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Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


Bazins Enkel: Streichbogenbau in bewegter Zeit


Teil 2 der Geschichte der Bogenbauer-Dynastie Bazin in Mirecourt:
Das zwanzigste Jahrhundert. Louis Bazin, Alfred Bazin und René Bazin


Charles Nicolas Bazin (Nicolas Bazin) starb am 6.12.1915, nachdem er sein Unternehmen 1907 an seinen Sohn Charles Louis Bazin (Louis Bazin) übergeben hatte. Als der jüngste, am 21.9.1881 geborene Nachkomme der Familie gab Louis Bazin der Werkstatt ein neues, repräsentatives Domizil in der Rue Estivant in Mirecourt. Nachdem der Erste Weltkrieg die weiterhin gut gehenden Geschäfte nur vorübergehend unterbrochen hatte, nahm Louis Bazin weitere Veränderungen am Bogenmodell seines Vaters vor und erweiterte den Zubehör-Handel, ab 1922 unterstützt durch seinen am 22.11.1907 geborenen Sohn Alfred Bazin. Wieder führten ein Vater und ein Sohn Bazin gemeinsam das Familienunternehmen, bis zum Zweiten Weltkrieg, der den Betrieb erneut unterbrach. 1945 eröffnete Alfred Bazin seine eigene Werkstatt in der Rue du Neuf Moulin, übernahm aber 1952 doch noch die – inzwischen stark verkleinerte – väterliche Firma.

Nach nur einem Jahr des Ruhestands starb Louis Bazin am 11.11.1953; Alfred Bazin reduzierte danach die Geschäfte weiter, arbeitete nicht mehr für Geigenbauer, sondern nur noch für einen begrenzten, exklusiven Kundenkreis. Mit dem Gewicht des guten Namens Bazin und erheblicher persönlicher Hartnäckigkeit erreichte er, dass das Wort „archetier“ als offizielle Berufsbezeichnung in das französische Wörterbuch Eingang fand, und setzte die Benennung einer Straße in Mirecourt nach seinem Großvater Nicolas Bazin durch. Der große Vorfahre wäre auf das Engagement seines Enkels sicher stolz gewesen, schließlich hatte er sich selbst als Stadtrat für die Belange seiner Zunft und seiner Heimatstadt eingesetzt und – als vermutlich wichtigsten Erfolg – die Anerkennung der Bogenbauer als Kunsthandwerker erreicht, womit eine deutliche Reduzierung der Wehrpflicht verbunden war.

Auf ganz andere Weise prägten die Zeitläufte das Leben von Alfreds Bruder René Bazin (16.8.1906-30.12.1982), der nach Jahren der Selbständigkeit in Mirecourt und Lille im Jahr 1942 als Kriegsgefangener in die Stuttgarter Werkstatt von Fridolin Hamma kam – und dort nach Kriegsende noch bis 1948 als Angestellter weiterarbeitete. Nach einem kurzen Intermezzo in Suresnes bei Paris ließ er sich 1952 in München nieder, wo er als deutscher Staatsangehöriger bis zu seinem Tode lebte – eine europäische Biographie, wie es sie in diesen Jahren nur sehr selten gegeben hat.

Keine fünf Jahre nach René Bazin, am 24.3.1987 starb Alfred Bazin, der letzte Angehörige der großen Bogenbauer-Dynastie Bazin.


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