Suche:
corilon violins

Suche

Informations-Archiv

Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus

Weiter zum Archiv

corilon violins

Ludwig Bausch: Der „deutsche Tourte“

Ludwig Bausch gehört zu den großen Meistern des europäischen Bogenbaus, denen eine angemessene historische Würdigung weitgehend vorenthalten geblieben ist. Diese Vernachlässigung ist nur auf den ersten Blick erstaunlich, denn ungeachtet der Bedeutung, die der Bogen für das Spiel und die historische Entwicklung von Geige, Bratsche und Cello hat, genießen auch die hervorragendsten Bogenmacher längst nicht die Bekanntheit von Geigenbauern wie Stradivari, Pressenda oder Vuillaume. Die Gründe für dieses Missverhältnis sind vermutlich in der besonderen Expertise zu suchen, die die Beurteilung der Qualität und der Provenienz eines Bogens erfordert. Ihr Übriges mag die Unsicherheit leisten, die die zahlreichen und leicht hergestellten Kopien der Meisterstempel großer Bogenmacher verursachen. Dieses Schicksal teilt auch der Stempel „Bausch“, den eine große Zahl falscher Bögen von fragwürdiger Qualität für sich beansprucht. So kommt echten Arbeiten aus dem Hause Bausch zwar bis heute große Anerkennung zu, jedoch bevorzugt in den elitären Kreisen von Kennern und Fachleuten. In einer weiteren Öffentlichkeit darf dieser bedeutende Name als Geheimtipp gelten.


Neuzugänge in unserem Online-Katalog:



Historischen Rang kann das Werk des 1805 in Naumburg geborenen Ludwig Bausch gleichwohl mit Recht beanspruchen, der den modernen Streichbogen nach dem Vorbild des französischen Meisters François Xavier Tourte in Deutschland eingeführt hat, in Form seines eigenen, durchaus selbständigen Bogenmodells. Mit ihm erwarb er sich den Ehrennamen „deutscher Tourte“, der freilich im patriotischen Sinne des späten 19. Jahrhunderts zu verstehen, aber auch höchst angemessen ist, angesichts des Einflusses, den Ludwig Bausch auf Generationen deutscher Bogenmacher ausübte.

Auf welchen Wegen Bausch zur Bogenmacherei kam, gehört zu den offenen Fragen der Geschichte. Nach seiner Ausbildung zum Geigen- und Lautenmacher beim Dresdener Hofinstrumentenmacher Johann Benjamin Fritzsche ließ sich Bausch 1825 zunächst in der Elbmetropole nieder, um bereits 1828 nach Dessau zu wechseln. Dort muss Bausch die entscheidenden Schritte zur Entwicklung seines Bogenmodells getan haben, vermutlich in Kontakt mit dem großen Violinisten, Komponisten und Pädagogen Louis Spohr, der seinerseits zu den einflussreichsten musikalischen Persönlichkeiten seiner Zeit gehörte – bewiesen ist die Zusammenarbeit beider Meister allerdings nicht.

1839 zog der mittlerweile zum Dessauer Hofinstrumentenmacher avancierte Ludwig Bausch nach Leizpig und befasste sich dort fast ausschließlich mit dem Bogenbau. Auch die Stellung eines nassauischen Hofinstrumentenmachers, die Ludwig Bausch von 1861-1863 in Wiesbaden einnahm, war offenkundig nicht attraktiv genug und blieb ein Intermezzo. 1840 mit einer Silbermedaille der Sächsischen Industrieausstellung ausgezeichnet, schrieb das Unternehmen Bausch seine stetige Erfolgsgeschichte weiter, nicht zuletzt durch Ludwig Bauschs Söhne: Nachdem Ludwig Bausch jun. Lehrjahre in New York verbracht hatte und Otto Bausch bei Jean Vauchel ausgebildet worden war, erweiterten sie ab 1860 das Unternehmen zur Manufaktur „Ludwig Bausch & Sohn“, die sich international rasch etablierte. Mit dem frühen Tod der Brüder – Ludwig jun. starb 1871 wenige Wochen vor seinem Vater, Otto im Jahre 1875 – fand diese vielversprechende Bogenmacherdynastie ihr frühes Ende. Ihr Unternehmen aber profitierte von der Lebensleistung der Familie weiter, bis zu seiner Auflösung im Jahre 1908, geführt von dem langjährigen Bausch-Mitarbeiter Adolf Wilhelm Eduard Paulus und seinem Sohn Adolf Paulus jun.


Verwandte Beiträge in unserem Info-Archiv:


Eugène Nicolas Sartory: Ein moderner Klassiker des Bogenbaus

James Tubbs: Der Klassiker des englischen Streichbogenbaus

H. R. Pfretzschner – eine biographische Skizze



>>> Zur Übersicht unserer Einführung "Entwicklung des Geigenbogens"

In unserem Online-Katalog finden Sie Geigenbögen von Ludwig Bausch und anderen Meistern.

Neuzugänge in unserem Katalog:
  • Paul Weidhaas, edler deutscher Geigenbogen
  • Feine Mittenwalder Violine um 1780, Karner Schule
  • 3/4 - seltene französische Kindergeige
  • Paul Bisch, französische Meistervioline No. 394
  • Charles Nicolas Bazin, französischer Geigenbogen
  • Klingenthaler Violine von F. A. Glass
  • Mittenwalder Geige mit hellem Klang
  • Französischer Geigenbogen, J.T.L.
  • Emil Max Penzel, kräftiger Geigenbogen
  • Aktiver deutscher Geigenbogen, silbermontiert
  • Charles Louis Bazin für Gustave Bernardel: feiner Cellobogen
  • Deutsche Bratsche mit reichem Dekor
  • Feine Mittenwalder Meistervioline
  • Feine Neuner & Hornsteiner Violine um 1870
  • 1/8  - Seltene Zwischengrösse, französische 1/8 Violine um 1850
  • Bratschenbogen, F.C. Pfretzschner
  • 1/2 - seltene Mittenwalder Geige
  • Französische J.T.L. Violine um 1930
  • 7/8 - Feine Berliner Meistergeige von O. Möckel
  • Italienische Meistergeige, Giovanni Schwarz, Venedig (Zertifikat Eric Blot)
  • Französische Solistenvioline, um 1860
  • 18. Jahrhundert: Feine Violine nach Stainer, Franz Knitl, 1769
  • Seltene Violine von Matthias Hornsteiner II, gen. „Dax“ (Zertifikat Caressa et Français, Köstler)
  • Mittenwalder Meistergeige, frühes 19. Jahrhundert (Zertifikat H. Köstler)