<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" ?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom">
    <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/?sAtom=1" rel="self" type="application/atom+xml" />
    <author>
        <name>Corilon violins</name>
    </author>
    <title>Blog / Atom Feed</title>
    <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/?sRss=1</id>
    <updated>2026-05-03T18:39:15+02:00</updated>
    
        <entry>
            <title type="text">Geigenbau in Turin: Guadagnini, Pressenda, Fagnola</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-turin</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-turin"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Geigenbau in Turin: Die Anfänge im 17. Jahrundert – die Meister der Familie Guadagnini – Giovanni Francesco Pressenda – 20. Jahrhundert und heute
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Der Geigenbau in Turin wird um die Mitte des 17. Jahrhunderts für die Musikinstrumentengeschichte greifbar und zeichnet sich von Anfang an durch Handwerkskunst auf ausnehmend hohem Niveau aus, die von wenigen und meist zugewanderten Geigenbaumeistern ausgeübt wurde. Durch ihre persönlichen Leistungen avancierte Turin zum führenden Zentrum des Geigenbaus südlich der Alpen, während der italienische Geigenbau insgesamt nach der Ära der klassischen Cremoneser Meister in eine Krise geriet. 
 Geigenbau in Turin, Übersicht: 
 
  Die Anfänge des Geigenbaus in Turin  
  Die Turiner Geigenbauer-Familie Guadagnini  
  Giovanni Francesco Pressenda und der Turiner Geigenbau des 19. Jahrhunderts  
  Turiner Geigenbauer des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart  
 
 Die Anfänge des Geigenbaus in Turin 
 Mit  Henricus Cattenar  (ca. 1620–1701) – auch bekannt unter dem italianisierten Namen  Enrico Catenari  – tritt der Turiner Geigenbau in das Licht der Forschung, und wie die Arbeiten seiner kaum weniger versierten Zeitgenossen  Andrea Gatto  (um 1660) und  Fabrizio Senta  (1629–1681) zeigt sich das Werk Cattenars stark durch flämische und andere nordeuropäische Stilrichtungen beeinflusst. Gewiss lassen die Turiner Geigen ab den 1670er Jahren eine wachsende Orientierung an Cremoneser Vorbildern erkennen, insbesondere an Modellen der Familie Amati, doch verbinden sich ihre Spezifika gerade bei Cattenar zu einer ganz eigenen handwerklichen und ästhetischen Formensprache. Dass dieser Stil über das 18. Jahrhundert nicht sukzessive in den italienischen Mainstream integriert wurde, ist vermutlich dem beständigen Einfluss Frankreichs im Piemont und den wechselhaften politischen Verhältnissen geschuldet, und so wenig man über die handwerklichen Beziehungen zwischen Zeitgenossen wie  Gioffredo Cappa  (1653 – 1717),  Giovanni Francesco Celoniato  (1676–1751) und Cattenar im Detail weiß, so gewiss ist doch ihre gemeinsame Grundlage in der flämischer Tradition, verbunden mit einer individuell austarierten Nähe zur Amati-Tradition.    
 Wie die anderen italienischen Geigenbauregionen erlebte auch Turin im 18. Jahrhundert eine Krise, die in der Forschung mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, aber auch mit einer gewissen Sättigung des Marktes für erstklassige Violinen in Verbindung gebracht wird, als eine Konsequenz der langen Blüte des Cremoneser Geigenbaus. Dass das Handwerk in Turin aber im Jahr 1770 für kurze Zeit ganz erlosch, erscheint im Rückblick wie eine notwendige Zäsur, die einer neuen und noch größeren Ära das Feld bereitete. 
 Die Turiner Geigenbauer-Familie Guadagnini 
 Nur wenige Monate nachdem die alte Turiner Geigenbautradition im Jahr 1770 untergegangen war, kamen zwei Persönlichkeiten in die Stadt, die nicht nur zur Wiederbelebung dieser Kunst beitragen sondern eines der bedeutendsten Kapitel ihrer Geschichte schreiben sollten.  Giovanni Battista Guadagnini  (1711–1786), der an der Schwelle zu seinem siebten Lebensjahrzehnt gerade aus wirtschaftlichen Gründen Parma verlassen hatte und mit seiner Familie nach Turin gezogen war – und der junge, gerade 16 Jahre alte Graf Alessandro Ignazio Alessandro  Cozio di Salabue  (1755–1840), der sich auf dem Weg zur Militärakademie befand – wobei ihn die soldatische Ausbdilung deutlich weniger interessierte als Schach, das Geigenspiel – und exzellente Violinen. 
 1773 kreuzten sich ihre Wege, und sie vollzogen gemeinsam eine der berühmtesten geschäftlichen Transaktionen der Musikgeschichte: Den Ankauf von 10 ungespielten Original-Instrumenten Antonio Stradivaris und seines Werkstatt-Inventars von seinen Erben – ein Schatz, den der passionierte Sammler Cozio mit Guadagninis Hilfe zur Wiederbelebung des in die Krise geratenen italienischen Geigenbaus einsetzen wollte. In den folgenden Jahren studierten beide die Bauprinzipien Stradivaris, nach denen Guadagnini dank einer Abnahmegarantie Cozios bis zu seinem Tod im Jahr 1786 noch mehr als 50 Instrumente fertigte. 
 Mit einem Schlag war das Stradivari-Modell zur Norm im Turiner Geigenbau geworden, und Guadagnini hatte trotz seines fortgeschrittenen Alters ein solides Auskommen für sich und seine Familie gefunden. Und obwohl sich seine Söhne in den folgenden schweren Jahren, in denen das Piemont unter den Erschütterungen der französischen Geschichte zwischen der Revolution und Waterloo zu leiden hatte, aus reiner Not ganz auf den ertragreicheren Gitarrenbau konzentrieren mussten, blieb das geigenbauerische Erbe des Vaters lebendig, um sich ab den 1820er Jahren wieder in neuer Kraft zu entfalten. Nach dem frühen Tod von Giovanni Battistas jüngerem Sohn Carlo übernahm dessen ältester Sohn  Gaetano Guadagnini  (1796–1852) die Werkstatt, angeleitet von seinem gleichnamigen Onkel Gaetano I (1750–1817). Unter seiner Führung entwickelten sich sowohl der familiäre Gitarren- als auch Geigenbau hervorragend, nicht zuletzt, da er es verstand, sowohl auf der italienischen als auch auf der französischen Seite der Musikwelt gute Geschäfte zu machen und unter anderem eine umfangreiche Kooperation mit der Familie Vuillaume pflegte. 
 Nach Gaetano II baute sein Sohn Antonio (1831–1881) die väterlichen Erfolge aus. Erstmals avancierte die Guadagnini-Werkstatt zu einem Inkubator künstlerischer Exzellenz und Innovation, in dem erstklassige Meister wie  Enrico Marchetti  (1855–1930) und die Brüder  Enrico Clodoveo Melegari  und  Pietro Melegari  ihre Kunst vervollkommneten – und von denen sich nicht wenige um die Jahrhundertwende zu ernsthaften Konkurrenten von Antonios Sohn und Nachfolger Francesco Guadagnini (1863–1948) entwickelten. In diesem neuen Aufschwung des Turiner Geigenbaus konnte sich Francesco durchaus behaupten und integrierte in die familiäre Tradition neuere, insbesondere auf Annibale Fagnola zurückgehende Ansätze, die alsbald zu charakteristischen Merkmalen des neuen Turiner Stils werden sollten. 
 1943 endete die Geschichte der großen italienischen Geigenbauerdynastie Guadagnini schließlich abrupt, als Francescos Sohn Paolo Guadagnini ein Opfer des zweiten Weltkriegs und die Turiner Werkstatt bei einem Bombenangriff zerstört wurde. 
 Giovanni Francesco Pressenda und der Turiner Geigenbau des 19. Jahrhunderts 
 Unter den vielen großen Namen des Turiner Geigenbaus nimmt  Giovanni Francesco Pressenda  (1777–1854) einen gleichrangigen Platz neben der Familie Guadagnini ein, und seine Arbeiten sind heute um ein Mehrfaches gefragter als die – keineswegs gering zu schätzenden und alles andere als günstig gehandelten – Instrumente der anderen historischen Turiner Meister. 
 Dennoch bildet das Werk Pressendas einen weiteren Sonderfall in der Turiner Geigenbautradition, orientierte er sich doch zunächst relativ streng am Vorbild Stradivaris, um es in den 1820er und 1830er Jahren zu seinem persönlichen Modell weiterzuentwickeln. Obwohl gelegentlich der Einfluss von Mitarbeitern in seinem Werk aufscheint – vor allem Giuseppe Rocca, aber auch unbekannte Geigenbauer der Mirecourter Tradition – bleiben seine Arbeiten über seine gesamte Werkbiographie von einem unverkennbaren Stil geprägt und zeichnen sich durch ihren außerordentlich guten, auch unter Solisten unserer Zeit sehr gefragten Klang aus. Indem sich Giovanni Francesco Pressenda mit größter, fast ausschließlicher Konsequenz auf den Bau von Geigen konzentrierte, reifte er zu einem der bedeutendsten Meister dieses Fachs, dessen Einfluss auf den italienischen Geigenbau des 19. Jahrhunderts kaum überschätzt werden kann. 
 Zu seinen unmittelbaren künstlerischen Erben gehört an vorderer Stelle der bereits erwähnte  Giuseppe Rocca  (1807–1865), der sich 1837 und 1842 in Turin selbständig zu machen versuchte, um 1851 nach dem Tod seiner Frau nach Genua zu ziehen. Auch dort blieb er jedoch ohne den seiner Arbeit fraglos zustehenden Erfolg, und so kehrte er nach dem Tod Gaetano Guadagninis nach Turin zurück, in der Hoffnung auf eine neue Chance. Doch neben Antonio Guadagnini blieb ihm wieder kein Raum für eine Existenz als selbständiger Geigenbauer, und so zog er für die letzten Jahre seines Lebens zurück nach Genua. 
 Mit dem Wegzug Giuseppe Roccas und nachdem Pressenda und Gaetano Guadagnini kurz nacheinander gestorben waren, etablierte sich im Jahr 1855 Teobaldo Rinaldi (1822–1888) als Geigenhändler in Turin und versuchte, die entstandene Lücke zu füllen. Unterstützung fand er in seinem Schwiegersohn Benedetto Gioffredo (1821–1886), der den Namen Rinaldi annahm und das Unternehmen bald als  Gioffredo Rinaldi  führte. Obwohl Rinaldi als Geigenbauer nicht entfernt an den Rang des unglücklichen Rocca und ebenso wenig an den Antonio Guadagninis heranreichte, baute er eine überaus erfolgreiche Werkstatt auf, in der sowohl Enrico Marchetti arbeitete, bevor er zu Guadagnini wechselte, als auch Carlo Giuseppe Oddone, der zu einem führenden Protagonisten des Turiner Geigenbaus im frühen 20. Jahrhundert werden sollte. Rinaldis Nachfolger wurde ein weiterer Mitarbeiter seiner Werkstatt, Romano Marengo (1866–1926), der fortan als  Marengo Rinaldi  bekannt war. Beide, Gioffredo und Marengo Rinaldi, gingen zudem als Chronisten ihrer Epoche in die Geigenbaugeschichte ein und verfassten die ersten biographischen Werke über Pressenda. 
 Turiner Geigenbauer des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart 
 Dass Turin seinen Status als Zentrum geigenbauerischer Exzellenz auch im frühen 20. Jahrhundert behaupten konnte, ist nicht zuletzt den beiden großen Werkstätten zu verdanken, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die lokale Szene dominierten: das Haus Guadagnini mit seiner ins 18. Jahrhundert zurückreichenden Tradition und sein bedeutender Konkurrent Rinaldi. In letztgenanntem begann  Carlo Giuseppe Oddone  (1866–1935) seinen Weg als Lehrling, um nach Gioffredo Rinaldis Tod zwei Jahre lang für Frederick William Chanot in London zu arbeiten, wo er die Geheimnisse der französischen Geigenbaukunst in ihrer höchsten Vollendung studieren konnte. Zurück in Turin machte er sich 1892 selbständig und arbeitete wahrscheinlich zunächst für Marengo Rinaldi und Enrico Marchetti, erwarb sich aber bald einen ausgezeichneten Ruf und galt in den 1920er Jahren als einer der besten Geigenbauer Italiens. 
 Einer ganz anderen Linie folgt die Laufbahn des im selben Jahr wie Oddone geborenen  Annibale Fagnola  (1866–1939), der zunächst als Bäcker arbeitete und den Geigenbau im Wirkungsbereich Guadagninis und Rinaldis autodidaktisch erlernte. Offenbar nutzte er jede Gelegenheit, die Meisterwerke Pressendas und Roccas vor Ort zu studieren, und etablierte sich innerhalb weniger Jahre international als einer der gefragtesten Turiner Meister – dem mit einer Goldmedaille für ein Streichquartett auf der Turiner Ausstellung von 1911 auch die verdiente Ehre seiner Heimatstadt zuteil wurde. 
 Zu den zahlreichen Schülern, die von Fagnola ausgebildet und inspiriert wurden, gehört  Plinio Michetti  (1891–1991), wie Fagnola ein Autodidakt, der wohl nicht zuletzt wegen seines außerordentlichen Talents auch von anderen großen Geigenbauern wie Carlo Giuseppe Oddone, Euro Peluzzi, Cesare Candi und Paolo de Barbieri gefördert wurde und sich rasch zu einem vielfach ausgezeichneten Meister entwickelte. 
 Heute wird die spezifische piemontesische Geigenbautradition in der zeitgenössischen Szene Turins durch den Gründer und Präsidenten der Accademia Liuteria Piemontese  Enzo Cena  (1944–) repräsentiert, der durch seine Lehrtätigkeit viele exzellente junge Meister im Sinne der großen Turiner Meister beeinflusst hat. Darüber hinaus zieht die Stadt wie in früheren Zeiten Talente aus weiter entfernten Regionen an, etwa  Francesco Piloni  (1979–), der in seiner Heimatstadt Cremona lernte und vor der Eröffnung seiner Turiner Werkstatt für Carlson &amp;amp; Neumann arbeitete. Auch seine Werkstattpartnerin  Kanna Osaki  (1981–) studierte in Cremona und absolvierte eine Bogenmacherausbildung bei Giovanni Lucchi. Eine besonders interessante Entdeckung ist  Yael Rosenblum , eine ehemalige Berufsviolinistin und -violistin, die in Jerusalem und Cremona Geigenbau studierte, mit einer Spezialisierung auf barocke Instrumente, und seit mehr als 20 Jahren von ihrer Turiner Werkstatt aus mit führenden Orchestern und Solisten weltweit zusammenarbeitet. 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2025-02-03T16:30:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Der Geigenbau in Rom - Geschichte des römischen Geigenbaus seit dem 16. Jahrh...</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/rom-geigenbau-geschichte-roemischer-geigenbau</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/rom-geigenbau-geschichte-roemischer-geigenbau"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Geigenbau in Rom: Wichtige Geigenbauer der Gegenwart und Streiflichter zur Geschichte des römischen Geigenbaus seit dem 16. Jahrhundert
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Rom, über Jahrhunderte das Zentrum der Welt, spielt in der Geschichte des Geigenbaus eine erstaunlich nachrangige Rolle. Welche Rückschlüsse sich aus dieser Beobachtung aber auf das Musikleben der „ewigen Stadt“ im Zeitalter der Geige ziehen lassen, ist eine keineswegs leicht zu beantwortende Frage.  
 Geigenbau in Rom: Übersicht: 
 
  Die Anfänge des Geigenbaus in Rom  
  Die „römische Schule“ um David Tecchler  
  Weitere historische römische Geigenbauer  
  Geigenbauer in Rom heute – zeitgenössische Meister  
 
 Insbesondere aus der Frühzeit des Geigenbaus im späten 16. Jahrhundert, aber auch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts sind der Forschung nur wenige römische Geigenbauer bekannt; unter ihnen befinden sich kaum herausragende Meister und Schulbildungen, selbst im familiären Kontext, sind überaus selten. Ob die konservative Haltung der katholischen Kirche im Nachgang des Konzils von Trient für den offenkundig geringen Bedarf an hochrangigen Geigenbauerleistungen im Kirchenstaat verantwortlich zu machen ist, dürfte eine einigermaßen spekulative These sein. Wahrscheinlicher ist, dass  Cremona  und  Brescia , die Geigenbauzentren Norditaliens, nach ihrem frühen Aufstieg den italienischen Markt dominierten – und den Zunftgenossen von Nicolò Amati und Antonio Stradivari selbst in Rom wenig mehr zu tun blieb als importierte Violinen zu warten und zu reparieren. 
 Die Anfänge des Geigenbaus in Rom 
 Der erste historisch greifbare Geigenbauer Roms ist der aus Genua stammende&amp;nbsp; Orazio di Giovanni Filippo , der, ohne Nennung eines Familiennamens, im Jahr 1554 als liutaio in einer Gerichtsakte erwähnt wird. Wegen der bekannten Unschärfe dieser Berufsbezeichnung bleibt jedoch unklar, ob Orazio überhaupt Streichinstrumente oder ausschließlich Zupfinstrumente gebaut hat. 
 Wie Orazio di Giovanni Filippo dürften wohl die meisten römischen liutai des 16. und auch des 17. Jahrhunderts von außerhalb nach Rom gekommen sein, z. B.&amp;nbsp; Paolo Albani &amp;nbsp;(1633–1680) der, aus Palermo stammend, wahrscheinlich bei Nicolò Amati die Kunst des Geigenbaus erlernt hat und als einer der besten seiner Generation gilt. Autochthone Lehrer-Schüler-Beziehungen sind in dieser Phase der römischen Geigenbaugeschichte nicht ersichtlich, und Ansätze einer „römischen Schule“ lassen sich erst später und in vergleichsweise geringem Maß erkennen. 
 Die „römische Schule“ um David Tecchler 
 So ist&amp;nbsp; David Tecchler &amp;nbsp;(ca. 1666–1747) die Persönlichkeit des älteren römischen Geigenbaus, der mit Recht schulbildender Einfluss zugesprochen werden kann – und der mit seinem an Cremoneser Vorbildern orientierten Werk, das zugleich eine Inspiration durch Jakob Stainer erkennen lässt, eine eigenständige, historische Leistung erbracht hat. Insbesondere seine Celli sind auch unter heutigen Spitzenmusikern äußerst beliebt, wenn auch nur wenige Instrumente in ihrem ursprünglichen, sehr groß dimensioniertem Modell erhalten geblieben sind. 
     
 Auch wenn es an historisch gesicherten Erkenntnissen zur Familie und zu Lehrlingen David Tecchlers mangelt, ist seine Wirkung doch in den Arbeiten der folgenden Geigenbauer-Generation klar nachzuvollziehen. Eine „römische Schule“, die im engeren Sinn als eine „Tecchler-Schule“ zu begreifen ist, zeigt sich etwa bei&amp;nbsp;  Giulio Cesare Gigli  &amp;nbsp;(ca. 1724–1794), der das Modell David Tecchlers mit einer etwas höheren Wölbung interpretierte und ebenfalls der Musikwelt exzellente Celli hinterlassen hat. Eine ähnliche Ausrichtung ist neben dem wohl aus Deutschland stammenden&amp;nbsp; Giorgio Tanigardi &amp;nbsp;(Taningard, vor 1750) bei Giglis Onkel&amp;nbsp; Michael Platner &amp;nbsp;(gest. 1750) zu erkennen, der, anders als in der früheren Forschung angenommen, offenbar kein Tecchler-Schüler war, sondern in der Werkstatt seines Vaters ausgebildet wurde; er gehört damit zur zweiten oder dritten Generation jener zugewanderten Geigenbauer gehörte, die sich in Rom nachhaltig etablieren konnten. Ob dasselbe auch für&amp;nbsp; Antonio Pollusca &amp;nbsp;gilt, dessen familiäre Wurzeln vermutlich in Böhmen zu suchen sind, muss offen bleiben, doch gehört auch er zu den hervorragenden Vertretern der römischen Schule um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Seine besonders intime Kenntnis des Tecchler-Modells legt eine persönliche Beziehung zu dessen Werkstatt nahe. 
 Weitere historische römische Geigenbauer 
 Internationale Zuwanderer bleiben charakteristisch für den römischen Geigenbau, der im 18. Jahrhundert einen deutlichen Aufschwung erfährt und in eine differenziertere Phase seiner Entwicklung eintritt. Während der konstante Zuzug aus deutschsprachigen Ländern unvermindert angehalten haben dürfte, finden sich nun auch Spuren von Meistern aus weiteren europäischen Ländern. Für sie seien exemplarisch der Engländer oder Ire&amp;nbsp; Patrik Harford (Patritius) &amp;nbsp;genannt, der um 1742 in Rom wirkte, und&amp;nbsp; Jacob Horil , dessen Name auf eine Herkunft aus Böhmen schließen lässt. Er arbeitete zunächst in Wien und kam um 1740 nach Rom, wo er seine hochwertigen, vom Stil der Tecchler-Schule erstaunlich unbeeindruckten Instrumente mit offenkundigem Erfolg platzieren konnte. 
 Unter den interessanten Entdeckungen, die die römische Geigenbaugeschichte bereithält, verdient nicht zuletzt die Familie Politi besondere Erwähnung, die zu den wenigen Geigenbauer-Dynastien Roms gehört. Ihr Gründer ist&amp;nbsp; Eugenio Politi &amp;nbsp;(1853–1909), ein Schüler des großen Enrico Ceruti, der den Stil seines Meisters so gut zu imitieren verstand, dass nicht wenige seiner Arbeiten von Instrumentenhändlern mit gefälschten Ceruti-Zetteln verkauft wurden. Größter Wertschätzung erfreuen sich auch die Instrumente seines Sohnes&amp;nbsp; Enrico Politi &amp;nbsp;(1885–1979), der sich in seinem persönlichen Modell eher von Guarneri beeinflusst zeigt und ein Mitarbeiter Giuseppe Fiorinis war. Auch Enricos 1913 geborener Sohn Raoul wurde in der Lehre bei seinem Vater zu einem versierten und erfolgreichen Geigenbauer, nachdem er zunächst eine Karriere als Violinist angestrebt hatte. Sein Onkel&amp;nbsp; Fernando Politi &amp;nbsp;(1882–1928) zog nach der Ausbildung bei seinem Vater Eugenio nach Turin und gehört damit zu den wenigen bekannten Geigenbauern, die ein Stück römischer Geigenbautradition über die Stadtgrenzen hinaus getragen haben. 
 Der prominenteste Vertreter dieser „Auswanderer“ ist ohne jeden Zweifel&amp;nbsp; Simone Fernando Sacconi &amp;nbsp;(1895–1974), der als Mitarbeiter von Rembert Wurlitzer in New York zahllose erstklassige Meister in den U.S.A. und vielen anderen Ländern ausbildete und inspirierte. Durch seinen Lehrer&amp;nbsp; Giuseppe Rossi &amp;nbsp;(1869–1954) stand Sacconi in der venezianischen Tradition von Eugenio Degani und entwickelte sich zu einem der führenden Restauratoren und Lack-Spezialisten seiner Generation. 
 Eine gewisse Strahlkraft entfaltete der römische Geigenbau weiterhin durch&amp;nbsp; Rodolfo Fredi &amp;nbsp;(1861–1950), der die Kunst des Geigenbaus bei seinem aus Perugia stammenden Vater Fabio Fredi erlernte. Zuvor hatte Rodolfo ein Violinstudium absolviert und war von1875 bis 1900 selbst Professor für Geige. Ab 1885 fertigte in seiner eigenen Werkstatt rund 450 Violinen, 70 Bratschen und 50 Celli, unterstützt von seinen Schülern&amp;nbsp; Giuseppe Giacchetti &amp;nbsp;und&amp;nbsp; Vittorio Bellarosa , die selbst zu hochgeschätzten, international erfolgreichen Meistern werden sollten. Ab 1920 widmete sich Fredi, der für seine Streichinstrumente zahlreiche Auszeichnungen erhielt und viele Jahre dem Berufsverband vorstand, auch dem Klavier- und Orgelbau. 
 Geigenbauer in Rom heute – zeitgenössische Meister 
 Der Geigenbau in Rom war von seinen frühesten Anfängen an international und zog Meister aus allen bedeutenden Geigenbauregionen Europas an. Auch im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart prägen Verbindungen die Szene, die über die Grenzen der „ewigen Stadt“ hinausreichen. 
 In diesem Sinne stehen Meister wie&amp;nbsp;  Giuseppe Lucci  &amp;nbsp;(1910–1991) für die enge Bindung Roms an die anderen bedeutenden Schulen des italienischen Geigenbaus, konkret an die Sphäre der Werkstatt von Leandro Bisiach in Mailand, zu der Luccis Lehrer Pietro Borghi über den Großteil seiner Laufbahn gehört hatte. Heute führt&amp;nbsp; Rodolfo Marchini &amp;nbsp;(1943–) das Atelier seines Lehrers Giuseppe Lucci und gibt mit seinen Arbeiten nach Stradivari und Guarneri, die international höchst gefragt sind und zahlreiche Auszeichnungen erhalten haben, ein aussagekräftiges Zeugnis für das Niveau des zeitgenössischen Geigenbaus in Rom. 
 Den weltweiten Einfluss der neuen Schule von Cremona repräsentiert der Schweizer&amp;nbsp; Michel Eggimann , der sich 2007 in Rom niederließ und schon durch seinen Lehrer Philippe Girardin in Neuchâtel eng mit dem sprichwörtlichen Zentrum des klassischen italienischen Geigenbaus verbunden ist. Wie Girardin besuchte Eggimann die Cremoneser Geigenbauschule und studierte bei Vincenzo Bissolotti, um sich anschließend als Mitarbeiter des gerade gegründeten Projekts von Joseph Curtin und Gregg T. Alf vertieft den Meisterwerken Stradivaris und Guarneris zu widmen. Mehrfach ausgezeichnet für seine brillanten Guarneri-Nachbauten und Restaurationen hat er mehr als 300 Spitzeninstrumente für international bekannte Solisten und Ensembles geschaffen. 
 Auch für&amp;nbsp; Mathias Menanteau &amp;nbsp;ist Cremona eine wichtige Station auf seinem Weg nach Rom, doch begann er seine Laufbahn in England mit einer dreijährigen Ausbildung an der renommierten Newark School of Violin Making; anschließend studierte er 5 Jahre lang Restaurierung in der Berliner Werkstatt Anton Pilar, die in der modernen Tradition der Prager Geigenbauerfamilie Špidlen steht. Nach Praktika in Paris und New York sowie bei Eric Blot in Cremona – der zu den weltweit führenden Experten für italienischen Geigenbau gehört – eröffnete Menanteau im Jahr 2010 seine Werkstatt in der Nähe des Kolosseums und arbeitet seit 2014 in der Via di Santa Maggiore. 
 Als sprichwörtliche Ausnahme zur internationalen Regel mag für den römischen Geigenbau&amp;nbsp; Giorgio Corsini &amp;nbsp;gelten, der, 1913 in Tivoli geboren, zunächst an der Accademia di Santa Cecilia Violine studierte und sich erst spät dem Geigenbau zuwandte. Mit einem überschaubaren, aber von einer individuellen künstlerischen Handschrift geprägten Gesamtwerk hat er sich hohe internationale Anerkennung erworben, nicht zuletzt für seine exzellente Lackarbeit und für seine außergewöhnliche Begabung als Restaurator. 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2024-06-16T10:00:00+02:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Cremona, die lombardische Urgeschichte des italienischen Geigenbaus</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/cremona-die-lombardische-urgeschichte-des-italienischen-geigenbaus</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/cremona-die-lombardische-urgeschichte-des-italienischen-geigenbaus"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Italienischer Geigenbau in Cremona: Stradivari, Amati und Guarneri. Über den Geigenbau in Italien in seiner klassischen Cremoneser Phase
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Der Geigenbau in Cremona – die frühe Vollendung des italienischen Geigenbaus von Stradivari, Guarneri und Amati 
  Cremona ist die sprichwörtliche Geigenbaustadt – an kaum einem Ort wurden bedeutendere Kapitel der Geigenbaugeschichte geschrieben als in der Heimat der größten historischen Meister des altitalienischen Geigenbaus. Wie revolutionierten Antonio Stradivari, Giuseppe Guarneri del Gesù und Nicolò Amati ihre Kunst – und welchen Beitrag leistete der Geigenbau in Cremona zur Entwicklung der modernen Violine?  
 Unter den frühen Stätten des klassischen italienischen Geigenbaus, dessen erste Anfänge wohl nie ganz erforscht werden können, kommt dem  Geigenbau in Cremona  eine besondere Stellung zu. Dafür ist weniger das hohe Alter der handwerklichen Tradition verantwortlich, die andernorts auf eine ähnlich lange – wenn nicht längere – Geschichte zurückblicken kann. Den Rang von Cremona begründen vielmehr die frühe Vollendung und die beständige normative Kraft, die der italienische Geigenbau in der lombardischen Stadt Cremona gefunden hat.   
 Die lokale Handwerksgeschichte von Cremona ist Teil der Urgeschichte des Geigenbaus, dessen Lehre stets mit dem nachahmenden Studium der klassischen  Cremoneser Geigen  und Meisterwerke beginnt: Die handwerklichen und künstlerischen Standards, die die  Meistergeigen  der Cremona Geigenbauer  Amati ,  Stradivari  und  Guarneri  del Gesù in den rund 150 Jahren ihres Wirkens formulierten, gelten bis heute ungebrochen. 
 Übersicht: Geigenbau in Cremona 
 
  Cremona als frühe Vollendung des italienischen Geigenbaus  
  Die goldene Epoche in Cremona: Geigenbau zur Zeit Amatis und Stradivaris  
  Der Geigenbauer Guarneri: Eine Ausnahmeerscheinung im klassischen Cremona  
 
 Die goldene Epoche in Cremona: Geigenbau zur Zeit Amatis und Stradivaris 
 Am Anfang jener Reifezeit steht der große  Nicolò Amati  (1596-1684) aus Cremona, dessen Geigenmodell für seine Größe und die charakteristische, hohe Wölbung der Decke bekannt ist. Mit ihm erreichten Amati Geigen einen großen, doch lieblichen Klang, durch den sich die Geigen aus Cremona erstmals gegenüber der  da Salo-  und  Maggini-Schule  von Bresica auszeichneten. Sein größter Schüler, Antonbio Stradivari (1648/49-1737) folgte ein halbes Berufsleben lang den Spuren seines Meisters Nicolo Amati, bevor er seine niedriger gewölbte, kräftiger klingende Geige entwickelte. Die Stradivari setzte sich als Muster unzähliger Nachbauten um so mehr durch, je größer die Ansprüche des solistischen Spiels im Laufe der Musikgeschichte wurden.    Doch auch angesichts der späteren Dominanz des Stradivari Modells ist die Amati Geige keineswegs nur ein überholter Vorläufer; sie blieb über die Jahrhunderte ein gültiger, oft nachgeahmter Entwurf und erweiterte die künstlerischen Aktionsräume aller nachfolgenden Geigenbauer Generationen. 
 Der Geigenbauer Guarneri: Eine Ausnahmeerscheinung im klassischen Cremona 
 Die interessanteste Gestalt unter den großen Meistern des Geigenbaus in Cremona dürfte aber der Geigenbauer  Joseph Guarnerius del Gesù  (1698-1744) sein, aus dessen kurzem, legendenumranktem Leben nur das schmale Œuvre von weniger als 200 Violinen erhalten ist. Guarneri Geigen fallen gegenüber der konstanten Perfektion der Stradivari-Werkstatt durch manche handwerkliche Unzulänglichkeit auf; es scheint, dass del Gesù radikal und kompromisslos das Ideal eines großen Klanges verfolgte, für den er ästhetische „Nebensächlichkeiten“ gern vernachlässigte. Seine Werke indes geben ihm recht und wirken auf überaus interessanten Wegen bis in die Gegenwart, wie zum Beispiel die bevorzugte Guarneri Geige Nicolo Paganinis, die der legendäre Solist respektvoll „Il Cannone“ nannte. Sie wurde von dem großen  Jean Baptiste Vuillaume  mehrfach nachgebaut und wird heute – in Gestalt einer dieser Kopien – von der jungen Virtuosin Hilary Hahn gespielt. 
  Verwandte Beiträge:  
  Zeitgenössische Geigenbauer in Cremona  
  Eric Blot, Cremona  und der italienische Geigenbau 
 Ente Triennale: Über den berühmten  Geigenbauwettbewerb Cremona  
  Markneukirchen: Geigenbau im „Cremoneser“ Vogtland  
  Mittenwald: Geigenbau  &quot;in media silva&quot; 
  Mirecourt: Die geräumige Wiege des französischen Geigenbaus  
  Zeitgenössische Geigenbauer  - Die neue Künstler-Elite 
  Zeitgenössische Geigenbauer aus China und Taiwan &amp;nbsp; 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2024-03-22T09:05:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Geigenbau in Mailand: Über die Mailänder Geigenbauer</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-mailand</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-mailand"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Geigenbauer in Mailand: Historischer Überblick zum Mailänder Geigenbau – von der alten zur neuen Mailänder Schule – zeitgenössische Meister
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Geigenbau in Mailand: Übersicht 
 
  Der alte Mailänder Geigenbau bis zum Ende des 18. Jahrhunderts  
  Geigenbau in Mailand: Die neue Blüte im 20. Jahrhundert  
  Mailänder Geigenbauer der Gegenwart  
 
 Der alte Mailänder Geigenbau bis zum Ende des 18. Jahrhunderts 
 Wenn der Mailänder Geigenbau in seinen Ursprüngen auch kaum mit der großen Epoche von Cremona und Brescia zu vergleichen ist – in der Meister wie Andrea und Nicolò Amati, Antonio Stradivari, Guarneri del Gesù, Gasparo da Salò und Giovanni Paolo Maggini nicht weniger als die über Jahrhunderte gültige Definition der Violine erschufen und rasch ein höchst produktives Netz überregional erfolgreicher Werkstätten entstand – reichen seine Wurzeln doch überraschend weit zurück. Zwar scheint sich im Mailand des späten 17. und 18. Jahrhunderts noch keine weit differenzierte Geigenbauszene etabliert zu haben, doch wurden die Werkstätten der Familie Grancino zum Ausgangspunkt einer Tradition, die über mehr als 100 Jahre Bestand haben sollte. 
 Als ihr Begründer gilt  Giovanni Battista Grancino (1637–1709) , der vielleicht in seinem Vater Andrea und seinem Großvater Francesco Vorläufer und Lehrmeister hatte und, soviel ist sicher, zwischen 1666 und 1685 mit seinem Bruder Francesco zusammenarbeitete. Weshalb seine Arbeiten ab der Wende zum 18. Jahrhundert einen deutlichen Einfluss der Amati-Schule erkennen lassen, ist ebenso ungeklärt wie die Identität zweier weiterer Träger seines Namens, die in der Forschung zeitweise als seine Nachkommen und Schüler identifiziert wurden; denkbar ist allerdings auch, dass Giovanni Battista „I.“ erst im hohen Alter von rund 90 Jahren starb und es sich bei allen um dieselbe Person handelte. 
 Wenn seine Arbeiten auch zuweilen etwas einfachere Standards etwa in der Holzwahl erkennen lassen – woraus sich wohl Rückschlüsse auf die Marktbedingungen im Mailand seiner Zeit ziehen lassen – sind gerade die späteren Instrumente der Grancino-Werkstatt bis heute gefragte, klangstarke Instrumente, und der hohe Anteil von Violoncelli in seinem Gesamtwerk begründet den hohen Rang Grancinos in der Geschichte dieser Disziplin.&amp;nbsp;    
 Unter den Schülern von Giovanni Battista Grancino, zu denen interessante Meister wie Santino Lavazza, Gaetano Pasta und vermutlich auch dessen Vater Bartolomeo Pasta, Carlo Rotta und Ferdinando Alberti gehören, gebührt der Rang als legitimer Erbe der Grancino-Tradition wohl doch am meisten dem großen  Carlo Giuseppe Testore (ca. 1660–1716) . Sein Werk, das wie das seines Lehrers nicht zuletzt für hervorragende Celli berühmt ist, reflektiert den Stil Grancinos, ohne eine starke persönliche Note vermissen zu lassen. In ihr entwickelte sich der ältere Mailänder Stil weiter und fand in Carlo Giuseppes Sohn  Carlo Antonio Testore (1693 – ca. 1765)  und seinem Sohn  Giovanni Testore (1724–1765)  treue Bewahrer. Ungeachtet der vorzüglichen Fähigkeiten insbesondere Carlo Antonios lassen einige Instrumente seiner Werkstatt doch erkennen, dass er, wie zuvor Grancino, nicht immer für die zahlungskräftigsten Kunden arbeiten konnte und deshalb zu mancher, vor allem ästhetischen Konzession gezwungen war. Diese Umstände scheinen noch mehr die Arbeit seines Bruders  Paolo Antonio Testore (ca. 1690 – ca. 1750)  belastet zu haben, der aber, wie auch sein Sohn  Gennaro Testore (ca. 1735 – ca. 1800) , selbst aus minderwertigen Hölzern tragend und schön klingende Instrumente fertigte. 
 Eine gewisse Rolle mag auch eine wachsende Konkurrenz gespielt zu haben, die sich durch den kurzen Aufenthalt von  Giovanni Battista Guadagnini  in Mailand und durch den Aufstieg der Geigenbauerfamilie Landolfi ergab. Zwar arbeitete Guadagnini nur zwischen 1750 und 58 in Mailand, um anschließend über Cremona und Parma nach Turin zu wandern, wo er gemeinsam mit dem Grafen Cozio di Salabue Musikinstrumentengeschichte schreiben sollte. Doch selbst diese kurze Zeit scheint genügt zu haben, um nachhaltige Wirkung auf den lokalen Markt für Streichinstrumente zu entfalten, für die nicht zuletzt das Werk von  Carlo Ferdinando Landolfi (ca. 1710–1784)  steht. Seine Arbeiten lassen eine klare Inspiration, vielleicht sogar eine Ausbildung durch Guadagnini erkennen, und diese Unabhängigkeit von der alten Mailänder Tradition der Familien Grancino und Testore brachte eine zuvor unbekannte Vielfalt in den Mailänder Geigenbau. Schulbildend wirkte Carlo Ferdinando Landolfi durch seinen Sohn  Pietro Antonio Landolfi (ca. 1730–1795) , mehr aber noch durch die Geigenbauer der Familie Mantegazza, die entscheidend dazu beitrugen, dass der Geigenbau in Mailand in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts eine gewisse Blüte erlebte. So arbeiteten in der Werkstatt des Landolfi-Schülers  Pietro Giovanni Mantegazza (ca. 1730–1803)  wohl bis zu fünf weitere Mitglieder der Familie, deren genaue verwandtschaftliche Beziehungen der Forschung bis heute ungelöste Rätsel aufgeben. Gut bekannt ist hingegen die Basis ihres wirtschaftlichen Erfolgs: die umfangreiche Zusammenarbeit mit dem Grafen Cozio di Salabue, der zahlreiche altitalienische Meisterviolinen von den Mantegazzas „modernisieren“ ließ. Offenkundig vollendeten sie auch viele Violinen aus dem Nachlass Giovanni Battista Guadagninis, die Cozio seinem Turiner Partner im großen Stil abgekauft hatte. 
 Geigenbau in Mailand: Die neue Blüte im 20. Jahrhundert 
 Aus unbekannten Gründen fanden die Traditionslinien Grancino–Testore und Guadagnini–Landolfi–Mantegazza im jungen 19. Jahrhundert keine Fortsetzung; zwar kam der Geigenbau in Mailand in den folgenden Jahrzehnten keineswegs zum Erliegen, doch sollte es fast ein Jahrhundert dauern, bis Mailänder Werkstätten wieder überregionale Strahlkraft entfalten konnten. 
 Das Feld bereiteten kleinere Ateliers, von denen einige gute Instrumente herstellten, ohne jedoch selbst in irgendeiner Weise prägend oder schulbildend zu wirken – und das um 1750 gegründete Unternehmen  Monzino , das mit dem Bau und dem Vertrieb von Zupfinstrumenten international erfolgreich geworden war und wohl unter der Führung von  Giacomo Antonio II. Monzino (1772–1854)  begann, sich auch dem Streichinstrumentenbau zuzuwenden. 
 Wie die Monzino-Werkstatt zog gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch  Leandro Bisiach (1864–1946)  exzellente Geigenbauer nach Mailand, darunter sein Lehrer  Riccardo Antoniazzi (1853–1912) , der es mit seiner eigenen Werkstatt in den Jahren 1870–80, als Mitarbeiter Bisiachs von 1886–1904 und anschließend im Hause Monzino auf drei Werkperioden brachte, die, in ganz eigenen Kontexten, alle von hohen geigenbauerischen Ansprüchen bestimmt waren. So versammelten sich im frühen 20. Jahrhundert erfahrene, innovative Meister in Mailand, als wollten sie die 100 Jahre zuvor abgebrochene Tradition fortsetzen: Neben den Söhnen von Leandro Bisiach –  Andrea Bisiach (1890–1967) ,  Carlo Bisiach (1892–1968) ,  Giacomo Bisiach (1900–1995)  und  Leandro II. Bisiach (1904–1982)  – ist  Gaetano Sgarabotto (1878–1959)  zu nennen, der sich mit Unterstützung von Antoniazzi und Leandro Bisiach autodidaktisch zu einem vielfach ausgezeichneten Meister bildete, sowie  Luigi Galimberti (1888–1957) ,  Ambrogio Sironi (1902–1939)  und  Raffaelo Bozzi (1905–1981) . 
 Neben Bisiach etablierte sich ab 1900  Celeste Farotti (1864–1928)  in Mailand, ein ebenfalls hochtalentierter Geigenbauer, der aus derselben Gegend wie Leandro Bisiach stammte und sich mit anspruchsvollen Reparaturen rasch einen Namen machte. Zu einer wahren Konkurrenz für den nur zwei Monate jüngeren Bisiach avancierte Farotti, als er sich, durch die Erfolge ermutigt, dem Neubau zuwandte und einen Stil etablierte, der mit seiner Orientierung an Giovanni Francesco Pressenda und Giuseppe Rocca in einem interessanten Kontrast zur sich herausbildenden neuen Mailänder Schule stand. Unterstützt wurde er von  Alfred Lanini (1891–1956) , dessen Lehre bei Antoniazzi durch den frühen Tod des Meisters abrupt beendet wurde und der nach seiner Zeit bei Farotti in seiner kalifornischen Heimat als überaus produktiver und experimenteller Meister arbeitete, sowie von seinem Neffen  Celestino Farotto (1905–1988) , der nach dem zweiten Weltkrieg auch für Bisiach tätig war und für sein umfangreiches Werk zahlreiche Auszeichnungen erhielt. 
 Mailänder Geigenbauer der Gegenwart 
 Nicht zuletzt durch die  Civica Scuola di Liuteria di Milano , die 1978 gegründete Geigenbauschule, beansprucht Mailand heute einen festen Platz in der Welt des Geigenbaus. Doch auch außerhalb der Lehrwerkstätten hat sich eine überschaubare, aber lebendige und interessante Geigenbauerszene etabliert, die an die Impulse des neuen Mailänder Geigenbaus anknüpft. 
 Das prominenteste Beispiel für diese Kontinuität ist ohne Frage der Geigenbauer Nicola  Enrico Antonio Monzino (1970–) , mit dem die Tradition dieses renommierten Familienunternehmens ihr 250. Jahr schon weit überschritten hat. Im Sinne seines Großvaters  Antonio VI. Carlo Monzino (1909–2004)  versteht er der Erbe dieser langen Reihe erfolgreicher Unternehmer und Geigenbauer seine Werkstatt als ein Studio klassischer geigenbauerischer Exzellenz – als ein neues „Laboratorio Monzino“. 
 Eng verbunden mit den Institutionen des Mailänder Musiklebens ist  Delfi Merlo (1961–) , der seine Laufbahn 1977 als Lehrling bei Monzino begann und einige Jahre später eine klassische Geigenbau-Ausbildung an der Scuola di Liuteria in Cremona absolvierte. Nach der Eröffnung seiner Werkstatt erhielt er Restaurierungs-Aufträge des Musikinstrumentenmuseums im Mailänder Castello Sforzesco und arbeitete für das Konservatorium sowie für das berühmte Teatro alla Scala. Seit den frühen 1990er Jahren hat er sich zudem einen guten internationalen Ruf mit neu gebauten Instrumenten erworben. 
 Zu den jüngeren Absolventen der Mailänder Geigenbauschule gehört  Lorenzo Rossi , der während seines Physikstudiums die Liebe zum Geigenbau entdeckte und sich seit seinem Abschluss in zahlreichen Kursen bei internationalen Meistern wie Carlos Arcieri und Guy Rabut weitergebildet hat, nicht zuletzt in modernsten Techniken der Restaurierung. Für seine Instrumente wurde er mehrfach auf renommierten Ausstellungen wie dem Concorso Triennale Internazionale die Liuteria Antonio Stradivari ausgezeichnet. 
 Andere, nicht weniger interessante Akzente setzt  Stefano Bertoli , der ebenfalls an der Mailänder Schule lernte und seither eine enge Zusammenarbeit mit  Carlo Chiesa  pflegt – einem weiteren Absolventen derselben Schule, der mit Bertoli ein besonderes Interesse an klassischen, handwerklichen Techniken teilt und ihn zu einer vertieften Beschäftigung mit der Kunst der Holzschnitzerei inspiriert hat. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2021-02-19T08:00:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Zur Geschichte des Geigenbaus in Brescia</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-in-brescia</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-in-brescia"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Geigenbauer in Brescia – Über da Salò, Maggini, Rogeri and Scarampella
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 In der Frühzeit des italienischen Geigenbaus kam den Geigenbauern in Brescia und der Musikkultur von Brescia eine Bedeutung zu, die dem heute ungleich prominenteren  Cremona  mindestens ebenbürtig war. Zwar wurde „die“ Geige nicht von Gasparo da Salò – einem der besten und einflussreichsten Meister seiner Zunft in dieser Stadt – „erfunden“, wie die frühere Forschung annahm. Dass aber sowohl er als auch viele seiner Zeitgenossen und Vorgänger an den entscheidenden Schritten dieser musikalischen Revolution beteiligt waren, steht außer Frage – wenn ihr jeweiliger Beitrag auch im Einzelnen oft nur ansatzweise nachvollzogen werden kann. 
 Geigenbau in Brescia: Übersicht 
 
  Die frühesten Geigenbauer von Brescia  
  Der klassische Geigenbau in Brescia: Gasparo da Salò – G. P. Maggini – Giovanni Battista Rogeri und Pietro Giacomo Rogeri  
  Giuseppe und Stefano Scarampella  
 
 Die frühesten Geigenbauer von Brescia 
 Wie in vielen anderen historischen Geigenbauzentren kennt auch Brescia eine Gründerfigur, deren Existenz nicht sicher belegt ist und deren Geschichte wenigstens teilweise ins Reich des Mythos gehört. Die Rede ist von&amp;nbsp; Giovanni Kerlino , dem weit ins 15. Jahrhundert datierte Instrumente zugeschrieben wurden – die aber heute nicht mehr erhalten sind und mit größter Wahrscheinlichkeit Fälschungen des 18. bzw. 19. Jahrhunderts waren. Reiche Spekulationen ranken sich auch um seinen Namen, aus dem findige Historiker mal eine bretonische, mal eine deutsche Herkunft destilliert haben – um mit ihm nicht weniger als die Erfindung der Geige an sich für die jeweils eigene Nationalität reklamieren zu können. 
  Nicht zu bezweifeln ist dagegen die Existenz von Geigenbauern wie&amp;nbsp; Giovan Giacobo dalla Corna &amp;nbsp;(1484 – ca. 1560) und&amp;nbsp; Zanetto Micheli &amp;nbsp;(ca. 1489–1561) als Vertreter der ältesten greifbaren Generation ihrer Zunft in Brescia; auf sie folgten&amp;nbsp; Pellegrino Micheli &amp;nbsp;(ca. 1520 – ca. 1609), der Sohn Zanetto Michelis, sowie&amp;nbsp; Battista Doneda &amp;nbsp;(ca. 1529–1610),&amp;nbsp; Girolamo Virchi &amp;nbsp;(1523 – ca. 1588) und schließlich der große&amp;nbsp; Gasparo da Salò &amp;nbsp;(ca. 1540–1609). Dass von diesen Meistern keine bzw. nur wenige Instrumente überliefert sind – mit einer gewissen Ausnahme bei Zanetto und Pellegrino Micheli – verstärkt die bereits erwähnte Fokussierung auf das Werk da Salòs und die Überbewertung seines persönlichen Anteils an der  Entwicklung der Violine . 
 Der klassische Geigenbau in Brescia: Gasparo da Salò – G. P. Maggini – Giovanni Battista Rogeri und Pietro Giacomo Rogeri 
 Gasparo Bertolotti, genannt&amp;nbsp; Gasparo da Salò , wurde in Polpenazze bei Salò am Lago di Garda geboren. Er erhielt wahrscheinlich bei Mitgliedern seiner Familie eine musikalische Grundausbildung – und erlernte vielleicht sogar die Grundlagen des Instrumentenbaus bei seinem Großvater. Ab 1562 lebte er in Brescia und schloss Freundschaft mit Girolamo Virchi, von dem er offenbar tiefer in die Geheimnisse des Geigenbaus eingeführt wurde. Soweit die erhaltenen Instrumente Rückschlüsse auf seine handwerkliche Entwicklung zulassen, stellen sie einen talentierten, zunächst aber weitgehend ungebildeten und zupackend handelnden liutaio vor, der keine Scheu vor ästhetischen Zugeständnissen hatte, die Bedingungen des guten Geigenklanges aber rasch durchdrang und mit dem Wachsen seiner persönlichen Fähigkeiten nicht weniger als grundlegende Definitionen des im Entstehen begriffenen Violintyps leistete. Über die historische Bedeutung seines Gesamtwerks hinaus finden vor allem die Bratschen und die Kontrabässe bis heute hohe Anerkennung für ihre musikalische Qualität – und als reich verziertes Einzelstück ging die von Ole Bull hingebungsvoll verehrte „Schatzkammergeige“ in die Musikgeschichte ein. 
 Doch nicht nur durch seine eigenen Arbeiten hat sich da Salò den Ruf erworben, zu den maßgeblichen Begründern der Geigenbauschule von Brescia zu gehören, die bis zum Aufstieg Antonio Stradivaris mindestens so einflussreich war wie die noch junge Cremoneser Tradition. So ist in Bezug auf die Wirkung von Gasparo da Salò an erster Stelle der Name&amp;nbsp; Giovanni Paolo Maggini &amp;nbsp;(1580–1632) zu nennen, der 1580 in der Nähe von Brescia geboren wurde und als kaum achtjähriger Knabe in die zehn Jahre zuvor gegründete Werkstatt des inzwischen äußerst erfolgreichen und wohlhabenden da Salò kam. Dort sollte er bis in sein 21. Lebensjahr bleiben und eine exzellente Ausbildung erhalten, nach der er nicht nur seine berühmten, überreich dekorierten Meisterleistungen der Schnitz- und Intarsienkunst schaffen, sondern auch wesentliche Verbesserungen des Geigenmodells erreichen sollte, für deren Wirkung auf die klassischen Meister im konkurrierenden Cremona mehr als nur Indizien sprechen. 
 Für diese durchaus enge Beziehung zwischen den beiden Geigenbaustädten, deren Gegensatz in der Literatur gern stärker dargestellt wird als er historisch vermutlich war, steht in besonderer Weise&amp;nbsp; Giovanni Battista Rogeri &amp;nbsp;(ca. 1642 – ca. 1710), ein Schüler von  Nicolò Amati in Cremona , der sich 1664 in Brescia niederließ. Gemeinsam mit seinem Sohn&amp;nbsp; Pietro Giacomo Rogeri &amp;nbsp;(1665–1724) schuf er großartige Instrumente, die rückblickend wie ein Nachhall der Gründungsjahre des Brescianer Geigenbaus wirken, bevor sich die Musikwelt endgültig Cremona zuwandte und Brescia als Geigenbaustadt weitgehend vergaß. 
 Giuseppe und Stefano Scarampella 
 Und tatsächlich sollte es mehr als 100 Jahre dauern, bis in Brescia wieder eine Geigenbauerfamilie entstehen sollte, die einen prominenten Rang in der Geschichte der Violine beansprucht. Sie wurde von&amp;nbsp; Paolo Scarampella &amp;nbsp;(1803–1870) gegründet, einem Zimmermann, der bei einem unbekannten Meister – vielleicht sogar autodidaktisch – den Geigenbau erlernt hatte und ihn mit großer Hingabe und bemerkenswertem Erfolg betrieb. Zu seinem vielseitigen Œuvre gehören Geigen, Bratschen, Gitarren und Mandolinen – und Violoncelli, unter denen sich seine am besten gelungenen Arbeiten finden. 
 Paolo brachte seinem älteren Sohn&amp;nbsp; Giuseppe Scarampella &amp;nbsp;(1838–1885) die Grundlagen des Geigenbaus bei, die er als Lehrling von Nicolò Bianchi verfeinerte. Bei Bianchi reifte er zu einem interessanten Vertreter der Genueser Schule, doch gelangte er nach einem kurzen Aufenthalt in Paris in die Florentiner Werkstatt von Luigi Castellani und wurde schließlich Konservator des Istituto Musicale in Florenz. 
 Doch hinterließ Giuseppe nicht nur bleibende Spuren als Geigenbauer, sondern auch als Lehrer, im Werk seines Bruders&amp;nbsp; Stefano Scarampella &amp;nbsp;(1843–1927), den er ab ca. 1890 ausbildete. Stefano war zunächst wie sein Vater Zimmermann geworden und schuf in der kurzen Zeit zwischen 1902 und 1915 einen Großteil seines umfangreichen Werkes, das neben den klassischen Vorbildern Stradivari und Guarneri besonders von Balestrieri beeinflusst war – einem Exponenten der Schule von Mantova, wo sich Stefano niedergelassen hatte und als Lehrer von Gaetano Gadda diesen bemerkenswerten Geigenbauer und seinen Sohn  Mario Gadda  nachhaltig beeinflussen sollte. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2021-02-03T16:30:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Der Geigenbau in Florenz - eine historische Skizze</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-florenz</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-florenz"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Historische Skizze zum Geigenbau in Florenz – auf den Spuren großer Namen und exzellenter Geigenbauer in einem bedeutenden europäischen Kulturzentrum
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Der Geigenbau in Florenz gehört zu den rätselhaften Kapiteln der italienischen Handwerksgeschichte, denn obwohl in der Stadt der Medici – die in ihrer Blüte eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Europas war – auch das Musikleben florierte, hat sich in ihr doch keine eigenständige lokale Geigenbautradition entwickelt. Zwar sind viele Florentiner&amp;nbsp; liutai &amp;nbsp;dem Namen nach durchaus bekannt, doch haben sie kaum mehr Spuren ihrer Arbeit hinterlassen als gelegentlich zu findende Reparatur-Zettel in Instrumenten anderer Meister. 
 Geigenbau in Florenz: Übersicht: 
 
  Die Geigenbauer von Florenz im Schatten Brescias und Cremonas  
  Die Anfänge des Geigenbaus in Florenz  
  Bedeutende Geigenbauer im Florenz des 17. und 18. Jahrhunderts  
  Deutsche Geigenbauer in Florenz  
  Familien im klassischen Florentiner Geigenbau  
  Der Geigenbau des 19. und 20. Jahrhunderts in Florenz  
  Bisiach und der Geigenbau in Florenz  
  Florentiner Geigenbau heute: Familien- und Werkstattbeziehungen  
 
 Die Geigenbauer von Florenz im Schatten Brescias und Cremonas 
 Dieser Befund entspricht der Situation in anderen italienischen Städten und spiegelt mit größter Wahrscheinlichkeit den überragenden Erfolg der berühmten Werkstätten in&amp;nbsp; Brescia &amp;nbsp;und  Cremona  wider, denen nicht nur wegen ihrer Beiträge zur Entwicklung des bis heute gültigen Violinmodells historischer Rang zukommt. Vielmehr dominierten die Familien Amati, Stradivari und Guarneri und weitere aus ihrem Einflussbereich den Markt für neue Instrumente und belieferten die geistlichen und weltlichen Auftraggeber in ganz Italien und darüber hinaus. 
 So ist davon auszugehen, dass Florenz zahlreichen Geigenbauern ein gutes Auskommen bot, darunter sicher auch erstklassige Meister – und vermutlich in größerer Zahl, als sie bislang in den Blick der Forschung gekommen sind. 
 Die Anfänge des Geigenbaus in Florenz 
 So wenig sich in Florenz eine klassische Geigenbautradition herausgebildet hat, so spärlich sind die Nachrichten über die Anfänge des Handwerks in der Stadt. Während manche Autoren dem sprichwörtlichen Universalgenie Leonardo da Vinci auch die Begründung des Geigenbaus in seiner Heimatstadt zuschreiben, gehen andere davon aus, dass&amp;nbsp; Valentino Siani &amp;nbsp;(1595–1672) der erste&amp;nbsp; liutaio &amp;nbsp;von Florenz war, der neben den traditionellen Zupfinstrumenten auch Instrumente der Violinfamilie baute. Sianis Instrumente, von denen nur wenige bekannt sind, zeigen einen reifen, individuellen Stil, der von seinem wahrscheinlichen Lehrer  Giovanni Paolo Maggini  beeinflusst ist. Sie werden sowohl für ihre handwerkliche als auch für ihre klangliche Qualität bis heute geschätzt. 
 Bedeutende Geigenbauer im Florenz des 17. und 18. Jahrhunderts 
 Unter den zeitgenössischen Geigenbauern neben Siani finden sich nicht nur hervorragende Meister ihrer Kunst, sondern mit&amp;nbsp; Giovanni Battista Doni &amp;nbsp;(1595–1647) auch eine vielseitig begabte, einflussreiche Persönlichkeit der Musikgeschichte. Der Gelehrte und Musikwissenschaftler ist nicht nur als Schöpfer des Do-Re-Mi bekannt – indem er das Ut in der Solmisation durch Do ersetzte, im Sinne der besseren Singbarkeit, des Schöpferlobs (dominus) und vielleicht auch der Erinnerung an seinen eigenen Familiennamen – sondern auch als erster Operntheoretiker und innovativer Instrumentenbauer, der die Lyra Barberina (Amphicord) erfand. Und obwohl keine Violinen von seiner Hand erhalten geblieben sind, gibt es an seiner besonderen Wertschätzung der modernen Geige keinen Zweifel: „Unter allen Musikinstrumenten ist die Natur der Violine wahrhaft wunderbar“, stellt er in seinen Annotazioni sopra il Compendio de‘ Generi e de‘ Modi della Musica von 1640 klar, denn „in der Hand eines erfahrenen Spielers vereinigt die Violine die Weichheit der Laute, die Süße der Gambe, die Majestät der Harfe, die Kraft der Trompete, die Lebhaftigkeit der Pfeife, das Klagende der Flöte, das Pathos des Kornetts“. Zu Giovanni Battistas Familie gehörte wahrscheinlich auch&amp;nbsp; Rocco Doni , der zu den produkivsten und angesehensten Geigenbauern seiner Zeit gehörte. 
    Eine weitere strahlende Gestalt des Florentiner Geigenbaus ist&amp;nbsp; Bartolomeo Cristofori &amp;nbsp;(1655–1731), der in die Musikgeschichte als Erfinder des Hammerklaviers eingegangen ist, aber – ungeachtet einiger noch nicht geklärter historischer Fragen zu seiner Biographie – mit größter Wahrscheinlichkeit auch Streichinstrumente baute. Die unter seinem Namen erhaltenen Celli und ein Kontrabass stellen einen exzellenten Meister mit eigenständiger künstlerischer Handschrift vor, dessen Werk schon zu Lebzeiten größte Wertschätzung erfahren hat. Letzteres ist aus einem Reparaturzettel ersichtlich, den kein geringerer als Antonio Stradivari in einem Cristofori-Cello angebracht hat. 
 Deutsche Geigenbauer in Florenz 
 Dass schon früh im 17. Jahrhundert mehrere Geigenbauer aus Deutschland nach Florenz zogen und bislang nur ansatzweise erforschte Lehrer-Schülerbeziehungen aufbauten, spricht ebenfalls für den hohen Bedarf an Geigenbauerleistungen in der Stadt. Bekannte Namen sind&amp;nbsp; Filippo Zimbelmann , der vermutlich bei Giovanni Suover arbeitete, bevor er seine eigene Werkstatt eröffnete. Aus Hofen bei Wald im Allgäu stammten&amp;nbsp; Wilhelm und Melchior Eberle , deren Wirken in Florenz ab 1603 nachgewiesen ist, und ihr Zeitgenosse und vermutlicher Verwandter&amp;nbsp; Bartolomeo Eberspacher . 
 Familien im klassischen Florentiner Geigenbau 
 Dass Geigenbauer in Florenz gute Arbeitsbedingungen genossen, belegen auch die verschiedenen Geigenbauer-Familien, in denen das Handwerk insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert über mehrere Generationen blühte. 
 Vier Meister zählte z. B. die Geigenbauer-Dynastie Gabrielli, von denen&amp;nbsp; Giovanni Battista Gabrielli &amp;nbsp;(1716–1771) schon zu Lebzeiten der bekannteste war. Mit seiner stilbewussten, experimentellen und an Jakob Stainer orientierten Arbeitsweise, deren beste Ergebnisse in den Sujets Viola und Violoncello erhalten geblieben sind, erwarb er sich einen guten Namen, den manch ein Händler noch für lange Zeit auf falsche Zettel drucken ließ. 
 Unter den neun bekannten Mitglieder der Instrumentenbauer-Familie Carcassi, mit denen tatsächlich Ansätze einer regionalen „toskanischen Geigenbauschule“ greifbar werden, gilt&amp;nbsp; Lorenzo Carcassi &amp;nbsp;(– ca. 1776) als der profilierteste und bis heute hochgeschätzte Meister, der sowohl unter eigenem Namen als auch in einer ab ca. 1745 bestehenden Kooperation mit seinem Bruder&amp;nbsp; Tomaso Carcassi &amp;nbsp;(– ca. 1786) unter der Firma&amp;nbsp; „Lorenzo e Tomaso Carcassi“ &amp;nbsp;arbeitete. Ihre Arbeiten repräsentieren den Einfluss des Violinmodells von Jakob Stainer in Norditalien. 
 Der Geigenbau des 19. und 20. Jahrhunderts in Florenz 
 Auch im 19. Jahrhundert wirkten in Florenz produktive und einflussreiche Instrumentenbauer-Familien, unter denen an erster Stelle der Name Castellani zu nennen ist. Obwohl sie sich – wie viele italienische&amp;nbsp; liutai &amp;nbsp;– mindestens so stark dem Bau von Gitarren und Mandolinen widmeten, entstanden in den Werkstätten der Castellanis doch auch sehr gute Geigen. Ihr wichtigster Vertreter war&amp;nbsp; Luigi Castellani &amp;nbsp;(1809–1884), der sein Handwerk bei seinem Vater&amp;nbsp; Pietro Castellani &amp;nbsp;(1780–1820) erlernt hatte und später die Werkstatt&amp;nbsp; Castellani e Figlio &amp;nbsp;führte. Dank seines hervorragenden Rufs als Restaurator wurde er ans Florentiner Konservatorium berufen. 1866 gewann er keinen geringeren als&amp;nbsp; Giuseppe Scarampella &amp;nbsp;(1838 – ca. 1885) für die Mitarbeit in seinem florierenden Unternehmen, das nach seinem Tod Pietro Ballerini übernahm. 
 Zu den hervorragenden Geigenbauern im Florenz des 19. Jahrhunderts gehört weiterhin&amp;nbsp; Lorenzo Arcangioli , der sich in der ersten Jahrhunderthälfte mit sehr gutem Erfolg um die Wiederbelebung der altitalienischen Geigenbautradition und der toskanischen Schule verdient machte.&amp;nbsp; Valentino de Zorzi &amp;nbsp;(1837–1916) war ein höchst innovativer Geigenbauer, der sein Handwerk autodidaktisch erlernt hatte und 1885 aus Pistoia nach Florenz kam. Seine Arbeit folgte einem persönlichen Violinmodell – eine interessante Synthese aus Bauprinzipien Stradivaris und Stainers – und brachte ihm mehrere Auszeichnungen ein, während Erfindungen wie eine 18-saitige „Harfengitarre“ und ein „Contraviolino“ Ausdruck seiner enormen Kreativität und interessante, experimentelle Beiträge zum Geigenbau seiner Zeit sind. 
 Bisiach und der Geigenbau in Florenz 
 Das 20. Jahrhundert brachte frischen Wind in den Florentiner Geigenbau, der untrennbar mit dem Namen Bisiach verbunden ist. Geboren und aufgewachsen in Mailand, ausgebildet bei seinem Vater Leandro Bisiach sowie  Léon Mougenot in Mirecourt , bei  Eugène Sartory  in Paris und Karel van der Meer in Den Haag, zog&amp;nbsp; Carlo Bisiach &amp;nbsp;im Jahr 1922 nach Florenz. Denselben Weg zur selben Zeit ging mit&amp;nbsp; Iginio Sderci &amp;nbsp;einer der besten Mitarbeiter der Mailänder Bisiach-Werkstatt, der wie Carlo streng den altitalienischen Meistern verpflichtet war. Beide Geigenbauer arbeiteten in Florenz eng zusammen und galten bereits zu Lebzeiten als führende Exponenten des italienischen Geigenbaus ihrer Epoche. 
 Sderci prägte den Geigenbau in Florenz und darüber hinaus nicht zuletzt durch viele Schüler, unter denen sich hochinteressante Meister wie&amp;nbsp; Leandro Bisiach jr. ,&amp;nbsp; Giuseppe Bargelli &amp;nbsp;und&amp;nbsp; Roberto Ignesti &amp;nbsp;finden. 
 Florentiner Geigenbau heute: Familien- und Werkstattbeziehungen 
 Florenz ist auch heute eine Kulturstadt mit internationaler Ausstrahlung, und so verwundert es nicht, dass in ihr eine interessante und umfangreiche Geigenbauer-Szene zu Hause ist. Zu ihren prägenden Einflüssen gehört die Familie Vettori, zu der allein 6 Geigenbauer gehören und in deren Werkstätten maßgebliche Persönlichkeiten des zeitgenössischen Florentiner Geigenbaus ausgebildet wurden. Begründet wurde diese bedeutende Familientradition von&amp;nbsp; Dario Vettori , der 1935 im Alter von 30 Jahren seinen Beruf als Violinist aufgab, um sich dem Geigenbau zuzuwenden. Wie er selbst avancierten auch seine Söhne&amp;nbsp; Carlo Vettori &amp;nbsp;und&amp;nbsp; Paolo Vettori &amp;nbsp;zu exzellenten Restaurateuren und vielfältig versierten, mehrfach ausgezeichneten&amp;nbsp; liutai . Paolos Kinder&amp;nbsp; Dario, Sofia und Lapo Vettori &amp;nbsp;arbeiten heute gemeinsam mit ihrem Vater und pflegen die Spezialisierung des Hauses auf die Arbeit mit seltenen, alten Tonhölzern. 
 Zu den intensiven Werkstattbeziehungen der Vettoris gehören die Verbindungen Paolos mit den Werkstätten der Sderci-Familie, von Giuseppe Stefanini und Lapo Casini, von denen er wesentliche Inspirationen erhielt, aber auch die Schüler wie&amp;nbsp; Fabio Chiari , der neben seiner sehr erfolgreichen eigenen Arbeit mehrere Fachbücher verfasst und 2014 die&amp;nbsp; „Scuola die Liuteria Toscana ‚Fernando Ferroni‘“ &amp;nbsp;gegründet hat – ein Markstein der jüngeren Geschichte des Florentiner Geigenbaus. Allein seine Werkstatt „Liuteria Toscana“ versammelt aktuell 16 weitere Geigenbauer, und bildet damit doch auch nur einen Teil des Geigenbaus in Florenz ab, in dem Meister wie Claudio Arezio, Tommaso Pedani, Paolo Sorgentone, Michele Mecatti, Fabrizio Di Pietrantonio, Francesco Tarchi und Jamie Marie Lazzara zahllose lohnende Erkundungen in einem blühenden Handwerk erlauben. 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2020-11-04T06:00:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Der Geigenbau in Wien - vom 17. Jahrhundert über die Wiener Klassik </title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-wien</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-wien"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Der Wiener Geigenbau – Charakteristika und Wiener Geigenbauer in der Zeit der habsburgischen Residenz, der Wiener Klassik, im 19. Jahrhundert und heute
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Dass der Geigenbau in Wien auf eine ausgesprochen lange Geschichte zurückblickt und Wiener Lauten- und Geigenbauer seit dem späten 14. Jahrhundert namentlich bekannt sind belegt den musikhistorischen Rang, den die österreichische Donaumetropole bereits Jahrhunderte vor der Zeit Haydns und Mozarts beanspruchen konnte. Wurde die Wiener Musikkultur des Spätmittelalters nicht zuletzt durch die zu Wohlstand gelangten Bürger der Handelsstadt getragen, fand der Geigenbau auch nach dem Aufstieg Wiens zur habsburgischen Residenz beste Voraussetzungen vor – eine Situation, die in ihren Grundzügen bis zum Ende des 1. Weltkriegs bestehen bleiben und die Geschichte des Wiener Geigenbaus prägen sollte. 
  Der Geigenbau in Wien, Übersicht:  
 
  Die Wiener Schule des Geigenbaus im 17. und 18. Jahrhundert  
  Der begrenzte Einfluss italienischer Modelle auf den Geigenbau in Wien  
  Die neue Wiener Schule und der industrielle Geigenbau in der Habsburgermonarchie  
  Wiener Geigenbau zwischen Handwerk und Manufakturwesen  
  Zeitgenössischer Geigenbau in Wien  
  Wiederbelebung des Geigenbaus in Wien  
 
 Die Wiener Schule des Geigenbaus im 17. und 18. Jahrhundert 
 Vor dem Hintergrund des reichen Musiklebens in der aufblühenden Residenzstadt mag verwundern, dass der Wiener Geigenbau im 17. und 18. Jahrhundert keine eigenständige Tradition ausgebildet hat, sondern zur wohl authentischsten Repräsentanz des Füssener Stils in Europa avancierte.     &amp;nbsp;Spätestens im 17. Jahrhundert ist der dominante Einfluss Füssens auf den Geigenbau in Wien mit den Namen zahlreicher Meister dokumentiert, die sich im Umfeld der 1498 gegründeten Wiener Hofkapelle, der vielfältigen kammermusikalischen Ensembles und der Adelskapellen niederließen – nicht selten, um Handwerkerdynastien zu gründen, von denen einige über Generationen florierten. Zu ihnen gehören der spätestens seit 1630 in Wien tätige  Thomas Epp  und sein Schwiegersohn  Magnus Feldtle  (auch: Veltl, Feltl), in den folgenden beiden Generationen die Brüder  Mathias Fux  und  Johann Jakob Fux ,  Andreas Bär (Beer)  sowie die Geigenbauer der Familie  Hollmayr . 
 Der begrenzte Einfluss italienischer Modelle auf den Geigenbau in Wien 
 Mit der Gründung der Lauten- und Geigenmacher-Innung im Jahr 1696 erreichte der Wiener Geigenbau auch institutionell eine neue Stufe seiner Entwicklung, und obwohl die Stadt rasch zu einem maßgeblichen europäischen Kultur- und Musikzentrum wurde, nahmen ihre Geigenbauer von den bahnbrechenden Innovationen der altitalienischen Meister über das gesamte 18. Jahrhundert zunächst kaum Notiz. So kam das Geigenmodell von Antonio Stradivari vergleichsweise spät in Wien an, und Meister wie  Andreas Leeb ,  Mathias Thier ,  Sebastian Dallinger  und  Michael Ignaz Stadlmann  stehen exemplarisch für den bestimmenden Einfluss der süddeutschen, tirolischen Schule – aus der, als eines ihrer prominentesten Instrumente, auch die berühmte Mozart-Violine stammt, die vermutlich in Mittenwald als eine bis zum Etikett getreu nachgeahmte Stainer-Geige gebaut wurde. Allein  Nikolaus Leidolf , der im Unterschied zu einem großen Teil seiner Zeitgenossen nicht aus Füssen, sondern vermutlich aus der Schweiz stammte, war ein einsamer Repräsentant des italienischen, an Testore orientierten Geigenbaus im Wien des frühen 18. Jahrhunderts. Diese konservative Orientierung der alten Wiener Geigenbauschule sollte allerdings – inklusive instrumentengeschichtlicher Besonderheiten wie dem Baryton oder fünfsaitigen, mit Bünden versehenen Kontrabässen, die sich in Wien anhaltender Beliebtheit erfreuten – nicht als skurriler Anachronismus gesehen werden; vielmehr entsprach das Klangideal der Stainer-Tradition den Bedürfnissen der vorwiegend höfischen Musikkultur mit ihrer starken kammermusikalischen Ausrichtung perfekt. 
 Die neue Wiener Schule und der industrielle Geigenbau in der Habsburgermonarchie 
 Für den Übergang zum neueren Standard der Wiener Schule stehen neben  Franz Geissenhof , in dessen Werk die italienischen Bauprinzipien ab der Wende zum 19. Jahrhundert in besonders klarer Ausprägung Einzug halten, die Geigenbauer  Michael Ignaz Stadlmann ,  Johann Martin Stoss  und  Carl Nicolaus Sawicki (Savicki) , die zu den besten Meistern ihrer Generation zählen, gefolgt von den kaum geringeren Matthäus  Ignaz Brandstätter ,  Gabriel Lemböck ,  Anton Hofmann  und seinem Schüler  Wilhelm Theodor Gutermann . 
 Daneben ist der Wiener Geigenbau im 19. Jahrhundert geprägt durch zunehmende Wechselwirkungen mit den anderen Zentren des Kaisertums Österreich, insbesondere in Böhmen und Ungarn. Ihr wichtigster Exponent ist der Geissenhof-Schüler  Johann Baptist Schweitzer , der sich 1825 in Pest niederließ und für die herausragende musikalische Qualität seiner Instrumente weit über seine Wahlheimat und über seinen Tod hinaus berühmt wurde. Nicht allein durch sein persönliches Werk, sondern auch als Lehrer vieler exzellenter Meister hat er den Geigenbau seiner Zeit erheblich beeinflusst. 
 Wiener Geigenbau zwischen Handwerk und Manufakturwesen 
 Zugleich eroberten die Manufakturen in Schönbach und Graslitz im Lauf des 19. Jahrhunderts auch Marktanteile in Wien und sorgten auf ihre Weise dafür, dass der Wiener Geigenbau im 19. Jahrhundert eine starke handwerkliche Orientierung behielt – indem sie die Nachfrage nach günstigen Instrumenten weitgehend lückenlos bedienten, sodass sich ein industrieller Streichinstrumentenbau in Wien zunächst nicht etablieren konnte. Dem widerspricht in keiner Weise, dass auch respektable, gut ausgebildete Meister wie  Franz Hoyer  und sein Schüler  Ignaz Lutz  den Weg von Schönbach nach Wien fanden – und dort nicht nur anerkannte Werkstätten eröffneten, sondern auch als Brückenbauer für vielfältige Geschäftsbeziehungen zwischen dem Vogtland und der Hauptstadt wirkten. 
 Zeitgenössischer Geigenbau in Wien 
 In der Zeit nach den Weltkriegen erlebte der Wiener Geigenbau eine Stagnation, die der schlechten wirtschaftlichen Situation, aber auch globalen Veränderungen des Marktes geschuldet waren; sowohl die Musikindustrie als auch der Handel mit historischen Spitzeninstrumenten – und mit ihm die Nachfrage hochwertiger Restaurierungsleistungen – veränderten sich innerhalb der geopolitischen Rahmenbedingungen, und dies nicht zum Vorteil des Wiener Geigenbaus. 
 Wiederbelebung des Geigenbaus in Wien 
 Ein neu erwachtes Interesse an traditionellen Instrumenten des Alpenraums und die Belebung der historischen Aufführungspraxis führten jedoch seit den 1980er Jahren zu einer langsamen Wiederbelebung des Geigenbaus in Wien, sodass die Stadt heute eine neue, hochinteressante Szene handwerklicher Geigenbauwerkstätten vorzuweisen hat. Zu ihr gehören meist international ausgebildete Meister wie  Carl von Stietencron ,  Gerlinde Reutterer ,  Julia Maria Pasch ,  Marcel Richters  und  Hans Rombach . 
 &amp;nbsp; 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2020-11-04T06:00:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Englische Geige: Der Geigenbau in England</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/der-geigenbau-in-england</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/der-geigenbau-in-england"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Die Geschichte des Geigenbaus in England ist eine Erzählung, in der durchgehende Linien nur schwer auszumachen sind. Streiflichter zum Geigenbau in England
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                  Streiflichter zum Geigenbau in England  
 Die Geschichte des Geigenbaus in England ist eine Erzählung, in der durchgehende Linien nur schwer auszumachen sind. Zu ihr gehören talentierte Meister, die den Vergleich mit ihren Kollegen in den wichtigen Geigenbauzentren des Kontinents keineswegs zu scheuen brauchen – und nicht selten von ebendort über den Ärmelkanal gezogen waren. Andere Kapitel berichten von Experten mit tiefem Verständnis für die historischen Spitzenleistungen der Geigenbaukunst und tüchtigen Geschäftsleuten, die von England aus den globalen Handel mit den besten Geigen der Geschichte beeinflussten. Und doch ist die überraschende Summe all dieser Episoden, dass sich in England, ja im gesamten Vereinigten Königreich nie ein dicht geknüpftes Netz von Meisterwerkstätten wie etwa in Italien etabliert hat, mit jener Vielfalt an familiären Traditionen und Lehrer-Schüler-Beziehungen, die die altehrwürdigen Geigenbauregionen Europas charakterisieren. Ebenso wenig entstanden industrielle Leuchttürme des Instrumentenbaus, die mit den global agierenden Zentren wie  Mirecourt  oder  Markneukirchen  vergleichbar wären. So ist der englische Geigenbau von Aufbrüchen geprägt, die im Sande verliefen; von hervorragenden Meistern, die von ihrer Kunst nicht leben konnten; und von einem rätselhaften Mangel, der Oscar H. Schmitz in seiner 1914 veröffentlichten, gleichnamigen Gesellschaftskritik von einem „Land ohne Musik“ schreiben ließ. 
 
  Der frühe englische Geigenbau im 17. und 18. Jahrhundert  
  Einflüsse italienischer Meister im Werk englischer Geigenbauer  
  „Land ohne Musik“? Der englische Geigenbau im 19. Jahrhundert  
  England als Zentrum des internationalen Geigenhandels  
  Der englische Geigenbau heute  
 
 Der frühe englische Geigenbau im 17. und 18. Jahrhundert 
 Mit leichter Verspätung erscheint der englische Geigenbau auf der Bühne der Musikgeschichte, in dem Sinne, dass sich die Instrumente der Violin-Familie langsamer gegen die Gamben durchsetzen konnten, die die englische Musikkultur noch weit ins 17. Jahrhundert hinein dominierten. Violinen wurden, wo sie gebraucht wurden, vorrangig aus Italien importiert; Geigenbauwerkstätten entstanden nur zögerlich, und wenn, dann gehörten sie nicht selten vom Kontinent zugewanderten Meistern wie dem deutschen Jacob Raymann (ca. 1596–1660), der als einer der ersten Geigenbauer Britanniens gilt. 
 Wie ihre Zeitgenossen in vielen anderen Regionen Europas zeigen auch die greifbaren Exponenten des frühen englischen Geigenbaus – neben Raymann vor allem Christopher Wise (um 1650) und Thomas Urquhart (2. Hälfte des 17. Jh.) – eine Vorliebe für eher hoch gewölbte Modelle, insbesondere das von Jakob Stainer. Thomas Smith, Nathaniel Cross und Alexander Kennedy stehen beispielhaft für die Konstanz, die diese Tradition bis ans Ende des 18. Jahrhunderts behaupten konnte. 
 Einflüsse italienischer Meister im Werk englischer Geigenbauer 
 Dass die Neuorientierung zu flacher gewölbten Instrumenten in England vergleichsweise spät einsetzte soll aber nicht den Blick auf interessante Meister verstellen, in deren Werk dieser Übergang sichtbar wird. Hier ist allen voran der hoch angesehene Urquhart-Schüler Barak Norman (ca. 1670–1740) zu nennen, der sich im Laufe der Zeit offenkundig intensiv mit&amp;nbsp; Giovanni Paolo Maggini &amp;nbsp;beschäftigte und sein Violinmodell im Sinne des Stils von Brescia weiterentwickelte – ein bemerkenswertes Interesse angesichts der Tatsache, dass der weitaus größere Teil seines Geschäfts selbst im fortgeschrittenen 18. Jahrhundert noch im Bau von Gamben, Lauten und Theorben bestand. 
 Die ersten Spuren des Stradivari-Modells im englischen Geigenbau sind bei Daniel Parker zu finden, der im frühen 18. Jahrhundert arbeitete und die Cremoneser Tradition vermutlich durch Instrumente italienischer Musiker kennengelernt hat. Doch obwohl Parker herausragende Ergebnisse erzielte – kein geringerer als Fritz Kreisler spielte eine Parker-Violine von 1720 – sollten die Bauprinzipien der italienischen Klassiker erst zwei Generationen später eine breitere Wirksamkeit entfalten. Zu den Vorreitern dieser Entwicklung zählen an vorderer Stelle Benjamin Banks und seine Söhne, deren Werkstätten in Salisbury, Liverpool und London zu den ersten Adressen ihrer Zunft im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert gehörten. Exzellente Qualität erreichten in derselben Zeit auch Charles Harris sen. und jun. in Oxford und London, denen aber kein angemessener geschäftlicher Erfolg vergönnt war. Ungeachtet dieser vielversprechenden Anläufe setzte sich das Stradivari-Modell aber nur stockend im englischen Geigenbau durch, und selbst einflussreiche Meister wie Richard Duke bauten neben ihren „italienischen Expeditionen“ weiterhin Stainer-Kopien, für die offenkundig selbst im späten 18. Jahrhundert noch eine große Nachfrage bestand. So kommt Vincenzo Trusiano Panormo (1734–1813) das Verdienst zu, dem Cremoneser Modell in England zum Durchbruch verholfen zu haben, nicht zuletzt durch seine Schüler, mit denen der englische Geigenbau um die Wende zum 19. Jahrhundert einen historischen Zenit erreichte. 
 „Land ohne Musik“? Der englische Geigenbau im 19. Jahrhundert 
 Obwohl das 19. Jahrhundert durchaus mit guten Voraussetzungen für die Geigenbaukunst in England begann, verlief ihre weitere Entwicklung signifikant anders als etwa in Frankreich, Deutschland und Italien: Weder konnte sich eine „Szene“ anspruchsvoller Meisterwerkstätten mit eigenen Traditionen etablieren noch fanden sich in der Heimat der Industrialisierung Unternehmer, die nennenswerte Manufakturen und Fabriken zur Produktion von Streichinstrumenten gegründet hätten. Für die englische Musikkultur, die seit den Tagen Henry Purcells erstaunlich schwach ausgeprägt war – Oscar A. H. Schmitz nannte das England dieser Epoche später ein „Land ohne Musik“ – waren Musiker und Komponisten vom Kontinent unverzichtbar; die Versorgung mit günstigeren Streichinstrumenten für die musikalische Breitenkultur übernahmen die gut aufgestellten Betriebe in Mirecourt und Markneukirchen, während die handwerkliche Geigenbaukunst auch in der Zeit nach Panormo weiterhin stark durch zugewanderte Meister beeinflusst wurde. Zu ihnen gehören an vorderer Stelle  George Adolphe Chanot  und Georges Chanot Jun., Neffen des bedeutenden Vuillaume-Weggefährten François Chanot, die dem Geigenbau in England wieder ein wenig internationalen Glanz verliehen und eine der wenigen familiären Traditionen etablierten. 
 England als Zentrum des internationalen Geigenhandels 
 Andere talentierte und gut ausgebildete Meister fanden unter den besonderen Marktbedingungen ihr Auskommen, indem sie ihre Expertise in den Dienst des Handels mit hochwertigen Streichinstrumenten stellten. Ein frühes Beispiel ist der Duke-Schüler  John Edward Betts  (1752–1823), der als erster Importeur hochwertiger  italienischer Geigen  und Wegbereiter der  Stradivari-Violine  in England gilt. Im Windschatten dieses neuen Geschäftsmodells entstand Bedarf an geigenbauerischer Exzellenz, und so finden sich unter den Mitarbeitern seiner Werkstatt große Namen wie Panormo, Joseph Hill II und Bernard Simon Fendt; die Bogenmacher  John Dodd  und Thomas Tubbs arbeiteten erstklassige Streichbögen zu. 
 Zum Kreis der Betts-Werkstatt gehörte auch ein anderer Vertreter der Hill-Familie, Josephs Sohn Henry Lockey Hill, der das Haus Betts mit einer der berühmtesten britischen Institutionen in der Welt feiner Streichinstrumente verbindet, dem von seinem Sohn William Ebsworth Hill gegründeten Unternehmen  W. E. Hill &amp;amp; Sons . Neben den Unternehmen  J. &amp;amp; A. Beare und der Familie Beare  brachten die Hills den Handel mit alten und zeitgenössischen Meisterwerken der Geigen- und Bogenmacherkunst zu höchster Reife – und schrieben damit die besondere Rolle Englands in der Geigenbaugeschichte über mehrere Generationen fort. 
 Der englische Geigenbau heute 
 Das ausnehmend hohe handwerkliche Niveau, das in den Werkstätten der Hills und Beares gepflegt wurde, zog über die Jahre die besten internationalen Meister an. Durch die Gründung der Newark School of Violin Making im Jahr 1972 und weiterer renommierter Ausbildungsstätten ist in jüngster Zeit eine interessante Szene sehr guter, innovativer Geigenbauer entstanden, die den englischen Geigenbau mit den besten Erwartungen in die Zukunft blicken lässt. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2020-03-26T11:15:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Mittenwald Geigenbau „In media silva“</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/mittenwald-geigenbau-in-media-silva</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/mittenwald-geigenbau-in-media-silva"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Über den Geigenbau in Mittenwald und die Geschichte des Geigenbaus im oberen Isartal
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Der Geigenbau in Mittenwald: Zur Geschichte des Geigenbaus im oberen Isartal 
 Mittenwald ist eine kleine oberbayerische Stadt am Fuß von Karwendel und Wettersteingebirge, die einen prominenten Rang in der deutschen Geigenbaugeschichte einnimmt. Ausgehend von Matthias Klotz und seinen Nachkommen entwickelte sich eine eigenständige Handwerkstradition, die bis in unsere Zeit Bestand hat – nicht zuletzt durch die renommierte Mittenwalder Geigenbauschule, die seit den Tagen des bayerischen Königs Maximilian II. In Mittenwald angesiedelt ist. 
 Übersicht Mittenwald Geigenbau: 
 
  Über den Geigenbau in Mittenwald  
  Standortbedingungen des frühen Geigenbaus in Mittenwald  
  Industrialisierung des Mittenwalder Geigenbaus und Gründung der Geigenbauschule  
  Der neue Geigenbau in Mittenwald nach den Weltkriegen  
 
 &amp;nbsp; 
 Wie und warum der Geigenbau nach Mittenwald in Bayern kam: ganz wissen wir es nicht, auch wenn an dem Anfang seiner Tradition mit  Matthias Klotz &amp;nbsp;(1653-1743) ein großer Meister seiner Zunft steht. Die  Geschichte des Geigenbaus  liebt ihre Gründerfiguren, sei es der mythische Tywersus von  Mirecourt , der große  Andrea Amati  von  Cremona  oder der Nestor des vogtländischen Geigenbaus  Caspar Hopf . Genie und Legende gehören zu den Lebensgeschichten der großen Meister, die stets zu einem angemessenen Teil im Dunkel liegen. So ist auch über den Lebensweg des Matthias Klotz manch ein reizvoller Schleier gebreitet: Welchen Rückweg nach Mittenwald nahm der Schneidersohn nach seiner Ausbildung zum Geigenbauer in Padua? Wo und für wen hat er in dieser Zeit gearbeitet, welches Wissen, welche Einflüsse aufgenommen? Und hat er auf seinen Wegen den großen  Jakob Stainer  im nachbarschaftlichen Absam besucht? 
   
 Standortbedingungen des frühen Geigenbaus in Mittenwald 
 Greifbarere Anhaltspunkte, warum Mittenwald als eine „mitten im Wald“ gelegene bayerische Handelssiedlung zum zweiten deutschen Geigenbauzentrum neben dem  sächsischen Markneukirchen  aufsteigen konnte, bietet die Wirtschaftsgeschichte. Waren es im Vogtland  böhmische Emigranten , deren Wissen das Fundament des neuen Wirtschaftszweiges legte, bestanden in Mittenwald ganz andere und überaus günstige Bedingungen für den Geigenbau:  Auf den Höhenlagen des Karwendelgebirges ließen sich hervorragende  Tonhölzer  schlagen; die Handelsstraße von Augsburg nach Bozen und Venedig, an der Mittenwald lag, bot den Mittenwalder Geigenbauern gute, internationale Absatzchancen – und zudem die Möglichkeit, von den bedeutenden Meistern Jacob Stainer in Tirol und Nicolo Amati in Norditalien zu lernen. Nicht ohne Grund verbindet das  Violinmodell der Familie Kloz , das bis ins 19. Jahrhundert für den Mittenwalder Geigenbau maßgeblich war, Vorzüge der Tradition der beiden großen Meister Jacob Stainer und Nicolo Amati.&amp;nbsp; 
 Industrialisierung des Mittenwalder Geigenbaus und Gründung der Geigenbauschule 
 Neben dem Geigenbau begann in Mittenwald schon im 18. Jahrhundert die Professionalisierung des Handels; bereits im Jahre 1707 beschäftigte der vermutlich erste „Verleger“ J. Baader einen abhängigen Geigenbauer ( Geige von J. A Baader &amp;amp; Co. ). J. A. Baader &amp;amp; Co. entwickelte sich zum bedeutendsten Geigenhersteller Mittenwalds, neben Neuner &amp;amp; Hornsteiner ( Neuner &amp;amp; Hornsteiner Geige ). Wie im Vogtland auch industrialisierte sich der Mittenwalder Geigenbau im 19. Jahrhundert, um die hohe Nachfrage nach einfacheren und günstigeren Instrumenten zu befriedigen. Angesichts dem zunehmend spezialisierten, aber arbeitsteiligen Geigenbau suchte König Maximilian II. von Bayern das über Generationen erworbene traditionelle, handwerkliche Wissen der Geigenbaumeister zu sichern und gründete die Mittenwalder  Geigenbauschule , wo bis heute der Mittenwalder Geigenbau für wenige, ausgewählte Schüler gelehrt wird. 
 Der neue Geigenbau in Mittenwald nach den Weltkriegen 
 Nach dem Ersten Weltkrieg brach der Geigenbau in Mittenwald zusammen und erlebte erst nach dem Zweiten Weltkrieg einen Neuanfang, der mit mehreren kleinen Meisterwerkstätten nun ganz im Zeichen der Tradition des hochwertigen handwerklichen Kunstgeigenbaus stand. Heute finden Besucher der  Mittenwalder Geigenbauer  im dortigen&amp;nbsp; Geigenbaumuseum  eine hochwertige Instrumentensammlung, eine historische Werkstatt und Informationen zu Meistern und der Geschichte des Geigenbaus in Mittenwald. 
 &amp;nbsp; 
  Verwandte Beiträge:  
  Zeitgenössische Geigenbauer in Mittenwald  
 Der  Geigenbauwettbewerb Mittenwald  und andere Wettbewerbe 
  Hieronymus Köstler : „Die feinste Art der Holzbearbeitung“ 
  Zeitgenössische Geigenbauer  - die Künstler-Elite 
 Über den  Geigenbau in Cremona  in seiner klassischen Phase 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-12-11T16:37:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Die Ära der Manufakturen von Mirecourt</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/die-aera-der-manufakturen-von-mirecourt</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/die-aera-der-manufakturen-von-mirecourt"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Zur Geschichte der industriellen Streichinstrumentenfabrikation in Frankreich - Teil 1: Entstehung des Manufakturwesens in Mirecourt
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Zur Geschichte der industriellen Streichinstrumentenfabrikation in Frankreich Teil 1: Entstehung des Manufakturwesens in Mirecourt 
 Das Glück des Kunsthandwerkers liegt, wenigstens im geschäftlichen Leben, nicht unbedingt in der Vollkommenheit einzigartig gelungener Werke – sondern oft genug im Treffen des rechten Mittelmaßes. Mit dieser Erkenntnis begründete  Didier l‘Ainé Nicolas  im späten 18. Jahrhundert eine neue Ära des Geigenbaus in seiner Heimatstadt  Mirecourt : Anstatt sich auf erstklassige Instrumente zu konzentrieren, die zu bauen er durchaus in der Lage war, fertigte er preisgünstige, aber klangstarke Geigen nach einfacheren handwerklichen Standards, die seinen Kunden gleichwohl die gewünschten musikalischen Eigenschaften boten. Der überregionale Erfolg, der sich bald einstellte, gab ihm Recht: 1802 beteiligte er sich als erster Mirecourter Instrumentenbauer an einer Ausstellung, 1806 erhielt er in Paris eine Silbermedaille. Wichtiger als diese Daten ist aber, dass seine Manufaktur in den letzten Jahren seines Lebens rund 600 Arbeiter beschäftigte, und so als der erste Großbetrieb ihrer Art in der traditionsreichen Vogesenstadt gelten kann. 
   
  Didier Nicolas  war der lokale Exponent einer Veränderung, die damals auch andere europäische Geigenbauzentren ergriff. Neben der – nirgends ganz aufgegebenen – traditionellen Form des Handwerks, das der Geselle vom  Meister  lernt und das bevorzugt innerhalb der Familie weitergegeben wird, etablierte sich eine Massenproduktion, die eine stetig wachsende, großräumige Nachfrage bediente. Arbeitsteilige, bald maschinell unterstützte Verfahren sicherten eine zwar nicht exzellente, aber verlässliche Qualität, und lösten die individuelle Meisterarbeit durch das wiedererkennbare und besser vermarktbare Profil von Instrumenten-Serien ab. Vertretungen in den größeren Städten des Landes, allen voran natürlich Paris, und internationale Handelsbeziehungen sicherten den Absatz dieser in enormen Stückzahlen hergestellten Musikinstrumente. 
 Mit der Manufaktur von Didier Nicolas hatte die Expansion des industriellen Geigenbaus allerdings noch lange nicht ihr Maximum erreicht, und rückblickend auf diese bis in die späten 1960er Jahre währende Epoche sind vor allem drei Unternehmen zu nennen, die den französischen Geigenbau geprägt haben und Mirecourt in aller Welt repräsentierten:    Jérôme Thibouville-Lamy  , die Unternehmen der Familien   Laberte   und   Couesnon  . 
  Verwandte Beiträge:  
  Jérôme Thibouville-Lamy  - J. T. L. 
 Die Unternehmen der Familie  Laberte  
  Couesnon : moderner Geigenbau in Mirecourt 
 Markneukirchen:  Geigenbau zwischen Handwerk und Handel  
  Bazin : Der große Name des Bogenbaus von Mirecourt 
  Morizot, père et frères : Die kurze Geschichte einer großen Bogenbauer-Familie 
  Mirecourt : Die geräumige Wiege des französischen Geigenbaus 
  Concours Etienne Vatelot  und andere Geigenbauwettbewerbe 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-12-07T16:20:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Das Ende der großen Mirecourter Instrumentenbau-Unternehmen</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/das-ende-der-grossen-mirecourter-instrumentenbau-unternehmen</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/das-ende-der-grossen-mirecourter-instrumentenbau-unternehmen"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Der Niedergang des industriellen Streichinstrumentenbaus in Frankreich - fünfter und letzter Teil unserer Reihe
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Der Niedergang des industriellen Streichinstrumentenbaus in Frankreich -  fünfter und letzter Teil unserer Reihe 
 Mit der Weltwirtschaftskrise, endgültig aber mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dem Überfall Deutschlands auf Frankreich erfuhren die Manufakturen von  Mirecourt  einen Einbruch, von dem sie sich in der Nachkriegszeit nicht mehr erholen sollten. Für das fast gleichzeitige Ende von  J.T.L. ,  Laberte Magnié  und  Couesnon  ist aber nicht nur die fehlende Nachfrage in den Jahren des Mangels nach der großen europäischen Katastrophe verantwortlich zu machen, die ein Anknüpfen an ihre frühere Größe ausschloss. Vielmehr schritt die technische Innovation auch im Instrumentenbau schnell voran, an der die geschwächten Riesen von Mirecourt nicht mehr effizient teilhaben konnten. 
 So gewannen neue Standorte innerhalb und außerhalb Europas an Bedeutung, und in erschütternd kurzer Zeit stellten alle drei Unternehmen Ende der 1960er Jahre ihre Produktion ein: Zuerst Couesnon, das im Mai 1967 Insolvenz anmelden musste, darauf J.T.L., das 1968 seine Fabriken schloss, und schließlich Laberte, für das sich nach dem Tod Philippe Labertes 1969 kein Nachfolger mehr fand. Allein der Name J.T.L. überlebte diesen Einschnitt, als Handelsmarke, die von einem Unternehmen im englischen Woodford Green geführt wird. 
  Verwandte Beiträge:  
  Mirecourt : Die geräumige Wiege des französischen Geigenbaus 
 Die Ära der  Manufakturen von Mirecourt  
  Jérôme Thibouville-Lamy  - J.T.L. 
 Laberte-Humbert und Magnié: Die Unternehmen der Familie  Laberte  
  Couesnon : Die dritte prägende Kraft des modernen Geigenbaus in Mirecourt 
  Bazin : Der große Name des Bogenbaus von Mirecourt 
  Morizot, père et frères : Die kurze Geschichte einer großen Bogenbauer-Familie 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-12-06T16:24:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Die wichtigsten Bogenbauer von Markneukirchen: Knopf, Pfretzschner, Rau</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/die-bogenbauer-von-markneukirchen-knopf-pfretzschner-rau</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/die-bogenbauer-von-markneukirchen-knopf-pfretzschner-rau"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Markneukirchener Bogenbauer begründeten den modernen Bau von Streichinstrumentenbögen in Deutschland - die wichtigsten Namen
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Markneukirchener Bogenbauer begründeten den modernen Bau von Streichinstrumentenbögen in Deutschland 
 Mit der Ausdehnung des Instrumentenbaus in  Markneukirchen  ging nicht nur eine zunehmend arbeitsteilige Organisation des Geigenbaus einher. Flankierend entstanden Betriebe, die Saiten herstellten, und Bogenbauer-Werkstätten, die zu den ältesten und bedeutendsten in Deutschland zählten. Wenn auch der Versuch, eine eigene Innung zu gründen, im Jahr 1790 am Widerstand der Geigenbauer-Innung scheiterte, ist damit doch die Eigenständigkeit der Markneukirchener Bogenbauer belegt.&amp;nbsp; 
  Markneukirchen Bogenbau im Überblick:  
 
  Knopf  
  Pfretzschner  
  Rau  
 
 Die Markneukirchener Bogenbauerfamilie Knopf&amp;nbsp;    
 Einer der ersten Bogenbauer Deutschlands war  Christian Wilhelm Knopf  (1767-1837), der Stammvater einer großen Bogenmacher-Familie; die  Bogenbauer-Dynastie Knopf  hat der deutschen Handwerkstradition wichtige Impulse gegeben und erreichte durch ihre Geschäftspartner und international tätigen Mitglieder weltweite Strahlkraft. Als hervorragender Meister und Erfinder der Froschbahn aus Metall setzte er die Arbeit der europäischen Pioniere des Bogenbaus  John Dodd  (1752-1839) und  François Xavier Tourte  (1747–1835) fort. C. W. Knopfs Nachkommen wirkten weit über das Vogtland hinaus; unter ihnen verdient Heinrich &quot;Henry&quot; Knopf (*1860) und J. Wilhelm Knopf (*1835) besondere Erwähnung, der von seinen Zeitgenossen als bester Bogenbauer Deutschlands bezeichnet wurde. 
 Der Markneukirchener Bogenbauer Hermann Richard Pfretzschner 
  Hermann Richard Pfretzschner  (*1857), Sohn einer wichtigen Markneukirchener Geigenbauer- und Händlerfamilie, erlangte internationalen Ruf: Als letzter Schüler von  J. B. Vuillaume  gilt der Markneukirchener Bogenbauer Hermann Richard Pfretzschner als Wegbereiter des modernen französischen Stils im deutschen Streichbogenbau. 
 Der Markneukirchener Bogenmacher August Rau 
 Hervorragende Geigen- und Cellobögen, die den Vergleich mit französischen Meisterwerken nicht zu scheuen brauchen, fertigte der Markneukirchner Bogenbauer August Rau (*1866). Nach seiner Ausbildung in Markneukirchen lernte August Rau in Dresden bei Wilhelm Knopf und  A. R. Weichold , bevor er in seiner Heimatstadt eine eigene Werkstatt eröffnete. Mit größtem handwerklichen Können verarbeitete er hochwertiges Fernambuk-Holz zu ebenso festen wie leichten Bögen. 
  Verwandte Beiträge:  
 Über die  Geschichte des Geigenbogens  
  Ludwig Bausch : Der „deutsche Tourte“ 
  Klingenthal - Die Anfänge des Geigenbaus  
 Über die  Bewertung alter Geigen  
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-12-01T16:34:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Geigenbau im grenzübergreifenden westböhmisch-vogtländischen Wirtschaftsraum</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-im-grenzuebergreifenden-westboehmisch-vogtlaendischen-wirtschaftsraum</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbau-im-grenzuebergreifenden-westboehmisch-vogtlaendischen-wirtschaftsraum"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Schönbach und Graslitz: Eine böhmisch-deutsche Grenzgeschichte des Geigenbaus
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Schönbach und Graslitz: Eine böhmisch-deutsche Grenzgeschichte des Geigenbaus 
 In dieser neuen Konstellation des  westböhmisch-vogtländischen Geigenbaus  entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine arbeitsteilige und höchst effiziente Produktion, die die musikalische Breitenkultur Europas und der U.S.A. mit ihren günstigen, in großen Zahlen hergestellten Instrumenten prägen sollte. Kleine Werkstätten in der ganzen binationalen Region lieferten Instrumente, vor allem aber Bauteile an die großen Handelshäuser, die sie mit bestem Profit in alle Welt verkauften. Allein in Schönbach wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert fast 150.000 Geigen pro Jahr hergestellt – und 200.000 Geigenböden! Das Verhältnis dieser beispielhaften Zahlen lässt die ökonomische Struktur der „Verlegerwirtschaft“ deutlich erkennen. 
 Die Kehrseite ihres Erfolgs war ebenso die bittere Not der vollkommen abhängigen Familien wie der zweifelhafte Ruf minderwertiger Industrieware, der böhmisch-sächsischen Streichinstrumenten dieser Zeit bis heute anhaftet. Insbesondere in Schönbach und Graslitz gab es nur noch wenige Geigenbauer, die in der Lage waren, ein Instrument in allen Teilen selbst zu fertigen – und sich den zeitlichen Aufwand leisten konnten. Gleichwohl erreichen ihre – oft anonym verkauften Werke – durchaus sehr gute klangliche und ästhetische Eigenschaften, und verdienen die pauschale Geringschätzung nicht, die alten böhmisch-sächsischen Instrumenten oft entgegengebracht wird. 
 Eine leichte  Emanzipation  von der Übermacht Markneukirchens erreichten die Schönbacher Hersteller um die Wende zum 20. Jahrhundert, indem sie zwei Produktivgenossenschaften gründeten und die Etablierung eigener Verleger förderten. So konnten nach dem Ersten Weltkrieg ca. 20 Prozent der Produktion in eigener Regie exportiert werden. Innerhalb der wirtschaftlichen Verflechtung des Musikwinkels hatte sich Schönbach zum Handelsschwerpunkt für Tonhölzer entwickelt, die im Umfang von ca. 700 Eisenbahnwaggon-Ladungen pro Jahr umgeschlagen wurden. 
  Verwandte Beiträge in unserem Info-Archiv:  
  Grenzgänger: Zur frühen Geschichte des westböhmischen Geigenbaus  
  Der zweite Schnitt: Zur jüngeren Geschichte des westböhmischen Geigenbaus  
  Markneukirchen: Geigenbau im „Cremoneser“ Vogtland  
  Die Anfänge des Geigenbaus in Klingenthal  
  Hopf: eine vogtländische Geigenmacher-Dynastie  
  Ernst-Heinrich Roth: Ein wiederentdeckter Meister  
  Die Bogenbauer von Markneukirchen  
  Einige Markneukirchener Geigenbauer-Familien  
 Über die Bewertung alter Geigen lesen Sie in unserem Ratgeber  Die Geige: Auswahl, Herkunft und Wert . 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-11-28T16:40:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Grenzgänger: Zur Geschichte des westböhmischen Geigenbaus</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/grenzgaenger-zur-geschichte-des-westboehmischen-geigenbaus</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/grenzgaenger-zur-geschichte-des-westboehmischen-geigenbaus"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Die Entstehung des westböhmischen Geigenbaus und der erste Schnitt durch die Auswanderung der protestantischen Geigenbauer im 17. Jahrhundert
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Die Entstehung des westböhmischen Geigenbaus und der erste Schnitt durch die Auswanderung der protestantischen Geigenbauer im 17. Jahrhundert 
 Die Geschichte des Geigenbaus im Nordwesten Böhmens ist eine Grenzgeschichte, eine Erzählung von Migration, Vertreibung – und von der grenzüberschreitenden Kraft der Kunst. Ihre Anfänge reichen vielleicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, das Zeitalter des Bergbaus, in dem Städte wie  Graslitz (Kraslice)  und  Schönbach (Luby)  ihre erste Blütezeit erlebten. Wurden die ersten westböhmischen  Geigen  von Bergleuten gebaut, die, in familiärer Heimarbeit, ihr schmales Einkommen aufzubessern suchten oder Instrumente für den eigenen Bedarf fertigten? Die ersten greifbaren Spuren weisen in eine andere Richtung und lassen vermuten, dass der Musikinstrumentenbau im böhmisch-sächsischen Grenzgebiet früh auf einer „professionellen“ Grundlage betrieben wurde. Schon im Jahr 1610 finden sich Hinweise auf einen „Maler und Instrumentisten“  Johannes Artus  in Graslitz, der vermutlich ein zugewanderter Instrumentenbauer war. Die Ehre, der früheste sicher belegte Geigenbauer von Graslitz zu sein, kommt aber dem Bergmannssohn  Melchior Lorenz  zu, dessen Heirat im Jahr 1631 dokumentiert ist. 
 Dennoch: Historisches Profil gewinnt der westböhmische Geigenbau erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als Graslitzer und Schönbacher Exulanten der  Gegenreformation  weichen mussten und ihre Kunst ins nahe  Klingenthal  und  Markneukirchen  brachten. Mit ihrer Ansiedlung im protestantischen Sachsen werden die Namen der Schönbacher und Graslitzer Geigenbauerfamilien bekannt, deren frühere Geschichte wegen des Schönbacher Stadtbrands von 1739, der auch die Kirchen- und Stadtarchive vernichtete, kaum dokumentiert ist. 
 Wie es scheint, brachte die Auswanderung der Protestanten den Geigenbau auf der böhmischen Seite der Grenze zunächst praktisch zum Erliegen. Dem gegenüber profitierten die Vogtländer vom Aufschwung Sachsens im 18. Jahrhundert, und insbesondere in  Markneukirchen  entwickelte sich früh ein sehr gut funktionierendes Absatzsystem. So stand der Geigenbau, der in den 1720er Jahren in Schönbach und in den 1770er Jahren in Graslitz neu Einzug hielt, von Anfang an im Einflussbereich der Händler und „Verleger“ jenseits der Grenze, um deren Absatzkapazitäten die böhmischen mit den sächsischen Geigenbauern konkurrierten. Die erzwungene Auswanderung der Protestanten hatte nach kaum 100 Jahren einen  böhmisch-sächsischen Wirtschaftsraum  geschaffen – eine erstaunliche Volte der Geschichte. 
  Verwandte Beiträge:  
  Geigenbau im grenzübergreifenden westböhmisch-vogtländischen Wirtschaftsraum  
  Markneukirchen: Geigenbau im „Cremoneser“ Vogtland  
  Die Anfänge des Geigenbaus in Klingenthal  
  Hopf: eine vogtländische Geigenmacher-Dynastie  
  Ernst-Heinrich Roth: Ein wiederentdeckter Meister  
  Die Bogenbauer von Markneukirchen  
  Einige Markneukirchener Geigenbauer-Familien  
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-11-27T16:39:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Der zweite Schnitt: Zur jüngeren Geschichte des westböhmischen Geigenbaus</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/der-zweite-schnitt-zur-juengeren-geschichte-des-westboehmischen-geigenbaus</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/der-zweite-schnitt-zur-juengeren-geschichte-des-westboehmischen-geigenbaus"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Die Vertreibung der Sudetendeutschen Geigenbauer aus Schönbach und Graslitz: Ein Déjà-vu der Geigenbaugeschichte
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus Schönbach und Graslitz: Ein Déjà-vu der Geigenbaugeschichte 
 Nachdem die Weltwirtschaftskrise der exportorientierten Musikinstrumentenproduktion bereits schwere Schäden zugefügt hatte, setzte ihr die nationalsozialistische Autarkiepolitik weiter zu. 1939 wurde die Gründung einer „Vereinigung der vogtländischen und sudetendeutschen Saiteninstrumentenhersteller“ angeordnet, ein Zwangskartell, das die letzte grenzübergreifende Ordnung des Musikwinkels darstellen sollte, bevor der Zweite Weltkrieg die rund zweihundertjährige  Geschichte des böhmisch-sächsischen Geigenbaus  beendete. Nach dem Krieg wurden rund 12.000 Deutsche aus der Region vertrieben und nahmen – eine Art historisches Déjà-vu – ihre Kunst mit. 
 Wie im Zeitalter der Gegenreformation führte ihre Deportation dazu, dass im nahen Ausland ein neues Zentrum der Musikinstrumenten-Produktion entstand: Nachdem der Versuch einer gemeinsamen Ansiedlung in  Mittenwald  am entschiedenen Widerstand der einheimischen Geigenbauer gescheitert war, fand die Mehrheit der Schönbacher 1949 schließlich in  Bubenreuth &amp;nbsp;eine neue Heimat. Sie verwandelten das fränkische Städtchen in einen schnell aufblühenden Ort der Musik; bald kamen auch ehemalige Markneukirchener Meister und Händler, darunter auch&amp;nbsp; Ernst Heinrich Roth , hinzu, die in der DDR keine unternehmerische Perspektive mehr hatten. 
  Schönbach , nunmehr Luby, blieb trotz dieses zweiten historischen Aderlasses eine Stadt des Instrumentenbaus und entwickelte sich nun unabhängig von  Markneukirchen ; das historische Band über die Grenze hinweg war zerrissen. Zu den wenigen in Luby verbliebenen deutschen Geigenbauern kamen Fachkräfte aus anderen Orten der Tschechoslowakei hinzu. Sie arbeiteten vor allem für die Produktivgenossenschaft „Cremona“, aus der nach der samtenen Revolution die  „Strunal AG“  entstand. Manche der heutigen Geigenbauer von Luby leiten den neuen Namen der Stadt von „luba“ ab, dem tschechischen Wort für „Zarge“; und warum sollte Luby mit seiner bewegten Geschichte nicht die – vermutlich einzige – Stadt sein, die den Geigenbau buchstäblich im Namen führt? 
  Lektüre-Tipp:  Kurt Kauert, Vogtländisch-westböhmischer Geigenbau in fünf Jahrhunderten. Entstehung – Standorte – Strukturen. Verlag der Kunst, Dresden 2006. 156 Seiten, zahlreiche Abbildungen. ISBN 978-3-86530-079-9. 
 &amp;nbsp; 
  Verwandte Beiträge:  
  Zur Geschichte des westböhmischen Geigenbaus  
  Geigenbau im grenzübergreifenden westböhmisch-vogtländischen Wirtschaftsraum   
  Die Anfänge des Geigenbaus in Klingenthal  
  Markneukirchen: Geigenbau im „Cremoneser“ Vogtland  
 Im Schatten der Fabriken:  Chinesische Geigenbauer  und Geigenbauer aus Taiwan 
  Die Bogenbauer von Markneukirchen  
  Einige Markneukirchener Geigenbauer-Familien  
  Hopf : eine vogtländische Geigenmacher-Dynastie 
  Ernst-Heinrich Roth : Ein wiederentdeckter Meister 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-11-26T16:41:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Klingenthal: Die Anfänge des Geigenbaus</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/klingenthal-die-anfaenge-des-geigenbaus</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/klingenthal-die-anfaenge-des-geigenbaus"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Klingenthal: Die Anfänge des Geigenbaus im sächsischen Vogtland
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Klingenthal: Die Anfänge des Geigenbaus im sächsischen Vogtland 
 In Klingenthal, einem kleinen Ort nahe der sächsisch-böhmischen Grenze, endete Anfang der 1650er Jahre die Wanderschaft der Hamburger Familie Hobe. Zwei Generationen zuvor hatte sie der Bergbau aus der Hansestadt nach  Graslitz (Kraslice) in Nordböhmen  geführt, nun wich sie dem Druck der Rekatholisierung, der sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in Böhmen aufbaute. Im nahegelegenen, später Quittenbach genannten Unterklingenthal fand die Familie eine neue Heimat, und wie in Graslitz wird Vater Christoph Hobe vermutlich als  Schichtmeister  im Bergbau gearbeitet haben. 
   
 Die Hobes und viele weitere Familien fanden als „böhmische Exulanten“ in Sachsen Aufnahme und religiöse Toleranz, wobei der hohe Preis nicht verschwiegen werden soll, den die Migranten in Form von Abgaben und Dienstpflichten zu bezahlen hatten. Für das abgelegene Vogtland waren die neuen Siedler ein Segen, denn mit ihnen entstanden nicht nur Orte wie Quittenbach, sie brachten auch den Geigenbau in die Region, der diese für Jahrhunderte ernähren und prägen sollte. 
 Das erste sichere Datum in der Geschichte des Klingenthaler Geigenbaus ist der 8. Oktober 1669, an dem Johann Hertwig Graf von Nostiz die Gründung der Graslitzer Geigenmacher-Innung bestätigt. Unter den Gründungsmitgliedern befindet sich „Caspar Hob“ aus Klingenthal, Christoph Hobes Sohn, der als „ Caspar Hopf “ am 6. März 1677 auch zu den Gründern der Innung von  Markneukirchen  zählt. Wahrscheinlich ist er der erste Geigenbauer von Klingenthal, und so wenig bekannt ist, wo er seine Kunst erlernt hat, so sicher ist doch sein stilprägendes Wirken, das die  Hopf-Schule  zum Inbegriff der Klingenthaler Geige werden ließ. 
 Niedergang und Ende des Klingenthaler Geigenbaus 
 Von seinen Anfängen an zeichnete sich der Klingenthaler Geigenbau eher durch solide musikalische Qualität als durch eine besonders fortschrittliche und ausgefeilte Ästhetik aus. Die unter hohen Abgaben leidenden Geigenbauer waren gezwungen, ihre Instrumente zügig und in möglichst hohen Stückzahlen zu verkaufen. 
 Zogen die Geigenbauer zunächst als Händler in eigener Sache durch die Lande, professionalisierte sich der Musikinstrumentenhandel im Laufe des 18. Jahrhunderts. Viele Geigenbauer gerieten, obwohl weiterhin selbständig, in Abhängigkeit von den Händlern, die die stetig wachsende internationale Nachfrage nach günstigen Instrumenten zu befriedigen suchten. Für 1801 verzeichnet Friedrich Gottlob Leonhardis „Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzoglich-Sächsischen Lande“ eine beachtliche Jahresproduktion von „117 Bäße[n] und 4282 Violinen, am Werth 2416 Rthlr. 12 Gr. ohne die Harfen, Zittern, Lauten etc.“ Je mehr die arbeitsteilige, fabrikmäßige Produktion an Bedeutung gewann, desto mehr erodierte der vergleichsweise privilegierte soziale Status der Geigenbauer. 
 Wechsel zur industriellen Musikinstrumentenproduktion 
 Seit den 1830er Jahren schließlich veränderte sich die Wirtschaftsstruktur des Vogtlandes grundlegend. Die einfacheren Tätigkeiten der Kamm- und Harmonikaproduktion, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch des Akkordeonbaus schufen geringqualifizierte Arbeitsplätze in großer Zahl. Auch viele Geigenbauer sicherten sich in den neuen Betrieben ihren Lebensunterhalt, und die anspruchsvolle Ausbildung von Gesellen konnte immer seltener stattfinden. Der amerikanische Sezessionskrieg verschärfte die Krise des Instrumentenbaus im Vogtland zusätzlich, der in den U.S.A. einen der wichtigsten Absatzmärkte hatte. 1862 gab es noch 166 einzeln geführte Geigenbauwerkstätten, 1887 schließlich löste sich die Klingenthaler Geigenbauer-Innung auf. 1913 neu gegründet, bestand die zweite Innung zwar bis ins Jahr 1975, ihre niedrigen Mitgliederzahlen zeigen aber, dass Klingenthal im Geigenbau nie wieder zu früherer Größe zurückfand. 
 Heute knüpft die  Berufsfachschule „Vogtländischer Musikinstrumentenbau“  an die Klingenthaler Geigenbautradition an. Ihre Geschichte dokumentiert das  Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen . 
 Klingenthaler Geigenbauer: Wichtige Familien neben der legendären Hopf-Dynastie 
 Die Tradition der großen Familie  Hopf  ist zum Inbegriff Klingenthaler Geigenbaukunst geworden, die aber von Anfang an durch weitere bedeutende Geigenbauer-Dynastien getragen und gepflegt wurde. Drei Familien werden auf dieser Seite kurz vorgestellt, weitere Anhaltspunkte bietet unsere (sicher nicht vollständige) Übersicht  Klingenthaler Geigenbauer  als PDF-Datei (ca. 140 KB).&amp;nbsp; 
 Bedeutende Geigenbauer aus Klingenthal: 
 
  Dörffel  
  Glass  
  Meisel  
 
 Dörffel 
 Zu den  böhmischen Exulanten , die den Klingenthaler Geigenbau begründet haben, gehört auch die Familie Dörffel. Während Caspar Hopf vermutlich der erste Geigenbaumeister seiner Familie war, übten mindestens Johann Georg (I.) und Michael Dörffel bereits in Graslitz (Kraslice) ihre Kunst aus.  Johann Andreas Dörffel , der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wirkte, wird zu den besten Geigenbauern Klingenthals gerechnet. Seine   Meistergeigen  sind in zahlreiche Sammlungen eingegangen. 
 Glass 
 Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Geigenbauer-Familie Glass in Klingenthal nachweisbar. Ihre Instrumente erwarben sich einen sehr guten Ruf, der zeitweise sogar an die legendären Hopf-Geigen heranreichte. Viele Mitglieder der Familie haben außerhalb Klingenthals Karriere gemacht und wurden damit – zum Teil internationale – Botschafter vogtländischer Geigenbaukunst. Ende des 18. Jahrhunderts begründete Christian Friedrich Glass die Bogenmacherei in Klingenthal. 
 Meisel 
 Die große Instrumentenbauer-Familie Meisel steht in mancherlei Hinsicht für die Öffnung des Klingenthaler Geigenbaus. Seit dem späten 18. Jahrhundert lösten sich wichtige Mitglieder der Familie von der spezifisch vogtländischen Hopf-Tradition und ahmten italienische Vorbilder nach. Zu ihnen gehört auch  Amand Meisel (1828-1893) , der ein international ausgezeichneter Meister wurde und sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Schlesien niederließ. Johann Christian Friedrich Meisel (gest. 1803) begründete die Klingenthaler Saitenmacherei. 
 &amp;nbsp; 
  Verwandte Beiträge :  
  Markneukirchen: Geigenbau im „Cremoneser“ Vogtland  
  Die Bogenbauer von Markneukirchen  
 Zur  Geschichte des westböhmischen Geigenbaus  
  Hopf: eine vogtländische Geigenmacher-Dynastie  
  Ernst-Heinrich Roth : Ein wiederentdeckter Meister 
 Über die  Bewertung alter Geigen  
 &amp;nbsp; 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-11-25T16:30:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Italienische Geigenbauer - Fakten und Zahlen</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/italienische-geigenbauer</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/italienische-geigenbauer"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Über italienische Geigenbauer und die berühmtesten Namen – Antonio Stradivari, Nicolo Amati, Giuseppe Guarneri
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Italienische Geigenbauer – Fakten und Zahlen 
 Italienische Geigenbauer, oder&amp;nbsp; liutai, &amp;nbsp;haben in der Welt der Streichinstrumente, insbesondere der Geigen, ein beispielloses Erbe hinterlassen. Die Tradition des&amp;nbsp;italienischen Geigenbaus, die ihren Mittelpunkt in Cremona, Italien, hat, reicht über 500 Jahre zurück und wird von legendären Persönlichkeiten wie&amp;nbsp; Antonio Stradivari ,&amp;nbsp; Giuseppe Guarneri del Gesù &amp;nbsp;und&amp;nbsp; Andrea Amati &amp;nbsp;geprägt. Ihre Handwerkskunst wird für ihre außergewöhnliche Klangqualität, ihre sorgfältige Bauweise und ihr künstlerisches Gespür gefeiert. 
     
  Schlüsselfiguren:  
 
  Cremona als Herz des italienischen Geigenbaus: &amp;nbsp;Heute sind hier über 80 aktive&amp;nbsp; Cremona-Geigenbauer &amp;nbsp;ansässig, darunter renommierte moderne Meister wie Stefano Conia und Massimo Negroni. 
  Antonio Stradivari: &amp;nbsp;Er schuf etwa 1.100 Geigen, von denen etwa 650 erhalten sind. Stradivaris Geigen sind für ihre unübertroffene Klangreinheit bekannt und werden auf Auktionen für Millionen von Dollar verkauft. 
  Giuseppe Guarneri del Gesù: &amp;nbsp;Heute existieren weniger als 200 Geigen, die sich durch ihren vollen, kraftvollen Klang auszeichnen und von Virtuosen wie Paganini bevorzugt wurden. 
  Andrea Amati: &amp;nbsp;Er gilt als Begründer des modernen Geigenbaus und standardisierte im 16. Jahrhundert das Design der Geige. 
 
  Italienische Geigen &amp;nbsp;stehen nach wie vor für Qualität und vereinen bewährte Techniken mit innovativen Ansätzen. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-10-18T01:15:00+02:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Die Geigenbauer von Bubenreuth</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/die-geigenbauer-von-bubenreuth</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/die-geigenbauer-von-bubenreuth"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Die Geschichte des Bubenreuther Geigenbaus: Aufstieg und Rückgang der Geigenbau-Industrie und der Geigenbauwerkstätten in „Neu-Schönbach“
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Bubenreuth – ein neues Schönbach 
 Der Geigenbauer auf der Weltkugel: Nachdenklich wirkt  Elias Placht , auf den beiden Denkmalen, die ihm gesetzt worden sind. So konzentriert er die Geige betrachtet, die er in seinen Händen hält, scheint er doch im Geiste an einem ganz anderen Ort zu sein: Wahlweise im tschechischen  Luby (Schönbach) , wo man ihn 1927 als ersten dokumentierten Geigenbauer des Ortes würdigte – oder im fränkischen  Bubenreuth , wo 1969 eine Nachbildung des Schönbacher Denkmals enthüllt wurde. 
 Die Geigenbauer von Bubenreuth: Übersicht 
 
  Bubenreuth – ein neues Schönbach  
  Vom Bauerndorf zum Industriestandort  
  Erfolgreiche Neu- und Wiedergründungen in Bubenreuth     
  Krise des Instrumentenbaus in Bubenreuth  
 
 &amp;nbsp; 
 Zwischen den beiden Denkmalen, knapp 200 km voneinander entfernt, verläuft die deutsch-tschechische Grenze, der ehemalige Eiserne Vorhang; und etwa in der zeitlichen Mitte zwischen 1927 und 1969 liegt das Ereignis, das sie verbindet: Die  Vertreibung der deutschen Instrumentenbauer aus Böhmen  nach dem Zweiten Weltkrieg, in deren Folge sich ein Dorf bei Erlangen über Nacht zu einem global agierenden Industriestandort verwandelte. 
 Vom Bauerndorf zum Industriestandort 
 Keine 700 Einwohner zählte Bubenreuth vor der Ansiedlung der Schönbacher, und hatte außer der Landwirtschaft praktisch keine eigene Wirtschaftsstruktur. Die Bubenreuther waren Bauern oder fuhren zur Arbeit ins nahe gelegene Erlangen. Nun entstanden innerhalb weniger Jahre 400 neue Wohnungen für  rund 1.600 neue Bürger , die die ländliche Region schlagartig industrialisierten. 
 Im Hintergrund dieses Umbruchs stand das Interesse der Schönbacher Instrumentenbauer, ihr über Generationen erprobtes, gut eingespieltes  Kooperationsmodell  beizubehalten, was eine gemeinsame Ansiedlung der Vertriebenen erforderlich machte. Seit dem späten 18. Jahrhundert hatte sich im böhmischen Teil des Vogtlandes eine arbeitsteilige, „haus-industrielle“ Produktion etabliert, in der zahllose kleine bis mittlere Werkstätten gemeinsam Zupf- und Streichinstrumente herstellten. Für den Absatz ihrer Arbeiten waren sie weitgehend von den mächtigen Händlern im sächsischen   Markneukirchen   abhängig, die auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung hunderttausende Instrumente pro Jahr aus Schönbach in alle Welt lieferten, nicht zuletzt in die U.S.A. 
 Dieses Modell sollte nun im strukturschwachen, durch die Kriegsfolgen belasteten Bayern zu neuem Leben erweckt werden, und so beauftragte die bayerische Staatsregierung im Oktober 1945 den Gitarrenbauer  Fred Wilfer , alle Voraussetzungen für eine Ansiedlung der Schönbacher im Raum Erlangen zu schaffen – nachdem die traditionsreiche Geigenbaustadt Mittenwald als Standort wegen des entschiedenen Widerstands der ortsansässigen Geigenbaumeister ausgeschieden war. 
 Erfolgreiche Neu- und Wiedergründungen in Bubenreuth 
 So stellt die Gründung von Wilfers „Fränkischer Musikinstrumentenerzeugung Fred Wilfer KG“, der weltbekannten  FRAMUS , am 1. Januar 1946 mehr dar als die Eröffnung eines neuen Betriebes. Die FRAMUS schuf die Grundlage für die Entstehung der gesamten Bubenreuther Musikindustrie und zog in der Folge auch Unternehmer wie Albert Roth an, der 1953 seine enteignete Markneukirchener Firma  Ernst Heinrich Roth  in Bubenreuth neu gründete. Im Umfeld dieser Unternehmen entstand ein Netzwerk kleinerer, selbständiger Werkstätten, die den handwerklichen Geigenbau auf hohem Niveau pflegten. 
    Dass der  Gitarrenbau  rasch zum anfangs dominierenden Geigenbau aufschloss, ist dabei weniger dem wirtschaftlichen Gewicht der FRAMUS zuzuschreiben, sondern eine Folge der Entwicklung des weltweiten Musikmarktes in den 1950er und insbesondere 1960er Jahren. Die Neu-Bubenreuther verstanden es, diese Dynamik zu nutzen und an die alten Schönbacher Erfolge anzuknüpfen; sie etablierten in ihrer neuen Heimat nichts geringeres als das führende, international bestens vernetzte  Zentrum des westdeutschen Instrumentenbaus.  Dass sie dabei nun frei agieren konnten und nicht mehr von einem dominierenden Handelszentrum wie Markneukirchen abhängig waren, gehört zu den Volten der Geschichte. 
 Krise des Instrumentenbaus in Bubenreuth 
 Doch der Aufschwung währte nicht allzu lange. Schon in den 1970er Jahren führte der Einfluss der wachsenden  Konkurrenz auf dem Weltmarkt  zum Konkurs der FRAMUS und zu einer schrittweisen Dezimierung der mittelfränkischen Musikinstumentenindustrie. Lange von den westlich orientierten Bubenreuther Gitarrenbauern unterschätzt, liefen ihnen zunächst japanische Akteure den Rang ab; später etablierte sich  China als neue Welt-Geigenbauwerkstatt  – und das in ganz ähnlicher Weise, wie es im 19. Jahrhundert im böhmisch-sächsischen Vogtland geschehen war, aus dem die Bubenreuther stammten. 
 Wenn das regionale Branchenverzeichnis heute auch immer noch gut mit Einträgen im Bereich Instrumentenbau ausgestattet ist – für eine Stadt von weniger als 5.000 Einwohnern – und bekannte Namen der sächsisch-böhmischen Tradition wie z. B.  Raabs, Roth, Sandner, Schuster  und  Seifert  enthält, ist doch von dem früheren Volumen des Standorts wenig übrig geblieben. Standen im Bubenreuther Musikinstrumentenbau zu seiner besten Zeit rund 1.800 Menschen in Lohn und Brot, sind es heute noch etwa 200. Die gleichwohl niedrigen Arbeitslosenzahlen zeigen jedoch, dass es der Region offenbar gelungen ist, sich wie noch einmal grundlegend neu zu erfinden. 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-08-09T17:30:00+02:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Geigenbauer und Geigenbaumeister in München - Lust am Experiment in einem kon...</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbauer-und-geigenbaumeister-in-muenchen-lust-am-experiment-in-einem-konservativen-handwerk</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/geigenbauer-und-geigenbaumeister-in-muenchen-lust-am-experiment-in-einem-konservativen-handwerk"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Geigenbauer und Geigenbaumeister in München - Lust am Experiment in einem konservativen Handwerk. Zur Geschichte des Geigenbaus in München
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Zur Geschichte des Geigenbaus in München 
 München gilt seit alten Tagen als eine Stadt der Kunst, für den Geigenbau ist München hingegen kaum bekannt und kann gewiss – trotz großer Namen wie die der Münchner Geigenbauer&amp;nbsp; Johann Paul Alletsee &amp;nbsp;(1684-1733) oder&amp;nbsp; Giuseppe Fiorini &amp;nbsp;(1861-1934) – nicht die Bedeutung für sich beanspruchen, die etwa Füssen oder&amp;nbsp; Mittenwald &amp;nbsp;erlangt haben. Gleichwohl: Wie München für seine unkonventionelle und facettenreiche Kunst- und Kulturszene berühmt ist, so finden sich auch unter den Geigenbauern und Geigenbaumeistern in München interessante Querköpfe. 
 Eigene Wege ging etwa&amp;nbsp; Matthias Johann Kolditz &amp;nbsp;in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in München, der nach schlanken, für seine Zeit wenig gewölbten Modellen baute. Als technisch versierter Geigenbaumeister schuf er auffällige Nonkonformitäten, etwa eine Bratsche mit mehrfach geschweiften Zargen oder Streichinstrumente mit schön geschnitzten Rosetten, die er, zusätzlich zu den F-Löchern, unter dem Griffbrett anbrachte. Einer der besten Münchner Geigenbauer des 19. Jahrhunderts war&amp;nbsp; Andreas Engleder &amp;nbsp;(1802-1872), ein gefragter Reparateur und Lehrer wichtiger Geigenbaumeister wie&amp;nbsp; Johann Kriner &amp;nbsp;(1834-1883), der der erste Leiter der Mittenwalder Geigenbauschule wurde. In seinem eigenen Werk unternahm Andreas Engleder interessante Versuche über neue Bauformen für Streichinstrumente, die besonders weit von den klassischen Vorbildern Stradivari, Guarneri und Klotz abwichen: er experimentierte mit birnenförmigen Geigenmodellen und baute, zeitgenössischen Anregungen folgend, auch eine Geige in Gitarrenform. 
 Besonders innovative Ansätze verfolgt in unserer Zeit der Diplom-Physiker und Geigenbaumeister Martin Schleske. Wie der bekannte U.S.-amerikanische Forscher&amp;nbsp; Joseph Nagyvary &amp;nbsp;wagt Martin Schleske den Brückenschlag zwischen Handwerk und Naturwissenschaft und geht dem Geheimnis des Geigenklangs z. B. mit computergestützten Schwingungsanalysen auf den Grund. Um bessere Resonanzeigenschaften zu erreichen, hat Joseph Nagyvary ein Verfahren zur Reduktion der Dichte von&amp;nbsp; Tonhölzern &amp;nbsp;durch den Pilz&amp;nbsp; Xylaria longipes &amp;nbsp;patentieren lassen. Querdenker wie die &quot;wissenschaftlichen&quot; Geigenbauer Martin Schleske und Joseph Nagyvary sind Provokateure einer traditionsbewussten, konservativen Zunft, deren große Meister immer auch Künstler und gleichwohl große Beobachter und Naturforscher im Stillen waren. Dass die Gratwanderung zwischen Labor und Werkstatt dennoch gelingen und fruchtbar sein kann, belegen sowohl viele höchst respektable&amp;nbsp; Meistergeigen &amp;nbsp;aus den Händen forschender Geigenbauer und Geigenbaumeister als auch – in anderem Kontext – die Altersbestimmung durch&amp;nbsp; Dendrochronologie , die sich als anerkannte Methode im Geigenbau etabliert hat. 
 &amp;nbsp; 
  Geigenbauer, Service und Streichinstrumenten-Reparaturen bei Corilon violins:  
 Die  Geigenbauer bei Corilon violins  sind ab sofort auch Ihr Ansprechpartner für Geigenbau, Service, Reparaturen und Einstellungen Ihres alten Streichinstruments - Meistervioline, Meistergeige oder Meisterbratsche, lokal und bundesweit. 
  Verwandte Beiträge:  
  Zeitgenössische Geigenbauer  
  Nicolas Lupot &amp;nbsp;- Der Französische Stradivari 
  Geigenbauer in Mittenwald &amp;nbsp;- Zeitgenössische Meister pflegen ihre Tradition in lebendiger Handwerkskunst 
 Der&amp;nbsp; Geigenbauwettbewerb Mittenwald &amp;nbsp;und andere internationale Geigenbauwettbewerbe im Überblick 
 Zeitgenössische Meister:&amp;nbsp; Geigenbauer in Cremona  
  Eric Blot , der grosse Experte von Cremona 
  Jean-François Raffin : Zehn Stunden – und kein Wort 
  J &amp;amp; A Beare, Beares , London: Expertise im Wandel der Zeiten 
  W.E. Hill &amp;amp; Sons : Auf dem Parnass der Geigenbaukunst 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-08-09T16:43:00+02:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Internationale Geigenbauwettbewerbe: Geigenbauwettbewerb Mittenwald, Ente Tri...</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/internationale-geigenbauwettbewerbe-geigenbauwettbewerb-mittenwald-ente-triennale-cremona-concours-etienne-vatelot-vsa-competition</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/internationale-geigenbauwettbewerbe-geigenbauwettbewerb-mittenwald-ente-triennale-cremona-concours-etienne-vatelot-vsa-competition"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Geigenbauwettbewerbe im Überblick: Kriterien, Teilnahmebedingungen und Schwerpunkte bei der Ente Triennale Cremona, Geigenbauwettbewerb Mittenwald, Concours Vatelot Paris, VSA competition, Wieniawski Wettbewerb und bei weiteren Wettbewerben
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Internationale Geigenbauwettbewerbe:  Kriterien, Teilnahmebedingungen und Schwerpunkte beim Geigenbauwettbewerb Mittenwald, Ente Triennale Cremona, Concours Vatelot Paris, China violin making competition Bejing, VSA competition, The Strad competition, BVMA competition, Violin Soul &amp;amp; Shape Moskau, Wieniawski Wettbewerb und beim Geigenbauwettbewerb Pisogne 
 Die Gegenwart einer halbtausendjährigen Kunst wird selten so konzentriert greifbar wie bei den großen, internationalen Geigenbauwettbewerben. Vor allem für  exzellente Meister der jungen Generation  sind sie eine ausgezeichnete Gelegenheit, ihre Fähigkeiten und ihr Bewusstsein für Tradition und Qualität unter Beweis zu stellen. Welche klanglichen und baulichen Kriterien sind für unsere Zeit maßgeblich, wo begegnet man den Talenten von morgen? Unsere folgende Auswahl informiert über wichtige internationale Geigenbauwettbewerbe, ihre Schwerpunkte und Teilnahmebedingungen: 
 Übersicht internationale Geigenbauwettbewerbe 
 
  Ente Triennale Internazionale Strumenti Ad Arco, Cremona  
  Internationaler Geigenbauwettbewerb, Mittenwald  
  Internationaler Geigenbauwettbewerb, Luby (Schönbach)   
  International Henryk Wieniawski Violin Making Competition, Posen  
  BVMA International Violin and Bow Making Competition, London   
  Concours Etienne Vatelot, Paris   
  International Violin Making Competition, Pisogne   
  China International Violin Making and Bow Making Competition, Beijing &amp;nbsp; 
  The Strad Bow and Cello Making Competition, Manchester   
  The International Violin Makers Competition Violin: Soul and Shape, Moskau  
  VSA Violin Making Competition  
 
 Ente Triennale Internazionale Strumenti Ad Arco, Cremona 
 In  Cremona , wo einst die bis heute bestehenden gestalterischen und klanglichen Maßstäbe des Geigenbaus entwickelt wurden, findet seit 1976 der wohl bedeutendste aller internationalen Geigenbauwettbewerbe statt: „Maestri liutai“ aus aller Welt lassen ihre Arbeiten bei der  Ente Triennale Internazionale Strumenti Ad Arco, Cremona  alle drei Jahre im September/Oktober von einer Fachjury aus je fünf Geigenbauexperten und Musikern beurteilen. Bis zu zwei Instrumente können bei der  Ente Triennale  je in den Kategorien der Ente Triennale Internazionale Strumenti Ad Arco Violine, Viola, Cello und Kontrabass eingereicht werden; sie dürfen nicht älter als drei Jahre und nicht künstlich gealtert sein und müssen den traditionellen Gestaltungsregeln entsprechen. Bewerbungen für die Ente Triennale Internazionale Strumenti Ad Arco sind in der Regel bis Ende April an die Fondazione Stradivari, Museo del Violino, via Bell´Aspa n. 3, Cremona, zu richten. Nähere Informationen bietet die Website  www.entetriennale.it  
 
  Geigen aus Cremona  
  Italienische Geigen  
 
 Internationaler Geigenbauwettbewerb Mittenwald 
 In  Mittenwald , zwischen Karwendel und Wetterstein wird seit 1989 der international renommierte internationale  Geigenbauwettbewerb Mittenwald  ausgetragen, jeweils im Juni in einem Turnus von vier Jahren. Anders als beim Geigenbauwetbewerb in Cremona zeichnet beim Geigenbauwettbewerb Mittenwald eine zwölfköpfige Jury zusätzlich zu den besten Violinen, Violen und Celli auch Streichbögen aus, die sämtlich innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre gefertigt worden sein müssen. Von den allgemein üblichen handwerklichen Regeln abweichende Instrumente sowie Imitationen dürfen auch hier nicht eingereicht werden. Pro Teilnehmer sind beim Geigenbauwettbewerb Mittenwald je drei Arbeiten in verschiedenen Kategorien zugelassen. Über die aktuellen Teilnahmebedingungen informiert die Website  www.geigenbauwettbewerb-mittenwald.de  
 Internationaler Geigenbauwettbewerb, Luby (Schönbach) 
 Obwohl die im traditionsreichen  Geigenbauzentrum Luby (Schönbach)  angesiedelte Geigenbauschule im Jahr 2005 nach Cheb verlegt wurde, wurde im selben Jahr an ihrem ursprünglichen Standort der erste internationale Geigenbauwettbewerb für Schüler und Auszubildende durchgeführt. Die Besonderheit: Neben einer Violine nach einem Stradivari- oder Guarneri-Modell waren auch Arbeitsproben einzureichen, die im Rahmen eines zweitägigen, arbeitspraktischen Teils öffentlich ausgeführt werden mussten. 2012 fand erneut ein internationaler Instrumentenbauwettbewerb in Luby statt, diesmal in den Kategorien Violine sowie Konzert- und Westerngitarre. 
 International Henryk Wieniawski Violin Making Competition, Posen 
 Ausschließlich Violinen beurteilen die Juroren bei der International  Henryk Wieniawski Violin Making Competition , diesem 1957 ins Leben gerufenen polnischen Wettbewerb, der als der älteste seiner Art in ungefähr fünfjährigem Abstand von der Henryk-Wieniawski-Musikgesellschaft durchgeführt wird. Ebenso wie der noch ältere gleichnamige Violinwettbewerb besitzt er eine hohe internationale Reputation. Teilnahmebedingungen und Bewertungskriterien entsprechen in etwa denjenigen der Cremoneser Triennale, die drei besten Instrumente der International Henryk Wieniawski Violin Making Competition werden mit Geldpreisen prämiert. Seine 13. Ausgabe, bei der Roger Hargrave der Jury vorsitzen wird, ist für Mai 2016 angesetzt. Das Anmeldeformular zum Wettbewerb ist unter  www.wieniawski.com  zu beziehen. 
 BVMA International Violin and Bow Making Competition, London 
 Eines der zahlreichen Angebote zu Fortbildung und Austausch, die die „British Violin Making Association“ (BVMA) ihren Mitgliedern seit 1995 zur Verfügung stellt, bestand in der Veranstaltung  „BVMA International Violin and Bow Making Competition“ , die 2004 in London im Rahmen des „The Genius of the Violin Festival“ der Royal Academy of Music stattfand. Um dem Aspekt der Subjektivität von Urteilen Rechnung zu tragen, vergab hierbei jedes Mitglied des Juroren-Gremiums seinen eigenen Preis bei der Bewertung von Klangerzeugung und handwerklicher Leistung der bei der BVMA International Violin and Bow Making Competition über 350 eingereichten Violinen und Bögen. Moderne Arbeiten wie auch Imitationen waren zugelassen. 
 Concours Etienne Vatelot, Paris 
  Concours Etienne Vatelot, Paris  ist ebenfalls ein international überaus prestigeträchtiger Wettbewerb, der die Auszeichnung repräsentativster zeitgenössischer Geigenbaukunst zum Ziel hat. Bislang viermal – nämlich 1991, 1999, 2004 und 2011 – beurteilte die stets aus fünf Geigenbauexperten bestehende Jury des Concours Etienne Vatelot, Paris Violinen, Violen, Celli, Kontrabässe sowie die entsprechenden Bögen nach stilistischer Reife, handwerklichem Geschick und Klangqualität. In jeder Kategorie des Concours Vatelot gibt es nur einen großen Preis; der jeweils zweitbeste Teilnehmer erhält eine Ehrenurkunde. Bis zu zwei Arbeiten pro Teilnehmer werden angenommen. Anmeldeinformationen und -unterlagen bietet die Website  www.civp.com . 
 International Violin Making Competition, Pisogne 
  Einzigartig in seiner Konzentration auf antikisierte Instrumente bzw. Imitationen ist dieser Geigenbauwettbewerb  International Violin Making Competition, Pisogne  in der lombardischen Stadt Pisogne, der 2014 zum fünften Mal ausgetragen wurde. Auch nicht professionell tätige Geigenbauer sowie Geigenbauschüler können mit ihren Arbeiten antreten, die die Jury in drei Runden nach ihren klanglichen wie technisch-künstlerischen Qualitäten bewertet. Die drei besten Teilnehmer werden mit Medaillen geehrt. Das Anmeldeformular ist unter  www.anlailiuteria.it  oder  www.stradivari.it  verfügbar. 
 China International Violin Making and Bow Making Competition, Beijing 
 Nicht zuletzt an den beiden Geigenbauwettbewerben in Bejing (Peking) 2010 und 2013 ist die wachsende Bedeutung abzulesen, die sich China in den letzten Jahren innerhalb der Instrumentenbaubranche erarbeiten konnte: Besonders bei der zweiten, der  China International Violin Making and Bow Making Competition, Beijing , in Dauer und Teilnehmerzahl bereits deutlich umfangreichere Ausgabe, bei der nicht weniger als 18 Juroren nach traditionellen Gestaltungsvorgaben gefertigte Violinen, Violen und Celli sowie Violin-, Viola-, Cello- und Kontrabassbögen nach handwerklicher Ausführung, künstlerischer Gestaltung und Klangqualität bewerteten, fand weltweite Beachtung. Der nächste geplante Termin für die China International Violin Making and Bow Making Competition, Beijing ist das Jahr 2016. Zugelassen sind bis zu drei Instrumente in höchstens zwei Kategorien bzw. bis zu vier Bögen in je einer Kategorie. Das Anmeldeformular ist unter  www.civmc.com  verfügbar. 
 The Strad Bow and Cello Making Competition, Manchester 
 Von 1988 an fand in Manchester alle zwei Jahre das von dem amerikanischen Cellisten Ralph Kirshbaum gegründete „International Cello Festival“ der Royal Academy of Music statt. Kirshbaum blieb künstlerischer Leiter des Festivals, bis es 2007 zum letzten Mal ausgerichtet wurde. Parallel zum Instrumentalwettbewerb konnten stets Cello- und Bogenmacher aus aller Welt ihre Arbeiten beim  The Strad Bow and Cello Making Competition  von einer Fachjury beurteilen lassen. 
 The International Violin Makers Competition Violin: Soul and Shape, Moskau 
 Als fünfte Disziplin des legendären internationalen „Tchaikovksy-Wettbewerbs“ wird der Geigenbauwettbewerb  „Violin: Soul &amp;amp; Shape“  seit 1990 in vierjährigem Abstand vor dem Hauptwettbewerb in Moskau durchgeführt. „Klassische Formen“ von Violinen, Violen, Celli und Bögen nach den üblichen Gestaltungsvorgaben, Imitationen alter Instrumente und Bögen sowie „freie Formen“ ohne Beschränkungen hinsichtlich Form, Material und Farbgebung, mit den Unterkategorien akustische und elektronische Instrumente, sind zugelassen. Die jeweils besten drei Arbeiten werden mit Medaillen geehrt; auch Sonderurkunden können vergeben werden. Eine Altersbeschränkung für die bei der Violin: Soul &amp;amp; Shape eingereichten Arbeiten gibt es nicht. Das Anmeldeformular kann unter  www.violin.soulandshape.ru  heruntergeladen werden. 
 VSA Violin Making Competition 
 Der Geigenbauwettbewerb  VSA Violin Making Competition  der „Violin Society of America“ findet seit 1973 in einjährigen Abständen – also mit der weltweit höchsten Frequenz – jeweils im Sommer an verschiedenen Austragungsorten der USA statt und ist ebenfalls international sehr bedeutsam. Einzelne Streichinstrumente und die entsprechenden Bögen sowie ganze Quartette können bei der VSA Violin Making Competition eingereicht werden, wobei diese auch in Koproduktion hergestellt worden sein dürfen. Unter den Instrumenten, die es in die jeweilige Endrunde der VSA Competition schaffen, können mehrere Goldmedaillen vergeben werden – sofern die Juroren dies einstimmig beschließen. Die Bewertungskriterien umfassen den künstlerischen Wert, die handwerkliche Ausführung und die Klangqualität. Arbeiten für die Ausgabe von 2014 mussten nach November 2012 fertiggestellt worden sein. Für den Wettbewerb wird in der Regel eine Online-Anmeldung unter  www.vsa.to/conventions-competitions  angeboten. 
 &amp;nbsp; 
  Verwandte Beiträge:  
  Zeitgenössische Geigenbauer  - Die internationale Künstler-Elite 
 Zeitgenössische Meister: Die  Geigenbauer in Cremona  
  Chinesische Geigenbauer  und Geigenbauer aus Taiwan 
  Marcus Klimke : Ein vielfach ausgezeichneter Geigenbauer 
  Christoph Götting : Exzellenz durch Tradition 
  Patrick Robin  - Ein Meister der Kunst und Lehre 
  Stephan von Baehr  und die Architektur der Violine 
  Samuel Zygmuntowicz : Stradivari verstehen 
  Jan Špidlen : Kunst, Innovation – und Sport 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-03-22T17:10:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Mirecourt – Die geräumige Wiege des französischen Geigenbaus</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/mirecourt-die-geraeumige-wiege-des-franzoesischen-geigenbaus</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/mirecourt-die-geraeumige-wiege-des-franzoesischen-geigenbaus"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Mirecourt: Information über französische Geigen und die Geschichte des französischen Geigenbaus
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Geigenbau in Mirecourt: Information über französische Geigenbauer und die Geschichte des französischen Geigenbaus 
 Mirecourt ist eine kleine, westlich der Vogesen gelegene Stadt, die 18. Jahrhundert zu einem Zentrum des  französischen Geigenbaus  von globalem Rang aufstieg. Im Umfeld der großen Manufakturen von J. T. L. (Jérôme Thibouville-Lamy), Laberte und Couesnon blühte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein Ökosystem kleinerer französischer Geigenbauwerkstätten, aus denen manch ein historischer Meister hervorgegangen ist. Heute erinnern das Geigenbaumuseum, die Geigenbauschule École Nationale de Lutherie und einige interessante, traditionell-handwerklich orientierte Werkstätten an die große Geschichte Mirecourts. 
 Franzöischer Geigenbau in Mirecourt 
 
  Mirecourt: Information über französische Geigen und die Geschichte des französischen Geigenbaus  
  Der Aufstieg des Geigenbaus in Mirecourt  
  Berühmte Geigenbauer aus Mirecourt  
 
 &amp;nbsp; 
 Das malerische Ufer des Flusses Madon in Lothringen führt zu den Ursprüngen des  französischen Geigenbaus , und wie alle guten Geschichten verläuft auch diese Spur ins Sagenhafte. Dass die Wiege berühmter französischer Geigen- und Bogenbaumeister in  Mirecourt  stand, bestreitet niemand, wenn auch mehr als fraglich ist, ob diese Wiege schon im frühen 16. Jahrhundert von dem legendären Altmeister „Tywersus“ gezimmert wurde. Anders als etwa im  sächsischen Vogtland  liegen die Anfänge der französischen Geigenherstellung in Mirecourt im historischen Dunkel. Wie so oft soll wohl das behauptete Alter einer Tradition vor allem ihre Größe und Bedeutung unterstreichen, und in der Tat ist Mirecourt die anerkannte Hauptstadt, für viele sogar ein Synonym des Geigenbaus in Frankreich. 
       
 Fig. 2: Mirecourt - Zentrum des französischen Geigenbaus 
 Der Aufstieg des Geigenbaus in Mirecourt 
 Mit strengen Zunftregeln achteten die Mirecourter Geigenbauer ab 1732 auf die Einhaltung hoher Qualitäts-Standards für ihre französischen Geigen, und die in ihren Werkstätten ausgebildeten Lehrlinge waren weit über die Stadtgrenzen hinaus gefragte Gehilfen. Nicht selten gründeten sie bald in anderen Städten, allen voran natürlich Paris, eigene Ateliers, und manch einer kehrte nach erfolgreichen Jahren in der Fremde zurück in die Vogesen. So wirkte der Mirecourter Geigenbau ebenso stark nach außen, wie er Einflüsse anderer Schulen aufnehmen konnte. Stilistisch standen die gefragten italienischen Meister Pate, zunächst mehr die&amp;nbsp; Geigenbauer in Brescia , später mehr der  Geigenbau in Cremona ; wichtige technische Kenntnisse übernahm man aus dem deutschen Geigenbau. 
 Berühmte Geigenbauer aus Mirecourt 
 Unter den berühmten französischen Geigenbauer-Familien, die aus Mirecourt stammen, sind die Namen Vuillaume,  Chanot , Voirin, Bazin und Collin und Bernardel zu nennen. Auch die Familie des „französischen Stradivarius“  Nicolas Lupot  hat ihre Wurzeln in Mirecourt. Dass man auf die große Handwerkstradition stolz war, mag durch die geringe Zahl gefälschter Geigenzettel in  französischen Geigen  belegt werden.     &amp;nbsp;gab zwar oft Paris als Herkunftsort an, zeichnete aber nicht mit falschen italienischen Namen, wie es an anderen Orten üblich war. Gewisse Unsicherheiten ergeben sich allein aus dem Umstand, dass die Zettel und Brandstempel der Werkstattgründer von ihren Nachfolgern in der Regel weiterverwendet wurden – kein Schmücken mit fremden Federn, eher ein stolzer Verweis auf die Tradition, in der sich die jungen Geigenbauer sahen.&amp;nbsp; 
 Der Mirecourter Geigenbauer&amp;nbsp; Didier Nicolas (1757-1833)  gilt als Begründer der fabrikmäßigen Herstellung von französischen Geigen in Mirecourt, die den Instrumentenbau zum bis heute bestimmenden Wirtschaftszweig der Stadt werden ließ. Mit der  École Nationale de Lutherie  ist Mirecourt das wichtigste Ausbildungszentrum französischer Geigenbauer. Über die Geschichte des Geigen- und Bogenbaus informiert das sehenswerte  musée de la lutherie et de l‘archèterie françaises . 
 &amp;nbsp; 
  Verwandte Beiträge:  
 Die Ära der  Manufakturen von Mirecourt  
 Zeitgenössische  Geigenbauer in Mirecourt  
  jean-Baptiste Vuillaume  - Notizen zu Leben und Werk 
  Jérôme Thibouville-Lamy  - J. T. L. 
 Die Unternehmen der Familie  Laberte  
  Bazin : Der große Name des Bogenbaus von Mirecourt 
  Morizot, père et frères : Die kurze Geschichte einer großen Mirecourter Bogenbauer-Familie 
 &amp;nbsp; 
  Weiterführende Links:  
  Französische Geigen - Online-Katalog  
  Bibliothek - Textsammlung zu Meistern, Instrumenten und zur Geigenbaugeschichte  
  Meistergeigen, alte und zeitgenössische Streichinstrumente  
  Link zum Medium  
 &amp;nbsp; 
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-03-22T16:36:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
    
        <entry>
            <title type="text">Markneukirchen: Geigenbau im „Cremoneser“ Vogtland</title>
            <id>https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/markneukirchen-geigenbau-im-cremoneser-vogtland</id>
            <link href="https://www.corilon.com/ch/bibliothek/orte-und-regionen/markneukirchen-geigenbau-im-cremoneser-vogtland"/>
            <summary type="html">
                <![CDATA[
                
                                            Markneukirchen oder „Deutsch-Cremona“: Geigenbau in Markneukirchen, Geschichte des vogtländischen Geigenbaus, Markneukirchener Geigenbauer, Handwerkliche Tradition und Globalisierung
                                        ]]>
            </summary>
            <content type="html">
                <![CDATA[
                 Markneukirchen oder „Deutsch-Cremona“: Einführung in die Geschichte des deutschen vogtländischen Geigenbaus 
 Markneukirchen: Geigenbau zwischen Handwerk und Handel 
  Markneukirchen ist eine Stadt im sächsischen Erzgebirge, nahe der Grenze zu Tschechien. Jahrhundertelang war sie die inoffizielle Hauptstadt des „sächsisch-böhmischen Musikwinkels“, einer der Schwerpunkte des Musikinstrumentenbaus in Europa. Nach einem enormen industriellen Aufschwung im 19. Jahrhundert fand der Geigenbau in Markneukirchen zu seinen handwerklichen Wurzeln zurück und wird heute durch kleine, traditionell orientierte Werkstätten, das sehenswerte Markneukirchener Geigenbau-Museum und eine Fachhochschule für Musikinstrumentenbau repräsentiert.  
 Mit kräftigem Lokalpatriotismus und gesundem Selbstbewusstsein ließ der Markneukirchener Geigenbauer Ludwig Gläsel jr. (1842-1931) „Deutsch-Cremona“ auf seine Geigenzettel drucken.  Ludwig Gläsel jr.  gilt als einer der besten und erfolgreichsten vogtländischen Meister seiner Zeit, der sich zudem mit mehreren Veröffentlichungen um die Geigenbaugeschichte verdient gemacht hat. Einem, der wie er zu einer alteingesessenen und weitverzweigten Geigenmacher-Familie gehörte, stand jener verwegene Stolz also auch zu, der Markneukirchen als die Hauptstadt des Musikwinkels an der sächsisch-böhmischen Grenze in die Nähe des legendären  Cremona  rückte. 
   
 Oder war vielleicht doch auch ein Augenzwinkern dabei? Immerhin genoss Markneukirchen während der rund 350 Jahre, in denen hier Musikinstrumente gebaut wurden, nicht immer einen makellosen Ruf. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts sah sich etwa Carl Wilhelm Heber veranlasst, in einer seiner Geigen einen zusätzlichen Zettel anzubringen:&amp;nbsp; 
   Viel falsches nachgemacht,   Sich da und dort schleicht ein,   Drum sieh mein Petschaft an   Willst nicht betrogen seyn.   
 Wer sich mit  alten Geigen  befasst, kennt die falschen Papiere gut, die von italienischer Provenienz und berühmten – oder wenigstens berühmt klingenden – Namen künden. Im „ Musicon Valley “, wie man die Region um Markneukirchen heute auch nennt, kannte man die Geduldigkeit des Papiers und die Bedürfnisse des Marktes gut, und nicht wenige Geigen offenbaren ihre sächsische Herkunft erst dem geschulten Auge. Gründe, auf die eigene Geigenbautradition stolz zu sein, gibt es für die Markneukirchener aber genug. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts beginnt die  Geschichte des vogtländischen Geigenbaus , und wie im benachbarten Klingenthal waren es protestantische Auswanderer aus dem nahen,  böhmischen Kraslice (Graslitz) , die mit dem Geigenbau einen wichtigen neuen Wirtschaftszweig nach Markneukirchen brachten. 
 Der Geigenbau in Markneukirchen: Handwerkliche Tradition und Globalisierung 
 Am 6. März 1677 bestätigte Herzog Moritz von Sachsen die Gründung der ersten Geigenbauer-Innung von  Markneukirchen , zu der sich zwölf ins Vogtland eingewanderte böhmische Exulanten zusammengeschlossen hatten (siehe  Klingenthal – Die Anfänge des Geigenbaus ). Um die Qualität und Integrität der neuen Geigenproduktion zu gewährleisten, stellte die Innung strenge Regeln auf: Bewerber mussten aufwändige Meistergeigen präsentieren, hohe Aufnahmebeiträge entrichten und einen Fürsprecher gewinnen, der ihre Bewerbung unterstützte. Ein um so bedeutenderes Datum ist das Jahr 1713, in dem erstmals ein „Nichtgelernter“ Aufnahme fand: der Händler  Johann Elias Pfretzschner.  Zuvor hatten die Meister persönlich Märkte, Messen und Kunden besucht, zum Teil über sehr weite Entfernungen. 
  Die nun beginnende „Professionalisierung“ des Handels sollte sich als Segen und Fluch zugleich erweisen: Einerseits sorgte sie für den weltweiten Markterfolg vogtländischer Streichinstrumente; andererseits war damit der Niedergang des handwerklichen Geigenbaus verbunden, der mehr und mehr arbeitsteiligen, ja industriellen Produktionsformen wich. Schon 1719 nahm die Markneukirchener Innung einen spezialisierten Wirbeldrechsler auf, bald gab es eigene Werkstätten der Halsschnitzer, Decken- und Bodenmacher, bis schließlich unzählige Heimarbeiter die Vorarbeiten für die wenigen verbliebenen Meisterbetriebe leisteten. Diese nannten sich nicht selten „Fabrik“ und fügten die Einzelteile nach den Vorgaben der zu beachtlicher Größe gewachsenen Handelshäuser zusammen, den Anforderungen eines globalisierten Musikinstrumentenmarktes entsprechend, der nach billiger Ware in großen Stückzahlen verlangte. 
 Um 1800 fertigte der Geigenbau in Markneukirchen mit etwa 80 Betrieben rund 18.000 Geigen jährlich. Sie orientierten sich immer mehr an den gefragten italienischen Vorbildern und verließen die eigene, böhmisch-sächsische Tradition. Um die Wende zum 20. Jahrhundert galt Markneukirchen als eine der  reichsten Städte Deutschlands , in der sogar ein eigenes U.S.-Generalkonsulat bestand. Die Schattenseite des Profits war aber die soziale Not der vielen abhängigen, kleineren Geigenbauer, Meister, ihrer Familien und Gesellen. Richtig ist dennoch, dass das Vogtland – der ökonomischen Großwetterlage zum Trotz – stets herausragende Geigenbauer hervorgebracht hat, die eigenständige, wertvolle Instrumente schufen. Einige wichtige Meister und Geigenbauer-Familien stellen wir im folgenden Kapitel vor. 
 Wichtige Geigenbauer-Familien aus Markneukirchen 
 Der vogtländische Geigenbau ist nicht mit der großen Zahl billiger Instrumente gleichzusetzen, die im 18. und 19. Jahrhundert in alle Welt verkauft wurden. Markneukirchen war Herkunftsort und Ausbildungsstätte vieler internationaler Geigenbauer und Geigenbaumeister, die z. B. in den U.S.A., Russland und verschiedenen europäischen Metropolen wirkten. Qualität und Innovationskraft zeichneten aber auch viele Geigenbauer aus, die in ihrer Heimat geblieben waren. 
 
  Heberlein  
  Hamm  
  Roth  
 
 Heberlein 
 Zu den wichtigsten Geigenbauer-Familien Markneukirchens gehört die Familie Heberlein, die sich international einen sehr guten Namen erworben hat. Ihr bekanntestes Mitglied ist  Heinrich Theodor Heberlein  jr. (1843-1910), der für die sehr gute Qualität seiner Streichinstrumente bekannt war und vielfach ausgezeichnet wurde, u. a. als Ritter des Sächsischen Albrechtsordens. Johann Gottlob Heberlein (1782-1856) war ein guter Geiger und experimentierfreudiger Geigenbauer, der 1813 gemeinsam mit einem Blasinstrumenten-Macher eine Geige aus Messing herstellte – ein interessantes, „interdisziplinäres“ Detail der Markneukirchener Instrumentenbau-Geschichte! 
 Hamm 
 Auch  Johann Gottfried Hamm  (1744-1817) gehörte zu einer weitverzweigten Markneukirchener Geigenbauer-Familie, und war einer der wenigen, die mit ihren gefälschten italienischen Zetteln Erfolg hatten. Seine sorgfältigen Arbeiten, besonders die zum Teil mit einem Elfenbeinrand versehenen Einlagen, wurden tatsächlich oft italienischen Schulen zugeschrieben. 
 Roth 
 Für die industrielle und gleichwohl qualitätsbewusste Markneukirchener Geigenproduktion steht der Name der Familie Roth.  Gustav Robert Roth  (*1852) lernte in der berühmten Leipziger Werkstatt von  Ludwig Christian August Bausch  und gründete 1873 seine Streichinstrumentenfabrik, die er ab 1900 gemeinsam mit seinem Sohn  Ernst Heinrich Roth  (1877-1948) führte. Ernst Heinrich war ein hervorragender Geigenbauer, der seine Kunst auf ausgedehnten Reisen durch Europa perfektioniert hatte. Ein weiteres Mitglied der Familie, Otto Roth, fertigte für das Orchester der Oper in Chicago ein wahres Kuriosum: eine Riesenbassgeige mit 2,10 m Korpuslänge und einer Gesamthöhe von 4,20 m. Weitere Informationen zur Geschichte der Familie Roth bietet die  Website der bis heute bestehenden Firma . 
 &amp;nbsp; 
  Verwandte Beiträge:  
 Zur  Geschichte des westböhmischen Geigenbaus  
  Hopf:  eine vogtländische Geigenmacher-Dynastie 
  Geigenbau im grenzübergreifenden westböhmisch-vogtländischen Wirtschaftsraum  
  Klingenthal: Die Anfänge des Geigenbaus  
  Die Bogenbauer von Markneukirchen  
 Zeitgenössische  Geigenbauer in Cremona  
 Originally published by Corilon violins. 
                ]]>
            </content>

                            <updated>2019-03-22T16:35:00+01:00</updated>
                    </entry>

    
</feed>
