Morizot, père et frères: Die kurze Geschichte einer großen Bogenbauer-Familie
Louis Joseph Morizot und seine Söhne gehören zu den wichtigsten Repräsentanten des französischen Bogenbaus im zwanzigsten Jahrhundert. In der Nachfolge des modernen Klassikers Eugène Sartory avancierten Morizot père und Morizot frères zu einem der erfolgreichsten Ateliers ihrer Heimatstadt Mirecourt.
Wie viele andere Bogenbauer seiner Zeit begann Louis Joseph Morizot seine Laufbahn in den bescheidenen Verhältnissen der Arbeiterschaft des späten 19. Jahrhunderts. Geboren am 22.3.1874 in Darney (Vogesen) als Sohn eines Eisenarbeiters, war er nach seinem Großvater Guillaume Maline (1792-1859) der zweite Bogenbauer der Familie. Entscheidende Anregungen zur Wahl seines Berufs könnte Louis aber auch von seinem Schwiegervater Charles Claude Bourbon (1846-1914) bekommen haben, der sich als Bautischler im Nebenerwerb mit dem Geigenbau befasste und vielleicht sogar erste Geschäftskontakte bot.
Der junge Morizot erlernte seine Kunst in der Werkstatt von Eugène Cuniot-Hury (1861-1912) und stellte sein Talent später bei Charles Nicolas Bazin (1847-1915) unter Beweis, dem in dieser Zeit einflussreichsten Meister in Mirecourt. Entscheidende Impulse für sein eigenes Werk verdankte Morizot aber vor allem dem großen Eugène Sartory (1871-1946), für den er ab ca. 1914 tätig war, bis er im Jahre 1919 seine eigene Werkstatt in der Rue Saint Georges Nr. 5 eröffnete. Hier bildete er ab 1920 fünf seiner sechs Söhne aus, von denen keiner die väterliche Werkstatt verlassen sollte. Ihre enge familiäre Zusammenarbeit legte das Fundament für den großen Erfolg von „Louis Morizot et ses Fils“, und bald belieferte das Unternehmen alle Geigenbauer in Mirecourt und viele namhafte Ateliers in ganz Frankreich. Mehrere Auszeichnungen auf der großen Kunsthandwerksausstellung von Paris belegen den guten Ruf des Hauses, das den Bazins längst ebenbürtig geworden war.
1937 übernahmen die Brüder die Leitung der familiären Werkstatt und führten sie als „Morizot frères“ weiter; in perfekt organisierter Arbeitsteilung führte jeder die Aufgaben aus, die seinem Talent am besten entsprachen: Louis Gabriel arbeitete vor allem an Bassbögen und Fröschen, Marcel Louis an einfacheren Stangen, während André Auguste der geschickteste „Bieger“ war und die besten, silber- und goldmontierten Bögen fertigte. Paul Georges oblagen die Bewicklung, Behaarung und das Polieren der Bögen, und Paul Charles, genannt „le chef“, führte die Geschäfte und fertigte in der verbleibenden Zeit Frösche.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten die Morizots zehn Jahre höchster Produktivität, in denen sie ihre größten geschäftlichen Erfolge erzielten, und man kann nur vermuten, warum ihnen der zweite Generationswechsel nicht glückte. War die gut ausbalancierte familiäre Produktion zu starr, um den Enkeln oder talentierten Lehrlingen wie Bernard Millant Raum zu geben? Spielte die strenge Orientierung am traditionellen Bogenmodell eine Rolle? Während der französische Bogenbau in den 1960er Jahren neue Wege suchte, sank der Stern der Morizots, beginnend mit dem Tod des Vaters am 15.8.1957, dem Paul Georges am 23.7.1959 folgte. Am 16.2.1969 starb Marcel Louis, genau ein Jahr danach Paul Charles. Nach der Schließung der Werkstatt im Jahr 1970 setzte sich Louis Gabriel in Vittel zur Ruhe und lebte dort bis zum 2.6.1988. André Auguste Morizot zog zum jüngsten der Brüder, René (1917-2001), der als einziger Geigenbauer geworden war, und arbeitete als letzter Bogenbauer der Familie noch bis zu seinem Tod am 6.2.1978.
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