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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Der zweite Schnitt: Zur jüngeren Geschichte des westböhmischen Geigenbaus


Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus Schönbach und Graslitz: Ein Déjà-vu der Geigenbaugeschichte


Nachdem die Weltwirtschaftskrise der exportorientierten Musikinstrumentenproduktion bereits schwere Schäden zugefügt hatte, setzte ihr die nationalsozialistische Autarkiepolitik weiter zu. 1939 wurde die Gründung einer „Vereinigung der vogtländischen und sudetendeutschen Saiteninstrumentenhersteller“ angeordnet, ein Zwangskartell, das die letzte grenzübergreifende Ordnung des Musikwinkels darstellen sollte, bevor der Zweite Weltkrieg die rund zweihundertjährige Geschichte des böhmisch-sächsischen Geigenbaus beendete. Nach dem Krieg wurden rund 12.000 Deutsche aus der Region vertrieben und nahmen – eine Art historisches Déjà-vu – ihre Kunst mit.


Wie im Zeitalter der Gegenreformation führte ihre Deportation dazu, dass im nahen Ausland ein neues Zentrum der Musikinstrumenten-Produktion entstand: Nachdem der Versuch einer gemeinsamen Ansiedlung in Mittenwald am entschiedenen Widerstand der einheimischen Geigenbauer gescheitert war, fand die Mehrheit der Schönbacher 1949 schließlich in Bubenreuth eine neue Heimat. Sie verwandelten das fränkische Städtchen in einen schnell aufblühenden Ort der Musik; bald kamen auch ehemalige Markneukirchener Meister und Händler hinzu, die in der DDR keine unternehmerische Perspektive mehr hatten.


Schönbach, nunmehr Luby, blieb trotz dieses zweiten historischen Aderlasses eine Stadt des Instrumentenbaus und entwickelte sich nun unabhängig von Markneukirchen; das historische Band über die Grenze hinweg war zerrissen. Zu den wenigen in Luby verbliebenen deutschen Geigenbauern kamen Fachkräfte aus anderen Orten der Tschechoslowakei hinzu. Sie arbeiteten vor allem für die Produktivgenossenschaft „Cremona“, aus der nach der samtenen Revolution die „Strunal AG“ entstand. Manche der heutigen Geigenbauer von Luby leiten den neuen Namen der Stadt von „luba“ ab, dem tschechischen Wort für „Zarge“; und warum sollte Luby mit seiner bewegten Geschichte nicht die – vermutlich einzige – Stadt sein, die den Geigenbau buchstäblich im Namen führt?


Lektüre-Tipp: Kurt Kauert, Vogtländisch-westböhmischer Geigenbau in fünf Jahrhunderten. Entstehung – Standorte – Strukturen. Verlag der Kunst, Dresden 2006. 156 Seiten, zahlreiche Abbildungen. ISBN 978-3-86530-079-9.



Neuzugänge in unserem Katalog
  • Christoph Götting, zeitgenössische Elite-Meistergeige
  • NEUE KLANGPROBE: Zeitgenössische Italienische Meistergeige, Virgilio Cremonini, 2012
  • NEUE KLANGPROBE: Zeitgenössische Italienische Geige, Gianni Norcia, Bologna
  • Nicolò Gagliano, 1762: Feine Neapolitanische Violine (Zertifikat J. & A. Beare)
  • Charles Nicolas Bazin: feiner, kraftvoller französischer Cellobogen (Zertifikat J.-F. Raffin)
  • Lothar Seifert, kräftiger Meisterbogen, Violine, Silber
  • Englische Meistergeige Nr. 50 von George Hudson
  • Alte Tschechische Violine in italienischem Stil, Böhmen, um 1900
  • 3/4 - deutsche Schülergeige, Sachsen, 1950er Jahre
  • Sehr gute Schönbacher Bratsche von F. Fischer, 1935
  • Alte Französische Violine, J.T.L. - Jerome Thibouville-Lamy
  • Deutsche Geige von Meinel & Herold, "Künstlervioline Nr. "20", Modell Guarneri
  • Interessante moderne Violine von Beare & Son, Beijing 1995
  • Albert Nürnberger: Kraftvoller, silbermontierter Geigenbogen
  • Giulio Cesare Gigli, feine italienische Geige um 1760 (Zertifikat Etienne Vatelot)
  • MIETEN: Feine Italienische Violine, Giuseppe Marconcini, Ferrara
  • MIETEN: Italienische Geige, 19. Jahrhundert, Luigi Cardi, Verona (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Raffaele Calace, italienische Geige, Neapel, 1916 (Zertifikat Eric Blot)
  • Georg II Carl Klotz: reife Mittenwalder Violine um 1780 (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Jean-Joseph Honoré Derazey: feine Französische Violine (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Prachtvolle französische Violine, François Caussin, Neufchateau um 1850 (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Feine Violine, Thir /-Umfeld, um 1750 (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Franco Albanelli, 1991: Zeitgenössische italienische Geige (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Italienische Geige, Anfang 20. Jahrhundert