Suche:
corilon violins

Suche

Instrumenten-Finder

Welchen Klang suchen Sie?
Sie können nur eine oder mehrere Eigen­schaften auswählen und beliebig kombinieren.

Instrumente
Herkunft
Jahr
Klang

Informations-Archiv

Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus

Weiter zum Archiv

corilon violins

John Dodd: Eine Legende von Austernschalen und Silberlöffeln


John Dodd, der legendäre Begründer des englischen Geigenbogenbaus, lebte und arbeitete unter ärmlichsten Bedingungen. Notizen zu Leben und Werk.


Eine untersetzte Gestalt mit watschelndem Gang, unterwegs in London zwischen billigen Kneipen und einem ärmlichen Werkstattraum, wo sich die Planken alter Fässer stapeln; gekleidet mit einem abgetragenen Mantel, in dessen Taschen Austernschalen klirren, die sich der misstrauische, durchaus verschrobene Handwerker zusammenbettelt, um Perlmutt für Streichbögen daraus zu schaben. Bögen, wie sie England noch nicht gesehen hat; Bögen, deren Erlös längst schon verbraucht ist, bevor sie sein Haus verlassen und sich aufmachen, den Ruhm ihres Schöpfers zu begründen. Den Ruhm eines kleinen Mannes, der kaum mehr schreiben kann als seinen Namen, und der zu Lebzeiten kein rechtes Auskommen mehr finden wird.

Unter den frühen Meistern des modernen Streichbogenbaus, von denen viele aus ärmlichen Verhältnissen stammten,
ist John Dodd sicher eine der berührendsten Figuren. Geboren 1752 im schottischen Stirling, wurde der Sohn des Bogenbauers Edward Dodd (1705-1810) zunächst Büchsenschlosser und Goldwaagenmacher; Berufe, die ein hervorragend ausgeprägtes feinmechanisches Talent belegen und sich später in qualitätvollen Bogenmonturen niederschlagen sollten. Sein Werdegang offenbart damit bereits früh eine geheimnisvolle Verwandtschaft mit seinem großen französischen Zeitgenossen François Xavier Tourte (1747/48-1835), der als der Erfinder des modernen Geigenbogens gilt und zunächst als Uhrmacher ausgebildet wurde.

Es gehört zu den erstaunlichen Zügen der Geschichte, dass sich mit Tourte und Dodd zur gleichen Zeit zwei Meister entwickelten, die zu den größten ihrer Zunft zählen und in ihrer Arbeit durchaus ähnliche, epochemachende Resultate erzielten, ohne viel voneinander gewusst zu haben. In ihrer komplexen Geometrie und meisterhaften Ausgewogenheit stehen John Dodds Arbeiten denen Tourtes kaum nach, und wenn ihnen ein Mangel zugeschrieben werden kann, so ist es vor allem die geringere Länge mancher Stangen, die für das solistische Spiel gewisse Einschränkungen mit sich bringt.

Diese Eigenschaft mag in vielen Fällen mit den schwierigen Umständen zusammenhängen, unter denen John Dodd seine Materialien beschaffen musste: Nagellöcher in dem – erstklassigen – Fernambuk mancher Bögen offenbaren die Herkunft des Holzes aus den Planken alter Fässer. Überhaupt muss sich John Dodd durch eine erstaunliche Improvisationsgabe ausgezeichnet haben, die es ihm ermöglichte, in den einfachsten Verhältnissen großartige Geigenbögen zu bauen. Nicht selten soll John Dodd das Silber für die Montur besonders guter Arbeiten aus dem Besteck seiner Haushälterin gewonnen haben. Mit selbstgefertigten, kuriosen Werkzeugen führte er seine unkonventionelle Schnittechnik aus, die er entwickelt hatte, und die die enorme Stabilität seiner Bogenstangen begründete.

John Dodd scheint, aus der täglichen Erfahrung des Mangels heraus, in seinen Fertigkeiten und seinem Wissen das Kapital gesehen zu haben, das ihm nicht zu nehmen war, solange er es nur gut genug verbarg. Nicht einmal für die erhebliche Summe von 1.000 Pfund Sterling wollte er das Geheimnis aufdecken, wie er das Holz für eine neue Stange schnitt; kein Lehrling wurde in das Arkanum dieses Meisters eingeführt, der am 4. Oktober 1839 als hoch betagter, vollkommen verarmter und kranker Mann im Armenhaus von Richmond starb. Geblieben sind seine meisterhaften Bögen, Marksteine der Instrumentengeschichte, die er als einer der ersten mit einem Namensstempel versah. Seine Zeichen „Dodd“ bzw. „J. Dodd“ avancierten rasch zu einer beliebten Marke, mit der zahlreiche Werkstätten und Manufakturen den ersten großen Meister des englischen Bogenbaus, der nie eine Tradition begründen wollte, in Anspruch nahmen.



Verwandte Beiträge:

James Tubbs: Der Klassiker des englischen Streichbogenbaus

W. E. Hill & Sons, Auf dem Parnass der Geigenbaukunst

Beares, J. & A. Beare, London: Expertise im Wandel der Zeiten

Einführung „Der Geigenbogen“



Aus unserem Onlinekatalog:

Feine Streichinstrumente

Englische Geigenbögen

Violinen

Cellobögen



 

Corilon violins • Lilienstrasse 2 • D-81669 München
Phone: +49 (0)89-444 19 619 • Fax: +49 (0)89-444 19 620
mail@corilon.comwww.corilon.com

Neuzugänge in unserem Katalog:
  • Deutsche Geige um 1920, Da Salo - Modell
  • Feine französische Meistergeige, Victor Aubry, 1931
  • Deutsche Geige, klassische sächsische Tradition, um 1880
  • James Tubbs, feiner englischer Violinbogen
  • Deutscher Geigenbogen - sehr gute Spieleigenschaften
  • Italienische Geige, wahrscheinlich Padova, spätes 18. Jahrhundert
  • Sehr gute Markneukirchener Geige von C. G. Schuster jun.
  • 3/4 - sächsische 3/4 Meistergeige, nach Guarneri
  • 3/4 - aussergewöhnliche deutsche Stradivarikopie, um 1900
  • Historische Geige von Johann Georg Leeb, Preßburg, 1786
  • Italienische Geige mit strahlend-schmelzendem Klang, um 1920
  • Claudio Gamberini, professionelle italienische Geige, 1930
  • Tertis Modell: Deutsche Bratsche von Alois Schöttl, Ludwigshafen 1938
  • Zeitgenössische italienische Meistergeige, Nicola Vendrame
  • Riccardo Bergonzi, zeitgenössische Cremoneser Meistergeige
  • Feiner Meisterbogen, Violine, Emil Max Penzel
  • 3/4 - warme Klänge: französische 3/4 Geige
  • 3/4 - feine französische 3/4 Violine aus Mirecourt
  • 3/4 - antike Mittenwalder 3/4 Geige
  • 3/4 - französische Violine nach Guarneri
  • 3/4 - Mittenwalder 3/4 Geige, 20. Jahrhundert
  • 1/2 - Mittenwalder Geige, Sebastian Hornsteiner, 1970
  • 1/2 - seltene Mittenwalder 1/2 Geige
  • Mittenwalder Geige, Johann Reiter, 1922, opus 42