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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Joseph Alfred Lamy Père: Eine Schlüsselfigur des modernen Bogenbaus


Joseph Alfred Lamy Père: Über Leben und Werk des großen Pariser Bogenbauers und Voirin-Schülers


Joseph Alfred Lamy (Lamy Père) ist einer der wichtigsten Meister des modernen französischen Bogenbaus, der sich seit
J. B. Vuillaume (1798-1875) neu mit dem epochemachenden Werk von François Xavier Tourte (1747/48-1835) auseinandersetzte. Ohne die eigenständige Akzentsetzung seines Bogenmodells in Abrede zu stellen, kann Joseph Alfred Lamy als Brückenbauer von Tourte ins zwanzigste Jahrhundert verstanden werden. Über ihre instrumentengeschichtliche Bedeutung hinaus entsprechen Lamys Arbeiten hervorragend den Anforderungen, die anspruchsvolle Musiker unserer Zeit stellen, weshalb Bögen mit der Marke
„A. Lamy a Paris“ zu den gefragtesten historischen Streichbögen zählen. Lamy Père, wie er zur Unterscheidung von seinem Sohn Hippolyte-Camille Lamy „Fils“ (1875-1942) oft genannt wird, wurde 1850 in Mirecourt geboren. Schon als Zwölfjähriger begann er seine Lehre in der Werkstatt von Charles Claude Nicolas Husson. Ab 1868 arbeitete er für den großen Instrumentenhersteller Gautrot in Château Thierry, wo er vermutlich Joseph Voirin kennenlernte; eine Verbindung, die zu Lamys Eintritt in die Werkstatt von François Nicolas Voirin (1833-1885) im Jahre 1876 beigetragen haben mag. 1885, nach Voirins Tod, eröffnete Joseph Alfred Lamy seine eigene Werkstatt in der Rue du Faubourg Poissonière, Paris, die nach seinem Tod im Jahre 1919 von seinem Sohn weitergeführt wurde. Lamys Werke wurden bei Ausstellungen in Paris 1889 und 1890 mit Silber- und Goldmedaillen ausgezeichnet.

Wie Voirin, den er als seinen eigentlichen Lehrer bezeichnete, orientierte sich Lamy Père zunächst an Jean-Baptiste Vuillaume, der auf der Grundlage seiner Tourte-Analysen hervorragende Geigenbögen gefertigt hatte, ihre Herstellung aber wegen seines großen Erfolgs als Geigenbauer schon bald nicht selbst weiterverfolgte und Mitarbeitern wie Voirin überließ. Anders als Voirin, der ein möglichst leichtes und dünnes Bogenmodell anstrebte, verstärkte Joseph Alfred Lamy Pere in seiner reifen Phase ab 1889 die Stange und den Frosch. Sein Modell setzte Standards in dem allgemeinen Trend zu schwereren Bögen, der den französischen Bogenbau im späten 19. Jahrhundert prägte. Sein wichtigster Schüler und Mitarbeiter ist Eugène Sartory (1871-1946), der als Klassiker des Bogenbaus im zwanzigsten Jahrhundert gilt.

Feiner Cellobogen von Joseph Alfred Lamy

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