Der Geigenbogen: Praktische Fragen zu Pflege und Spiel
Auf dieser Seite haben wir einige Fragen und Antworten zum richtigen Umgang mit dem Geigenbogen zusammengestellt, die analog auch für die Bögen anderer Streichinstrumente gelten.
Was ist beim Umgang mit dem Bogen zu beachten?
Um den Wert und die Spieleigenschaften eines guten Geigenbogens dauerhaft zu erhalten, ist vor allem eines wichtig: nie zu kräftig spannen, und nach dem Spiel nie vergessen, den Bogen wieder zu lockern. Es ist sinnvoll, seine Bögen in die regelmäßige Durchsicht der Geige einzubeziehen und wenigstens die, die regelmäßig gespielt werden, ebenfalls zum Geigenbauer zu geben. So lassen sich auch kleinere Fehler und Verschleiß an der Spannschraube rechtzeitig erkennen, bevor sie Schaden anrichten können.
Wie säubert man einen Geigenbogen?
Auch beim Geigenbogen besteht die erste und beste Methode der Reinigung und Pflege im Abwischen des Kolophoniumsstaubes nach jeder Benutzung. Ein weiches Tuch aus Mikrofaser oder einem anderen Material entfernt den frischen Staub zuverlässig und poliert zugleich die Oberfläche der Stange etwas nach. Kleinere Verklumpungen von Kolophonium in der Bespannung können meist leicht mit einer alten Zahnbürste ausgekämmt werden.
Zu den spezifischen Verschmutzungen des Streichbogens gehört der Handschweiß mit seinen zahlreichen Fettverbindungen. Gerade bei Schülern, die in der Haltung der rechten Hand noch unsicher sind, wird die Bespannung im Bereich des Frosches rasch fettig und nimmt kein Kolophonium mehr an, was die Benutzbarkeit des Bogens stark einschränken kann. Um diese Spuren zu beseitigen und die Haare des Bogens wieder in einen guten Zustand zu versetzen kann es sich empfehlen, die Bespannung auszuwaschen. Dieselbe Maßnahme kann auch sinnvoll sein, wenn ein lange verwendetes Kolophonium gegen ein neues ausgetauscht wird, dessen Eigenschaften von seinem Vorgänger signifikant abweichen.
Zum Auswaschen der Bespannung wird zunächst der Frosch von der Stange gelöst, indem die Stellschraube ganz herausgedreht wird. Dabei ist immer darauf zu achten, dass die Haare am Frosch und an der Spitze nicht in eine andere Richtung belastet werden als beim normalen Gebrauch; auch soll die gelöste Bespannung nicht verdreht werden. Nun wird das alte Kolophonium mit Reinigungsalkohol, der in einem passenden, kleinen Gefäß bereitsteht, mit vorsichtigen, massierenden Bewegungen ausgewaschen. Dabei ist große Vorsicht geboten, denn der Alkohol darf nicht mit der Stange in Kontakt kommen, an der er bleibende Schäden verursachen kann. In einem zweiten Arbeitsgang werden sonstige Verschmutzungen, insbesondere Fette, mit etwas Seife bzw. Shampoo und Wasser entfernt. Zum Schluss werden die Bogenhaare vorsichtig mit einem Tuch getrocknet, der Frosch wird wieder eingesetzt und mit der Stellschraube befestigt. Um das Trocknen zu beschleunigen und die richtige Lage der Haare wiederherzustellen empfiehlt es sich, den Bogen mit einem feinen Kamm oder einer alten Zahnbürste durchzukämmen. Nach einer angemessenen Trocknungszeit kann die Bespannung neu mit Kolphonium versehen werden.
Wie kolophoniert man den Bogen richtig ein?
Die einfachste und beste Methode für das alltägliche Kolophonieren des Bogens ist, mit dem normal gespannten Bezug über das Kolophonium hin und her zu streichen. Die Streichrichtung ist, entgegen einem immer wieder gehörten Gerücht, gleichgültig. Die meisten Musiker üben zunächst schnelle, kurze Striche am Frosch und an der Spitze aus, denen einige Striche über den ganzen Bogen folgen. Wichtig sind eine gleichmäßige Verteilung des Pulvers in der Bespannung und die richtige Menge, die ihrerseits aber von vielen individuellen Gegebenheiten abhängt. Nicht jedes Instrument spricht mit jedem beliebigen Bogen bei der genau gleichen Menge Kolophonium gleich gut an; ein erfahrener Musiker hat aber im Gefühl, wie gründlich er für welche Situation kolophonieren muss und wie oft.
Eine sehr effektive Methode des Kolophonierens ist, zu Pulver zerstoßenes Kolophonium mit einer alten Zahnbürste aufzutragen. Sie ist aber nur bei neuen, noch komplett unkolophonierten Bespannungen zu empfehlen; bei bereits in Nutzung befindlichen Bespannungen wird sich die große Menge an Kolophoniumpulver nachteilig auf den Klang auswirken.
Welches ist das richtige Kolophonium?
Über das beste Kolophonium gehen die Meinungen vermutlich noch weiter auseinander als über die richtigen Saiten – individuelle Voraussetzungen jedes einzelnen Geigers und die bauliche Eigenart der Bögen und Instrumente spielen bei der Wahl des Kolophoniums eine große Rolle, aber auch die Raumbedingungen, unter denen musiziert werden soll. Viele Musiker verwenden im Sommer ein anderes Kolophonium als im Winter, ebenso für Stücke mit unterschiedlichen musikalischen Charakteren. Manche Hersteller bieten aus diesen Gründen mehrere Varianten ihrer Produkte an, und auch hier gilt, dass man die ideale Lösung nur durch Versuch und Irrtum auf dem Geigenbogen herausfinden wird. Nicht wenige Streicher probieren sogar differenzierte Mischungen für jeden Anlass aus. Generell lohnt es sich, für ein Kolophonium etwas mehr Geld zu investieren und ein hochwertiges Produkt zu erwerben. Immerhin ist es der Stoff, der den ersten und unmittelbarsten Einfluss auf den Klang einer Geige ausübt.
Wie oft sollte man die Bespannung austauschen?
Die Klangerzeugung mit einem Streichbogen ist ein recht komplexer Vorgang, der auf der Haftung des einkolophonierten Haares auf der Saite beruht. Für die Bespannung werden Schweifhaare bestimmter Pferderassen ausgewählt, die durch ihre Oberflächenstruktur besonders gut für eine gleichmäßige und nachhaltige Aufnahme des Kolophoniums geeignet sind. Nach längerer Nutzung erfüllen die mikroskopisch kleinen Schuppen auf den Haaren diesen Zweck nicht mehr vollständig, wodurch sich die Spiel- und Klangeigenschaften des Bogens unmittelbar verschlechtern. Auch bei dieser Frage gibt es daher keine feste Regel, in welchen Zeitabständen ein Bezug auszuwechseln ist. Professionelle Musiker lassen ihre Bögen oft zwei- bis drei Mal im Jahr neu bespannen, für Amateure können auch mehrjährige Intervalle sinnvoll sein.
Wie geht man mit losen oder gerissenen Bogenhaaren um?
Die Bespannung eines Bogens besteht in der Regel aus 150 bis 170 Haaren – wenn sich einzelne Haare lockern oder reißen, ist dies also noch lange kein Grund, den Bogen neu bespannen zu lassen. Diese normalen Verschleißerscheinungen beeinträchtigen die Spieleigenschaften des Bogens in keiner Weise. Wichtig ist aber, solche Haare nicht aus den Befestigungen in der Spitze bzw. im Frosch herauszureißen, sondern mit einem scharfen Messer oder einer sehr spitzen Schere so kurz wie möglich abzuschneiden. Die Haare sind an beiden Enden der Bespannung abgebunden, und diese Verbindung lockert sich, wenn einzelne Haare mit Gewalt herausgerissen werden.
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