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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Die Unternehmen der Familie Laberte


Zur Geschichte von Laberte-Humbert freres und Laberte Magnie -
Teil 2 unserer Reihe zum der industriellen Streichinstrumentenbau in Frankreich

Zur Erfolgsgeschichte von J.T.L. gehören aber auch die Konkurrenten, die innerhalb des Mirecourter Instrumenten-Universums entstanden und, obschon im Windschatten der dominierenden Produktions- und Handelsstätten von Thibouville-Lamy, doch zu respektabler Größe fanden. Ihre Namen sind auch ein halbes Jahrhundert nach dem Niedergang des industriellen Musikinstrumentenbaus in Frankreich immer noch bekannt und geschätzt. Ähnlich wie die Saiteninstrumentenproduktion von J.T.L. ist auch das Unternehmen der Familie Laberte tief in der Geigenbautradition der Region verwurzelt und lässt sich bis in Werkstätten des 18. Jahrhunderts hinein zurückverfolgen.

Doch erst im Jahr 1876 gründeten die Brüder Maurice-Emile und Pierre Alexis Auguste Laberte ihr Unternehmen „Laberte Humbert frères“ – zwei junge Geigenbauer, die in der Zeit der Gründung von J.T.L. geboren worden waren. Dieser Abstand von rund einer Generation zeigt, dass es sich bei der Entstehung von J.T.L. um eine echte Pionierleistung handelte, deren Nachahmer die Szene mit respektvoller Distanz betraten. Zudem wählten die Brüder Laberte einen enger fokussierten Geschäftsbereich und beschränkten sich auf die Herstellung von Streich- und Zupfinstrumenten, die sie in ihren ebenfalls sehenswerten Katalogen mit umfangreichem Zubehör anboten. Erst die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre führte zu einer Erweiterung des Angebots – nicht aber, was der naheliegendste Schritt gewesen wäre, um Musikinstrumente anderer Gattungen, sondern um Grammophone und Rundfunkempfänger, die unter der neuen Marke „Stradivox“ vertrieben wurden. Eine intelligente und unkonventionelle Strategie, die ihrerseits aber um so mehr die Dominanz von J.T.L. als „Allround“-Anbieter einer breiten Palette von Musikinstrumenten belegt, gegen den ein Wachstum kaum vorstellbar schien.

laberte

Atelier Laberte Humbert frères, Photo: Musée de la Lutherie et de l'Archèterie Françaises - Mirecourt


Doch ungeachtet dieser Grenzen war die Entwicklung von Laberte Humbert frères im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts von einer gesunden Expansivität geprägt. Eine Reihe von Fusionen brachte zusätzliche Produktionskapazitäten, vor allem aber geigenbauerisches Wissen und Erfahrung ins Unternehmen, das sein Angebotsspektrum unter der Leitung von Marc Laberte aufwertete. Der Sohn des Mitgründers Pierre Alexis Auguste Laberte etablierte neben der Manufakturarbeit eine eigene Linie von Instrumenten gehobener Qualität, die von ausgewählten Meistern gefertigt wurden – ein „Atelier des Artistes“, das ausgezeichnete Geigenbauer wie Joseph Aubry, Charles Brugere, Camille Poirson und Georges Apparut versammelte und sich zu einer anerkannten Marke entwickelte. Nach dem Zusammenschluss mit dem Geigenbauer Fourier Magnié im Jahre 1919 firmierte das Unternehmen als „Laberte et Magnié“ mit dem – sicher in bewusster Anlehnung an den großen Wettbewerber gewählten – Kennzeichen „L.F.M.“ und beschäftigte rund 400 Arbeiter in seinen Werkstätten. 1927 erwarb man die renommierte Marke „A La Ville de Cremonne“ von Paul Mangenot als die letzte signifikante Übernahme und letzte bedeutende Wegmarke vor dem Ende der klassischen Mirecourter Musikinstrumenten-Industrie.




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