherte sich 1913 durch die Fusion mit der renommierten Werkstatt von  Léon Bernardel  die nötigen fachlichen Kompetenzen. Wie kompetitiv das Umfeld geworden war, zeigt schließlich der Wechsel eines weiteren hochrangigen Mitarbeiters zu Couesnon, Eugène Vincent Génod, der bis 1927 für Laberte tätig gewesen war. 
  Nächstes Kapitel:   Das Ende der großen Mirecourter Instrumentenbau-Unternehmen  
  Vorheriges Kapitel:   Die Unternehmen der Familie Laberte  
  Die Ära der Manufakturen von Mirecourt  
  Bazin: Der große Name des Bogenbaus von Mirecourt  
  Chanot: Savoir-faire - die Geigenbauer-Familie Chanot  
  Morizot, père et frères: Die kurze Geschichte einer großen Bogenbauer-Familie  
 In unserem  Online-Katalog  finden Sie  alte Geigen  aus Mirecourt und anderen Orten. 
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                            <updated>2019-12-05T16:23:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Die Väter Bazin: Der große Name des Bogenbaus von Mirecourt</title>
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                                            Teil 1 der bewegten Geschichte einer großen Bogenmacher-Dynastie: François Xavier Bazin und Charles Nicolas Bazin prägen den französischen Bogenbau
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                 Die bewegte Geschichte einer großen Bogenmacher-Dynastie: François Xavier Bazin und Charles Nicolas Bazin prägen den französischen Bogenbau &amp;nbsp;  
 Die Väter Bazin – Inhaltsübersicht: 
 
  François Xavier Bazin  
  Charles Nicolas Bazin  
 
 François Xavier Bazin 
 In den 1840er Jahren begann in  Mirecourt  die Geschichte der großen  Bogenbauer-Familie Bazin , die über vier Generationen wirkte und für mehr als einhundert Jahre den französischen Streichbogenbau prägte: Aufrechte Meister ihrer Kunst, in deren Lebensläufen die bewegte Geschichte ihrer Epoche Spuren hinterlassen hat. Anders als viele Bogenbauer seiner Zeit begann  François Xavier Bazin  seine Laufbahn unter denkbar günstigen Voraussetzungen: Der am 10.5.1824 in Mirecourt geborene Gründer der Bogenbau-Dynastie Bazin erlernte seine Kunst in Paris bei Dominique Peccatte und  J. B. Vuillaume , die zu den angesehensten Meistern ihrer Zeit gehörten. Als François Xavier Bazin 1845 nach Mirecourt zurückkehrte, heiratete und seine eigene Werkstatt eröffnete, dürften ihm die berühmten Namen viele Türen geöffnet haben – sofern sie nicht schon längst offen standen, wegen der sehr guten Verbindungen, die sein Vaters Joseph Eustache B. (1785-1863), ein Fuhrunternehmer, zu den Instrumentenbauern der Stadt pflegte. 
     Stammbaum der Familie Bazin  
 Charles Nicolas Bazin 
 François Bazin verleugnete seine Lehrer nicht, und so waren seine Bögen bis ca. 1860 typische Arbeiten der Peccatte-Schule. Erst nachdem sein Sohn  Charles Nicolas Bazin  in die väterliche Werkstatt eingetreten war, näherten sich die Werke von Vater und Sohn immer mehr dem Modell  Voirins  an.  Noch bevor sich aber ein Ziel dieser Entwicklung abzeichnen konnte, wurde François Bazin am 1.8.1865 ein Opfer der Cholera, die in Mirecourt wütete. Verfrüht musste der gerade 18jährige Charles Nicolas Bazin die väterliche Werkstatt übernehmen und zudem seine 1867 gegründete eigene Familie ernähren. Für die Weiterentwicklung seines eigenen Stils blieb in dieser Lage offenkundig wenig Raum, so dass er zunächst weiter nach dem alten Bogenmodell seines Vaters arbeitete und auch dessen Stempel verwendete. Charles Nicolas Bazin erwies sich dabei als würdiger Erbe und etablierte sich bis 1880 als überaus erfolgreicher Geschäftsmann und angesehener Bürger seiner Heimatstadt. In den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nahm er die Arbeit an seinem eigenen Bogenmodell wieder auf und verfeinerte insbesondere die Köpfe der Bögen, die nun auch mit dem neuen Stempel „C. BAZIN“ versehen wurden. Nach der Jahrhundertwende beschäftigte er bis zu 17 Mitarbeiter, die mehr als 2.000 Bögen pro Jahr hergestellt haben dürften, und betrieb einen sehr erfolgreichen Handel von Materialien und vorgefertigten Teilen für den Bogenbau. 
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 Originally published by Corilon violins. 
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                            <updated>2019-12-04T16:55:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Zeitgenössische Geigenbauer: Die neuen Künstler</title>
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                                            Zeitgenössische Geigenbauer im Überblick. Informationen zu Leben und Werk herausragender Geigenbauer und Geigenbaumeister unserer Zeit
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                 Zeitgenössische Geigenbauer im Überblick: Informationen zu Leben und Werk herausragender Geigenbaumeister unserer Zeit 
 Die Geschichte des Geigenbaus hat große Meister ihres Handwerks hervorgebracht, die Traditionen begründeten und bis in unsere Zeit gültige Standards setzten. Die Auseinandersetzung mit ihrem Erbe ist ganz zu Recht fester Bestandteil des Curriculums in der Ausbildung von Geigenbauern, und kaum ein zeitgenössischer Geigenbauer würde bestreiten, dass die Grundlagen seiner Kunst bereits vor Generationen maßgeblich formuliert worden sind.&amp;nbsp; 
 
  &amp;nbsp;  
 &amp;nbsp; 
 
 Geigenbauer unserer Zeit: Übersicht 
 
  Geigenbauer der Gegenwart: Eine Blütezeit der Kunst  
  Junge Geigenbauer und die neue Offenheit des Handwerks  
  Der Geigenbauer - eine kurze Definition des Handwerks  
 
 Geigenbauer der Gegenwart: Eine Blütezeit der Kunst 
 Dennoch sehen sich viele  zeitgenössische Geigenbauer  im Schatten ihrer berühmten Vorgänger, und in der Tat verstellt die Faszination für die antiken Meisterwerke nicht selten den Blick auf die hervorragenden Leistungen der Gegenwart. Dabei braucht man keine zweifelhaften Blindtests, in denen  alte italienische Geigen &amp;nbsp;gegen neue Instrumente ins Feld geführt werden, um zu verstehen, dass wir in einer reichen Zeit leben: Einer Epoche, die vielleicht weniger durch bahnbrechende Innovationen geprägt ist, dafür aber durch ein hohes Niveau im handwerklichen Geigenbau, das den Vergleich mit seinen historischen Blütezeiten nicht zu scheuen braucht.  
 Junge Geigenbauer und die neue Offenheit des Handwerks 
 Zeitgenössische Geigenbauer jüngerer Generationen haben viel weniger Berührungsängste und pflegen einen offenen Austausch mit ihren Kollegen, der allen zugutekommt. In dieser Übersicht zeitgenössischer Geigenbauer stellen wir ausgewählte zeitgenössische Meister in ausführlichen Portraits vor, die uns durch ihre guten Ansätze, das individuelle Profil und natürlich durch die exzellente Qualität ihrer Arbeit aufgefallen sind. Eine Liste, die freilich nie abgeschlossen sein kann. 
 Zeitgenössische Geigenbauer: 
 
  Christoph Götting , Geigenbauer, Geigenbaumeister, Wiesbaden, DE [Portrait] 
  Daniele Scolari , maestro liutaio, Cremona, IT [Portrait] 
  Jan B. Špidlen , Geigenbauer, Prag, CZ [Portrait] 
 Frank Ravatin, luthier, Vannes, FR&amp;nbsp; 
  Samuel Zygmuntowicz , violin maker, Geigenbauer, New York, USA [Portrait] 
 Roberto Regazzi, liutaio, Bologna, IT 
  Stephan von Baehr , Luthier, Paris, FR [Portrait] 
  Patrick Robin , violin maker, Angers, FR [Portrait] 
 Jacques Francais, Jacques Francais Rare Violins Inc., New York, USA 
 Hans Nebel, violin maker, restorer, New Jersey, USA 
 Joseph Curtin, violin maker, Ann Arbor, USA&amp;nbsp; 
 Franco Simeoni, Liuitaio, Treviso, IT&amp;nbsp; 
 Tibor Szemmelveisz, violin maker &amp;amp; restorer, London, UK&amp;nbsp; 
  Giorgio Grisales , Liutaio, Geigenbauer, Cremona, IT&amp;nbsp; 
  Cristiano Ferrazzi , Liutaio, Verona, IT&amp;nbsp; 
 David Munro, violin maker, Romsey, UK&amp;nbsp; 
 John Dilworth, Violin Viola &amp;amp; Cello Maker &amp;amp; Restorer, Oxford, UK&amp;nbsp; 
 Christopher Rowe and Elspeth Rowe, violin and viola makers, Welwyn, Herts, UK&amp;nbsp; 
 Andreas Hudelmayer, violin maker, fine new instruments, London, UK&amp;nbsp; 
 Christoph Germain, violin maker, Philadelphia, USA&amp;nbsp; 
 Roger Hargrave, violin maker, London, UK&amp;nbsp; 
 Peter Paul Prier, violin maker, Prier &amp;amp; Sons, Geigenbauer, Salt Lake City, USA&amp;nbsp; 
 David Burgess, violin maker, Ann Arbor, USA&amp;nbsp; 
 Benoit Rolland, bow maker, Boston, USA&amp;nbsp; 
 Christoph Landon, expert and violin maker, Geigenbauer, New York, USA&amp;nbsp; 
 Michael Darnton, violin maker, Chicago, USA&amp;nbsp; 
 Andrew Ryan, violin maker, Providence, Rhode Island, USA 
 
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 Wichtige Geigenbauer gestern und heute 
 Die folgenden Geigenbauer haben die Geschichte ihrer Zunft geprägt bzw. gehören zu ihren interessantesten Exponenten in der Gegenwart. Eine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit – in zeitlicher Reihenfolge 
 
  Giovanni Paolo Maggini &amp;nbsp;(1580–1632) 
  Nicolò Amati &amp;nbsp;(1596–1684) 
  Jacob Stainer &amp;nbsp;(1618–1683) 
  Antonio Stradivari &amp;nbsp;(1648–1737) 
  Caspar Hopf &amp;nbsp;(1650–1711) 
  Matthias Klotz &amp;nbsp;(1653–1743) 
 Carlo Giuseppe Testore (ca. 1660–1716) 
  Sebastian Klotz &amp;nbsp;(1696–1775) 
  Giuseppe Guarneri del Gesù &amp;nbsp;(1698–1744) 
  Nicolò Gagliano &amp;nbsp;(1710–1785) 
 Giovanni Battista Guadagnini (1711–1786) 
  David Christian Hopf sen. &amp;nbsp;(1734–1803) 
 Giovanni Francesco Pressenda (1777–1854) 
  Jean-Baptiste Vuillaume &amp;nbsp;(1798–1875) 
  Joseph Hel &amp;nbsp;(1842–1902) 
 Leandro Bisiach (1864–1946) 
 Gaetano Sgarabotto (1878–1959) 
 
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 Der Geigenbauer - eine kurze Definition des Handwerks 
    Ein Geigenbauer ist ein hochspezialisierter Handwerker, der das Wissen und die Fähigkeiten besitzt, um hochwertige Streichinstrumente herzustellen. Dies umfasst die Auswahl und Behandlung des Holzes, das Formen des Korpus, das Anbringen des Griffbretts, das Einspannen der Saiten, das Anpassen des Stegs und anderer wichtiger Komponenten sowie die Feinabstimmung des Instruments, um einen ausgezeichneten Klang zu gewährleisten. Ein Geigenbauer kann auch Reparaturen und Restaurationen an alten oder beschädigten Streichinstrumenten durchführen. Dies kann das Ersetzen oder Reparieren von beschädigten Teilen, das Neu-Bündieren des Griffbretts, das Reparieren von Rissen oder das Nachlackieren des Instruments umfassen. Ein erfahrener Geigenbauer hat ein tiefes Verständnis für die akustischen Eigenschaften der Instrumente und kann feine Anpassungen vornehmen, um den Klang und die Spielbarkeit zu optimieren. Die Arbeit eines Geigenbauers erfordert viel Geduld, Sorgfalt und handwerkliches Geschick. Es ist ein traditionelles Handwerk, das oft über Generationen weitergegeben wird. Geigenbauer sind in der Regel leidenschaftlich daran interessiert, die bestmöglichen Instrumente herzustellen, um den Musikern ein außergewöhnliches Klangerlebnis zu bieten. 
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  Geigenbauer in Mittenwald - Zeitgenössische Meister  
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 Originally published by Corilon violins. 
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            <title type="text">Zeitgenössische Geigenbauer in Mittenwald</title>
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                                            Die heutigen Mittenwalder Geigenbauer pflegen ihre Tradition in lebendiger Handwerkskunst. Übersicht der Geigenbauer in der traditionsreichen Geigenbaustadt Mittenwald – porträtiert und empfohlen von Corilon violins
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                 Geigenbauer in Mittenwald: Eine Übersicht zeitgenössischer Meister in dem traditionsreichen Geigenbau-Ort 
 Mittenwald, die traditionsreiche oberbayerische Geigenbaustadt, ist ein Ort, der in der Geschichte des europäischen Geigenbaus fest verankert ist: Durch die historischen Leistungen eines Matthias Klotz und seines Sohnes  Sebastian Klotz , im Werk von  Matthias „Dax“ Hornsteiner  und durch die weltweit erfolgreichen Unternehmen der Familien Baader und Neuner &amp;amp; Hornsteiner.&amp;nbsp;Mit diesen Namen großer Geigenbauer ist die Geschichte des Geigenbaus in Mittenwald gewiss nur angedeutet, und wer das hübsche Dorf im oberen Isartal besucht, kann leicht den Eindruck bekommen, durch ein einziges großes Geigenbaumuseum zu wandern. 
 Doch nichts könnte falscher sein, denn auch in der Gegenwart ist der Markt Mittenwald ein überaus lebendiger Ort des  zeitgenössischen Geigenbaus : Die  Staatliche Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau  ist eine internationale Institution, und zahlreiche Geigenbauer und Geigenbaumeister sorgen heute in ihren Werkstätten in Mittenwald dafür, dass die Geigenbau Tradition ihrer Vorgänger lebendig bleibt. Corilon violins pflegt seit vielen Jahren besondere, freundschaftliche Beziehungen zu den Geigenbauern nach Mittenwald, weshalb wir auf dieser Seite einen Überblick ausgezeichneter Geigenbauer und Geigenbau Werkstätten in dem kleinen Ort am Fuße des Karwendels geben.    
 Zeitgenössische Geigenbauer in Mittenwald 
 
 
  Anton Sprenger, Geigenbaumeister : Neubau, Klangeinstellung - Im Gries 10, Mittenwald, Tel. 08823 4026 
 
 
  Joachim Roy, Geigenbaumeister : Restaurierung, Klangeinstellung - Riedscharteweg 2, Mittenwald, Tel. 0882394011 
 
 
  Anton Maller, Geigenbaumeister : Neubau - Obermarkt 2, Mittenwald, Tel. 08823 5865 
 
 
  Rainer W. Leonhardt, Geigenbaumeister : Neubau, Handel - Mühlenweg 53, Mittenwald, Tel. 08823 8010 
 
 
  Thomas Wörnle Geigenbaumeister : Neubau - Klammstraße 32, Mittenwald, Tel. 08823 4613 
 
 
  Josef Kantuscher, Geigenbaumeister : Neubau - Burgbergstrasse 13, Mittenwald, Tel. 08823 8418 
 
 
  Florian und Maria Sandner, Geigenbaumeister : Neubau - Obermarkt 29, Mittenwald, Tel. 08823 8129 
 
 
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            <title type="text">Chinesische Geigen: Zeitgenössische Geigenbauer aus China und Taiwan</title>
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                                            Die anderen chinesischen Geigen: Namhafte Meister im Schatten der Fabriken und Manufakturen. Ein Überblick exzellenter Geigenbauer aus China und Taiwan
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                 Die anderen chinesischen Geigen: Namhafte Meister im Schatten der Manufakturen. Ein Überblick exzellenter Geigenbauer aus China und Taiwan 
 Wer sind die besten Chinesischen Geigenbauer? Chinesische Geigenbauer stehen für gewöhnlich im Ruf der Fertigung preisgünstiger Einsteigerinstrumente, und tatsächlich gehört der industrielle chinesische Geigenbau zu den Branchen, in denen die Wirtschaft Chinas bemerkenswerte internationale Erfolge feiert. Parallelen etwa zum  sächsischen Geigenbau des 19. und frühen 20. Jahrhunderts  sind – obgleich sich die Geschichte nie wiederholt – unverkennbar. Wie die Manufakturen im Musikwinkel um Schönbach und Markneukirchen vor rund 100 Jahren, befinden sich die chinesischen Werke heute auf der Höhe ihres globalen Einflusses. Und auch in unserer Zeit sollte man über dem Gros einfacherer chinesischer Geigen nicht jene exzellenten Meister vergessen, die, oft als erfolgreiche Unternehmer und Lehrer, traditionelles Handwerk auf exzellentem Niveau pflegen. Es steht zu erwarten, dass taiwanesische Geigenbauer und chinesische Geigenbauer und Bogenbauer das Bild ihrer Kunst in den kommenden Jahren verändern werden, ganz ähnlich, wie es seinerzeit Persönlichkeiten vom Range eines  Ernst Heinrich Roth  und eines  H. R. Pfretzschner  gelang. In der folgenden Übersicht stellen wir die Namen, Leben und Werk herausragender Meister der neuen, fernöstlichen Geigenbauwelt vor. 
     
 Chinesische Geigenbauer portraitiert: 
 
  Zheng Quan  
  Ming-Jiang Zhu  
  Gao Tong Tong  
  Lin Dian-Wei  
  David Lien  
  Chiao Chung-Hsing  
  Shu Sheng Kot  
  Feng Jiang  
 
 Zheng Quan 
 Mit wenigen Grundkenntnissen der italienischen Sprache im Gepäck kam  Zheng Quan  1983 an die Geigenbauschule in  Cremona  – als erster chinesischer Geigenbauschüler überhaupt. Handwerkliches Vorwissen brachte er indes durchaus mit, hatte er seine Kunst doch bereits am Musikforschungsinstitut in Peking unter Dai Hongxiang erlernt. Zheng Quan wurde 1950 in Shanghai geboren und begann als Fünfjähriger mit dem Geigenspiel. Seine Eltern fielen als Intellektuelle der systematischen Enteignung der Oberschicht während der Kulturrevolution zum Opfer, und so wurde auch dem jungen Zheng Quan seine Geige weggenommen. Im Rahmen der staatlich verordneten Umerziehungsprogramme war er gezwungen, sieben Jahre lang als Bauer in einem Dorf in der Provinz Anhui zu arbeiten. Gegen Ende der Revolutionszeit nahm man Zheng Quan als Geiger in ein kleines Musik- und Tanzensemble auf, in dem er durch seine Fähigkeiten beim Reparieren von Instrumenten auffiel; dies eröffnete ihm den Weg zu Dai Hongxiang und letztlich nach Norditalien, wo er bis 1988 blieb, um sein Können im Bereich des Baus und der Restauration von Streichinstrumenten zu verfeinern. Beseelt von dem Vorhaben, eine neue Generation exzellenter chinesischer Geigenbauer heranzubilden, übernahm Zheng Quan kurz darauf die Leitung des Instituts für Geigenbau und Geigenbauforschung am Zentralen Musikkonservatorium in Peking. Als Gewinner von über 20 Auszeichnungen in internationalen Wettbewerben – darunter ein erster Preis für Klang bei der Cremoneser  Ente Triennale  1991 – und Präsident des Chinesischen Geigenbauerverbandes agierte Zheng Quan unter anderem als Initiator und Organisator der beiden bisher in Peking veranstalteten Internationalen Chinesischen Geigenbauwettbewerbe. 
 Ming-Jiang Zhu 
 Als Sohn zweier Buchhalter 1956 im südchinesischen Guangzhou geboren, wuchs  Ming-Jiang Zhu  auf, ohne jemals eine Violine gesehen zu haben. Auch der Ming-Jiang Zhu war von den staatlichen Umerziehungsprogrammen betroffen, und musste als Jugendlicher hart auf den Zuckerrohrfeldern in der Provinz Panyu arbeiten. Als 1976 die Geigenbauschule in Guangzhou ins Leben gerufen wurde, bewarb sich Ming-Jiang Zhu um einen Platz – in erster Linie, um der Landarbeit zu entgehen. Wegen seines Talents als Holzbildhauer wurde er als einer von nur 25 Schülern aufgenommen. In der Schule entdeckte Ming-Jiang Zhu, der ursprünglich Tischler wie sein Vater oder Maler werden wollte, unter der Anleitung der Geigenbaumeister Xu Fu und Liang Gouhui seine Begeisterung für den Geigenbau – und erwies sich erneut als überaus begabt. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung gelangte der chinesische Geigenbauer Ming-Jiang Zhu an das Forschungsinstitut für Musikinstrumente in Guangzhou, wo er seine theoretischen und praktischen Geigenbaustudien fortsetzte. 1991 eröffnete er in einer Nebenstraße von Guangzhou seine eigene „Werkstatt“ – kaum mehr als ein Winkel seines 20 Quadratmeter großen Zuhauses –, aus der später die bis heute in der Stadt ansässige Firma „Noble Heart Violins, Ltd.“ werden sollte. 1986 nahm Ming-Jiang Zhu zum ersten Mal am Internationalen Geigenbauwettbewerb der VSA teil und erhielt für seine eingereichte Violine eine Ehrenurkunde für Handwerkskunst. Inzwischen kann er auf 19 Auszeichnungen bei der  VSA Competition  zurückblicken, darunter zwei Gold- und zwei Silbermedaillen. 2010 wurde Ming-Jiang Zhu als Juror für Handwerkskunst beim ersten Internationalen Chinesischen Geigenbauwettbewerb berufen. Ming-Jiang Zhu ist Vizepräsident der Geigenbauervereinigung in seiner Heimat und gehört seit 2008 zur Entente Internationale des Maîtres-luthiers et Archetiers d´art. 
 Gao Tong Tong 
  Gao Tong Tong  ist der erste chinesische Geigenbauer, der jemals einen Preis beim bedeutenden  Henryk Wieniawski Geigenbauwettbewerb  in Posen gewann. Bereits seit Kindheitstagen mit dem Geigenspiel vertraut, erlernte Gao Tong Tong den Bau von Streichinstrumenten als junger Erwachsener. Nach seinem Abschluss am Zentralen Musikkonservatorium in Peking begab Gao Tong Tong sich an die Geigenbauschule in Cremona, um seine Fertigkeiten noch weiter zu verbessern. Parallel ging er in die Lehre bei dem Cremoneser Meister  Giobatta Morassi ,&amp;nbsp;der Gao Tong Tong unter anderem das Rüstzeug für sehr gute Ergebnisse bei der Triennale sowie auch für den Erfolg in Posen mitgab – 1996 erreichte Gao Tong Tong dort den vierten Platz. Im selben Jahr kehrte er als chinesischer Geigenbauer nach China zurück und eröffnete 1998 seine eigene Werkstatt in Peking, wo er bis heute, gewissenhaft den Geigenbauprinzipien der alten italienischen Meister folgend, hochwertige Instrumente herstellt. 
 Lin Dian-Wei 
    Seine erste Violine baute  Lin Dian-wei  in einer kleinen Garage auf einem einfachen Kartentisch, nach einer Anleitung aus einem Fachbuch über den Geigenbau. Heute führt der Taiwanesische Geigenbauer seine eigene Werkstatt im taiwanesischen Taichung und veranstaltet Geigenbau-Workshops, um die Weiterentwicklung des Handwerks in seinem Heimatland voranzubringen. Den Klang und die Form der Violine hat der studierte Biochemiker schon immer geliebt; als er 2002 die Holzverarbeitungs-Firma seines Vaters übernahm, begann er sich in seiner Freizeit auch in die Kunst des Geigenbaus zu vertiefen – in „die Krönung der Holzverarbeitung“, wie er sagt. Seiner Herkunft aus dieser Branche verdankte er sein umfangreiches Wissen über die verschiedenen Holzarten und deren Eigenschaften. Zusätzlich brachte er Kenntnisse in den Bereichen Mechanik, Physik und Chemie mit – Faktoren, die bei seiner Selbstausbildung zum Geigenbauer günstig zusammenwirkten. Ein Blog, in dem er über seine Erfahrungen als „Hobby-Luthier“ berichtete, machte ihn bekannt, und schon bald konnte er seine Werkstatt erweitern und sein Wissen an zwei erste Schüler weitergeben. Sein unermüdliches Streben nach Perfektion brachte ihm viele Ehrungen ein; der bislang größte Erfolg bestand in einer Nominierung beim Internationalen  Geigenbauwettbewerb in Cremona . 
 David Lien 
 Seine Unzufriedenheit mit der verfügbaren Auswahl an Instrumenten war es, die den taiwanesischen Violinisten  David Lien  auf den Gedanken brachte, selbst Geigenbauer zu werden. Geboren 1961 in Keelung, einer Hafenstadt nahe Taipeh, studierte David Lien Musik in seinem Heimatland sowie ab 1988 am Franz Schubert Konservatorium in Wien. Als Mitglied des Taipei Symphony Orchestra und Dozent an verschiedenen Musikschulen suchte David Lien jahrelang nach dem für ihn perfekten Instrument, ohne es je zu finden. In einer Wiener Geigenbauwerkstatt ließ er sich darum in seiner Freizeit in die Tradition und die Techniken der Instrumentenbaukunst einführen. Nach weiteren eigenen Studien und intensiven Experimenten hatte David Lien es schließlich zu bewundernswerter Könnerschaft gebracht, sodass er 1997 die Manufaktur „Galaxias“ gründen konnte, die seit 2000 den Firmennamen „ Lien Violins Instruments Ltd. “ trägt. In seiner Werkstatt in Taipei fertigt David Lien qualitätvolle Künstlergeigen. Mit seinen stets streng an den alten Cremoneser Geigenbauprinzipien orientierten Violinen erreichte er beachtliche Verkaufserfolge bei verschiedenen Instrumentenausstellungen, wie beispielsweise der „Cremona Mondomusica“, der Musikmesse in Frankfurt oder der „Music China“ in Shanghai. 
 Chiao Chung-Hsing 
 Bereits in der High School stand für den 1959 in Keelung geborenen  Chiao Chung-hsing  fest, dass er eine Karriere als Sänger einschlagen würde. So studierte der chinesische Geigenbauer Chiao Chung-hsing bis 1986 Gesang am College of Arts in Taipei und begab sich anschließend nach Italien. Dort nahm sein Schicksal eine unerwartete Wendung: Chiao Chung-hsing zog sich eine schwere Verletzung zu, die es ihm unmöglich machte, weiter zu singen. Dafür aber kam er in Kontakt mit einem Mentor, der ihm den erfolgreichen Weg in den Geigenbau ebnen sollte:  Francesco Bissolotti . Der Cremoneser Meister nahm Chiao Chung-hsing unter seine Fittiche, unterrichtete ihn in seiner Werkstatt und finanzierte ihm sogar eine von 1988 bis 1992 dauernde Ausbildung an der örtlichen Geigenbauschule. Dass Francesco Bissolotti Chiao Chung-hsing Potenzial richtig eingeschätzt hatte, erwies sich spätestens, als dieser 1991 beim  Geigenbauwettbewerb in Cremona  einen 16. Platz und 1992 bei der  VSA Competition  in Pennsylvania eine Silbermedaille für Ton erreichte. Mit 33 Jahren kehrte Chiao Chung-hsing in sein Heimatland zurück – bestrebt, seine taiwanesischen Kollegen an seinem großen Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen. Mittlerweile lehrt Chiao Chung-hsing an der National Taiwan University of Arts im Banqiao District der Stadt Neu-Taipeh und veranstaltet in seiner Werkstatt Geigenbaukurse für Interessierte aus allen Sparten.&amp;nbsp; 
 Shu Sheng Kot 
 Das Material für  Shu Sheng Kots  erste selbstgebaute Geige bestand aus den Einzelteilen eines auseinandermontierten Lehnstuhls und eines zerlegten Kaffeetisches. Der in Shanghai aufgewachsene chinesische Geigenbauer hatte als Jugendlicher die Aufnahme eines Violinkonzerts gehört und sich dabei so unsterblich in klassische Musik verliebt, dass er sich auf einer 14-Dollar-Fabrikvioline selbst das Geigenspiel beibrachte. Die eingeschränkten klanglichen Möglichkeiten dieses Instruments stellten ihn jedoch bald nicht mehr zufrieden – und seine aus ehemaligen Möbeln gefertigte eigene Geige wurde zum Ausgangspunkt einer beachtlichen Karriere. Wie einige seiner chinesischen Kollegen dieser Generation musste auch Shu Sheng Kot nach Abschluss der High School mehrere Jahre lang Landarbeit verrichten. Doch während er auf den Reisfeldern der Provinz Yunnan seine Pflicht tat, baute Shu Sheng Kot weiterhin – nach Anleitungen aus Büchern – Violinen und Geigenbögen, die er auch erfolgreich im Land verkaufen konnte. Schließlich erhielt Shu Sheng Kot die Chance, nach Sydney zu ziehen, wo er unter anderem als Restaurator für das Sydney Symphony Orchestra arbeitete. Von dort aus gelangte er, ohne ein Wort Italienisch zu sprechen, zu Pierangelo Balzarini und  Alessandro Voltini  nach Cremona, die ihn weiter ausbildeten, bevor er 1991 seine erste Werkstatt in Philadelphia eröffnete. Heute führt er das Unternehmen „ Kot´s Violins “ in Bryn Mawr und stellt unter anderem Instrumente und Bögen für die Mitglieder des Philadelphia Orchestra her. Zu Shu Sheng Kots zahlreichen Auszeichnungen zählen eine Urkunde für Handwerkskunst für eine Violine sowie mehrere Goldmedaillen für Bögen bei verschiedenen  Wettbewerben der VSA , die „Walter-Stauffer“-Goldmedaille für besondere akustische Qualitäten einer Violine bei der Cremoneser  Ente Triennale  1991 und eine Goldmedaille für einen Geigenbogen beim Internationalen  Geigenbauwettbewerb in Mittenwald  2010. 
 Feng Jiang 
  Feng Jiang  erlernte die Kunst des Geigenbaus bei seinem Vater in Peking; sein erstes Instrument fertigte er als Jugendlicher im Jahr 1989. Ende der 1990er Jahre kam Feng Jiang zu William Harris Lee in Chicago und später zu „Alf Studios“ in Ann Arbour, Michigan, wo er auch heute noch lebt und wirkt. Feng Jiangs Arbeiten sind bei internationalen Ausstellungen zu bewundern, u. a. bei den „Klanggestalten“ in Berlin. Feng Jiang ist Mitglied der Violin Society of America und der American Federation of Violin and Bow Makers. Bei mehreren  Wettbewerben der VSA  erreichte Feng Jiang mit seinen eingereichten Violinen und  Bratschen  Gold- und Silbermedaillen. Auch am  Wettbewerb der British Violin Making Association  im Jahr 2004 nahm er mit großem Erfolg teil. 
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            <title type="text">Daniele Scolari und die zweite Generation des neuen Cremoneser Geigenbaus</title>
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                                            Daniele Scolari ist ein Geigenbauer, dessen Weg in der neuen Schule von Cremona begonnen hat – Porträt über einen Repräsentanten der „zweiten Generation“
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                 Daniele Scolari ist ein Geigenbauer, dessen Weg in der neuen Schule von Cremona begonnen hat – Porträt über einen Repräsentanten der „zweiten Generation&quot; 
 Die Wiedergeburt des  Cremoneser Geigenbaus  in den 1950er und 60er Jahren eröffnete eine neue Blütezeit der Kunst  Stradivaris  in seiner norditalienischen Heimat. Dass dieser Aufbruch nicht zu einer Fußnote der Kulturgeschichte wurde, ist nicht allein Meistern wie Pietro Sgarabotto,  Gio Batta Morassi  oder  Francesco Bissolotti  zu verdanken, die die neue „Scuola di Liuteria“ prägten. Denn ohne die talentierten Geigenbauer der zweiten und dritten Generation, ohne ihre Treue zu den wiederentdeckten Traditionen der alten Meister und ihre Bereitschaft, ihr Wissen in Lehre und kollegialer Zusammenarbeit zu teilen, hätte diese Geschichte wohl einen anderen Verlauf genommen. 
 Zu ihren bedeutenden Protagonisten gehört der 1961 geborene  Daniele Scolari , der seine Ausbildung unter Gio Batta Morassi absolvierte und im Jahr 1979 erfolgreich abschloss – wie neun Jahre zuvor sein älterer Bruder Giorgio Scolari, der anschließend sechs Jahre lang in der Werkstatt seines Lehrers mitarbeitete. Seine tiefe Kenntnis der neuen Cremoneser Schule gab er ab 1980 an Daniele Scolari weiter, der seinen Stil im gemeinsamen Atelier vervollkommnen und individualisieren konnte. Bis heute führen die beiden Scolaris in der Via Virgilio ihr familiäres Geschäft – eine der ersten Adressen in der traditionsreichen Stadt, wenn es um qualitätvolle Streichinstrumente geht, und ein Symbol für die vielschichtigen Verbindungen zwischen den Generationen. 
 Beim Bau seiner Geigen, Bratschen und Celli lässt sich Daniele Scolari größtenteils durch Modelle der Klassiker Stradivari und Guarneri inspirieren. ( Violine von Daniele Scolari, Cremona ). Mit ihren facettenreichen Klangeigenschaften und ihrem charakteristischen, bräunlich-orangefarbenen Lack hat sich Scolari weit über Italien hinaus einen guten Namen erworben, und genießt auch als Reparateur und Restaurateur vorzügliches Renommee. Das hervorragende Niveau seiner Arbeit bestätigt eine Reihe bedeutender Auszeichnungen: So erhielt er bereits 1984 beim Geigenbauwettbewerb in Bagnacavallo eine Goldmedaille für den besten Lack; 1986 folgten ebenda eine Silbermedaille für eine Violine sowie 1988 zwei Bronzemedaillen für eine Violine und eine Viola. Seine konstante Präsenz auf internationalen Fachausstellungen wie der „Mondomusica“ und seine Berufung zum Juror der nationalen Geigenbauwettbewerbe in Pisogne und Mozzate belegen den Stellenwert, der Daniele Scolari im zeitgenössischen italienischen Geigenbau zukommt. 
 Um das ihm vermittelte Wissen und Können nicht nur selbst produktiv zu nutzen, sondern es auch an die nachrückende Generation junger Zunftkollegen weiterzuvermitteln und so die Bedeutung Cremonas in die Zukunft fortzuschreiben, wirkt Daniele Scolari seit 1996 an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte als Lehrer für Konstruktion und Lackarbeit. Auch darin folgte er dem Beispiel seines Bruders, der bereits seit 1973 zum Kollegium gehört; und wie Giorgio, der Klavier und Orgel studiert hat, pflegt Daniele Scolari außerhalb der Werkstatt ein anspruchsvolles musikalisches Leben: Als Kirchenorganist und Leiter eines Vokal- und eines Instrumentalensembles liegen ihm Kompositionen der späten Renaissance und des Barock besonders am Herzen – Epochen, aus denen er sowohl in der Musik als auch im Geigenbau immer wieder entscheidende Inspiration bezieht. 
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            <title type="text">Nicolas Lupot - Der zweite grosse Name des französischen Geigenbaus</title>
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                                            Nicolas Lupot prägte neben J. B. Vuillaume den französischen Geigenbau des 19. Jahrhunderts. Ein Nicolas Lupot Porträt des „anderen Meisters“, von Corilon violins
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                 Nicolas Lupot prägte neben J. B. Vuillaume den französischen Geigenbau des 19. Jahrhunderts. Ein Porträt des „anderen Meisters“, von Corilon violins 
 „Frappiert“ sei er gewesen, erzählt der Geiger, Komponist und Dirigent Ludwig Spohr in seiner Selbstbiographie von 1860, als er zum ersten Mal den „vollen und kräftigen Ton“ einer Violine von  Nicolas Lupot  vernommen habe; er erwarb sie umgehend im Tausch gegen sein altes deutsches Instrument und spielte sie „von nun an auf allen Reisen“. Spohrs Verblüffung darf man als späte Erkenntnis werten, genossen Nicolas Lupots Arbeiten in seiner französischen Heimat doch längst höchste Wertschätzung und hatten ihre prägende Wirkung auf den Geigenbau voll entfaltet. Als „ französischer Stradivarius “ und überaus gefragter Lehrmeister brachte er im Laufe seiner Karriere eine ganze Reihe vorzüglicher luthiers hervor, darunter Charles-François Gand und  Auguste Sébastien Philippe Bernardel , die sich später zu der namhaften Firma „Gand &amp;amp; Bernardel“ zusammenschließen sollten. Hinsichtlich seiner Bedeutung für den modernen französischen Geigenbau wird Lupot bis heute meist in einem Atemzug mit seinem berühmten Zunftkollegen  Jean-Baptiste Vuillaume  genannt; dabei ging er auch selbst als Begründer einer nach ihm benannten Schule in die Geigenbaugeschichte ein. 
 Am 4.12.1758 in die bedeutende Mirecourter Geigenbauerfamilie Lupot hineingeboren, verbrachte Nicolas Lupot seine Kindheit in Stuttgart, wo sein Vater, François Lupot, als königlicher „Hof-Lauten-und Geigenmacher“ tätig war. François Lupot war es auch, der seinen Sohn in die Geigenbaukunst einführte und ihm die in jener Zeit in Frankreich übliche Praxis vermittelte, sich stilistisch an den Idealen der späteren italienischen Meister zu orientieren. Orléans, wohin die Familie in Nicolas Lupots´ zwölftem Lebensjahr umzog, wurde zum Ort seiner ersten Schaffensphase. Um das Jahr 1794 führte Nicolas Lupots Weg in die französische Hauptstadt und dort wiederum in die Werkstatt von François Pique, dessen Arbeit infolge seiner Ausbildung in  Mirecourt  in ganz ähnlichen ästhetischen Anschauungen wurzelte. Eine mehrjährige und wechselseitig befruchtende Zusammenarbeit, aber auch eine enge Freundschaft waren das Ergebnis dieser Geschäftsbeziehung. 
 Nach vier Jahren etablierte sich Nicolas Lupot mit eigenen Ateliers an der Seine: Anfangs ließ er sich in der Rue de Grammont nieder, 1806 erfolgte ein Umzug in die Rue Croix-des-Petits-Champs. Im selben Jahr erschien die Publikation „La Chélonomie ou le parfait luthier“, eine Abhandlung über den Geigenbau aus der Feder von Abbé Sibire, zu der Nicolas Lupot den entscheidenden inhaltlichen Beitrag geliefert hatte. Bei aller Orientierung am großen Vorbild Stradivari zeichnet Lupots Werk eine unverkennbare kunsthandwerkliche Eigenständigkeit aus, die sich nicht allein in Details wie der Form der F-Löcher oder den von ihm verwendeten Fischbein-Einlagen ausdrückt; auch in Fragen des Klangs, der unter anderem Spohr so nachhaltig beeindruckte, sind Nicolas Lupots Instrumente von unverwechselbarem Charakter. 
 Zu einer besonderen Aufgabe gelangte Nicolas Lupot aufgrund der politischen Entwicklungen in Frankreich nach dem Wiener Kongress: Im Zuge der Wiedereinsetzung der Monarchie hatte Ludwig XVIII. im Jahr 1814 den Thron bestiegen und berief mit Nicolas Lupot einen renommierten Meister zum Geigenmacher der königlichen Kapelle und zum Lieferanten der königlichen Musikschule. Eine Auszeichnung, die Nicolas Lupot seit 1815/16 mit berechtigtem Selbstbewusstsein auf seinen Zetteln hervorhob:  „N. Lupot Luthier de la Musique du Roi et de l´École Royale de Musique“. . Nicolas Lupot verstarb am 14.8.1824 in Paris. 
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  Zeitgenössische Geigenbauer  - Die neuen Künstler 
 Originally published by Corilon violins. 
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            <title type="text">Jan Špidlen: Kunst, Innovation – und Sport</title>
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                                            Der Geigenbauer Jan Baptista Špidlen ist einer der meistbeschäftigten und erfolgreichsten Geigenbauer – eine Prager Familiengeschichte zwischen Kunst und Sport
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                 Jan Baptista Špidlen ist einer der meistbeschäftigten und erfolgreichsten Geigenbauer –  eine Prager Familiengeschichte zwischen Kunst und Sport 
 Innovation und Avantgarde sind in vielen Sparten der Kunst und auch des Kunsthandwerks ein selbstverständlicher Anspruch – im Geigenbau spielt diese Erwartung hingegen eher eine untergeordnete Rolle. Selbst in der Werkstatt des weltbekannten Prager Geigenbaumeisters  Jan Špidlen  bilden ungewöhnliche Aufträge eher die Ausnahme als die Regel. Dabei würde es  Jan Babtista Špidlen , wie er verrät, an neuen und gewagten Ideen keineswegs mangeln; aber die Menge an Bestellungen hochwertiger, traditionell gebauter Instrumente ist im Normalfall so groß, dass ihm kaum Zeit bleibt für künstlerisch progressivere Projekte. 
 Jan Baptista Špidlen – Leben und Werk: 
 
  František Špidlen – Otakar Špidlen  
  Premysl Špidlen  
  Jan Spidlen  
 
 Eine prominente Sonderstellung in seinem Schaffen nimmt deshalb jene originelle Geige ein, die schon durch ihre extravagante Lackierung für einiges Aufsehen sorgte: Jan Špidlen „Blaue Violine“, gebaut für den tschechischen Virtuosen Pavel Šporcl. Bei ihrer Gestaltung beschränkte sich Jan Špidlen jedoch nicht auf die außergewöhnliche Farbgebung, sondern versah das Instrument auch mit baulichen Besonderheiten zur Klangoptimierung und Stabilisierung, unter anderem mit einer in den Hals eingearbeiteten Titanschraube und einer Carbonfaser-Verstärkung des Bassbalkens. In Fachkreisen, so etwa bei der VSA Innovation Exposition 2006, erntete Jan Špidlen für diese Errungenschaften viel Lob. 
 František Špidlen – Otakar Špidlen 
 Die väterliche Werkstatt führt Jan Špidlen bereits in vierter Generation. Sein Urgroßvater  František Špidlen  war zunächst in Kiew als Geigenbauer tätig, von 1910 an in Prag. Auf ihn folgte sein Sohn  Otakar Špidlen , der sich schon bald großes Renommee als talentierter Geigenbauer sowie gefragter Händler und Experte erwarb. Leider sollten die politischen Veränderungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg über das Land hereinbrachen, zu einer ernsthaften Bedrohung für Otakar Spidlens selbständige Existenz werden: Das kommunistische Regime, das 1948 die Macht übernahm, verbot privat geführte Unternehmen. Otakar Spidlens Haus und Werkstatt, die sich nunmehr in der Jungmannstraße befanden, wurden konfisziert. Als Reaktion darauf bemühte er sich Otakar Spidlen zusammen mit Gleichgesinnten um die Gründung eines Kreises künstlerischer Geigenbauer, hatten doch Künstler die Möglichkeit, ihre Berufe weiterhin unabhängig auszuüben. Dieser Rückzug in den Schutzraum Werkstatt zum Zwecke der weitgehend unbehelligten Kunstausübung bildete für die Špidlens eine Chance, die sich bei Weitem nicht überall bot: Im keine 200 Kilometer entfernten und ehemals wirtschaftlich starken, durch den Krieg aber auseinandergerissenen böhmisch-sächsischen  Geigenbauzentrum Schönbach/Markneukirchen  wirkte sich der sozialistische Industrialisierungs- und Kollektivierungsterror flächendeckend aus. 
 Premysl Špidlen 
 Letztlich war es Otokars Sohn  Premsyl Špidlen , der die künstlerische Geigenbauervereinigung nach dem Tode seines Vaters 1958 mitbegründete. Auch Premsyl Spidlen sollte als hervorragender Geigenbauer in die Geschichte eingehen, wenn er auch zunächst Geige am Prager Konservatorium studierte und – nota bene – von 1946 bis 1948 als Skiläufer zum tschechischen Nationalteam gehörte. Beide Leidenschaften gab Premsyl Spidlen übrigens – zusammen mit dem geigenbauerischen Geschick – an Jan Špidlen weiter. So war Letzterer von 1983 bis 1984 Mitglied des nationalen Windsurfingteams und galt darüber hinaus während der 90er Jahre als eines der tschechischen Top-Snowboarding-Talente. 
 Jan Spidlen 
 Seine erste Violine baute Jan Spidlen als Mittelschüler; sie wurde daraufhin von keinem Geringeren als dem weltberühmten Geiger Josef Suk gespielt. Nach seiner Ausbildung an der Geigenbauschule in  Mittenwald  arbeitete er als Restaurator in der namhaften Londoner Werkstatt „ J. &amp;amp; A. Beare “ mit. Neben zahlreichen anderen Wettbewerbserfolgen erhielt Jan Spidlen im Jahr 2003 für zwei Violinen, mit denen er an dem  Geigenbauwettbewerb in Cremona , der Cremoneser Triennale teilnahm, den ersten und zweiten Preis sowie drei zusätzliche Auszeichnungen für besondere klangliche und optische Vorzüge; mehr Preise hatte niemals zuvor ein Geigenbauer gleichzeitig in Cremona erhalten. Dieser enorme Erfolg war es wohl auch der entscheidende Impuls, der Jan Špidlen die bis heute ungebrochene Flut an Aufträgen einbrachte – wenn diese ihm auch, wie schon erwähnt, leider nur wenig Zeit für Experimente übrig lässt. 
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            <title type="text">Patrick Robin – ein Meister der Kunst und der Lehre</title>
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                 In Patrick Robins Geigenbaukunst verbinden sich exzellente Ausbildung und reiche Erfahrung mit beständiger Offenheit – ein Porträt von Corilon violins 
 In der Beziehung von Lehrer und Schüler gedeiht die Saat großer Kunst, und wie die meisten anspruchsvollen Handwerke lebt der Geigenbau seit der Renaissance von der vertrauensvollen Weitergabe praktischen Wissens. Davon ist auch der zeitgenösssische Geigenbaumeister  Patrick Robin  zutiefst überzeugt, nicht zuletzt, weil ihm selbst das Privileg einer vortrefflichen Ausbildung zuteil geworden ist. Als geachteter und mehrfach preisgekrönter Erbauer feinster Streichinstrumente vermittelt er sein Wissen traditionell im geschützten Raum seiner Werkstatt, darüber hinaus aber auch bei Workshops und Kongressen an renommierten Lehrinstitutionen wie dem Oberlin College oder der Instrumentenbauschule in Santiago de Querétaro, Mexico. 
 Patrick Robin wurde für die Perfektion und erlesene Qualität seiner eigenen Arbeiten und für seine Kompetenz als Lehrer im Jahr 2000 vom französischen Kultusministerium in den Stand eines „Maître d’art“ erhoben. Dass Patrick Robin diesen Titel vollkommen zu Recht führt, belegt das Zeugnis seiner Schüler – etwa von Antoine Cauche, heute selbst ein gefragter und vielfach ausgezeichneter Geigenbauer. Er beschreibt seinen ehemaligen Meister als überaus geduldigen Lehrer, der bei aller gründlichen Unterweisung auch ein gewisses Maß an gestalterischer Freiheit zulässt, der motiviert und dem an einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung gelegen ist. Doch auch Patrick Robin selbst profitiert von der Zusammenarbeit mit seinen Assistenten, wie er betont. Den wachsenden Fähigkeiten seiner Schüler zu vertrauen und ihnen im Laufe ihrer Ausbildung immer mehr Tätigkeiten zu überlassen, fordert ihn ebenso positiv heraus wie die Konfrontation mit ihren anspruchsvollen Fragen. 
 Patrick Robins eigener Weg beginnt an der Geigenbauschule in Newark, die er 1984 mit einer Auszeichnung für herausragende Leistungen verließ. Von  Roger Hargrave , vormals Dozent in Newark und weltweit anerkannter Geigenbauexperte, wurde er anschließend in ein internationales Team von Restauratoren berufen, das auf wertvolle Streichinstrumente der alten italienischen Schulen spezialisiert war. Patrick Robins eingehende Beschäftigung mit diesen Werken befähigte ihn zur Anfertigung exzellenter Kopien; und auch heute noch erschafft er seine charaktervollen Instrumente – bei aller stilistischen Eigenständigkeit – ganz im Geist seiner historischen Vorbilder. 
 Bei einer Reihe prominenter Geigenbauwettbewerbe – so beim  Concours Etienne Vatelot  in Paris, beim  Geigenbauwettbewerb Mittenwald  und Manchester – erhielt er Goldmedaillen für seine Geigen, Violen und Celli, und auch er selbst wurde schon mehrmals als Juror bei internationalen Wettbewerben berufen. 1988 ließ sich Patrick Robin im südlich von Angers gelegenen Les Ponts-de-Cé nieder, wo er sich zunächst eine Werkstatt mit Andrea Frandsen teilte. 2006 eröffnete er schließlich sein heutiges Atelier in einer Villa am Loire-Ufer, in dem er eine internationale Klientel, bestehend aus Mitgliedern namhafter europäischer Orchester und Kammerensembles, beispielsweise des Wiener Aron Quartetts oder auch des Zehetmair Quartetts, empfängt. Denn es ist nicht zuletzt der fruchtbare Austausch mit erstklassigen Musikern, durch den Patrick Robin seinen Erfahrungsschatz beständig erweitert – als das solide Fundament hochgeschätzter Kunstwerke von morgen. 
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  Stephan von Baehr und die Architektur der Violine  
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            <title type="text">Stephan von Baehr und die Architektur der Violine</title>
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                                            Der Geigenbauer Stephan von Baehr ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Geigenbauern seiner Generation. Ein Porträt über den &quot;Architekten der Violine&quot;
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                 Stephan von Baehr ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Geigenbauern seiner Generation. 
 Der Pariser Geigenbauer Stephan von Baehr ist ein Meister des feinen Details und versteht seine Kunst als Suche nach der idealen Architektur. Sein Konzept beruht auf der Erkenntnis, dass es im Schwingungsverhalten eines Streichinstruments nichts Nebensächliches gibt, und dass die Summe kleinster Veränderungen den großen Unterschied bewirkt. Mit dieser anspruchsvollen Philosophie hat sich Stephan von Baehr früh einen exzellenten Ruf unter professionellen Musikern erworben und Auszeichnungen gewonnen, die für einen Geigenbauer seiner Generation alles andere als selbstverständlich sind. 
 Stephan von Baehr – Leben und Werk: Übersicht 
 
  Ausbildung  
  Erfolge  
  Inspiration  
 
 Die Geigenbauer Ausbildung von Stephan von Baehr 
 1972 in Schwerin geboren, absolvierte  Stephan von Baehr  seine Lehre in der Werkstatt von Reinhard Bönsch in Markneukirchen und erlernte die Kunst der Holzbildhauerei bei Jochen Heinzmann. Der Fall der Mauer im Jahre 1989 eröffnete dem gerade fertig ausgebildeten Gesellen ungeahnte Chancen, konnte er doch nun seine Kenntnisse in herausragenden europäischen Werkstätten perfektionieren. Dazu gehörte unter anderem das Atelier von Andreas Kägi&amp;nbsp;in Berlin, wo Stephan von Baehr mehrere  Stradivari -Instrumente eingehend studieren konnte, die dort in dieser Zeit restauriert wurden. 1993 erhielt er eine Anstellung als Restaurator antiker Instrumente bei  Bernard Sabatier  in Paris und bestand im folgenden Jahr die deutsche Meisterprüfung mit Bestnote. 
 Geigenbauer Stephan von Baehrs Erfolge 
 Ein Markstein in der Laufbahn des jungen Geigenbauers sollte das „RNCM International Cello Festival“ im Jahr 1998 werden, bei dem ein Instrument von seiner Hand größte Anerkennung bei der hochkarätigen Fachjury um  Charles Beare  fand. Ermutigt durch das Lob aus berufenstem Munde, konzentrierte sich Stephan von Baehr nun ganz auf den Instrumenten-Neubau. In der prominenten Pariser Geigenbauerstraße Rue de Rome machte sich Stephan von Baehr mit einer eigenen Werkstatt selbständig, unterstützt von seinem ehemaligen Meister Sabatier. Neben seinem Erfolg in Manchester erreichte Stephan von Baehr Gold- und Silbermedaillen bei mehreren internationalen Geigenbauwettbewerben, zum Beispiel in Salt Lake City, Portland und Cleveland; beim  Geigenbauwettbewerb in Mittenwald  2001 erhielt er einen Spezialpreis für die „beste und individuellste Arbeit“ – eine Ehrung, auf die er besonders stolz ist. Von deutschen und französischen Stiftungen wie „Natexis“ oder der „ Deutschen Stiftung Musikleben “ wurde er schon mehrfach mit Auftragsarbeiten für Nachwuchstalente betraut. 
 Inspiration von Stephan von Baehr, Geigenbauer 
 Stephan von Baehr kennt als Sohn zweier professioneller Geiger die Ansprüche und Bedürfnisse von Berufsmusikern seit seiner Kindheit. Zu den Künstlern, die von Baehrs Instrumente spielen, gehören Solisten wie Isabelle Faust und Lise Berthaud sowie führende Orchestermusiker, etwa der Solocellist der Berliner Philharmoniker Olaf Maninger. Bei manch einem Konzert der Wiener Philharmoniker, berichtet Stephan von Baehr, seien sechs Bratschen aus seiner Werkstatt zu hören. Viele Musiker dieser großen Orchester nutzen Konzertaufenthalte in Paris für einen Werkstattbesuch, um den Klang ihrer Instrumente gemeinsam mit ihrem Erbauer weiterzuentwickeln. 
 Befragt nach den Quellen seiner Inspiration, verweist Stephan von Baehr auf die Epoche Stradivaris und Guarneris, in der die Prinzipien einer idealen Violinarchitektur entwickelt worden seien. Ihr Vorbild hat er stets vor Augen, in Gestalt bedeutender Werke aus der goldenen Zeit des Cremoneser Geigenbaus selbst, die sich regelmäßig in seinem Atelier befinden – nicht zum Zwecke des Handels oder der Restaurierung, sondern allein als Wegzeichen bei der Arbeit an neuen Instrumenten. Weitere sind als detailgetreue Silikonabgüsse greifbar – eine Präsenz des altitalienischen Geigenbaus direkt an der Werkbank, die Einzigartigkeit beanspruchen darf. Von diesem Sinn für das Bewährte profitiert nicht zuletzt die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die Stephan von Baehr mit den Spielern seiner Instrumente pflegt – eine fruchtbare Konstellation, die noch viel erwarten lässt. 
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