Prachtvolle Violine von Jacques-Pierre Thibout, Paris 1838

Als reife Arbeit des Pariser Meisters Jacques-Pierre Thibout eröffnet diese erstklassige Meistervioline einen interessanten Einblick in den französischen Geigenbau des 19. Jahrhunderts. Der aus dem normannischen Caen stammende, vielfach ausgezeichnete Meister Jacques-Pierre Thibout ist der Tradition des „französischen Stradivarius“ Nicolas Lupot zuzurechnen, jener Linie also, die im historischen Rückblick oft im Schatten der dominierenden Schule und Werkstatt Jean-Baptiste Vuillaumes steht – und das sehr zu...

Als reife Arbeit des Pariser Meisters Jacques-Pierre Thibout eröffnet diese erstklassige Meistervioline einen interessanten Einblick in den französischen Geigenbau des 19. Jahrhunderts. Der aus dem normannischen Caen stammende, vielfach ausgezeichnete Meister Jacques-Pierre Thibout ist der Tradition des „französischen Stradivarius“ Nicolas Lupot zuzurechnen, jener Linie also, die im historischen Rückblick oft im Schatten der dominierenden Schule und Werkstatt Jean-Baptiste Vuillaumes steht – und das sehr zu Unrecht, wofür gerade das Werk Jacques-Pierre Thibouts als Zeuge aufgerufen werden kann, dessen Geigen schon um die Jahrhundertwende ähnlich gefragt waren wie alte italienische Instrumente und sogar vergleichbare Preise erzielten. Manche Thibout Geige wurde von gewieften Wiederverkäufern zudem erfolgreich als Meisterwerk Lupots ausgegeben, und tatsächlich braucht der 1796 nach Paris gezogene Geigenbauer keinen Vergleich mit seinem offenkundigen Vorbild zu scheuen. Die hier angebotene Violine, deren Authentizität ein Zertifikat des renommierten Stuttgarter Experten Hieronymus Köstler bestätigt, fällt unmittelbar durch die geschmackvoll gewählten, charaktervoll gemaserten Tonhölzer auf, deren Struktur ein vollendet schöner, orangebrauner Öllack über einer hellen Grundierung veredelt. Der einteilig ausgeführte Ahorn-Boden und die sehr markanten Ecken, nicht zuletzt aber die äußerst fein ausgearbeitete Schnitzerei der ausdrucksstarken Schnecke demonstrieren die umfassenden geigenbauerischen Fähigkeiten und die künstlerische Sensibilität Jacques-Pierre Thibouts in dieser unverkennbaren Ausführung seines persönlichen Modells, das zu den interessantesten zeitgenössischen Lupot-Interpretationen gehört. Die lange Zeit von fast zwei Jahrhunderten hat dem Lackbild eine zarte Patina und feines Craquellé verliehen; kleinere Nutzungsspuren an dieser offensichtlich viel gespielten Jacques-Pierre Thibout Geige berichten von ihrer langen musikalischen Existenz. Sofort spielfertig nach einer gründlichen Durchsicht in unserer Werkstatt, bei der wir uns von der Solidität und musikalischen Unbedenklichkeit eines sorgfältig ausgeführten Deckenstimmfutters, wahrscheinlich aus dem Hause Beare & Son, überzeugt haben, begeistert diese historische Meisterarbeit mit ihrem warmen, großen Klang, der Jacques-Pierre Thibouts präzises Studium der des klassischen italienischen Geigenbaus erkennen lässt und mit seinem gereiften, strahlenden Charakter selten zu findende Interpretationsmöglichkeiten erschließt.

Feine Violine von Jacques-Pierre Thibout; Paris 1838
Jacques-Pierre Thibout; Paris 1838 - Ahornboden
Geige von Jacques-Pierre Thibout - Ansicht der Zargen
Schnecke von Jacques-Pierre Thibout
Geigenzettel von Jacques-Pierre Thibout
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