Giovanni Paolo Maggini – Notizen zu Leben und Werk

Giovanni Paolo Maggini gehört zu den einflussreichen historischen Persönlichkeiten des altitalienischen Geigenbaus und ist neben seinem Lehrer Gasparo da Salò der zweite große Meister der Schule von Brescia.

Übersicht:

Maggini und der frühe italienische Geigenbau

Giovanni Paolo Maggini kam im Jahr 1580 in dem lombardischen Städtchen Botticino di Sera bei Brescia zur Welt. Schon als Knabe von kaum 8 Jahren verließ er die bescheidenen Verhältnisse seines Elternhauses, um bei Gasparo da Salò das Geigenbauerhandwerk zu erlernen – und schließlich selbst zu einem der bedeutendsten Meister seiner Zeit zu werden. Die bemerkenswerte Entwicklung Magginis, sein offenkundiger Erfolg in der Musikwelt des frühen 17. Jahrhunderts und sein bis heute anhaltender Ruhm sind kennzeichnend für diese Epoche der Musikinstrumentengeschichte, in der sich die Violine von ihren spätmittelalterlichen Vorläufern, den Gamben und den Instrumenten der Viola-da-Braccio-Familie zu emanzipieren begann, um im Werk des Cremonesers Antonio Stradivari schließlich die grundlegende Definition ihrer bis heute gültigen Bauprinzipien zu finden.

Befeuert von der aufblühenden Musikkultur des Frühbarock bot der Geigenbau talentierten Handwerkern wie G. P. Maggini und seinem Lehrer Gasparo da Salò, der zu den frühesten bekannten Geigenbauern im engeren Wortsinn gehört, die Aussicht auf einen so auskömmlichen Broterwerb, dass ihnen hinreichend Spielraum für jene Experimente blieb, durch die das Violinmodell innerhalb weniger Jahrzehnte heranreifen konnte – was die Nachfrage nach noch besseren und noch prachtvoller ausgestatteten Streichinstrumenten umso mehr förderte.

G. P. Maggini als Schüler von Gasparo da Salò

In jungen Jahren kam Maggini 1588 als Lehrling zu dem längst gut etablierten Gasparo Bertolotti, genannt da Salò, dessen Brescianer Werkstatt über die Grenzen Italiens hinaus für seine innovativen, klangschönen Instrumente berühmt war. Weshalb dieser Beruf für den Knaben gewählt wurde und wer ihm die Tür zu einer Ausbildung in diesem renommierten Hause öffnete, ist nicht bekannt. Wir wissen aber, dass Maggini bis in sein 21. Lebensjahr hinein bei da Salò blieb und in dieser Zeit eine der besten Ausbildungen erfuhr, die sich ein liutaio seiner Zeit wünschen konnte.

Epochen der Werkbiographie von G. P. Maggini

Als Lehrling und Mitarbeiter da Salòs war Giovanni Paolo Maggini selbstverständlich an die Abläufe und Vorgaben des Meisters gebunden, doch ist auch die erste Phase seiner selbständigen Arbeit noch klar vom Violinmodell seines Lehrers geprägt. Man wird dem jungen Meister Maggini kein zu großes Unrecht tun, wenn man darin eine durchaus pragmatische Entscheidung sieht – war das Modell von da Salò doch gut am internationalen Markt eingeführt; und dass es G. P. Maggini in dieser Zeit mit der Holzwahl und den baulichen Details nicht allzu genau nahm, spricht wohl nicht für eine mangelhafte Ausbildung oder ein geringes Talent, sondern vielmehr für einen gewissen Pragmatismus, mit dem er seine wirtschaftliche Existenz aufbaute.

Erste Experimente mit unterschiedlichen Hölzern, darunter ausgefallene Materialien wie Pappel, Platane, Nuss und Birnbaum, läuten die zweite Phase in seinem Werk ein, in der Maggini an einer umfassenden Neuformulierung der Violine als eines immer noch jungen Instrumententyps arbeitete. Aufwändig dekorierte Werke mit prachtvollen Intarsien, zum Teil aus Perlmutt und Elfenbein, stehen für die ästhetische Weiterentwicklung der Kunst von G. P. Maggini, während ein zunächst höher gewölbtes, später wieder flacher gehaltenes, vergleichsweise großes Geigenmodell sein hohes Interesse an einem kraftvolleren Ton repräsentieren.

Aus diesen Versuchen und einem anzunehmenden genauen Studium von Arbeiten der Amati-Familie in Cremona – Maggini war ein 16 Jahre älterer Zeitgenosse des großen Nicolà Amati und nimmt dadurch schon rein biographisch eine interessante Mittlerposition zwischen den Generationen ein – resultierte schließlich die gereifte Maggini-Violine mit ihren niedrigen Zargen, langgestreckten F-Löchern von einer unverkennbaren Form und der oft doppelt geführten Randeinlage, die unter späteren Geigenbauern zu einem oft kopierten Merkmal seines Stils werden sollte. Entscheidender für den Klang dieser Geigen ist jedoch, dass Maggini im Laufe der Jahre die richtige Verteilung der Stärke von Decke und Boden im Detail studiert, berechnet und optimiert hatte.

Giovanni Paolo Magginis Tod und Vermächtnis

Als G. P. Maggini im Jahr 1632 der Pest zum Opfer fiel, wurde seine Werkstatt vermutlich von Santo de Santis, einem Freund, übernommen, der sie fortan unter dem Namen „Pietro Santo Maggini“ weiterführte und in der Literatur lange Zeit für einen Sohn Magginis gehalten wurde. Zu den offenen Fragen des Maggini-Erbes gehört, in welchem Umfang Pietro Santo, ein gelernter Zimmermann, selbst Instrumente gebaut hat – oder ob er auf einen umfangreicheren Nachlass fertiger oder halbfertiger Arbeiten zurückgreifen konnte.

Während die unmittelbaren Wirkungen von Giovanni Paolo Maggini auf folgende Generationen weitgehend im Dunkel liegen, da keiner seiner Schüler überragende Bedeutung erlangte, nimmt die Forschung dennoch an, dass Magginis Arbeit das Werk der Cremoneser „Konkurrenten“ Andrea Guarneri – Großvater des berühmten del Gesù – und Antonio Stradivari mehr als nur marginal beeinflusst hat. Wie die meisten altitalienischen Klassiker geriet auch Giovanni Paolo Maggini zunächst in Vergessenheit, als das Geigenmodell Jakob Stainers seinen dominierenden Einfluss auf die Epoche des Barock entfaltete, fand jedoch mit der Rückbesinnung auf die lombardischen Wurzeln des Geigenbaus zu einer neuen Wertschätzung, die sich nicht zuletzt in häufigen Nachahmungen der einzigartigen Ornamentik Magginis seit dem frühen 19. Jahrhundert äußerte.

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