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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


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H. R. Pfretzschner – eine biographische Skizze



Hermann Richard Pfretzschner und der französische Stil im deutschen Streichbogenbau – Notizen zu Leben und Werk des bedeutenden Meisters und erfolgreichen Unternehmers


Zu den historischen Persönlichkeiten, die der Musikinstrumentenbau in Markneukirchen hervorgebracht hat, gehört an vorderer Stelle der Bogenmacher und Unternehmer Hermann Richard Pfretzschner. Als Wegbereiter des französischen Streichbogenbaus in Deutschland hat H. R. Pfretzschner neue Standards seiner Kunst gesetzt, und seine Lebensgeschichte erzählt vom beispiellosen Aufstieg eines jungen Talents aus den bescheidenen Verhältnissen eines kleinen sächsischen Handwerksbetriebes.In der Werkstatt seines Vaters Carl Richard Pfretzschner erlernte Hermann Richard Pfretzschner die Grundbegriffe des Bogenbaus, einem Familienbetrieb, der nicht zu den ersten Adressen dieses Handwerks im Vogtland gehörte und vor allem einfachere Stücke fertigte. So gering der wirtschaftliche Ertrag aus dem Geschäft mit solchen Bögen war, so niedrig waren seine handwerklichen Anforderungen. In H. R. Pfretzschner scheint sich gleichwohl frühzeitig das vielseitige Talent ausgeprägt zu haben, das in seiner traditionsreichen und weitverzweigten Geigenbauer- und Händlerfamilie immer wieder aufscheint – eine besondere Fertigkeit im Umgang mit Holz, ein guter Geschäftssinn und eine musikalische Begabung, die den jungen H. R. Pfretzschner früh zu einem hervorragenden Violinisten reifen ließ.


Mit den besten Fähigkeiten ausgestattet verließ H. R. Pfretzschner im Jahre 1872 seine Heimat, um sich an der ersten Adresse des europäischen Geigen- und Bogenbaus seiner Zeit um eine Arbeitsstelle zu bewerben: bei Jean-Baptiste Vuillaume in Paris, der H. R. Pfretzschners Talent – wie die meist noch unreifen, schlummernden Begabungen so vieler exzellenter Handwerker zuvor – erkannte und ihn zu seinem Mitarbeiter und letzten bedeutenden Schüler machte. Nur wenige Jahre währte diese entscheidende Zeit, in der der Sachse den französischen Streichbogenbau studieren konnte, bei einem Lehrmeister, der um dessen Geheimnisse wusste wie kein anderer. Nach Vuillaumes Tod im Jahre 1875 kehrte Hermann Richard Pfretzschner in die väterliche Werkstatt zurück, um sich 1880 selbständig zu machen. Mit seinen Arbeiten führte er den zeitgenössischen französischen Streichbogenbau in Deutschland ein und orientierte sich insbesondere an François Nicolas Voirin, den vielleicht bedeutendsten Mitarbeiter Vuillaumes, der gerade zwei Jahre vor Pfretzschners Ankunft in Paris sein eigenes Atelier eröffnet hatte.


Bis zur Jahrhundertwende bestimmte das Vorbild François Nicolas Voirins den Stil H. R. Pfretzschners, der sein Renommee und seinen geschäftlichen Erfolg bis zu dieser Zeit wohl nicht durch gewagte Stilexperimente gefährden wollte. 1901 ehrte das sächsische Königshaus den Meister mit dem Titel eines „Königlich Sächsischen Hoflieferanten“, den die Pfretzschner Werkstatt selbstbewusst mit der Einprägung des sächsischen Königswappens in die Frösche ihrer Geigenbögen dokumentierte. 1911 kam der Titel eines Hoflieferanten für das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach hinzu, und vielleicht war es auch die nunmehr offizielle Anerkennung, die Pfretzschner zu einer Erweiterung seiner Modellpalette ermutigte. So folgen H. R. Pfretzschner-Bögen des frühen 20. Jahrhunderts öfter anderen Vorbildern und nehmen auch Impulse aus dem englischen Streichbogenbau auf. Dass Hermann Richard Pfretzschner und seine Mitarbeiter, darunter auch seine Söhne und Nachfolger Hermann und Berthold Pfretzschner, es aber nicht nur verstanden, aus den historischen Leistungen anderer Frucht zu ziehen, beweist eindrucksvoll der Künstler-Geigenbogen, den H. R. Pfretzschner auf Anregung des bedeutenden Violinisten Prof. August Wilhelmj entwickelte, und der als Ausdruck seiner weiten handwerklichen und musikalischen Erfahrung, mithin als der persönlichste Teil seines künstlerischen Erbes gewertet werden kann.


1914 zog sich H. R. Pfretzschner von der Leitung seines Unternehmens zurück und überließ seinen Söhnen ein gut bestelltes Haus. Die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts ging an den Werkstätten der Pfretzschners zwar nicht spurlos vorüber, heute aber befindet sich das Unternehmen – nach einem Intermezzo unter dem Dach der DDR-Betriebe PGH Sinfonia und VEB Musima – wieder in familiärer Hand, und führt sowohl den Stempel des Gründers „H R PFRETZSCHNER“ als auch das sächsische Königswappen mit berechtigtem Stolz weiter.



Neuzugänge in unserem Katalog
  • Feine antike Mittenwalder Violine, Neuner & Hornsteiner, um 1870
  • Kräftiger deutscher Geigenbogen, Richard Geipel
  • Feine italienische Bratsche von Marcello Martinenghi, 1949 (Zertifikat Eric Blot)
  • Moderne Markneukirchener Geige, kunsthandwerklicher Geigenbau, 1992
  • Jacques Camurat: französische Meistergeige aus Paris, 1958
  • Albert Nürnberger: Kraftvoller, silbermontierter Geigenbogen
  • Französische Meistergeige No. 34 von Paul Hilaire, 1950
  • Hübsche alte Böhmische Geige, um 1930
  • Feine Französische Violine, Andre Coinus, 1927
  • Antike Mittenwalder Geige um 1910, aus dem Lager Eugen Gärtner
  • Luigi Lanaro, moderne italienische Geige, 1975 (Zertifikat Eric Blot)
  • Jean-Joseph Honoré Derazey: Französische Violine (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Zeitgenössische Italienische Meistergeige, Virgilio Cremonini, 2012
  • Italienische Violine von Francesco Cossu, 1979
  • Ältere Italienische Geige mit goldenem Klang, 1970er Jahre
  • Giuseppe Lucci, feine Italienische Bratsche, Rom 1967 (Zertifikat Eric Blot)
  • Moderne Italienische Geige, Piero Virdis, 2002 (Zertifikat Piero Virdis)
  • 3/4 - Deutsche 3/4 Meistergeige, gebaut 1950, A. Frisch
  • Dekorierte antike deutsche Klingenthaler Geige um 1850
  • Franco Albanelli, italienische Geige, Bologna 1997
  • Cremoneser Meistergeige, Piergiuseppe Esposti, 1998 (Zertifikat Piergiuseppe Esposti)
  • Hervorragende Violine von Mathias Heinicke, Schüler von Eugenio Degani, 1911
  • 3/4 - französische 3/4 Geige, warm und resonant im Klang
  • Aus dem Nachlass von Prof. Günter Szkokan: Edwin Lothar Herrmann, sehr guter Bratschenbogen