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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


„In media silva“ - Der Geigenbau in Mittenwald


Über den Geigenbau in Mittenwald, die Mittenwalder Geigenbauer und die Geschichte des Geigenbaus im oberen Isartal


Wie und warum der Geigenbau nach Mittenwald in Bayern kam: ganz wissen wir es nicht, auch wenn an dem Anfang seiner Tradition mit den ersten Geigenbauern und Geigenbaumeistern Matthias Klotz, auch geschrieben Kloz, (1653-1743) ein großer Meister seiner Zunft steht. Die Geigenbaugeschichte liebt ihre Gründerfiguren, sei es der mythische Tywersus von Mirecourt, der große Andrea Amati von Cremona oder der Nestor des vogtländischen Geigenbaus Caspar Hopf. Genie und Legende gehören zu den Lebensgeschichten der großen Meister, die stets zu einem angemessenen Teil im Dunkel liegen. So ist auch über den Lebensweg des Matthias Klotz manch ein reizvoller Schleier gebreitet: Welchen Rückweg nach Mittenwald nahm der Schneidersohn nach seiner Ausbildung zum Geigenbauer in Padua? Wo und für wen hat er in dieser Zeit gearbeitet, welches Wissen, welche Einflüsse aufgenommen? Und hat er auf seinen Wegen den großen Jakob Stainer im nachbarschaftlichen Absam besucht?


Mittenwald als zweites deutsches Geigenbauzentrum lag günstig an der Handelsstraße durch die Alpen


Matthias Hornsteiner „Dax“, Geige

Matthias Hornsteiner II „Dax“

Herkunft: Mittenwald
Erbauer: Matthias Hornsteiner II „Dax“
Bodenlänge: 35,6
Jahr: 1770 circa

Georg Klotz circa 1790

Georg Kloz, circa 1790

Inventarnr.: A69
Herkunft: Mittenwald
Erbauer: Georg II Kloz
Bodenlänge: 35,9 cm
Jahr: 1780 - 1790

Greifbarere Anhaltspunkte, warum Mittenwald als eine „mitten im Wald“ gelegene bayerische Handelssiedlung zum zweiten deutschen Geigenbauzentrum neben dem sächsischen Markneukirchen aufsteigen konnte, bietet die Wirtschaftsgeschichte. Waren es im Vogtland böhmische Emigranten, deren Wissen das Fundament des neuen Wirtschaftszweiges legte, bestanden in Mittenwald ganz andere und überaus günstige Bedingungen für den Geigenbau: Auf den Höhenlagen des Karwendelgebirges ließen sich hervorragende Tonhölzer schlagen; die Handelsstraße von Augsburg nach Bozen und Venedig, an der Mittenwald lag, bot den Mittenwalder Geigenbauern gute, internationale Absatzchancen – und zudem die Möglichkeit, von den bedeutenden Meistern Jacob Stainer in Tirol und Nicolo Amati in Norditalien zu lernen. Nicht ohne Grund verbindet das Violinmodell der Familie Kloz, das bis ins 19. Jahrhundert für den Mittenwalder Geigenbau maßgeblich war, Vorzüge der Tradition der beiden großen Meister Jacob Stainer und Nicolo Amati.


Der Geigenbau in Mittenwald und die Industrialisierung im 19. Jahrhundert


Neuner & Hornsteiner, 1912 - Decke

Arbeit von Neuner & Hornsteiner, um 1900

Inventarnr.: 5024
Herkunft: Mittenwald
Bodenlänge: 35,7
Jahr: ca. 1900

Neben dem Geigenbau begann in Mittenwald schon im 18. Jahrhundert die Professionalisierung des Handels; bereits im Jahre 1707 beschäftigte der vermutlich erste „Verleger“ J. Baader einen abhängigen Geigenbauer. J.A. Baader & Co. entwickelte sich zum bedeutendsten Geigenhersteller Mittenwalds, neben Neuner & Hornsteiner. Wie im Vogtland auch industrialisierte sich der Mittenwalder Geigenbau im 19. Jahrhundert, um die hohe Nachfrage nach einfacheren und günstigeren Instrumenten zu befriedigen. Angesichts dem zunehmend spezialisierten, aber arbeitsteiligen Geigenbau suchte König Maximilian II. von Bayern das über Generationen erworbene traditionelle, handwerkliche Wissen der Geigenbaumeister zu sichern und gründete die Mittenwalder Geigenbauschule, wo bis heute der Mittenwalder Geigenbau für wenige, ausgewählte Schüler gelehrt wird. Nach dem Ersten Weltkrieg brach der Mittenwalder Geigenbau zusammen und erlebte erst nach dem Zweiten Weltkrieg einen Neuanfang, der mit mehreren kleinen Meisterwerkstätten nun ganz im Zeichen der Tradition des hochwertigen handwerklichen Kunstgeigenbaus stand. Heute finden Besucher der Mittenwalder Geigenbauer im Geigenbaumuseum eine hochwertige Instrumentensammlung, eine historische Werkstatt und Informationen zu Meistern und der Geschichte des Mittenwalder Geigenbaus.

In unserem Online Katalog finden Sie alte und zeitgenössische Geigen von Geigenbaumeistern und Händlern aus Mittenwald und anderen Orten, mit Audio Klangproben.



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Mirecourt: Die geräumige Wiege des französischen Geigenbaus

Neuzugänge in unserem Katalog
  • Interessante Meistergeige, wahrscheinlich Prag, Kopie Johann Georg Hellmer
  • Französische 1/2 Geige mit warmem Klang, um 1920
  • Kraftvolle Mittenwalder Geige, J. Sailer
  • Geige aus Sachsen. Nach Jacobus Stainer, um 1920
  • Antike böhmische Geige um 1910, von Joseph Brandner Schönbach
  • Alte Deutsche Geige. Stradivari-Modell von Hermann Dölling jun., um 1910
  • Hübsche Französische Geige. J.T.L. - Jerome Thibouville-Lamy
  • Interessante antike Tschechische Meistergeige, um 1880
  • ÜBERARBEITET UND VERBESSERT: Feine Violine, Franz Knitl, Freising, 1769
  • Italienische Geige um 1920, Stefano Caponetti (Zertifikat Christian Lijsen)
  • Alte Mittenwalder Geige, J.A. Baader, Nr. 4908, 1922
  • Georges Apparut Geige, französische Violine 1934
  • Georges Coné: Französische Solisten - Violine Nr. 73. Lyon, 1937
  • Giuseppe Pedrazzini, feine italienische Violine (Zertifikat J. & A. Beare)
  • Markneukirchener Premium-Violine von Meinel & Herold - Violinistenempfehlung!
  • Hübsche Böhmische Geige nach Ruggeri. 1920er Jahre
  • Violine von Meinel & Herold, Klingenthal, um 1940
  • Silbermontierter Alfred Knoll Bratschenbogen
  • Antike Mirecourter 3/4 Violine mit edlem Klang
  • Feine deutsche 3/4 Geige. Um 1900 aus Sachsen
  • Feines Wiener Cello, um 1820
  • Luigi Galimberti, Italienische Geige, Milano 1925 (Zertifikat Eric Blot)
  • H. Derazey Werkstatt, große französische Violine, Ende 19. Jahrhundert
  • Deutscher Silber Geigenbogen mit warmem Klang, um 1940