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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Jean-Baptiste Vuillaume: Notizen zu Leben und Werk

Jean-Baptiste Vuillaume: Zu Leben und Werk des wohl bedeutendsten Geigenbauers der Moderne


Jean-Baptiste Vuillaume ist die bestimmende Figur des modernen französischen Geigenbaus; die Qualität seiner Arbeit, seine Innovations- und Schaffenskraft, nicht zuletzt auch sein enormer geschäftlicher Erfolg stellen ihn in die erste Reihe der Geigenbauer Europas. Jean Baptiste Vuillaume wurde am 7.10.1798 in Mirecourt als Sohn einer alten Geigenbauerfamilie geboren. Nach der Ausbildung bei seinem Vater Claude François Vuillaume suchte der rastlose, junge „Luthier“ nach neuen Impulsen für seine Kunst. So verließ J.B. Vuillaume mit 19 Jahren die Vogesen – und fand in Paris ein Umfeld, das von ebenso innovativen und experimentierfreudigen wie geschäftstüchtigen Persönlichkeiten geprägt war. Vuillaumes handwerkliches Talent und sein Forschergeist führten ihn 1819 zu François Chanot; als sein Gehilfe lernte er die Ansätze zur Verbesserung des Tons der Violine kennen, die der bekannte Quereinsteiger und unfreiwillig außer Dienst gestellte Marine-Ingenieur entwickelte. 1821 wechselte Vuillaume in die Geigen-Reparaturwerkstatt des Orgelbauers Simon Lété, dessen Teilhaber er im Jahre 1825, nach einem kurzen selbständigen Intermezzo wurde.


Als Jean Baptiste Vuillaume sich im Jahre 1828 mit seiner eigenen Werkstatt in der Rue des Petits Champs Nr. 40 selbständig machte, war er zu einem naturwissenschaftlich gebildeten Handwerker und geschickten Geschäftsmann geworden. So verfolgte er zielstrebig das aussichtsreichste Geschäftsmodell und fertigte höchst anspruchsvolle Stradivari- und Guarneri-Nachbauten. Jean Baptiste Vuillaumes Faksimiles waren von größter handwerklicher Perfektion und historischer Sensibilität, so dass selbst Fachleute sie mit ihren Vorbildern verwechselten – wie etwa Nicolo Paganini, der seine Guarneri Violine und ihren „Zwilling“ von der Hand Jean Baptiste Vuillaumes erst durch das Spiel unterscheiden konnte. Das große Interesse an alten italienischen Streichinstrumenten, das in dieser Zeit einen Höhepunkt erreichte, bescherte J.B. Vuillaume immense geschäftliche Erfolge. Um den Nachschub an alten, wertvollen Hölzern für seine zahlreichen Aufträge zu sichern, begab sich J. B. Vuillaume auf Reisen durch die Schweiz, Tirol und Schlesien, wo er u. a. alte Möbel aufkaufte und oft noch an Ort und Stelle zerlegen ließ, um geeignetes Material für seine Werkstatt zu gewinnen.


Der anhaltende Erfolg ermöglichte es J. B. Vuillaume, sich weiter umfangreichen Studien zur Akustik und Versuchen im Geigen- und Bogenbau zu widmen. Gemeinsam mit dem Akustiker Félix Savart untersuchte er das Schwingungsverhalten alter italienischer Instrumente. J. B. Vuillaume entwickelte ein Verfahren zur künstlichen Trocknung von Hölzern und experimentierte mit einem Bogen aus Stahl, um Alternativen zum raren Fernambuk zu erschließen. Von großer technischer Raffinesse waren ein Bogen mit festem Frosch, der durch eine in innere Mechanik gespannt wurde, und ein Dämpfer, der mit dem Kinn reguliert werden konnte. Aber auch neue Instrumente erfand J. B. Vuillaume, wie seinen „Contralto“, eine vergrößerte und klangstarke Viola, oder den extremen, 3,45 m hohen „Oktobass“, der von zwei Musikern zu spielen ist. Bleibende Verdienste erwarb sich J. B. Vuillaume insbesondere durch seine mathematische Analyse der Bögen von François Xavier Tourte. 1860 eröffnete Jean-Baptiste Vuillaume eine neue Werkstatt in der Rue Demours Nr. 3, aus der allein mehr als 3.000 numerierte Instrumente hervorgingen. Zu seinen zahlreichen Schülern und Mitarbeitern zählen berühmte Geigen- und Bogenbauer wie Jean-Joseph Honoré Derazey, Alexandre Delanoy, Charles Simonin, Ludwig Neuner, François Nicolas Voirin und H. R. Pfretzschner.

Jean-Baptiste Vuillaume starb als lebende Legende und reicher, vielfach geehrter Mann am 19. März 1875 in Paris.



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