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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


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Cremona: Die lombardische Urgeschichte des Geigenbaus

Geigenbauer


Cremona: Die frühe Vollendung des Geigenbaus in seiner klassischen Cremoneser Phase


Unter den frühen Stätten des klassischen italienischen Geigenbaus, dessen erste Anfänge wohl nie ganz erforscht werden können, kommt Cremona eine besondere Stellung zu. Dafür ist weniger das hohe Alter der handwerklichen Tradition verantwortlich, die andernorts auf eine ähnlich lange – wenn nicht längere – Geschichte zurückblicken kann. Den Rang Cremonas begründen vielmehr die frühe Vollendung und die beständige normative Kraft, die der italienische Geigenbau in der lombardischen Stadt gefunden hat. Ihre lokale Handwerksgeschichte ist Teil der Urgeschichte des Geigenbaus, dessen Lehre stets mit dem nachahmenden Studium der klassischen Cremoneser Geigen und Meisterwerke beginnt: Die handwerklichen und künstlerischen Standards, die die Meistergeigen von Nicolo Amati, Antonio Stradivari und Joseph Guarneri del Gesù in den rund 150 Jahren ihres Wirkens formulierten, gelten bis heute ungebrochen.

Zeitgenössische Cremoneser Meistergeige, Daniele Scolari

Cremoneser Meistergeige, Daniele Scolari, 2003

Herkunft: Cremona
Erbauer: D. Scolari
Bodenlänge: 35,3 cm
Jahr: 2003

Roberto Zeliani Violine, Cremona - Decke

Italienische Geige von Roberto Zeliani, Cremona

Herkunft: Cremona
Erbauer: Roberto Zeliani
Bodenlänge: 35,6 cm
Jahr: 1972

Am Anfang jener Reifezeit steht Nicolo Amati aus Cremona (1596-1684), dessen Geigenmodell für seine Größe und die charakteristische, hohe Wölbung der Decke bekannt ist. Mit ihm erreichte Amati einen großen, doch lieblichen Klang, durch den sich Geigen aus Cremona erstmals gegenüber der da Salo- und Maggini-Schule von Bresica auszeichneten. Sein größter Schüler Antonio Stradivari (1648/49-1737) folgte ein halbes Berufsleben lang den Spuren seines Meisters, bevor er seine kleinere und niedriger gewölbte, kräftiger klingende Violine entwickelte. Sie setzte sich als Muster unzähliger Nachbauten um so mehr durch, je größer die Ansprüche des solistischen Spiels im Laufe der Musikgeschichte wurden. Doch auch angesichts der späteren Dominanz des Stradivari-Modells ist die Amati-Violine keineswegs nur ein überholter Vorläufer; sie blieb über die Jahrhunderte ein gültiger, oft nachgeahmter Entwurf und erweiterte die künstlerischen Aktionsräume aller nachfolgenden Geigenbauer Generationen.

Die interessanteste Gestalt unter den großen Meistern des Geigenbaus in Cremona dürfte aber Joseph Guarnerius del Gesù (1698-1744) sein, aus dessen kurzem, legendenumranktem Leben nur das schmale Œuvre von weniger als 200 Violinen erhalten ist. Guarneris Instrumente fallen gegenüber der konstanten Perfektion der Stradivari-Werkstatt durch manche handwerkliche Unzulänglichkeit auf; es scheint, dass del Gesù radikal und kompromisslos das Ideal eines großen Klanges verfolgte, für den er ästhetische „Nebensächlichkeiten“ gern vernachlässigte. Seine Werke indes geben ihm recht und wirken auf überaus interessanten Wegen bis in die Gegenwart, wie zum Beispiel die bevorzugte Guarneri Nicolo Paganinis, die der legendäre Solist respektvoll „Il Cannone“ nannte. Sie wurde von dem großen Jean Baptiste Vuillaume mehrfach nachgebaut und wird heute – in Gestalt einer dieser Kopien – von der jungen Virtuosin Hilary Hahn gespielt.



Neuzugänge in unserem Katalog
  • Kräftiger, aktiver Geigenbogen von Karl Heinz Richter - Silber
  • Rogert François Lotte, feiner französischer Geigenbogen
  • Französischer Geigenbogen, wahrscheinlich J.T.L., um 1920
  • Sehr feiner Französischer Bratschenbogen, Pierre Testa, Paris (Neubau)
  • Feine antike Mittenwalder Violine, Neuner & Hornsteiner, um 1870
  • Kräftiger deutscher Geigenbogen, Richard Geipel
  • Feine italienische Bratsche von Marcello Martinenghi, 1949 (Zertifikat Eric Blot)
  • Moderne Markneukirchener Geige, kunsthandwerklicher Geigenbau, 1992
  • Jacques Camurat: französische Meistergeige aus Paris, 1958
  • Albert Nürnberger: Kraftvoller, silbermontierter Geigenbogen
  • Französische Meistergeige No. 34 von Paul Hilaire, 1950
  • Aus dem Nachlass von Prof. Günter Szkokan: Feine Wiener Bratsche von Ferdinand Kugler, 1973
  • Hübsche alte Böhmische Geige, um 1930
  • Feine Französische Violine, Andre Coinus, 1927
  • Antike Mittenwalder Geige um 1910, aus dem Lager Eugen Gärtner
  • Luigi Lanaro, moderne italienische Geige, 1975 (Zertifikat Eric Blot)
  • Jean-Joseph Honoré Derazey: Französische Violine (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Zeitgenössische Italienische Meistergeige, Virgilio Cremonini, 2012
  • Italienische Violine von Francesco Cossu, 1979
  • Ältere Italienische Geige mit goldenem Klang, 1970er Jahre
  • Giuseppe Lucci, feine Italienische Bratsche, Rom 1967 (Zertifikat Eric Blot)
  • Moderne Italienische Geige, Piero Virdis, 2002 (Zertifikat Piero Virdis)
  • 3/4 - Deutsche 3/4 Meistergeige, gebaut 1950, A. Frisch
  • Dekorierte antike deutsche Klingenthaler Geige um 1850