Suche:
corilon violins

Suche

Instrumenten-Finder

Welchen Klang suchen Sie?
Sie können nur eine oder mehrere Eigen­schaften auswählen und beliebig kombinieren.

Instrumente
Herkunft
Jahr
Klang

Archiv

Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Joseph Hel: ein Meister nach Vuillaume


Zu Leben und Werk des großen Geigenbauers im Lille des späten 19. Jahrhunderts


Von den Schafen, die er in der Nähe seiner Heimatstadt Mazirot hütete, soll der junge Joseph Hel immer wieder weggelaufen sein, hin zu den Geigenbau-Werkstätten im nahen Mirecourt – um sich dort, an der Wiege des französischen Geigenbaus in eine andere, musikalische Welt davonzuträumen. 1856 konnte der vierzehnjährige Joseph Hel seine Lehre bei François Salzard (1808-1874) beginnen, der ihn in grundlegende Geheimnisse des französischen Geigenbaus einweihte: Wie man aus guten Hölzern klangstarke und solide gearbeitete Geigen nach dem Stradivari-Modell baut, jene Instrumente, mit denen die erfolgreichen Werkstätten von Mirecourt ihre Stadt berühmt gemacht hatten.

Seiner Lehrwerkstatt entwachsen, gelangte Joseph Hel über Zwischenstationen bei Victor Poirot und Grandjon 1861 schließlich zu Laberte-Humbert, dem 1780 gegründeten Unternehmen, das unter der Leitung von Maurice Emile Laberte (1856-1898) gerade eine beispiellose, über 50 Jahre anhaltende Expansion begonnen hatte. Mit der wissbegierigen Unrast, die zu den Charakterzügen vieler hervorragender Geigenbauer gehört, zog es Joseph Hel schon 1862 weiter, nach Paris zu Sébastien Vuillaume, dem jüngsten Mitglied der berühmten Geigenbauer-Familie. Kurze Aufenthalte bei E. Henry-J. Martin, Paris, und in Aachen bei Nicolas Darche bereiteten Hels Rückkehr zu Laberte-Humbert vor – wo es den umfassend ausgebildeten und höchst erfahrenen jungen Meister aber nur noch ein Jahr halten sollte, bis er 1865 auf Rat des legendären Jean-Baptiste Vuillaume seine eigene Werkstatt in Lille eröffnete. Mit ihr avancierte Joseph Hel zu einem der bedeutendsten Zeitgenossen des späten Vuillaume, und zu einem der wichtigsten französischen Geigenbauer im ausgehenden 19. Jahrhundert. Einige Bögen mit seinem J. Hel Stempel - wie ein J. J. Martin Bogen in unserem Sortimen - , einige mit Porträt-Miniaturen an Stelle der Augen auf dem Frosch, sind Joseph Hel nicht alle zuzuschreiben – obwohl ihre Provenzienz nicht abschließend geklärt ist, sind sie doch hervorragende, an Charles Nicolas Bazin orientierte Werke, die in jedem Fall den äußerst hohen Anspruch Joseph Hels demonstrieren.

Joseph Hel stand als Geigenbauer des Konservatoriums von Lille in ständigem Kontakt mit Musikern, aus dem er viele Anregungen zu technischen Innovationen bezog, z. B. verbesserte Trocknungsmethoden für Tonhölzer und eine Wirbelform, die eine zugleich besonders feine und stabile Stimmung ermöglichte. In der auf Lupot zurückgehenden Geigenbau-Tradition pflegte Joseph Hel einen experimentierfreudigen Umgang mit den klassischen italienischen Modellen, wie er für seine Zeit nicht ungewöhnlich war; durch seine handwerkliche Meisterschaft entstanden dabei Instrumente, die nicht nur gewagt und innovativ, sondern stets auch musikalisch und ästhetisch vollkommen waren. Sie setzten neue Standards, die von den folgenden Geigenbauer-Generationen Frankreichs nachgeahmt und übernommen wurden. Mit höchst angemessenem Selbstbewusstsein unterschied Joseph Hel zwischen seinen eigenen, nummerierten Meisterinstrumenten und Geigen aus seinem Atelier, und verwendete zahlreiche, teils verborgen angebrachte Stempel und Signaturen.

Im Alter von nur sechzig Jahren verstarb Joseph Hel am 14.3.1902 in Lille, und beeinflusste noch bis in seine späteste Zeit hinein Mitarbeiter und Schüler. Unter ihnen finden sich wichtige Namen des modernen europäischen Geigenbaus wie Léon Victor Mougenot, Auguste Marissal und Karel Boromäus Dvorak – nicht zuletzt aber Joseph Hels Sohn Pierre Jean Henry Hel (1884-1937), der sein würdiger Nachfolger wurde.



Verwandte Beiträge:

Pierre Hel, der nicht weniger berühmte Erbe Joseph Hels

J. B. Vuillaume: Notizen zu Leben und Werk

Nicolas Lupot - der zweite große Name neben J.B. Vuillaume

Die Geigenbauer-Familie Chanot

Le Canu-Millant: Geigenbau und Expertise

Vatelot-Rampal: Von der Kunst, Geigen zu heilen

J. & A. Beare, Beare's, London: Expertise im Wandel der Zeiten

Zeitgenössische Geigenbauer - Die neuen Künstler

Neuzugänge in unserem Katalog
  • Feiner Geigenbogen von C. A. Hoyer - Meisterbogen
  • Hervorragender Deutscher Geigenbogen nach Lupot, um 1940
  • SALE Augsburger Geige von Otto Ebner
  • Deutsche Violine mit Öllack aus Sachsen, um 1940
  • SALE Claude A. Thomassin, feiner französischer Geigenbogen (Zertifikat J.-F. Raffin)
  • Französische Richelme Violine Nr. 23, Marseille 1869 - Sammlerstück
  • Ältere und klanglich hervorragende Englische Geige, gebaut um 1940
  • Hübsche Meistergeige von Otto Gläsel, Gelsenkirchen
  • MARMA, Silber-Geigenbogen nach Sartory, um 1920
  • Antike französische 1/2 Geige, J.T.L. Compagnon, um 1880
  • SALE Italienische Geige aus den 1970'er Jahren - warmer, weicher Klang
  • ÜBERARBEITET UND VERBESSERT: Feine Meistergeige, 1940er Jahre. Wahrscheinlich USA
  • Elspeth Noble: Englische Geige nach Guarneri, 1991
  • SALE Sehr hübsche Tschechische Geige nach Stradivari
  • Tschechische Bratsche, im italienischen Stil
  • SALE Feine Wiener Meistergeige um 1910
  • H. Derazey Werkstatt, große französische Violine, Ende 19. Jahrhundert
  • Violine nach Guarneri, Markneukirchen um 1940
  • Zeitgenössische Italienische Geige: Lorenzo Bergonzi, Mantova, 1992
  • SALE Deutscher Cellobogen. Wahrscheinlich H. R. Pfretzschner, silber
  • Italienische Geige, Otello Bignami Schule: Gianni Norcia, Bologna - Konzertmeister Selektion!
  • Markneukirchner Geige, Mitte 20. Jahrhundert - Violinistenempfehlung!
  • WEIHNACHTS SALE Zeitgenössische Italienische Geige, Virgilio Cremonini, 2012
  • Moderne Chinesische Geige von Beare & Son, Beijing 1995