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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Amati – eine Familie erfindet die Geige

Die Geigenbauer-Dynastie Amati dominierte mehr als 100 Jahre lang den Bau von Streichinstrumenten in Cremona und leistete die entscheidende Beiträge zur Entstehung des modernen Violinmodells – im Zusammenspiel mit Antonio Stradivari, der auf dem familiären Gesamtwerk der Amatis aufbaute und Form und Konstruktionsprinzipien der Geige zu ihrer bis heute gültigen Definition vollendete.

 

Andrea Amati und die „Erfindung“ der modernen Violine

Andrea Amati wurde um 1505 geboren und gehörte wahrscheinlich nicht einer gleichnamigen Patrizier-Familie an, als deren Sohn ihn die frühere Geigenbauforschung sah. Unsicher ist daher auch, ob Amati tatsächlich bereits als junger Meister über die finanziellen Mittel verfügte, erstklassige Hölzer aus Venedig zu beziehen, was die rasche Etablierung seiner Werkstatt zum Teil erklären könnte. Wahrscheinlich profitierte Amati schlicht von der rasanten Entwicklung, die die Musikkultur im Italien der Renaissance nahm, und traf mit Qualität und Stil seiner Instrumente offenbar die Interessen einer zahlungskräftigen Oberschicht sowie kirchlicher Würdenträger und Institutionen, die kräftig in ihre künstlerische Repräsentation investierten.

Zu den richtigen Entscheidungen Amatis dürfte in diesem Kontext die entschiedene Konzentration auf den Bau von Streichinstrumenten gehören, die ihm von seiner Ausbildung bei Giovanni Liunardo da Martinengo her wohl kaum in die handwerkliche Wiege gelegt war. Wie die Geigenbauer seiner Epoche – und der größte Teil der folgenden Generationen – hat auch Amati sicher zunächst und vor allem die Kunst des Zupfinstrumentenbaus erlernt, sich dann aber mit beispielloser Konsequenz auf die Geigenfamilie konzentriert, mit deren Ausformulierung er in der Tat Musikgeschichte geschrieben hat.

Spezifika der Geigen von Andrea Amati

Andrea Amati gilt landläufig als der „Erfinder“ der Violine, dessen historische Leistung aber – wie bei den meisten großen Entdeckungen der Menschheitsgeschichte – keineswegs in einem luftleeren Raum zustande gekommen ist. Vielmehr gelangen ihm entscheidende Innovationen zeitgenössischer Geigenmodelle, die baulich noch im gerade zu Ende gegangenen Spätmittelalter wurzelten und sich um die Wende zur Neuzeit – wie so viele Elemente der europäischen Kultur – in stetiger Veränderung befanden.

Wegweisend und mutig war dabei die Veränderung der Stegposition, die Amati höher, näher am Griffbrett fasste, und damit die schwingende Länge der Saiten im Unterschied zu den älteren Viola-da-Braccio-Modellen verringerte. Indem er zugleich die F-Löcher nach unten versetzte und ihre Form veränderte, schuf er wichtige und unmittelbar auffallende Determinanten des neuen Violintyps, zu denen auch die wahrscheinlich auf Amati zurückgehende Standardform der Schnecke gehört. Noch wichtiger für die klanglichen Eigenschaften der Geige war aber eine als solche nicht sichtbare, handwerkliche Innovation, denn offenbar übernahm Amati Konstruktionsprinzipien aus dem Lautenbau, und realisierte durch die Anwendung einer Innenform wesentlich dünnere Wandstärken und kleinere Leimflächen – wodurch sich das Schwingungsverhalten des gesamten Korpus erheblich verbesserte.

So spielte mit größter Wahrscheinlichkeit der klangliche Qualitätssprung, der mit dem Schaffen Andrea Amatis verbunden ist, die wichtigste Rolle für den enormen Erfolg seiner Werkstatt. Amati-Geigen waren ihrer Zeit gerade in musikalischer Hinsicht weit voraus, gab es in dieser Phase der Musikgeschichte doch noch keine Solo-Literatur, die ihre Möglichkeiten insbesondere im Spiel über alle greifbaren Lagen ausgeschöpft hätten.

Der internationale Erfolg der Amati-Violine verdankt sich dementsprechend wohl nicht zuletzt den Musikern, die das Werk Amatis in Cremona kennenlernten und mit ihren Engagements in alle Länder trugen. Ob die legendäre Großbestellung reich verzierter Instrumente für das Orchester Jean-Baptiste Lullys am französischen Königshof, die über Catherina de Medici zustande gekommen sein soll, tatsächlich ausgeführt wurde, mag dabei der wissenschaftlichen Diskussion überlassen bleiben. Unbestritten ist der historische Einfluss, den Amati mit seinem Werk auf sämtliche folgenden Geigenbauer-Generationen ausgeübt hat.

Antonio und Girolamo Amati: Die „Brüder Amati“

Zu den ersten Nachfolgern Andrea Amatis gehören natürlicherweise seine beiden Söhne Antonio und Girolamo Amati, die das Geigenmodell ihres Vaters zur Vollendung weiterentwickelt haben. Wie Andrea haben sich auch die Brüder, die ihre Instrumente mit einem gemeinsamen Zettel kennzeichneten, wohl ausschließlich auf den Bau von Streichinstrumenten konzentriert.

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1577 zeigte sich, dass ihm die Söhne in Sachen Experimentierfreude und Kreativität vollkommen ebenbürtig waren, und so gelangen ihnen signifikante Verbesserungen des Amati-Modells in allen zentralen Aspekten. Neben der Randeinlage und einer Harmonisierung des Umrisses sind besonders die schmaler gehaltenen F-Löcher und eine klangliche Optimierung des Wölbungskonzepts hervorzuheben; durch eine im Vergleich zum väterlichen Vorbild entschiedener ausgeführte Hohlkehle erreichten sie nicht nur eine Verbesserung der Ästhetik, sondern auch eine Erhöhung der Deckenspannung, die viel zu der leichteren Ansprache und klanglichen Attraktivität ihrer Arbeiten beigetragen hat. Zu ihren bleibenden historischen Leistungen gehört nicht zuletzt die Durchsetzung der kleineren Bratschenform, die Stradivari unmittelbar aufgegriffen und zum bis heute gültigen Standard gemacht hat.

Wie fast jede nicht-adelige Biographie dieser Zeit weist auch die Lebensgeschichte der Brüder Amati einige ungelöste Rätsel auf, unter denen der Verkauf von Antonios Werkstattanteil an Girolamo wohl das größte darstellt. Er ist für das Jahr 1588 belegt, also nur 11 Jahre nach dem Tod von Andrea Amati, hatte aber keine im Rückblick erkennbaren Auswirkungen auf die gemeinsame Arbeit, die scheinbar unbeeindruckt weiterging; einschließlich der gemeinsamen Geigenzettel, die weit über Antonios Tod im Jahr 1607 hinaus bis 1630 Verwendung fanden – dem Jahr, in dem Girolamo der Pest zum Opfer fiel.

Nicolò Amati

Obwohl der Erfolg der Werkstatt von Antonio und Girolamo Amati die besten Voraussetzungen für jeden Nachfolger geschaffen hatte – zumal wenn er wie Girolamos Sohn Nicolò den Geigenbau von Kindesbeinen an in dem führenden italienischen Geigenbauatelier erlernt hatte – fand sich dieser 34 Jahre alte Meister nach dem unerwarteten Tod seines Vaters in einer schwierigen Situation wieder. Hungersnöte und Pestepidemien hatten Oberitalien zugesetzt, und nachdem 1632 auch Maggini in Brescia der Krankheit erlegen war, führte Nicolò die einzige erstklassige Geigenbauwerkstatt Italiens. Es ist nicht im Detail bekannt, wie er diese Lage meisterte, die aller Wahrscheinlichkeit nach von chronischem Personalmangel und hoher Überforderung gekennzeichnet war – doch fällt auf, dass aus den ersten zehn Jahren kaum neue Instrumente erhalten sind.

Allen Widrigkeiten zum Trotz hat Nicolò Amati diese Zeit für eine grundlegende Neuorientierung genutzt, ganz in der Tradition seiner Familie, die die Leistung der vorherigen Generation an biographische Zäsuren rekapitulierte und wichtige Verbesserungen an dem jeweils aktuellen Amati-Modell vornahm. Während er also zwischen 1630 und 1640 noch Instrumente im Stil seines Vaters baute und sie dementsprechend auch mit dessen Zettel versah, schuf Nicolò parallel die Grundlage für eine „neue Amati“, der für die Geigenbaugeschichte ähnlich große Bedeutung zukommt wie dem innovativen Akt seines Großvaters.

Das „große Amatimodell“ von Nicolò Amati

Diese grundlegende Reformulierung des von Andrea Amati entworfenen Geigenmodells war die Basis für den anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg, der die Werkstatt von Nicolò Amati aus der Krise führte – und die unmittelbare Vorlage für die folgenden Werke der Cremoneser Schule.

Die konstruktive Verbesserung bestand dabei vor allem in einer niedrigeren Interpretation der Wölbung und einer weiteren Erhöhung der Deckenspannung, die Nicolò erreichte, in dem er die Hohlkehle – eine der wichtigsten Innovationen seines Vaters und Onkels – noch tiefer ausarbeitete. Im Zusammenspiel mit höheren Zargen erreichte er einen neuen Violinklang, der den Anforderungen der zeitgenössischen Aufführungspraxis mit mehreren Chören und umfangreichen Orchestern entsprach.

Auch als Lehrer hat sich Nicolò Amati historische Verdienste erworben und ist der Meister, dem die großen Namen der Cremoneser Schule ihre Ausbildung und Inspiration verdanken; und wenn auch meist direkte Belege für ihre Lehrzeit in seiner Werkstatt fehlen, steht der prägende Einfluss Nicolò Amatis auf Francesco Ruggeri, Andrea Guarneri und Antonio Stradivari doch außer Frage. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass er damit jene harte Konkurrenzsituation in Cremona geschaffen hat, die seinem Sohn und Schüler Girolamo II Amati das Leben schwer machen sollte und letztendlich dazu beitrug, dass mit ihm der Stern der Amati-Familie im 17. Jahrhundert zu sinken begann.

Neuzugänge in unserem Katalog
  • Hübsche alte Französische Geige von Laberte, Mirecourt
  • Alte Sächsische Geige um 1890
  • Feine, wahrscheinlich Wiener Meistergeige um 1820
  • Moderne Italienische Bratsche, Guido Trotta, Cremona, 1993
  • Luigi Vistoli, italienische Geige gebaut 1943 (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Hochwertige tschechische Meistergeige von Ladislav Prokop, 1941
  • SALE Zeitgenössische italienische Meistergeige, Nicola Vendrame, Venedig
  • Antike Violine, Schuster & Co., Markneukirchen 1916
  • Antike Geige aus Sachsen. Nach Jacobus Stainer, um 1920
  • Feine antike Mittenwalder Violine, um 1880
  • Antike Französische Geige. gebaut um 1880
  • Interessante englische Geige von Jeffery James Gilbert, 1886 Nr. 47
  • Deutsche Violine nach Stradivari, Markneukirchen um 1940
  • SALE Feine Barockgeige, im Originalzustand - um 1800
  • SALE Violine von J.T.L., um 1900
  • Feine Violine von Joseph Laurent Mast, Toulouse, 1823
  • Interessante, wahrscheinlich englische Meistergeige. Um 1800
  • SALE Feine italienische Violine aus der Liuteria Luigi Mozzani 1921, No 47
  • SALE Moderne Italienische Geige von Loris Lanini, 1927 (Zertifikat Machold)
  • SALE Deutsche Meistergeige von Wenzl Fuchs, Erlangen
  • Meistergeige von Joseph Kantuscher 1973, op. 308
  • Charles Alfred Bazin, französischer Geigenbogen um 1955 (Zertifikat J.-F. Raffin)
  • Feine italienische Bratsche, Mario Bedocchi 1922 (Zertifikat Eric Blot)
  • Italienische Geige, Romedio Muncher, Cremona 1929