Suche:
corilon violins

Suche

Instrumenten-Finder

Welchen Klang suchen Sie?
Sie können nur eine oder mehrere Eigen­schaften auswählen und beliebig kombinieren.

Instrumente
Herkunft
Jahr
Klang

Archiv

Vertiefende Beiträge über Streichinstrumente und die Geschichte des Geigenbaus


corilon violins

James Tubbs: Der Klassiker des englischen Streichbogenbaus


James Tubbs: Das bewegte Leben des großen Streichbogenbauers und Meisters der englischen Schule


James Tubbs (1835-1921) gilt als der einzige europäische Meister des Streichbogenbaus, der der großen französischen Tradition des 19. Jahrhunderts ein ebenbürtiges und eigenständiges Werk entgegensetzen konnte. Als herausragender Vertreter seiner Familie, die über fünf Generationen Streichbögen fertigte, ist James Tubbs, der „englische Tourte“ zugleich Inbegriff der englischen Schule, neben seinem legendären Vorgänger John Dodd. James Tubbs wurde am 25. März 1835 in London geboren, als erstes von elf Kindern einer armen Familie, die mit dem Bogenbau seit zwei Generationen mehr schlecht als recht ihren Unterhalt verdiente. James wuchs in einem der Stadtviertel auf, die den Armenquartieren in Charles Dickens Oliver Twist Modell gestanden haben. Er erlernte den Bogenbau bei seinem Vater William II. Tubbs (1814-1878) und war vermutlich arbeitslos oder Tagelöhner, als er um 1858 begann, für das Traditionsunternehmen W. E. Hill & Sons zu arbeiten. Mit den Bögen des talentierten jungen Meisters gewann das renommierte Unternehmen bald wichtige Auszeichnungen.

James Tubbs, Geigenbogen um 1910 - Frosch

Feiner Geigenbogen, James Tubbs, um 1910

Herkunft: London
Erbauer: James Tubbs
Gewicht: 55,1 g
Jahr: 1910 circa

James Tubbs arbeitete für die Hills in einer eigenen Werkstatt und es ist anzunehmen, dass er nicht fest angestellt war, sondern in einem ebenso abhängigen wie unsicheren Verhältnis zu seinem Auftraggeber stand. Vielleicht erklärt sich so auch der kleine Skandal, den James Tubbs in seinen späten Jahren verursachte, als er an manchem Hill-Bogen, dessen er habhaft werden konnte, nachträglich seinen eigenen Stempel hinzufügte. Ungeachtet der schwierigen Verhältnisse zu Beginn seiner Laufbahn ermöglichte ihm sein Erfolg, in den folgenden Jahren mehrmals neue Räumlichkeiten in London zu beziehen, bis er seine Werkstatt schließlich Anfang der 1870er Jahre in die Wardour Street Nr. 94 verlegte. Kurz zuvor hatte sich James Tubbs endgültig selbständig gemacht und entwickelte sein eigenes Bogenmodell, das zwar seine frühere Orientierung an Tourte nicht verleugnet, aber dennoch eine eigenständige Meisterleistung des europäischen Bogenbaus darstellt. Seine größten Erfolge feierte James Tubbs in den 1880er Jahren, in denen er Bögen für berühmte Musiker wie August Wilhelmj schuf und zum Hofbogenmacher des Duke von Edinburgh ernannt wurde. In den 1890er Jahren entwickelte er seinen Bogen nochmals weiter, indem er er die mathematischen Überlegungen von W. S. B. Woolhouse aufnahm, der – ähnlich Vuillaume in seinen Forschungen zu Tourte – ein logarithmisches Stangenmodell empfahl. Besonders prachtvolle, gold- und silbermontierte Bögen mit kunstvollen Gravuren und Inschriften fertigte Tubbs zu seinen Geburtstagen; ähnliche Arbeiten wurden zwischen 1876 und 1910 als Preise an die besten Studenten der Londoner Guildhall School und der Royal Academy of Music vergeben. 1891 trat sein 1863 geborener Sohn Alfred Tubbs in das Unternehmen ein, das sukzessive zu James Tubbs and Son umfirmierte. Um die Jahrhundertwende setzte sich der Vater in Ashford bei Staines zur Ruhe, überließ das Geschäft seinem Sohn und fertigte nur noch gelegentlich einzelne Bögen. Nach Alfreds plötzlichem Tod am 3. November 1911 kehrte James Tubbs noch einmal für einige Jahre in seine Werkstatt zurück; ein Grund dafür dürfte die Versorgung seiner Schwiegertochter gewesen sein, die sich ihrerseits um den alternden Meister kümmerte, bis zu seinem Tod im Jahr 1921.


Verwandte Beiträge:

J. & A. Beare, London: Expertise im Wandel der Zeiten

John Dodd: Eine Legende von Silberlöffeln und Austernschalen

Rembert Wurlitzer und der Weg der alten Geigen

Der Bogenmacher und Unternehmer H. R. Pfretzschner

Ludwig Bausch: Der "deutsche Tourte"

Einführung „Der Geigenbogen“

Neuzugänge in unserem Katalog
  • Deutsche Meisterbratsche Nr. 19, Markneukirchen / Erlbach, 1989
  • Roger François Lotte, feiner französischer Geigenbogen
  • Charmante antike französische Violine nach Antonio Stradivari
  • Kräftiger, aktiver Geigenbogen von Karl Heinz Richter - Silber
  • Französischer Geigenbogen, wahrscheinlich J.T.L., um 1920
  • Sehr feiner Französischer Bratschenbogen, Pierre Testa, Paris (Neubau)
  • Feine antike Mittenwalder Violine, Neuner & Hornsteiner, um 1870
  • Kräftiger deutscher Geigenbogen, Richard Geipel
  • Feine italienische Bratsche von Marcello Martinenghi, 1949 (Zertifikat Eric Blot)
  • Moderne Markneukirchener Geige, kunsthandwerklicher Geigenbau, 1992
  • Jacques Camurat: französische Meistergeige aus Paris, 1958
  • Albert Nürnberger: Kraftvoller, silbermontierter Geigenbogen
  • Französische Meistergeige No. 34 von Paul Hilaire, 1950
  • Aus dem Nachlass von Prof. Günter Szkokan: Feine Wiener Bratsche von Ferdinand Kugler, 1973
  • Feine Französische Violine, Andre Coinus, 1927
  • Antike Mittenwalder Geige um 1910, aus dem Lager Eugen Gärtner
  • Luigi Lanaro, moderne italienische Geige, 1975 (Zertifikat Eric Blot)
  • Jean-Joseph Honoré Derazey: Französische Violine (Zertifikat Hieronymus Köstler)
  • Zeitgenössische Italienische Meistergeige, Virgilio Cremonini, 2012
  • Italienische Violine von Francesco Cossu, 1979
  • Ältere Italienische Geige mit goldenem Klang, 1970er Jahre
  • Giuseppe Lucci, feine Italienische Bratsche, Rom 1967 (Zertifikat Eric Blot)
  • Moderne Italienische Geige, Piero Virdis, 2002 (Zertifikat Piero Virdis)
  • 3/4 - Deutsche 3/4 Meistergeige, gebaut 1950, A. Frisch