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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Die Bogenbauer-Dynastie Ouchard


Die Bogenmacher der Familie Ouchard pflegten die französische Tradition ihres Handwerks – und heftige familiäre Spannungen


Die Beziehung zwischen Lehrmeister und Schüler ist für ein anspruchsvolles Handwerk essenziell, und die Frage, wer das Talent eines Geigen- oder Bogenbauers bei seiner frühen Entfaltung begleitet hat, ist mehr als ein randständiges Detail der Musikgeschichte. Die Weitergabe von Wissen, Gespür und Erfahrung stellt dabei einen Prozess von denkbar großer Intimität dar, der die Kunst des Meisters und des Lehrlings in ihrem Innersten berührt – und deshalb auch von einer guten menschlichen Beziehung getragen sein muss, sollte man meinen. Ein Gegenbeispiel ist die Familien- und Werkgeschichte der großen französischen Bogenmacherdynastie Ouchard: Der drei Generationen umfassenden und auch mit anderen großen Namen wie den Charpentiers, Collins oder Lottes verbandelten Familie verdankt die Musik außergewöhnliche Leistungen – und das trotz teils heftiger persönlicher Spannungen. Darüber hinaus konnte sie ihren Wirkungskreis um die Mitte des 20. Jahrhunderts sogar bis in die USA ausweiten, wenn dies auch eher zufällig geschah.


atelier ouchard

Photo: Musée de la Lutherie et de l'Archèterie Françaises - Mirecourt




Arbeitskollegen, blutsverwandt – und doch wie Hund und Katze: „Ouchard Père“ und „Ouchard Fils“ Ouchard


In eine lange Linie von Holzdrechslern, Instrumentenhändlern und Geigenbauern wurde am 30. April 1872 Émile François Ouchard als Sohn von Adèle Margeruite Ouchard geboren. Es war also der Name seiner unverheiratet gebliebenen Mutter, den „Ouchard Père“, wie er später genannt werden sollte, an seine Nachkommen weitergab. Mit 14 Jahren begab sich Émile François Ouchard in die Lehre bei Eugène Cuniot in dessen Werkstatt „Cuniot-Hury“, die er nach dem Tod des Meisters gemeinsam mit dessen Witwe – von der der angehängte Name „Hury“ stammte – weiterführte. Mit Joséphine Collin, die er 1896 heiratete, hatte er neun Töchter und einen Sohn, Émile Auguste Ouchard; Letzterer entschied sich für den Beruf seines Vaters und ließ sich ab 1913 von Émile François Ouchard ausbilden.

Die beiden arbeiteten fast 25 Jahre lang zusammen, von 1923 an in der eigenen Werkstatt, in der Émile François Ouchard zeitweilig bis zu 15 Mitarbeiter beschäftigte. Besonders harmonisch scheint es zwischen Vater und Sohn jedoch nicht zugegangen zu sein: Wenn man den Anekdoten glauben darf, prallten in Émile François Ouchard und Émile Auguste Ouchard zwei recht impulsive, eigensinnige Charaktere aufeinander. Besonders um die Frage der Entlohnung, bei der Émile François seinen Sohn zu dessen großem Ärger den anderen Mitarbeitern gegenüber nicht bevorzugte, gab es offenbar immer wieder Auseinandersetzungen. 1937 übernahm „Ouchard Fils“ das Geschäft – der Vater blieb aber trotzdem darin aktiv. Letztlich entschloss sich Émile Auguste Ouchard mit 30 Jahren, in die französische Hauptstadt Paris zu ziehen und dort seinerseits eine Werkstatt zu eröffnen. Von 1940 an und bis zu seinem Tod am 27. Februar 1951 führte „Ouchard Père“ sein Geschäft also wieder alleine; seine Heimatstadt Mirecourt verließ er nie. Seine seit 1923 mit „Émile OUCHARD“, teilweise aber auch noch mit „CUNIOT-HURY“ gestempelten Bögen sind von hoher Qualität; mehrere bekannte Bogenbauer gingen bei ihm in die Lehre, darunter Paul Audinot, Louis Brugerè, François Lotte, Marcel Mangenot und noch einige mehr. Anspruchsvoll und streng, wie er war, legte Émile François Ouchard auch den Grundstock für den Ruhm und die Wertschätzung, die seine Nachkommen bis heute genießen.


Émile Auguste Ouchard: Eine hohe Auszeichnung und neue Ufer


Émile Auguste Ouchard wiederum etablierte sich rasch in Paris. Seine Arbeiten hatten sich schon in Mirecourt durch eine zunehmende Eigenständigkeit gegenüber den väterlichen Gestaltungsvorgaben ausgezeichnet; zudem hatte Émile Auguste Ouchard auf Anregung von Max Millant eine besondere Froschbahn aus Metall entworfen, die eine Modifikation der so genannten „Hill-Bahn“ darstellt und eine große Zuverlässigkeit und Langlebigkeit der auf diese Weise gebauten Frösche sicherstellt, indem sie den Abstand zwischen Frosch und Stange minimiert. In Paris entwickelte Émile Auguste Ouchard seine Fertigkeiten noch weiter, verfeinerte seinen Stil und gestaltete seine Bögen mit immer größerer Präzision. Bald hatte er sich einen guten Namen erworben und wurde bereits 1942 mit dem „Grand Prix“ der Pariser Handwerksausstellung geehrt.

Nicht näher bekannte familiäre Gründe veranlassten „Ouchard Fils“ dann 1946, den Schritt in die Neue Welt zu wagen: Wie für so viele europäische Auswanderer war auch sein erstes Ziel New York, wo Émile Auguste Ouchard als selbständiger Bogenmacher in der Werkstatt von Lazare Rudié mitarbeitete. 1948 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag bei „William Lewis & Son“ in Chicago für die ausschließliche Herstellung von Bögen; tatsächlich produzierte Émile Auguste Ouchard aber parallel auch noch auf eigene Rechnung und verkaufte diese Arbeiten bei seinen jährlichen Reisen nach Paris. Nach 13 Jahren, in denen er zwischenzeitlich auch in Illinois gewohnt hatte, kehrte „Ouchard Fils“ schließlich in sein Heimatland zurück und ließ sich zuerst in Gan, dann in Cognat-Lyonne (Allier) in der Nähe von Vichy nieder, wo er auch eine Werkstatt eröffnete. Eine bedeutsame Errungenschaft in dieser Zeit bildete ein von ihm kreiertes, für Geige, Viola, Cello und Kontrabass identisches Bogenmodell, das allein durch seine Maße zugeordnet werden kann. Ein Schlaganfall, den Émile Auguste Ouchard kurz nach seiner Rückkehr erlitt, führte zwar zu einer gewissen Beeinträchtigung seiner bis dato großartigen handwerklichen Präzision und Produktivität; trotzdem übte er seinen Beruf bis zu seinem Tod in Gan am 14. Februar 1969 aus. Seine Werke, gestempelt mit „E.A. OUCHARD Fils“, „E.A. OUCHARD PARIS“, „Émile A. OUCHARD – NEW YORK“ oder zuletzt einfach „Émile A. OUCHARD“ sind bis heute bei anspruchsvollen Musikern und Sammlern beliebt.


Jean-Claude Ouchard


Aus Émile Augustes erster Ehe mit Andrée Marie Charlotte Petot gingen vier Kinder hervor, darunter die Söhne Bernard Ouchard und Jean-Claude Ouchard, die die Familientradition fortführten. Jean-Claude Ouchard, der jüngere von beiden, geboren am 6. Mai 1935, wurde ab 1949 von keinem Geringeren als Louis Bazin ausgebildet, später von seinem Onkel François Lotte. Auch er arbeitete einige Jahre lang im Ausland – erst in New York und, nach einem kurzen Intermezzo in Mirecourt, in Amsterdam, wo er sich auf Bogenrestauration spezialisierte –, doch von 1968 an lebte auch er wieder in Frankreich, wo er bis zu seiner Pensionierung teils als Lehrer, teils selbständig und zuletzt auch in Festanstellung bei der Firma „Cablé“ tätig war.


Bernard Ouchard


Sein älterer Bruder Bernard Ouchard (15. Februar 1925 – 2. Juni 1979) scheint jedoch die größere Nachwirkung zu genießen; unter Musikern gilt er als einer der größten Bogenbauer Frankreichs. Wie schon „Ouchard Fils“ begab auch Bernard Ouchard sich als 13-Jähriger in die Lehre bei seinem eigenen Vater. 1941 folgte er ihm nach Paris, wo er mit ihm arbeitete, bis er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs der französischen Armee beitrat. Nach Kriegsende ging Bernard Ouchard jedoch eigene Wege: Anstatt seinen Vater, von dem sich der eher introvertierte Bernard offenbar charakterlich stark unterschied, nach Amerika zu begleiten, blieb Bernard Ouchard noch ein paar Jahre in Paris – auch diese Vater-Sohn-Beziehung scheint also nicht von besonderer Harmonie geprägt gewesen zu sein. Anschließend arbeitete er über 20 Jahre lang für Alfred Vidoudez in Genf, bis Bernard Ouchard 1971 als Professor für Bogenbau nach Mirecourt berufen wurde. Er wirkte hier bei der Ausbildung einer neuen Generation von jungen, talentierten Bogenbauern mit, die den traditionellen französischen Bogenbau wiederbeleben sollten. Diese Rückbesinnung auf die alten Schulen – sprich auf Tourte oder auch Peccatte – und die treue Weitergabe ihrer Maximen gehört zu den bleibenden Lebensleistungen Bernard Ouchards. Größen wie Benoit Rolland oder Stephane Thomachot gingen aus seiner Schule hervor. Das Gros seiner Arbeiten trägt den Stempel der Firma Vidoudez, nur wenige sind mit „OUCHARD“ gekennzeichnet. Bernard Ouchard starb 1979 in Vittel.




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