Suche:
corilon violins

Suche

Instrumenten-Finder

Welchen Klang suchen Sie?
Sie können nur eine oder mehrere Eigen­schaften auswählen und beliebig kombinieren.

Instrumente
Herkunft
Jahr
Klang

Archiv

Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


corilon violins

J. & A. Beare, Beares, London: Expertise im Wandel der Zeiten

Zur Geschichte von Beares, Beare & Son und J. & A. Beare, London, und zu Leben und Werk des Experten Charles Beare


Die Geschichte der Londoner Familie Beare ist ein Lehrstück im gekonnten Spiel der zweiten Geige, wenigstens in ihren ersten einhundert Jahren, in denen die Beares mit ihren Unternehmen im Schatten des legendären Hauses W.E. Hill & Sons standen – um sich auf dem Weg ins 21. Jahrhundert mit kaufmännischem Geschick und weltweit anerkannter Expertise schließlich durchzusetzen. Heute stehen die Namen Beare & Son und Beares für die besten Traditionen des britischen Streichinstrumentenhandels und seine tief ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Werte.


Als sich John Beare im Jahre 1865, noch nicht einmal 20 Jahre alt, als Instrumentenhändler in London selbständig machte, war der 30 Jahre ältere William Ebsworth Hill schon mehr als ein halbes Berufsleben lang Geigenbauer. Der junge John Beare etablierte sich als findiger und auf vielen Feldern aktiver Unternehmer; er gilt als der erste Großhändler für Musikinstrumente und wagte in den 1880er Jahren sogar eine musikgeschichtlich bedeutende Expedition ins Verlagswesen, als er frühe Werke seines Freundes Edward Elgar publizierte. 1892, fünf Jahre nach der Gründung von W.E. Hill & Sons, folgte auch Beare dem gewachsenen Interesse an antiken Instrumenten und teilte sein Unternehmen in zwei bis heute bestehende Zweige: „Beare & Son“ bezog neue Räume am Londoner Rathbone Place und beschäftigte sich mit dem Handel und dem Bau neuer Instrumente, während sich „Beare, Goodwin & Co.“ in der Wardour Street auf antike Instrumente der Violin-Familie spezialisierte und nach der Jahrhundertwende zu John & Arthur Beare umbenannt wurde.


Beide Unternehmen prägten die Musikwelt auf ihre Weise. Beare & Son, zu Beginn von Johns ältestem Sohn Walter Beare geführt, ist bis heute ein erfolgreiches Handelshaus, das neben Streichinstrumenten ein umfangreiches Sortiment an Materialien und Einzelteilen für Geigenbauer und Restaurateure anbietet. Unter neu eingeführten Handelsmarken wie François Barzoni oder Giuseppe Maravelli brachten Beare & Son französische und deutsche Manufakturgeigen mit so großem Erfolg auf den Markt, dass selbst renommierte Auktionshäuser und namhafte Fachautoren hinter den klangvollen Namen zuweilen italienische Geigenbaumeister vermuten. Ein Irrtum, der auch als gute Referenz für die Qualität verstanden werden kann, die die besten Instrumente von Beare & Son erreichten.


Auch John & Arthur Beare, das zweite Unternehmen der Beares, etablierte sich rasch und profitierte von dem guten Ruf Arthur Beares, den er sich bei hervorragenden Musikern mit seinen Restaurierungen und Tonreglagen erwarb. Sein Sohn William Arthur Beare wurde bei Marc Laberte in Mirecourt zum Geigenbauer ausgebildet und leitete das Unternehmen ab 1945 mit großem handwerklichem Sachverstand. 1961 schließlich trat Charles Beare in das Geschäft ein, nach seiner Ausbildung an der Geigenbauschule Mittenwald und bei Rembert Wurlitzer in New York. Charles Beare avancierte zu einem der anerkanntesten Experten für alte Instrumente; dass sich sein Unternehmen über das wechselvolle 20. Jahrhundert hinaus behaupten konnte, ist nicht zuletzt seinem herausragenden Fachwissen zu verdanken.


Und die Veränderungen, die die Welt alter Streichinstrumente in dieser Zeit erfahren hat, sind denkbar radikal: Als Charles Beare seine berufliche Laufbahn begann, konnte sich ein guter Orchestermusiker mit etwas Mühe durchaus eine alte italienische Meistervioline leisten – zum Ende des Jahrtausends waren jene Instrumente zu Spekulationsobjekten geworden und ihre Preise um das 150- bis 200fache gestiegen, wie Charles Beare in einem Interview mit „The Strad“ 1997 feststellte. Wenn sein Unternehmen von dieser Entwicklung auch unleugbar profitierte, beobachtete er doch stets mit Sorge, dass die besten Streichinstrumente der Geschichte für die Musiker der Gegenwart zunehmend unerreichbar wurden. In vielen Fällen half Charles Beare, diesen Graben zu überbrücken, indem er herausragenden Solisten zu außergewöhnlichen Instrumenten-Sponsorings verhalf, darunter große Namen wie Jacqueline du Pré, Nigel Kennedy und Yo-Yo Ma.


Auch die Reputation als Autor, die sich Charles Beare erworben hat, ist vor dem Hintergrund des hochspekulativen Streichinstrumentenmarktes von Bedeutung. Experten, die die anerkannten Originale der großen Geigenbauer gründlich studieren konnten, waren immer schon Ausnahmeerscheinungen; sie sind es aber um so mehr, seit diese Instrumente zu Wertanlagen wurden, die nur noch äußerst selten ihren Besitzer wechseln. Die unmittelbare Inaugenscheinnahme, die erforderlich ist, um wahre Expertise auszubilden, ist heute noch seltener möglich als in der Zeit, in der Charles Beare seine Ausbildung absolvierte. Mit seinem berühmten Band über die 44 Instrumente der großen Stradivari-Ausstellung von Cremona 1987 und seinen umfangreichen Beiträgen zur „New Grove Dictionary of Music and Musicians“ hat Beare einen Teil seines Wissens öffentlich niedergelegt.


1998 begann das jüngste Kapitel in der Geschichte von „Beares“, als sich das Traditionsunternehmen mit dem Londoner Streichinstrumentenhändler „Morris and Smith“; vereinigte. Facettenreicher Sachverstand zeichnet die neue Geschäftsführung aus, die in dem Cellisten Simon Morris, dem Violinisten Steven Smith und der ehemaligen Christie´s-Direktorin Frances Gillham besteht – und in Charles Beare und seinem Sohn Peter, als jüngstem Beare bei Beares, der seine Kunst an der Geigenbauschule von Salt Lake City erlernt hat. Nach seiner Rückkehr in die familiäre Werkstatt arbeitete Peter Beare als Restaurateur, um seine Kenntnisse später durch Aufenthalte bei Etienne Vatelot in Paris, Premysl und Jan Spidlen in Prag und bei Carl Becker in Chicago zu vervollkommnen. Ein Schwerpunkt in der Arbeit von Peter Beare ist der Bau neuer Instumente, der seit den späten 1980er Jahren unter der Mitarbeit von Christoph Götting wieder ein wichtiger Arbeitsbereich bei Beares geworden ist. Mit seinen erstklassigen, international ausgezeichneten Instrumenten schreibt Peter Beare die Erfolgsgeschichte der Beares fort, die ihrem 150jährigen Jubiläum im Jahre 2015 entgegensieht.



Verwandte Beiträge:

Rembert Wurlitzer und der Weg der alten Geigen

W.E. Hill & Sons: Auf dem Parnass der Geigenbaukunst

Le Canu-Millant: Geigenbau und Expertise

Vatelot-Rampal: Von der Kunst, Geigen zu heilen

Christoph Götting - Exzellenz durch Tradition

Eric Blot, der grosse Experte von Cremona

Hieronymus Köstler: „Die feinste Art der Holzbearbeitung“

Jean-François Raffin: Zehn Stunden – und kein Wort

Zeitgenössische Geigenbauer - Die neuen Künstler

Neuzugänge in unserem Katalog
  • 3/4 - Deutsche 3/4 Meistergeige, gebaut 1950, A. Frisch
  • Antike französische Geige, um 1920, Mirecourt - warmer, etwas weicher Ton
  • Mario Gadda, Italienische Geige für Solisten, Mantova 1995 - strahlend, warm
  • Moderne Italienische Geige, Piero Virdis, 2002 (Zertifikat Piero Virdis)
  • 3/4 - französische 3/4 Geige, warm und resonant im Klang
  • Franco Albanelli, italienische Geige, Bologna 1997
  • Cremoneser Meistergeige, Piergiuseppe Esposti, 1998 (Zertifikat Piergiuseppe Esposti)
  • Hervorragende Violine von Mathias Heinicke, Schüler von Eugenio Degani, 1911
  • Aus dem Nachlass von Prof. Günter Szkokan: Feine Wiener Bratsche von Ferdinand Kugler, 1973
  • Aus dem Nachlass von Prof. Günter Szkokan: Edwin Lothar Herrmann, sehr guter Bratschenbogen
  • Lothar Seifert, kräftiger Bratschenbogen ca.1980, Silber
  • Deutscher Silber-Geigenbogen von Otto Dürrschmidt
  • Kräftiger, aktiver Geigenbogen, F.C. Pfretzschner, Silber
  • Deutsche Violine von Ludwig Gläsel jr., Markneukirchen
  • Gute Italienische Geige, wahr. Giudici, 1970'er Jahre - warmer, goldener Klang
  • Alte Deutsche Geige, um 1900, mit warmem, großem Ton
  • Klangvolle sächsische Geige, um 1910
  • Ernst Heinrich Roth, Markneukirchen, kraftvolle Geige nach Guarneri, 1922
  • Mittenwalder Geige mit großem Klang, Fachschule für Geigenbau, 1960er Jahre
  • Interessante Italienische Geige, Anfang 20. Jahrhundert
  • Italienische Geige, Primo Contavalli, 1973 (Zertifikat Benjamin Schröder)
  • Zeitgenössische italienische Meistergeige, Nicola Vendrame, Venedig
  • Mario Gadda, 1998, italienische Geige nach Stefano Scarampella
  • ÜBERARBEITET/ NEUE KLANGPROBE: 3/4 - Geige, elegante Französin „Copie de Stradivari“