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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


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Grenzgänger: Zur Geschichte des westböhmischen Geigenbaus


Die Entstehung des westböhmischen Geigenbaus und der erste Schnitt durch die Auswanderung der protestantischen Geigenbauer im 17. Jahrhundert


Die Geschichte des Geigenbaus im Nordwesten Böhmens ist eine Grenzgeschichte, eine Erzählung von Migration,
Vertreibung – und von der grenzüberschreitenden Kraft der Kunst. Ihre Anfänge reichen vielleicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, das Zeitalter des Bergbaus, in dem Städte wie Graslitz (Kraslice) und Schönbach (Luby) ihre erste Blütezeit erlebten. Wurden die ersten westböhmischen Geigen von Bergleuten gebaut, die, in familiärer Heimarbeit, ihr schmales Einkommen aufzubessern suchten oder Instrumente für den eigenen Bedarf fertigten? Die ersten greifbaren Spuren weisen in eine andere Richtung und lassen vermuten, dass der Musikinstrumentenbau im böhmisch-sächsischen Grenzgebiet früh auf einer „professionellen“ Grundlage betrieben wurde. Schon im Jahr 1610 finden sich Hinweise auf einen „Maler und Instrumentisten“ Johannes Artus in Graslitz, der vermutlich ein zugewanderter Instrumentenbauer war. Die Ehre, der früheste sicher belegte Geigenbauer von Graslitz zu sein, kommt aber dem Bergmannssohn Melchior Lorenz zu, dessen Heirat im Jahr 1631 dokumentiert ist.

Dennoch: Historisches Profil gewinnt der westböhmische Geigenbau erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als Graslitzer und Schönbacher Exulanten der Gegenreformation weichen mussten und ihre Kunst ins nahe Klingenthal und Markneukirchen brachten. Mit ihrer Ansiedlung im protestantischen Sachsen werden die Namen der Schönbacher und Graslitzer Geigenbauerfamilien bekannt, deren frühere Geschichte wegen des Schönbacher Stadtbrands von 1739, der auch die Kirchen- und Stadtarchive vernichtete, kaum dokumentiert ist.


Wie es scheint, brachte die Auswanderung der Protestanten den Geigenbau auf der böhmischen Seite der Grenze zunächst praktisch zum Erliegen. Dem gegenüber profitierten die Vogtländer vom Aufschwung Sachsens im 18. Jahrhundert, und insbesondere in Markneukirchen entwickelte sich früh ein sehr gut funktionierendes Absatzsystem. So stand der Geigenbau, der in den 1720er Jahren in Schönbach und in den 1770er Jahren in Graslitz neu Einzug hielt, von Anfang an im Einflussbereich der Händler und „Verleger“ jenseits der Grenze, um deren Absatzkapazitäten die böhmischen mit den sächsischen Geigenbauern konkurrierten. Die erzwungene Auswanderung der Protestanten hatte nach kaum 100 Jahren einen böhmisch-sächsischen Wirtschaftsraum geschaffen – eine erstaunliche Volte der Geschichte.



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